Hauskirchen: mein Unbehagen

Die verärgerte Reaktion von Richard auf meinen Post über Haus-/Megakirchen hat mich noch weiter nachdenken lassen. Ich versuche es jetzt mal ohne Ironie, Sarkasmus oder Satire. Mal sehen, ob es gelingt 🙂 Und um es noch einmal gleich vorweg zu sagen, ich habe nichts gegen Hauskirchen und alles, was dort entdeckt und gelebt wird!

Ich finde allerdings die Diskussion darüber streckenweise recht problematisch. Und das liegt zum großen Teil an den Gegensätzen, die dabei aufgebaut und gepflegt werden. Als ich Richards Post “einfach Gemeinde leben” las, wurde mir mein Unbehagen klarer. Er beginnt dort mit folgender Klage:

Was mich stört, ist der unsägliche Vergleich der Hausgemeinde als eines von mehreren Gemeindemodellen mit anderen.

und er schließt mit der Feststellung:

Das einzige “Gemeindemodell”, das meiner Meinung nach richtig ist, ist diese ausgewogene, ausballancierte Gemeinde und die finden wir in der Apostelgeschichte als Beispiel wieder.

Ich habe so meine Mühe mit diesem Anspruch, es gebe das Gemeindemodell schlechthin (und der Umkehrschluss, dass alle anderen falsch sind ergibt sich zwingend aus der Formulierung oben).

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Sich selber lieben?

Heute stand ich in der Buchhandlung vor einem Titel, der lautete: “Liebe dich selbst, und es ist egal, wen du heiratest”. Ich kam nicht mehr dazu, in dem Buch zu blättern und mir eine Meinung davon zu bilden. Angeblich »ein flammendes Plädoyer für das Abenteuer Beziehungen und eine Liebeserklärung an die Ehe«.

Was mir aber im Gedächtnis blieb, war diese Aufforderung, sich selbst zu lieben.

Immer wieder einmal habe ich mich (kürzlich erst auch im Gespräch mit anderen) gefragt, ob Jesus uns eigentlich dazu auffordert, uns (auch) zu lieben, oder ob er das als selbstverständlich gegeben voraussetzt und diese Tatsache zum Maßstab für die Liebe zum Nächsten macht. Hier sind ein paar Fragen für Euch:

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Späte Runde

Ich komme von einer Runde Joggen durch den abendlichen Wald. In den anbrechenden Dunkelheit auf Schnee zu laufen ist grandios. Die letzten Strahlen Tageslicht und das Streulicht der nahen Stadt erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre. Dazu die Stille und Einsamkeit und die klare Luft – das pure Vergnügen. (Martina nennt mich scherzhaft Silberrücken wegen der Kondenswassertröpfchen auf dem schwarzen Fleece). So lange ich noch nicht die Statur eines Gorillas habe, meinetwegen 🙂

Joggen war auch ein Thema bei Scot McKnight (iJoggers – gehts auch ohne Soundtrack?). In der neuen Abnehm-Kolumne der SZ (“Mein Bauch gehört mir”) quält sich der Autor etwas zu hochtourig durch den Olympiapark und klagt über allerhand Schmerzen, die vermeidbar wären, wenn er statt seinem Fußballtrainer einen vernünftigen Laufratgeber befragt hätte, zum Beispiel diesen:


“Lauffeuer. Das Lauf-Buch für Körper, Seele und Geist” (Martin Schramm)

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iRonie

Ironie ist nicht unbedingt jedermanns Sache und manchmal eine Gratwanderung, die zu Unfällen führen kann. Es lauern unter anderem die Abgründe des Zynismus und Sarkasmus, in die man abgleiten könnte. Und Satire überschneidet sich mit Spott. Warum lasse ich also nicht einfach die Finger davon? Verträgt sich diese Attitüde mit dem Glauben?

Als ich heute darüber nachdachte, fiel mir ein Abschnitt aus Endlich Nichtdenker. Handbuch für den überforderten Intellektuellen von Hannes Stein ein:

Für den, der mit der Gewohnheit des Denkens brechen möchte, ist die Ironie naturgemäß Feindesland. Sie ist das Reich des Bösen, verstrahltes Gelände, das finstere Mordor, in dessen Mitte das schlaflose Feuerauge glüht. Glücklicherweise verzichtet auf nichts Großartiges, wer um die Ironie einen weiten Bogen macht. Sie ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Zeichen von Schwäche; es gibt bei ihr – insofern ist der der Vergleich mit dem finsteren Reich Mordor treffend – nichts zu holen. Sieger sind nicht ironisch, nur die anderen müssen es sein. (…) Wie der polnische Dichter Ceslaw Milosz in einem seiner Gedichte konstatierte, ist sie die »Glorie der Sklaven«.

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Da isser ja

Kaum zu glauben nach diesem Unwinter: Es schneit doch noch, und nicht zu knapp. So sieht es momentan draußen aus:

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Ob jetzt alle wieder die Beunruhigung über den Klimawandel vergessen? An den Daten und Studien hat sich nichts verändert, auch wenn es bei uns nun weiß ist. Sagt einer noch mal Herrn Glos Bescheid, der unsere trägen Autobauer schon wieder vor Konsequenzen für ihre miesen Emissionswerte schützen und verbindliche Grenzwerte verhindern will?

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Geschlossene Gesellschaften

Es mag Ausnahmesituationen geben, aber in meiner Beobachtung war es die Regel, dass Gruppen und Gemeinden, die sich (ganz egal mit welcher pragmatischen oder “frommen” Begründung) gegenüber “Neuen” verschließen und abschotten, innerhalb absehbarer Zeit Auflösungserscheinungen zeigen.

Inzwischen würde ich sagen, diese Haltung der kollektiven Nabelschau ist schon ein klares Symptom dafür, dass der Verfall schon begonnen hat. Etwas ist erstarrt, das zunehmend mehr Risse bekommt wird und irgendwann zerbröselt.

Aber selbst wenn es stehen bliebe, seine Aufgabe erfüllt es längst nicht mehr. Wie sagte Vincent Donovan so treffend:

Ein nach innen gekehrtes Christsein ist eine gefährliche Imitation, eine irreführende Maskerade. Es ist gar kein Christentum.

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Fegefeuer der Eitelkeiten

Ich war noch nie ein großer Fan von Reinhold Beckmann, aber als ich gestern spät am Abend eine Weile mit ansah, wie er in der Gegenwart der nun 60-jährigen Apo-Ikone Uschi Obermaier hilflos dahinschmolz, kam die Sendung mir vor wie ein Sketch von Bully Herbig. Immerhin konnte er ihr mit viel Mühe ein lahmes Bekenntnis gegen Drogen aus der Nase ziehen.

Die bissigen Kommentar der Welt, der SZ und des Spiegel folgen auf dem Fuß. Und in Matusseks Kulturtipp fragt der Autor am Ende, warum Uschi Obermaiers im Druck erschienenen und von manchen Bewunderern gelobten “Abgründe” denn so tief sein müssen “wie eine Pfütze auf der Reeperbahn”. Jetzt.de bringt passend dazu folgenden O-Ton:

Irgendwann dachte ich selbst dann schon, ich sei dumm. Da sagte Rainer Langhans mir: ‚Uschi, du bist nicht dumm, du weißt halt nur nicht soviel.’ Wir waren halt jung und hatten keine Erfahrung.

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Gnade und/oder Recht?

Zwei Bücher über Vergebung liegen auf meinem Schreibtisch, nur kurz angelesen, weil noch andere Sachen dringender sind. In diesen Tagen entscheidet sich, ob die RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt begnadigt wird und wie das zu interpretieren wäre, dreißig Jahre nach dem gnadenlosen Kampf im “Deutschen Herbst” – und mit unübersehbaren Parallelen zum Amerika nach dem 11. September.

Da stellen sich grundlegende Fragen wie

  • Ist Reue oder Einsicht eine notwendige Voraussetzung für eine Begnadigung?
  • Muss man auf die (in diesem Fall unterschiedlichen) Meinungen und Gefühle der Angehörigen der Opfer hören?
  • Verhindert eine erfolgreiche Wiedereingliederung der Täter in die Gesellschaft neuen Terrorismus?

Nicht nur die Entscheidung der Richter und deren Begründung, sondern auch der Fortgang der Geschichte verspricht interessant zu werden.

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Spielt Größe (k)eine Rolle?

Dan Kimball hat sich mit ein paar Gästen aus China unterhalten und dabei zu hören bekommen, dass ohne staatliche Repression (sprich: in Freiheit) sich die Hauskirchen Chinas womöglich schnell Richtung Megakirchen koreanischer Prägung entwickeln könnten.

Für manche Surfer der antiinstitutionellen Welle, die Hauskirche als den letzten Schrei stilisieren (ich spar# mir die Links hier, ok?), wäre das zweifellos eine kleine Katastrophe. Ein Sündenfall, der nur noch von der konstantinischen Wende getoppt wird.

Aber vielleicht sollte man Dans Gedankenanstoß nutzen, sich von Megachurches als dunkler Folie bzw. als beliebtem Watschenmann zu verabschieden? In ein paar Jahrzehnten werden sie sonst wieder zum allein selig machenden Erfolgsrezept hochgeschrieben. Und das wollen wir ja auch nicht 🙂

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Billig-Job…

Der Verlag hat die Preisbindung für Mit Gott im Job aufgehoben – statt 12,90 kostet das Buch nun 5,95 €. Wer es haben oder verschenken will, kann und sollte jetzt zugreifen. Der Titel läuft nämlich aus. Wer es selbst abholt, kann seine Bestellung in den nächsten Tagen auch bei mir abgeben und ich lasse eine Kiste kommen – sagen wir 5 € das Stück?

Für die Thematik (keine bunten Bilder und tröstenden Worte, eher ein Männer- und damit Nichtleser-Thema), sagte der Verlag, hat es sich ganz gut verkauft. Wer eine Entscheidungshilfe braucht: Thomas Glörfeld hat es bei Amazon rezensiert.

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Ein Volk zieht den Kopf ein

Kyrill braust übers Land. In der Innenstadt gibt es mehr Parkplätze als am Sonntag. Die Geschäfte sind leer, manche schließen zwei Stunden eher. Die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals ist mir sicher. Aber ich habe auch keine rechte Ruhe mehr beim Stöbern, obwohl ich auch einen Termin auswärts absagen musste. Durch die Fassadenverkleidung des Kaufhauses heult der Sturm.

Inzwischen stehen die Züge bei der Bahn still. Die Grafik der Unwetterzentrale ist komplett rosarot – das habe ich noch nie gesehen – und die Mehrheit der Leser auf tagesschau.de hält diesen Un-Winter für eine Folge des Klimawandels. Früher hielt man einen Orkan für eine Theophanie gehalten – wie bei »höherer Gewalt« eher Unheil verkündend. Heute kann man spekulieren, ob es eine Art letzter klimatechnischer Weckruf sein könnte oder schon der Anfang unwiderruflicher Veränderungen mit unabsehbaren Folgen.

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Ein Hauch von Bond

Bigstring bietet die Möglichkeit, selbstzerstörende E-Mails zu verschicken. Konspirative Einweg-Botschaften also. Oder Mails, die vom Absender zurückgerufen und korrigiert oder aber vom Empfänger nicht ausgedruckt und weitergeleitet werden können.

Nebenbei erhält man auf der Website auch noch ein paar Tipps für den ganz normalen elektronischen Schriftverkehr: Nie im Zorn schreiben, kein Sarkasmus, kein Klatsch oder Lästern, nie Schluß machen per Mail (O-Ton: “Don’t ever break up with your significant other [aha – so sagt man jetzt?] via email”), und so weiter.

Die Quintessenz ist eigentlich eher Werbung für Skype:

“Never write when you can talk. Never talk when you can nod. And never put anything in an email.”

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Weisheit (2): Geheimnisvolle “Welt”

War aber für den Hebräer der Begriff Natur nicht vorgegeben (was wir uns freilich sehr schwer vorstellen können), so lag für ihn die Welt viel mehr im Unwägbaren, Unmessbaren, er war ihr gegenüber viel weniger, als wir denken, durch eine handliche Begrifflichkeit geschützt. Die Schwerfälligkeit des Hebräers in der Bildung von Abstraktbegriffen ist bekannt (…). “Welt” war für Israel wohl überhaupt mehr ein Geschehen als ein Sein.

Gerhard von Rad, Theologie des Alten Testaments I, S. 439f.

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Hiob und die Prüfungen

Mein Verhältnis zum Buch Hiob ist durch eine kleine Episode geprägt, die mit dem Inhalt eigentlich direkt nichts zu tun hat. Ich erinnere mich trotzdem gern dran:

Altes Testament war nicht gerade mein Studienschwerpunkt. Vor der Examensklausur war ich entsprechend angespannt (es war auch noch die allererste) – ein guter Grund, am Nachmittag zuvor für einen guten Verlauf zu beten. So eine Prüfung fördert ja hin und wieder die Gottesfurcht. 😉

Kurz darauf sprach ich mit einer Freundin, die mit mir zusammen gelernt hatte. Sie erzählte, sie habe auch gebetet und dabei den Eindruck gehabt, sie solle das Thema “Landnahme” noch einmal anschauen. Ich sagte, bei mir sei es ähnlich gewesen, nur empfand ich, dass Hiob dran käme. Also lernte sie ihr Thema und ich meines. Am nächsten Tag standen dann zwei Themen zur Auswahl: Hiob und die Landnahme…

Der Rest der Prüfungen verlief dann recht unspektakulär. Soll heißen: Man kann das natürlich nicht zur Methode machen. Trotzdem – auch mal schön, wenn sich Dinge so bestätigen.

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