Mitten in einem Text, der auf Englisch geschrieben ist, lese ich das deutsche Wort „Weltschmerz“. Ich stutze. Ist das denn ein typisch deutsches Gefühl? Vielleicht sogar ein echt fränkisches? Der Ausdruck stammt nämlich von dem Schriftsteller Jean Paul – und der war ja Oberfranke.
Weltschmerz, das ist eine Form von Melancholie und Traurigkeit über den Zustand der Welt, mich selbst eingeschlossen. Über die Kluft zwischen dem, wie es sein könnte, und wie es tatsächlich ist. Über die Tatsache, dass so viel sinnloser Schmerz in der Welt ist.
Auch 200 Jahre nach Jean Paul ist das noch ein Thema. Im Internet finden sich allerlei pragmatische Tipps, wie man den Weltschmerz loswird: Weniger Social Media, kein Doomscrolling, öfter mal Rausgehen, das Unvermeidliche akzeptieren.
Schön und gut, denke ich mir. Aber vielleicht zeigt sich im Weltschmerz ja auch eine tiefe Wahrheit, oder besser: eine Art Sehnsucht nach mehr als nur privatem Glück.
Dann wäre das doch ein schöner Export aus Franken in die weite Welt!
„Du musst auf deinen Körper hören!“ Ich habe diesen Ratschlag in den Ferien ausprobiert. Am ersten Tag war es grau und kalt. Mein Körper sagte, er möchte auf dem Sofa liegen. Ich war einverstanden, holte einen Kaffee für den Körper und ein Buch für den Kopf.
Ein paar Tage und viele Kaffees später schaut der Kopf am etwas trägen Körper hinunter und findet, etwas Sport wäre gut. Also krame ich die Laufschuhe heraus für eine lockere Runde um die Felder.
Nach etwa hundert Metern meldet sich der Körper. Das Knie zwickt und das Sprunggelenk sendet ein Stechen. Im Kopf läuft sofort der Katastrophenfilm: Umkehren, Termin beim Orthopäden in sechs Wochen, Medis und Bein schonen bis zum Spätsommer.
Aber ist es das, was mein Körper mir gerade sagt? Ich mag nicht aufgeben und versuche etwas anderes. Wenn ich das Knie ein bisschen anders strecke und den Fuß ein bisschen anders setze, was sagt der Körper dann? Läuft, sagt der Körper, aber schau mal, wie du alter Faulpelz schnaufst nach so viel Sofa!
Ende Oktober war ich auf dem St. Cuthbert’s Way unterwegs. Sechs Tage zu Fuß von Melrose in den Scottish Borders nach Lindisfarne in Northumberland. Auf den Spuren des großen angelsächsischen Heiligen aus dem siebten Jahrhundert, der Novize in Melrose war und später Prior und Bischof von Lindisfarne.
Ich bin den Weg ganz bewusst allein und als Pilgerweg gegangen. Und hatte mir als Motto einen Gedanken von Friedrich Nietzsche eingepackt:
So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung – in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern.
Nach einem Tag Anreise mit der Bahn (trotz Sturmtief über Europa hatten alle Umstiege geklappt) von Nürnberg nach Durham stand ich am nächsten Morgen auf, ging in der Morgensonne ein Stück am River Wear entlang und dann hinauf in die Kathedrale. Samstags um halb neun war es dort noch ganz still und leer, nur hinter dem Hochaltar hatte sich eine kleine Gruppe zum Morgengebet am Grab von St. Cuthbert eingefunden. Einen schöneren Einstieg ins Pilgern hätte ich mir kaum vorstellen können.
Geschichte unter den Füßen
Die Bahn brachte mich dann über Edinburgh Waverley in die Scottish Borders. Dort am River Tweed wartete die erste der insgesamt vier Border Abbeys, die die schottischen Könige im 12. Jahrhundert erbauen ließen. Das keltische Vorgängerkloster lag ein bisschen weiter flussabwärts. Der St. Cuthbert’s Way führt aber dort nicht vorbei (es gibt auch nichts mehr zu sehen), sondern über die Vulkankegel der Eildon Hills nach St. Boswells – benannt nach dem Iren Boisil, Lehrer und Mentor des jungen Cuthbert. Auf den ersten Etappen sind drei der vier Border Abbeys zu sehen: Melrose, Dryburgh und Jedburgh. Für die letzte muss man ein paar Kilometer vom eigentlichen Weg abweichen. Nur Kelso bleibt buchstäblich links liegen. Alle Border Abbeys sind Ruinen. Wenn es nicht die Kriege zwischen England und Schottland waren, dann die Reformation.
Ich befinde mich auf geschichtsträchtigem Boden. In den Eildon Hills gab es eisenzeitliche Befestigungen, in Melrose stand das Römerlager Trimontium und einige Kilometer des Pilgerwegs verlaufen auf der Route einer Römerstraße. Im Alltag mache ich mir das selten bewusst, wer da alles schon vor mir unterwegs war und wie lange. Der Weg verbindet über die lange Zeit hinweg. Ich folge in den Fußstapfen vieler anderer, auch wenn ich ganz allein unterwegs bin. Die Geschichte, die mich dabei am meisten interessiert, ist die des jungen Angelsachsen Cuthbert. Mary Low weiß in ihrem Buch über den St. Cuthbert’s Way für jeden Abschnitt des Weges etwas zu erzählen.
Wind und Wetter um die Ohren
Es liegt nahe, den Weg von West nach Ost zu gehen. Die Chronologie passt zur vorherrschenden Windrichtung. Und Ende Oktober ist es ein großer Unterschied, ob der Wind mich schiebt oder mir ins Gesicht bläst. Natürlich war ich auch auf Regen eingestellt, aber am Ende waren die wasserdichten Sachen nur am zweiten Tag nötig, sonst war es ganz überwiegend trocken und oft auch sonnig. Die Tage wurden kurz, die Sonne ging gegen halb fünf schon unter, für ausgedehnte Pausen oder größere Umwege war kaum Zeit. Aber die Beschränkung der Zeit fokussiert auch – der Blick geht konsequenter als sonst nach vorn, auf den Weg.
Mein wunder Punkt
Ab dem dritten Tag wurde das Etappenziel auch aus einem weiteren Grund immer wichtiger: Ich stellte fest, dass meine Beine 25 km am Tag locker wegsteckten und dass mein mit viel Bedacht gepackter Rucksack gut zu tragen war. Was ich nicht erwartet hatte, waren die wunden Füße. Meine alten, eingelaufenen Wanderstiefel entpuppten sich als zu eng. Über Nacht erholten sich die Füße immer ein bisschen, die erste Hälfte des Tages ging einigermaßen, aber dann schmerzte jeder Schritt – bergab immer noch etwas mehr als bergauf. Die Landschaft war immer noch wunderschön, aber der Genuss war getrübt und die Gedanken wollten auch zu keinen größeren Höhenflügen mehr ansetzen. Außer der nicht ganz unwichtigen Einsicht, dass ich es für völlig selbstverständlich gehalten hatte, dass mich meine Füße den ganzen Weg tragen. Aber das war es nicht, ich hatte sie zu sehr strapaziert. Am vierten Tag bog ich für das letzte Drittel vom Weg durch die Cheviot Hills ab und nahm den Bus nach Wooler. Es fühlte sich ein bisschen nach Niederlage an. Aber ich wusste: Es war richtig, Rücksicht zu nehmen und die Grenze zu respektieren, die der Schmerz markierte.
Das Finale
Nach Hoły Island, da muss man barfuß gehen, sagte eine Einheimische zu mir am Morgen vor dem letzten Stück Weges. Ich hatte das letztes Jahr schon mal gemacht, aber das war Anfang Juni gewesen und mit unversehrten Füßen. Aber irgendetwas sagte mir, dass ich den Rat befolgen sollte. An der Nordsee angekommen, zog ich die Schuhe aus und lief den Pilgerweg über den nassen Sand barfuß. Lindisfarne ist eine Gezeiteninsel. Als ich ankam, hatte ich sämtliche Blasenpflaster verloren. Das Meerwasser tat der Haut gut. Ich schrubbte den nassen Sand ab, zog Socken und Stiefel wieder an und ging zur Priory, der letzten und wichtigsten Klosterruine auf diesem Pilgerweg. Es waren Herbstferien und der Ort voller Ausflügler. Etwas abseits sind auf einer Erhebung die Grundmauern der Kirche des keltischen Klosters zu sehen. Man kann schön nach Bamburgh hinüberschauen, wo die Könige von Northumberland residierten. Es war kühl und hinter den Wolken sank die Sonne dem Horizont entgegen. Ich entschloss mich, den Rückweg noch einmal barfuß zu gehen. Diesmal war ich ganz allein. Auf einer Sandbank in der Nähe konnte ich im schwächer werdenden Licht eine Gruppe Kegelrobben sehen. Der Wind trug ihren mehrstimmigen Gesang herüber über die stille Meerenge. Ich war, von ein paar Seevögeln abgesehen, in diesem Konzert der einzige Zuhörer. Nach einer Weile verlor sich der Gesang in der Ferne. Aber der Zauber dieses Abschieds begleitete mich in die anbrechende Nacht.
Die innere Unruhe, die ich am Grab des Cuthbert noch mit mir herumgetragen hatte, war verschwunden. Sie ist, wie die Pflaster, buchstäblich irgendwo auf der Strecke geblieben. Eine große Dankbarkeit ist an ihre Stelle getreten.
Meine Joggingrunde neigt sich dem Ende zu, eine große Straße muss ich noch überqueren. Endlich ist frei, ich laufe los. Von der anderen Seite kommt mir eine Frau entgegen. Ich denke zuerst, sie will links an mir vorbei, aber dann sehe ich, es ist wohl eher rechts. Ich ziehe also nach links. Aber da hat sie auch schon gemerkt, dass ich das anders eingeschätzt hatte, und ändert ihrerseits die Richtung.
Inzwischen stehen wir uns fast gegenüber, als würden wir da in der Straßenmitte einen kleinen Tanz aufführen. Nochmal ein kleiner Sidestep, und wir schaffen es unfallfrei aneinander vorbei. Wir lachen beide und sie sagt „Entschuldigung“. Aber ich denke mir: Wofür? Es hat doch wunderbar geklappt. Und die spontane Tanzeinlage war super elegant.
Es wäre doch toll, wenn das auch in anderen Zusammenhängen funktionieren würde. Statt die eigene Position stur zu behaupten, einfach mal leichtfüßig federnd den Standort wechseln. Dazu gern noch lächeln, und im Zweifelsfall auch mal „Entschuldigung“ sagen. Und dann schauen, was geht.
Auf dem Weg durch die Stadt komme ich an einem Straßencafé vorbei. Eine Angestellte pustet gerade mit einem elektrischen Laubbläser den Dreck zwischen Tischen und Stühlen weg. Auf die andere Seite vom Gehsteig, da bleibt er liegen – und sie verschwindet.
Es ist ein windiger Tag und es wird wohl nicht lange dauern, bis alles wieder genauso aussieht wie vorher. Den Schmutz richtig zu beseitigen hatte sie offenbar gar nicht vor.
Manchmal greife ich ja auch zu Laubbläser-Lösungen: Schmerztablette einwerfen statt den Arzt mal draufschauen zu lassen. Hin und wieder funktioniert das auch. Oft aber tut es hinterher erst recht weh.
Dann denke ich an Jesus, der gesagt hat: Die Wahrheit wird euch frei machen. Geht den Dingen auf den Grund. Am Anfang ist es unbequem, aber dann kann sich wirklich was zum Guten verändern.
Ab und zu komme ich am Nürnberger Flughafen vorbei. An beiden Enden der Start- und Landebahn verläuft ein Zaun. Oft – fast immer – parken da Autos. Leute sitzen drin und schauen aufs Handy oder in die Gegend, bis wieder ein Flieger abhebt oder landet.
Ich könnte mir jetzt lauschigere Plätzchen vorstellen als den Flughafenzaun, aber er scheint viele magisch anzuziehen. Treibt das Fernweh sie her, die Sehnsucht nach der großen weiten Welt? Weckt der Kerosingeruch wohlige Erinnerungen an den letzten Urlaub? Und spielt das Autoradio „Über den Wolken“, während die Wärme über der Rollbahn flimmert? Oder doch eher „Take Me on Your Mighty Wings“ aus dem Soundtrack von Top Gun?
Vielleicht braucht man das manchmal. Diese Vorstellung: Ich könnte jederzeit weg von hier. Ein großer Vogel nimmt mich mit und alles, was mich stresst, bleibt da. Eskapismus (die Flucht aus der Wirklichkeit in die Phantasie) ist auch gar nichts Neues. In Friedrich Rückerts Gedicht „Vom Büblein, das überall hat mitgenommen sein wollen“ hießt es wieder und immer wieder: „Wenn nur was käme und mich mitnähme!“
Die Menschen zu biblischen Zeiten kannten das Gefühl erdrückender Enge auch. Aber mir scheint, dass sie sich in solchen Situationen nicht wegträumten – jedenfalls nicht alle. In den Psalmen heißt es über Gott: „ Er führte mich hinaus in die Weite (…), denn er hatte mich lieb!“ Es gibt ja solche Begegnungen und Beziehungen, in denen ich Freiheit und Klarheit finde.
Raus aus der Enge und dem Druck – das geht auch ganz ohne Flughafen.
Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes, beginnt mit sieben „Sendschreiben“ an Gemeinden in Kleinasien. In diesen Briefen spricht der Seher Johannes (beziehungsweise Gottes Geist durch ihn) ganz individuell zum „Engel der Gemeinde“.
Der Engel ist weder eine Pfarrperson noch der Kirchenvorstand. Er repräsentiert die Gemeinde vor Gott. In seiner „Persönlichkeit“ drückt sich der geistliche Zustand der Gemeinde aus. Man kann auch sagen: der Engel verkörpert ihre Spiritualität, ihre Innenseite, die Gott zugewandt ist.
Das Lob und die Mahnungen an die Engel der Gemeinden von damals ist nicht nicht ein zu eins auf heutige Verhältnisse anwendbar. Ich bin – leider! / zum Glück? – kein großer Prophet, aber wir sind ja alle berufen, kleine Prophet:innen zu sein. Also ist hier mein Brief an den Engel der Gemeinde von Zabo aus dem Gottesdienst, in dem ich gestern verabschiedet wurde. Vielleicht hat ja auch Gottes Geist ein paar Sätze oder Gedanken hineingeschmuggelt…
Lieber Engel der Gemeinde von Zabo,
als Gemeindeengel beherbergst du ja ein bisschen was von allen Gefühlen. Aber dieser Abschied heute macht uns beide betrübt. Auch wenn der Kopf sagt, dass er nötig ist – dass er aus guten Gründen erfolgt – macht es das ja nicht weniger traurig, dass eine Zeit zu Ende geht, in der vieles gut war und so einiges gut wurde.
Wer traurig ist, braucht Trost. Trost nimmt die Trauer nicht weg, aber er hüllt sie ein und macht sie erträglicher. Er hilft gegen das Leiden am Leiden. Viele können mit ihrer Trauer nicht umgehen. Und wandeln sie sie in Ärger um, weil sie keinen Trost finden – ihn freilich auch nicht suchen. Es gibt gerade sehr viele sehr ärgerliche Menschen. Und manchmal erliegen auch Du und ich dieser Versuchung, unsere aufgestaute Traurigkeit als Wut herauszulassen. Wenn ich wütend bin, fühle ich mich weniger ohnmächtig. Ich habe freilich auch weniger Hemmungen, ordentlich auszuteilen und die „offene Feldschlacht“ auszurufen.
Lieber Engel, bring deine Trauer vor Gott. Immer und immer wieder. Nicht nur die über unseren Abschied, die ist bald überstanden. Sondern auch die über alles andere, was gerade aufhört: Die siebzig fetten Jahre Nachkriegswelt, in der wir groß geworden sind, die mit jedem Jahr ein bisschen sicherer und bequemer zu werden schien. In der Liebeskummer die größte vorstellbare Lebenskrise war und wo man glauben konnte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis Menschenrechte und Wohlstand überall angekommen sind. Der große Philosoph Friedrich Merz wird ja nicht müde, daran zu erinnern, dass die Welt nicht morgen untergeht. Was er freilich verschweigt: Diese Welt ist am Ende, sie löst sich gerade vor unseren Augen auf. Denn auch 12.000 Jahre Holozän mit stabilen klimatischen Verhältnissen auf der Erde sind Geschichte. Die Welt nach den Kippunkten wird anders aussehen.
Alle spüren den Schmerz über den Verlust der vertrauten, heimatlichen Umgebung – die „Solastalgie“ –, aber längst nicht alle wissen so damit umzugehen, dass sie nicht kälter, härter, bitterer und bösartiger werden darüber. Es ist ein latente Trauer, und jede neue oder akute Verlusterfahrung bringt sie wieder zum Schwingen und wird von ihr verstärkt.
Und mit dieser Nachkriegswelt schwindet die verfasste Kirche. Die sich so gern mitten im Dorf sah, von allen geschätzt. Jetzt wird sie von fast allen bemitleidet, weil die Leute ihr davonlaufen, weil ihr das Geld ausgeht, weil der Nachwuchs fehlt. Jetzt erschrickt sie über das, was sie alles noch vertuschen und unter dem Deckel halten konnte, so lange die Kraft dazu da war. Bei dem (echten) Philosophen Jean-Pierre Wils habe ich gelernt: „Das … Leiden am Leiden setzt dort ein, wo etwas Unwiederbringliches verlorengegangen ist und wir gewahren, dass dies so ist.“ Eine Weile kann man sich noch drüber hinwegtäuschen, aber irgendwann ist Schluss. Und auch hier immer wieder: Wut, die nach Sündenböcken sucht, an denen sie sich abreagieren kann. Die da oben, die Abtrünnigen, die mit anderen Vorstellungen und Vorlieben, die Alten, die Jungen, der Papst.
Lieber Engel, meide den Weg der Wut. Als ich vor gut sechs Jahre kam, da warst Du traurig, verletzt und manchmal auch wütend. Nicht ohne Grund! Ich konnte und kann das alles gut verstehen. Vieles ist verheilt, manches inzwischen fast vergessen. Nur da, wo der Zorn weiter schwelt, da zehrt er an den Kräften, da treibt er Menschen auseinander, rückt andere in ein schlechtes Licht, schürt Misstrauen und Feindschaft. Schon der gute alte Paulus riet den Ephesern: Lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn. Engel können, so weit ich weiß, keine Magengeschwüre bekommen. Aber die Wut im Bauch fühlt sich nur vermeintlich stark an. In Wahrheit macht sie dich schwach. Und hässlich.
Lieber Engel, die schlechte Nachricht ist: Du wirst viel Trost brauchen. Die gute lautet: Er ist auch reichlich vorhanden. Wo wirst du den Trost finden? Ich meine, du musst dir keine Sorgen machen. Es ist alles da, was du brauchst. Du kennst es schon. Du kannst es – das weiß ich. Drei Wege zum Trost möchte ich dir heute ganz besonders ans Herz legen:
Es ist ja – erstens – ein offenes Geheimnis, dass Engel musikalisch sind. Bei Jesaja im Tempel singen sie „Heilig, heilig, heilig“ und bei den Hirten auf dem Feld „Ehre sei Gott in der Höhe“. Aber wie bei den Menschen auch: Die einen singen, weil es von ihnen erwartet wird, und die anderen, weil sie nicht anders können. Du bist so ein intrinsischer Sänger. Und das hat richtig auf mich abgefärbt: Mit einer Gitarre bin ich gekommen, mit vier gehe ich nun nach Johannis. Hier in den Gottesdiensten (und heute noch einmal) habe ich mit dir gesungen und manchmal auch für dich. Mag sein, dass andere noch lauter oder exakter singen als du, aber im Himmel werden deine Gospels, Choräle und Kinderlieder immer gern gehört. Weil es Gott freut, andere erbaut und dir selbst gut tut, singe fröhlich, singe traurig, singe schräg – aber höre nie auf zu singen und zu musizieren.
Zweitens: Du magst es grün, lieber Engel. Sogar die Eisbären sind bekanntlich grün in Zabo. Es gab die Waldgottesdienste, sie wurden im Laufe der Jahre zur Wild Church. Das war nicht einfach ein englisches Wort für dieselbe Sache. Denn Gottes Schöpfung wurde dabei von der hübschen Kulisse zum Gegenüber, dem wir ganz bewusst lauschen. Die Konfirmand:innen haben im Oktober Bäume gepflanzt mit „unserem“ Förster Achim Ulrich und seinen Kollegen vom Walderlebniszentrum. In 150 Jahren sind einige von ihnen dann groß, spenden Schatten und verbessern die Luft. Das ist mehr als nur irgendein trendiges Projekt. Es tut der Seele gut, im Grünen zu sein. Der Kontakt zu den vielen Mitgeschöpfen, die da flattern, krabbeln, sich im Wind wiegen oder an den Boden schmiegen, ist heilsam und beruhigt. Es gibt den Lauschplatz, der hat 24/7 geöffnet. Jede:r kann Kummer mitbringen und dort bedenkenlos abladen. Manchmal wird man dabei von Spaziergängerinnen und Hundebesitzern ein bisschen beäugt, aber es wirkt tatsächlich. Lass Dich trösten von den Engeln des Waldes und schließe Freundschaft mit ihnen. Vielleicht führen sie dich zum Baum des Lebens.
Freundschaft – das bringt mich zum dritten Weg, Trost zu finden. Du kannst ihn dir nicht selber spenden. Ein Gegenüber muss da sein, das dich und deinen Kummer aushält und dir Trost schenkt. Auch das passt zur dir: Du bist ja ein ausgesprochen geselliger Engel. Ob beim Cappuccino oder beim Haggis, ob beim Seniorenkaffee im kleinen Saal oder beim Pfingstrock auf dem Reitenspießplatz, beim Krimi-Dinner in der Arche oder beim Gemeindefest mit veganen Würstchen (nebenbei – brauchen wir noch eine Schweigeminute für die von dieser Entscheidung Traumatisierten?), beim Mitarbeitenden-Dank oder heute abend: Sorge dafür, lieber Engel, dass deine Menschen essen, trinken und fröhlich sind. Dass sie von sich erzählen und Anteil nehmen am Leben der anderen. Auch, wenn das in einem Dorf wie Zabo immer hart an der Grenze zum Tratsch liegt (zwei Wochen nachdem ich meinen Abschied bekannt gegeben hatte, wurde schon erzählt, ich sei „entlassen worden“). Aber es geht auch anders, wie Paulus den Philippern zeigt:
Ich fasse zusammen, Ihr Lieben: Am besten füllt ihr eure Gedanken, indem ihr über all das nachsinnt, was wahr ist, großmütig, ehrenwert, authentisch, faszinierend, gütig – das Beste, nicht das Schlimmste; das Schöne, nicht das Hässliche; ein Anlass zum Loben und nicht zum Fluchen. … Und Gott, der dafür sorgt, dass alles zusammenwirkt, wird euch mit hineinnehmen in seine großartigsten Harmonien (Philipper 4,8-9).
Wie es aussehen kann, wenn so etwas gelingt, hat Tanja Blixen in „Babettes Fest“ beschrieben. Eine junge Revolutionärin aus Paris flüchtet Mitte des 19. Jahrhunderts in ein abgelegenes norwegisches Dort. Dort trifft die ehemalige Köchin des Café Anglais auf eine fromme, ergraute und etwas verknöcherte Gemeinde. Nach Jahren bei Brotsuppe und Stockfisch gewinnt Babette in der Lotterie und richtet für die ganze Gemeinde ein festliches, unfassbar opulentes Diner aus. Mit jedem Gang und jedem Glas Wein werden die Alten ein bisschen jünger und ausgelassener. Das Herz geht ihnen auf. Es gibt Liebesgeständnisse und verzeihende Worte. Der Himmel ist für einen Abend nach Berlevaag gekommen. Schon etwas beschwipst, aber ganz beseelt erhebt sich der General Löwenhjelm und sagt: „Gnade und Wahrheit sind einander begegnet, Rechtschaffenheit und Himmelssegen sollen vereint sein in einem Kuss.“
Gnade und Wahrheit sind durch Jesus Christus in die Welt gekommen. Und bei solchen Gelegenheiten sitzt er – noch unsichtbar – mit am Tisch.
Du siehst, lieber Engel, gegen die Traurigkeit ist ein Kraut gewachsen. Du kannst sie kommen und da sein lassen, denn sie wird dich nicht überwältigen. Gott hat dir alles dazu gegeben, um tapfer und aufrecht durch schöne wie schwere Zeiten zu gehen. Also freue dich an diesen Schätzen, du musikalischer, naturverbundener und geselliger Engel! Auch wenn wir heute auch die eine oder andere Träne im Auge haben – Gott ist mir dir.
Shine von Take That – Aufmunterung für betrübte Engel
Seit ein paar Tagen ist es offiziell: Ich werde nach gut sechs Jahren Zabo zum Jahreswechsel verlassen und nach St. Johannis gehen.
Der Hintergrund ist schnell und nüchtern erklärt: Hier in Zabo fällt eine halbe Stelle weg. Das ist auch ganz plausibel: Die Gemeinde ist, wie fast überall, im Lauf der Jahre geschrumpft. Und parallel dazu das Budget der Landeskirche wie auch die Zahl der Pfarrer:innen und Hauptamtlichen.
Arbeit wäre noch genug da. Und in den letzten Jahren war (und wurde) sehr vieles sehr gut. Wir sind hier ganz wunderbar aufgenommen worden und viele haben mir geholfen, in die Rolle des Gemeindepfarrers hineinzufinden. Das macht den Abschied schwer, aber mit dem Blick auf die Segensspuren auch tröstlich.
Zabo, das Dorf in der Großstadt, hat schon eine Art Auenland-Vibe. Ganz buchstäblich, weil hier ein großes Stück naturnaher Auwald liegt, aber es wohnen auch viele gemütliche und gesellige Halblinge hier.
Wir freuen uns zugleich, dass es uns nicht in ferne Gefilde verschlägt, sondern in einen lebendigen, zentrumsnahen Stadtteil und eine große Kirchengemeinde, die dort fest verwurzelt und gut vernetzt ist. auf fitte und freundliche Kolleg:innen – und nicht zuletzt auf einen kurzen Weg zu unserem Enkelkind, das in St. Johannis zur Welt kam und dort mit seinen Eltern wohnt.
Es ist auch objektiv ein guter Zeitpunkt zum Wechseln. Alle Kirchenvorstände werden bis zum Sonntag in einer Woche neu gewählt, und so kann ich zu Beginn der neuen Amtsperiode mit einsteigen – und mein:e Nachfolger:in in Zabo etwas später, aber auch noch in der Phase, wo sich alles einruckelt.
Nach vielen Wochen des Wartens, was aus dieser Bewerbung wohl werden würde, geht nun alles ganz schnell.
Gut, schon der gute alte Bilbo Beutlin wusste ja:
The Road goes ever on and on,
Down from the door where it began.
Now far ahead the Road has gone,
And I must follow, if I can,
Pursuing it with eager feet,
Until it joins some larger way
Where many paths and errands meet.
And whither then? I cannot say.
Die Straße gleitet fort und fort
Weg von der Tür, wo sie begann,
Weit überland, von Ort zu Ort,
Ich folge ihr, so gut ich kann.
Ich lauf ihr müden (?) Fußes nach,
Bis sie sich groß und weit verflicht
Mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.
Die gute Nachricht: Das Deutschlandticket bleibt erhalten, aber – und das ist die schlechte Nachricht – es wird teurer. Das hat große Wellen geschlagen. Ich habe selber eins seit einigen Monaten, und nutze es immer wieder für längere oder kürzere Fahrten.
Dabei habe ich Ecken von Deutschland gesehen, in die ich nicht gekommen wäre, wenn ich extra einen Fahrschein hätte lösen müssen. Ich habe auch viel über die Menschen in Deutschland gelernt: In den Regionalzügen fährt das bunte Deutschland. Und oft auch das nicht so wohlhabende Deutschland. Ich höre in den Öffis jedesmal, wirklich jedesmal, ganz unterschiedliche Sprachen.
Was mich ganz besonders berührt, das sind die Gespräche zwischen Menschen verschiedener Herkunft, die sich auf Deutsch verständigen. Manchmal etwas mühsam, manchmal auf einem ganz beachtlichen Niveau. Und dann fühle ich mich ein bisschen beschämt und ein zugleich beschenkt, weil da jemand, dessen Sprache ich nicht verstehe, sich so viel Mühe gegeben und meine Sprache gelernt hat.
Manche Unterhaltungen kann man ja nicht überhören, auch wenn man gern würde. Ich sitze im Zug und habe keine Kopfhörer dabei. Hinter mir erzählt einer etwas seinem Gegenüber, und jeder zweite oder dritte Satz lautet: Weißt du, was ich meine?
Seltsamerweise wartet er die Antwort seines Gesprächspartners gar nicht ab, sondern redet sofort weiter. Um prompt wieder: Weißt du, was ich meine? Aber er wartet gar nicht, ob es der andere weiß.
Ich weiß nicht, ob Ihr gerade wisst, was ich meine. Dazu müsstet Ihr mir sagen, was ihr verstanden habt. Und ich müsste dann bestätigen, dass ich das gemeint hatte. Oder nochmal von vorn anfangen und es anders erklären. Dann hätten wir eine Chance, uns zu verständigen.
Aber dieses Zuhören kostet Zeit und macht Mühe. Und oft reicht ja auch eine grobe Ahnung davon, was gemeint sein könnte. Doch es tut gut, wenn ich Menschen treffe, die das mit dem Zuhören und Nachfragen drauf haben.
Ich weiß übrigens auch nicht, was ihr gerade denkt. Hinterlasst gern einen Kommentar…
Ich bin zum ersten Mal im Guggenheim in Bilbao. Touristen schieben sich dicht gedrängt durch die Flure und Ausstellungsräume. Manche fotografieren eifrig – es gibt ja auch wirklich viel zu sehen. Ich mache auch hier und da ein Bild, dann vertiefe ich mich wieder in den Anblick und die Erklärungen.
Nach einer Weile fallen mir immer mehr Leute auf, die Selfies vor den Kunstwerken machen. Allein, zu zweit, zu dritt… Sie marschieren durch die Säle immer auf der Suche nach einem geeigneten Hintergrund. Das hat ein bisschen was von sich vordrängeln – schaut her, hier bin ich…
Ob Kunst oder Natur – ich finde gerade das Umgekehrte reizvoll: Mich mal verlieren im Anblick von etwas Schönem und Großartigen. Zu merken, Gottes weite und bunte Welt dreht sich nicht um mich, und das ist wunderbar entlastend: Ich darf klein sein, einen Schritt zurück treten und mich über diesen wunderbaren Ort freuen. Der ist, was er ist, ganz ohne mich.
Auf einer sandigen Wiese stehen vereinzelt Bäume. Manchmal bilden sie kleine Gruppen – fünf, sechs Birken in einem engen Kreis etwa – und es gibt auch einige Paare. Eiche und Kiefer zum Beispiel, fast zusammengewachsen am Stamm. Den Platz für die Krone teilen sie sich. Es fällt erst auf, dass es ein Baumpaar ist, wenn die eine Hälfte das Laub abwirft. Als würden sie einander umarmen oder miteinander tanzen.
In den letzten Jahren gab es in meinem persönlichen Umfeld etliche Trennungen und Abschiede. Vielleicht berührt mich der Anblick dieser gestandenen Paare auch deswegen.
Ich gehe weiter in den Wald und sehe eine solitäre Kiefer auf einer Lichtung, die Unwetter in den Wald gerissen haben. Sie stand zwischen vielen Nachbarbäumen. Man sieht ihr den Verlust noch an: Die Äste und Zweige entlang der unteren drei Viertel des Stammes hatte sie abgeworfen, wie Kiefern das so tun, wenn sie zu mehreren sind. Nur die Krone trägt noch die buschigen Nadeln.
Ich bin dankbar für alle Menschen, die mir nahestehen. Und dafür, dass Gott mich in den Stürmen meines Lebens hält und trägt wie der Mutterboden diese Bäume.
Ich komme gerade zurück von einer „Pilgerreise“ nach England und Schottland. An- und Abreise hat unsere Gruppe, um möglichst klimaschonend unterwegs zu sein*1, mit der Bahn unternommen. Dabei haben wir den ganzen Katalog der Widrigkeiten erlebt: Kaputte Weichen, verpasste Anschlüsse, verfallene Reservierungen, total überfüllte Züge (hinwärts mit Fans von Manchester City und United, rückwärts mit Fans des BVB). Buchungen für zwei Unterkünfte platzten und um ein Haar hätten wir an einem Reisetag die letzte Fähre verpasst.
Nichts für schwache Nerven!
Wir hatten aber auch wunderbar ruhige Tage mit unverschämt gutem Wetter – an Orten, wo sich Himmel und Erde schon besonders nahe sind. Und als es an die Rückreise ging, war es ganz schwer zu sagen, was davon nun eindrücklicher war: Die Highlights oder all die Hindernisse, die wir gemeinsam bewältigt haben.
Jemand hat mal gesagt: „Eine Unannehmlichkeit ist nur ein missverstandenes Abenteuer. Ein Abenteuer ist eine richtig verstandene Unannehmlichkeit“. Mir scheint, wir haben entdeckt: Bei einer Pilgerreise gehört sowas wohl einfach dazu. Jedenfalls haben wir jetzt eine Menge zu erzählen.
kleiner Nachtrag: Ich finde, Pilgern lässt sich mit Flugreisen nur schwer bis gar nicht vereinbaren. Es geht ja gerade darum, nicht möglichst schnell und bequem möglichst weit zu kommen. Und darum, anderen Menschen und dem Planeten nicht zur Last zu fallen. Es gibt genug Pilgerwege und -stätten, die mit der Bahn erreichbar sind. Lassen wir es doch einfach dabei. Und wenn diese Anreise länger dauert als der Flug, kann man sich einfach entsprechend mehr Zeit dafür nehmen und es als integralen Bestandteil des Pilgerweges betrachten. ↩︎
Gegenüber im Zug sitzt ein freundlicher älterer Herr, der mir auf der Fahrt seine lange Krankheitsgeschichte und Berufsbiografie erzählt, um dann zu fragen, was ich eigentlich so mache. Pfarrer, sage ich. Er sei schon vor langer Zeit ausgetreten, erklärt er daraufhin, freilich aus der katholischen Kirche. Die evangelische scheint ihm etwas sympathischer zu sein, sie hat halt keinen Papst.
Aber nicht sympathisch genug, um dort einzutreten. Die Bibel sei ja erst im vierten Jahrhundert geschrieben worden, erklärt er mir dann, auf Geheiß von Kaiser Konstantin und für das leichtgläubige Kirchenvolk. Hingegen sei die Wahrheit über Jesus und die ersten Christen, die sich in den viel älteren und daher authentischeren Schriften aus Qumran findet, ja vom Papst unterdrückt worden. Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen, und das dürfe ja nicht sein, daher wurde es vertuscht, wie vieles andere.
Ich höre eine Weile zu und sage dann: „Für einen Skeptiker glauben Sie ja doch eine ganze Menge. Soweit ich weiß, ist in den Texten von Qumran von einem verheirateten Jesus nicht die Rede?“ Er ist sich aber ganz sicher. Also relativ sicher, meint er schließlich. Aber jeder könne sich auch mal täuschen. Ich bin nicht sicher, wen von uns beiden er jetzt gerade meint, aber dann hält der Zug und unsere Wege trennen sich.
Und ich denke mir: In gewisser Weise haben wir es immer mit Hörensagen zu tun, wenn wir davon reden, dass sich Gott in menschlicher Geschichte offenbart. Aber es ist doch ein Unterschied, ob man etwas glaubt, was irgendwo im Internet oder bei irgendeinem Bestsellerautor steht – oder sich auf Traditionen bezieht, die sich seit Generationen immer wieder in Frage stellen lassen und sich ihrer Grundlagen immer wieder kritsch vergewissern, ohne damit je aufzuhören.
So einen unerschütterlichen Glauben, wie der freundliche Mitreisende hatte, bringe ich jedenfalls nicht auf.
Die Staatsregierung hat ihren Beamten kürzlich das Gendern verboten. Ein Bekannter, der gern über vermeintliche „Verbotsparteien“ herzieht, findet dieses Verbot super. Die Mehrheit sei schließlich „gegen den Schmarrn“, und wir seien doch in einer Demokratie.
Gut, sage ich, aber zur Demokratie gehört halt auch, dass Minderheiten geschützt werden und sichtbar bleiben, auch in der Sprache. Und er antwortet: „Ich bin ja sehr dafür, Minderheiten zu schützen, aaaber: Nur weil jemand anders fühlt oder sich irgendwie identifiziert, ist er keine Minderheit.“
Und damit sind wir beim Kern des Problems. Es passiert eben ganz schnell, dass die Mehrheit bestimmt, wer als legitime Minderheit gilt und wer nicht. Und damit – reichlich gönnerhaft – festlegt, wen man ein bisschen schützt und wer gemobbt werden darf.
Demokratie heißt aber, dass die Mehrheit Störungen und Befremdliches akzeptiert. Nicht weil es angenehm ist, sondern weil die Mehrheit weiß, dass sie nicht immer Recht hat. Wenn wir diese Spannung aushalten, könnte es uns alle weiterbringen.
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