Nicht mal Jesus…

Diese Woche haben wir gemeinsam überlegt, wie ein Nachfolger für meinen Kollegen Martin aussehen müsste. Nachdem wir alles, was so aus der Runde kam auf Flipcharts geschrieben hatten, war die Liste schon lang und dient in dieser Rohfassung eher zur Abschreckung. Zumindest wenn man meint, dass es tatsächlich jemanden gibt, der das alles in sich vereint (Heiliger, Manager, Kumpeltyp etc). Bei so vielen Leuten kommen eben auch viele unterschiedliche und widersprüchliche Vorstellungen zusammen und zu Idealisierungen neigen wir ja auch gelegentlich.

Ein guter Freund meinte, nur Jesus würde dem gerecht werden. Ich war mir da aber plötzlich gar nicht so sicher. Zu seiner aktiven Zeit galt er auch bei vielen als ziemlich schlechter Messias. Ein nettes Gedankenspiel: Würden wir Jesus “einstellen”, wäre das womöglich auch eine recht kitzlige Sache. Er könnte die Gemeinde spalten, Leute verprellen mit schroffen Kommentaren, den Insidern zu wenig Aufmerksamkeit schenken und sich lieber um Leute kümmern, auf die wir nicht so schrecklich scharf wären, oder andere beunruhigende Dinge tun, die unser frommes Idyll in Trümmer legen.

Wer weiß? Wir meinen vielleicht etwas vorschnell, wenn wir nur Jesus hier hätten, wäre alles in Butter: Im Nu wären wir die größte und schönste und glücklichste Gemeinde weit und breit. Denn er würde endlich (so ist es doch in der Bibel?) allen anderen sagen, was sie falsch machen, und uns liebevoll tröstend an sein Herz drücken. Ganz bestimmt würde er das tun. Daran besteht eigentlich gar kein Zweifel. Nein, nicht der geringste…

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Geistliche Chemotherapie

Anne Lamott beschreibt, was ihre Gemeinde für sie bedeutet und wie eine Geschichte ihrer Pastorin das treffend wiedergibt:

Als sie ungefähr sieben war, verlief sich eines Tages ihre beste Freundin. Das kleine Mädchen lief die Straßen der großen Stadt, in der es lebte, auf und ab, konnte aber keinen Orientierungspunkt finden. Sie hatte große Angst. Schließlich hielt ein Polizist an, um ihr zu helfen. Er setzte sie auf den Beifahrersitz seines Autos und sie fuhren durch die Gegend, bis sie ihre Kirche sah. Sie zeigte sie dem Polizisten und sagte ihm bestimmt: “Sie können mich jetzt rauslassen. Das ist meine Kirche, und von hier finde ich immer heim.”

Und deshalb bleibe ich so nah an meiner – denn ganz egal, wie schlecht ich mich fühle, wie verloren oder einsam oder verängstigt, wenn ich die Gesichter der Leute in meiner Kirche sehe, und ihre rauchigen Stimmen höre, kann ich immer heim finden.

Und etwas später stellt sie dann fest:

Meine Verwandten leben alle in der Bay Area (um San Francisco) und ich vergöttere sie, aber sie drehen sich alle so ängstlich um sich selbst wie ich, und das meine ich in der allernettesten Weise. Sagen wir einfach: Ich verlasse Familientreffen nicht mit dem Gefühl, eine Art geistliche Chemotherapie bekommen zu haben. Aber wenn ich von St. Andrews komme, habe ich das.

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Lebenslügen

Wer uns gestern im E-Werk (nettes Ambiente, der neue Mehrzweckbereich!) verpasst hat, kann sich hier nachträglich per mp3 schlau machen zum Thema “Lebenslügen”. Dazu gibt’s natürlich auch wieder ein PDF:

Lebenslügen Flyer Feb07-21 Kopie

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Hopser zum Glauben

Heute kam “Traveling Mercies” von Anne Lamott per Post. Ich bin noch im ersten Kapitel, aber eins ist schon klar: Sie kann richtig schön erzählen. Das zeigt schon der Anfang:

My coming to faith did not start with a leap but rather a series of staggers from what seemed like one safe place to another. Like lily pads, round and green, these places summoned and then held me up while I grew. Each prepared me for the next leaf on which I would land, and in this way I moved across the swamp of doubt and fear. When I look back at some of these early resting places — the boisterous home of the Catholics, the soft armchair of the Christian Science mom, adoption by ardent Jews — I can see how flimsy and indirect a path they made. Yet each step brought me closer to the verdant pad of faith on which I somehow stay afloat today.

 Issues Vol18 Issue30 Cover.Books

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Religion: Hab‘ ich da was verwechselt?

Daniels Post hat mich auf den Religionstest der Zeit gebracht und ich habe mit den Fragen dort ein Weilchen gerungen.

Immerhin habe ich 0% Buddhismus dabei erzielt (die Antworten waren zu offensichtlich), aber vermutlich dank der ganzen N.T. Wright Lektüre der letzten Jahre, dank Buber und den inzwischen 4 Abenden zum AT hier in der Gemeinde habe ich 63% Judentum, 18% Christentum und den Rest unter ferner liefen.

Eigentlich ein schönes Ergebnis, auch für Christen.

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Hybrid kommt vor dem Fall

Vor langer Zeit war Königin Angie Löwenherz an der Seite von King George W. auf dem Kreuzzug für mehr Wärme in dieser kalten Welt war unterwegs. Ihr Land hinterließ sie im Frieden und als ihre die treuesten Untertanen waren die Bewohner des Sherwood Forest bekannt.

Weil der Wald so unwegsam war, mussten ihn die braven Sachsen mit Karren, die von sieben stämmigen Kühen (kurz: Q7) gezogen wurden, befahren. Und weil die immer häufiger werdenden Unwetter ständig Bäume fällten, die die Wege blockierten, brauchte man Vierbeinantrieb und erfand verchromte Kuhfänger. Die armen Menschen gaben ihr letztes Hemd für diese treuen Lasttiere und ihr teures Futter. Und die selbstlosen Autobauern arbeiteten Tag und Nacht, um auf ihren entlegenen Weiden neue zu züchten. So fanden viele Menschen Arbeit und Glück und die Welt wurde bei jedem Pups der sieben Kühe ein kleines bisschen wärmer.

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Fehlanzeige

Nicht, dass es jemanden wirklich überraschen würde, was BMW zum Klimaschutz zu sagen hat…

Bmw Klimaschutz

Was allerdings nachdenklich stimmt: Das Ministerium von Herrn Glos wird BMWi abgekürzt!

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Windows Witza

Eines muss man Microsoft lassen: Sie haben die besseren Witze. Den hier zum Beispiel:

Anruf bei der Hotline: “Ich installiere gerade Windows Vista. Was soll ich drücken?” – “Am besten beide Daumen!”

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Noch ein Podcast

Im letzten Jahr hatte Rainer Wälde von der Typ-Akademie mit mir ein Podcast zum Thema “Postmoderne” gemacht. Manche von Euch hätten das fachlich vermutlich noch viel besser gekonnt als ich. Wen es trotzdem interessiert, was dabei herausgekommen ist, der kann hier zuhören.

Nebenbei: es sind in dieser Serie Leben mit Stil auch ein paar richtig bekannte Leute vertreten.

 Podcasts Leben-Mit-Stil Cover

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Identifikation und die Uhr

Letzten Sonntag haben wir von allen Gottesdienstbesuchern am Eingang Fotos gemacht. Das Thema war “Identifikation” und nach der Predigt konnten alle ihr inzwischen ausgedrucktes Bild auf eine Moderationswand kleben, in Form eines großen “wir” – das ist nämlich das Wort, mit dem man verrät, dass man sich mit anderen identifiziert.

Amüsiert und verblüfft hat mich dabei jedoch, dass 80% der Leute argwöhnten, wir würden eine Pünktlichkeitskontrolle durchführen (quasi die Identifikation der Spätankömmlinge) und womöglich die Fotos über den Beamer flimmern lassen. Einige haben sich sogar versteckt, bis wir weg waren, und sind dann mit 25 Minuten Verspätung in den Saal gekommen. So viel schlechtes Gewissen ist mir noch nie auf einem Haufen begegnet!

Aber wo wir nun schon dabei sind:

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Verfettet, verklebt, verqualmt?

Gestern abend haben wir in unserer “Bibelschule” über die alttestamentlichen Propheten gesprochen. Dabei kamen wir auch auf Jesajas Berufung zu sprechen, wo es in Bubers Übersetzung heißt:

Geh, sprich zu diesem Volk: Hört nur, höret, und unterscheidet nimmer, seht nur, sehet, und erkennet nimmer! Zu verfetten ist das Herz dieses Volks, seine Ohren zu verstumpfen, seine Augen zu verkleben, sonst könnte es mit seinen Augen sehn, mit seinen Ohren hören, in seinem Herzen unterscheiden, umkehren und Genesung würde ihm! Ich sprach: Bis wann, mein Herr? Er sprach: Bis dahin, dass Städte verheert sind, kein Insasse mehr, Häuser, kein Mensch mehr darin, des Menschen Boden verheert zu Öden.

Jesaja bewirkte diese Verstockung nicht, indem er sein Volk belog, sondern indem er die Wahrheit öffentlich sagte.

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Vater-Typen

Ich verfolge unseren Wochenablauf mit großer Aufmerksamkeit, weil Martina nächste Woche nach Hannover entschwindet und ich mit den Jungs “alleine” bin (wenn sie dann wieder kommt, tauschen wir die Rollen und ich fahre zum Alpha Traininigstag nach Köln).

Allzu viel darf ich mir nicht vornehmen, stelle ich fest. In dieser Situation ist mir ein interessanter Artikel über Väter aufgefallen. Ein kräftiger Schuss Ironie würzt die Einleitung:

Der moderne Vater muss die Familie versorgen, sich um die Kinder kümmern und dabei noch sexy sein.

Vor allem werden dort sechs Grundtypen erläutert von denen einer, nämlich der egalitäre, anscheinend am besten abschneidet. Daher haben sich auch 57% der Leser gleich dort einsortiert.

Natürlich würde ich auch gern in dieser Kategorie landen, aber wo ich mich nun dienstlich mit Lebenslügen befasse, beschleichen mich Zweifel. Vielleicht weiß ich es ja nächste Woche dann genauer.

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Sich selbst lieben (2): Ein Querverweis

Eigentlich wollte ich schon seit einer Weile an diesem Thema weiter schreiben, aber nun verweise ich erst einmal auf Zehn Thesen von Kim Fabicius (er liebt dieses Format) auf Faith and Theology zum selben Thema.

Anspruchsvolles Englisch und eine Menge Verweise auf die theologische Tradition, aber lohnende Lektüre, wenn Ihr Euch eine eigene Meinung bilden und die Verwirrung biblisch-theologischer und therapeutischer Termini knacken wollt.

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Trügerisches Lächeln?

Auf jetzt.de stellt Ralf Heimann die Frage, ob die Beliebtheit des Dalai Lama in unseren Breiten mehr auf Unkenntnis des tibetanischen Buddhismus beruht. Über geheime Riten erfährt man nur von Aussteigern, das hat sicher auch seine eigene Problematik.

Aber zumindest wirft der Umgang mit Kritikern ernste Fragen auf. Für Christen sicher kein gefundenes Fressen, aber der sachlichen Diskussion kann es nur nützen, wenn auf allen Seiten auch die Schatten nicht mehr ausgeblendet werden.

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