Zeitgeist

Heute morgen in der Allianzsitzung sprach einer der Anwesenden darüber, dass der Atheismus wieder an Boden gewinne. Ernstes Nicken kam aus der Runde. Uuups – schon vorbei, die Respiritualisierung der Gesellschaft? Auch wenn der Spiegel sich mit Richard Dawkins befasste, kann ich das derzeit nicht sehen. Eher schart sich eine schwindende Minderheit um ihn, die dankbar ist für seine streitbare Stimme.

Manch einem wäre das vielleicht aber lieber, sich wieder mit atheistischem Unglauben als vertrautem Gegenüber zu beharken als sich der verwirrenden religiösen Vielfalt zu stellen, die nicht mehr anti-, aber weitgehend unkirchlich daherkommt und wo sich viel weniger um die rationalen Argumente dreht, die uns noch so schön vertraut sind.

Gestern kam auch bei mir ZeitGeist. Kultur und Evangelium in der Postmoderne an. Gerade im Blick auf diese Entwicklungen lohnt es sich, dieses Buch in die Hand zu nehmen (bzw. zu natürlich zu kaufen). Dann muss man vielleicht Dawkins auch nicht mehr insgeheim dankbar dafür sein, dass wir noch ein paar Jahre so tun dürfen, als hätte die Moderne noch die ungebrochene Lufthoheit.

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Simons Fußball-Stöckchen

Dosi wurde von Simon getroffen und ich hab’s abgekriegt. Nachdem ich schon durch ein unbedachtes Bekenntnis angeeckt bin, müssen die Karten hier auf den Tisch. Bringen wir es also hinter uns… 😉

1. Mein Verein ist und bleibt …
Bayern. Ich war zu klein, um die Konsequenzen dieser unbewussten Lebensentscheidung abzusehen, aber es war Anfang/Mitte der 70er und da waren sie eine Klasse für sich, auch international. Man musste sie einfach toll finden.

Und, wie die Champions League nur zu deutlich zeigt, bei aller Sympathie für Werder & Co reißen die übrigen Vertreter der Bundesliga seit Jahrzehnten dort keine Bäume aus. In Europa können nur die Bayern mithalten – und das mit einem lächerlich kleinen Etat, wenn man Chelsea, Milan und Real zum Maßstab nimmt.

2. Ein (ehemaliger) Bundesligaspieler, den ich als Persönlichkeit achte, ist …
Lucio. Ein Freund berichtete, er finanzierte eine Drogenreha seiner Heimatgemeinde in Brasilien, als er nach Europa ging.

3. Mein Lieblingsspruch eines Spielers lautet:
Loddamaddäus: I hope we have a little bit lucky

4. Lieblingsspruch eines Trainers:
Nichts übertrifft Giovanni Trappatonis legendäre Pressekonferenz, die auf “ich habe fertig” endete.

Klaus Augenthaler eiferte ihm kürzlich nach:

5. Falls die Bayern diese Saison nicht Meister werden, dann wird es …
traurig, denn sie sind (anders als letztes Jahr) richtig gut gestartet, haben schlau eingekauft. Es macht Spaß, Ribery & Co zuzusehen. Ich hoffe, das hält noch eine Weile.

6. Als Traditionsclub würde ich gerne wieder in der ersten Liga sehen …
Den Club, denn so wie es derzeit aussieht, könnte der im nächsten Jahr auch ganz offiziell zweitklassig spielen.

7. Die Bundesliga verfolge ich am liebsten via …
ARD Liveticker und (Web-) Radio, die Kommentare sind so lebendig. PayTV finde ich doof.

8. Ein denkwürdiges Bundesligaspiel, das ich besonders in Erinnerung habe, ist …
Als die Bayern 2001 in letzter Sekunde in Hamburg durch einen indirekten Freistoß Meister wurden. Abgesehen davon hat sich die tragische Niederlage gegen ManU im CL-Finale von Barcelona tief ins Gedächtnis eingegraben…

9. Eine Regel, die ich am liebsten sofort abschaffen würde, wäre …
… dass Videobeweise nicht anerkannt werden. Absolut unzeitgemäß, und bei Unsportlichkeiten zählen sie sehr wohl im Nachhinein.

10. Sportschau oder Sportstudio?
Sportstudio – keine Werbung zwischendrin! In der Sportschau sagen sie immer das Topspiel an (Bayern…), dann kommt Werbung und erst noch zwei andere Berichte. Einfach nur nervig. Und ich ziehe Kathrin Müller-Hohenstein und Wolf-Dieter Poschmann Monica Lierhaus und Reinhold Beckmann vor.

Ach ja, der Steilpass geht an Stephan, Björn, und Will

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“Unnatürlicher” Glaube

Peter L. Berger ist beim Thema Schöpfung angekommen und betrachtet den Unterschied zwischen (mono-)theistischem Glauben und dem, was er “mythische Matrix” nennt. Zuvor hat er schon bei der Theodizeefrage ganz vehement Stellung bezogen gegen jegliche Stiliserung des Todes (und damit zwangsläufig auch des Leidens) als einer guten und natürlichen Sache.

Nun legt er nach, und nachdem mir der allzu unkritische Gebrauch organischer Metaphern – oft werden diese in der Ekklesiologie ja gar nicht mehr als Metaphern verstanden – schon immer suspekt war (als sei alles “Natürliche” per se gut), hier ein prägnantes Zitat seines (und meines) Standpunktes:

Die biblische Wirklichkeitssicht stellt uns einen Gott vor, der jenseits der Natur ist, und der Mensch ist insofern “zum Bilde Gottes” geschaffen, als er eben dieses unnatürliche Wesen teilt. Anders ausgedrückt – die Natur ist in keiner Weise normativ. Beziehungsweise: Wenn etwas natürlich ist, bedeutet dies keineswegs, dass es Anspruch auf moralische Zustimmung hätte (…). Die Menschen sind selbstverständlich Teil der Natur, insofern sie biologische Organismen und Ergebnisse biologischer Evolution sind. Doch es gibt im Menschen ein wesentliches Element, man nenne es, wie man will, das die Natur transzendiert.

(Erlösender Glaube? S. 55)

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Weniger anders

“Ellie passt nicht zu mir”, sagte Marcus bestimmt.
“Ist dir das klar geworden, oder?” sagte Will.
“Ich bin nicht sicher, zu wem sie passt”, sagte Katrina.
“Ich denke, wir werden immer Freunde bleiben”, fuhr Marcus fort. “Aber ich weiß nicht. Ich denke, ich sollte nach jemandem suchen, der weniger…”
“Weniger unverschämt und verrückt ist? Weniger rabiat? Weniger saudumm? Da fallen mir viele »weniger« ein.” Dieser Beitrag kam von Ellies Mutter.
“Weniger anders als ich”, sagte Marcus diplomatisch.
“Na dann viel Glück”, sagte Katrina. “Viele von uns haben ihr halbes Leben damit zugebracht, jemanden zu suchen, der weniger anders ist als wir, und bis jetzt haben wir ihn nicht gefunden.”
“Ist das schwer?” sagte Marcus.
“Es ist die schwerste Sache auf der Welt,” sagte Fiona, mit mehr Gefühl, als Will in Betracht ziehen wollte.
“Warum, denkst du, sind wir alle Single?” sagte Katrina.
War es wirklich das? Will rätselte. War es das, was sie alle taten, nach jemandem zu suchen, der weniger anders war? War es das, was er tat? Rachel war dynamisch und bedächtig und zielstrebig und fürsorglich und in so vieler Hinsicht anders als er, dass er es nicht aufzählen konnte, aber bei Rachel ging es, was Will betraf, ja gerade darum, dass sie nicht er war. Katrinas Logik hatte also einen Fehler. Dieses Suchen nach jemandem, der nicht so anders war als man selbst… Es funktionierte nur, stellte er fest, wenn man überzeugt war, dass es eigentlich nicht so schlimm war, man selbst zu sein.

About a boy (Nick Hornby)

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Gottes Schweigen und unser Reden

Ich bin mit Gottes Schweigen konfrontiert, und ich bin fest entschlossen, dieses Schweigen zu ertragen. Ich unternehme erst gar nicht den Versuch, voreilig in die Stille hineinzureden und es auf eine Weise zu leugnen. Ich schweige ebenfalls. Ich ich warte – en hypomene. Gleichzeitig bemerke ich, dass mir Gottes Schweigen untragbar scheint, geradezu beleidigend. Ich beschließe, weder Gottes Schweigen zu leugnen, noch mein eigenes Verlangen nach einer Unterbrechung dieses Schweigens. Und so bin ich schließlich trotz allem gezwungen, diesem Schweigen zu begegnen – in das Schweigen hineinzureden. Wahrscheinlich handelt es sich dabei bereits um die Anfangsform eines Gebetes – die Hinwendung zum schweigenden Gott, unter dessen Abwesenheit ich leide.

Peter L. Berger, Erlösender Glaube? S. 13

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Gute Fragen

Heute morgen habe ich mich durch die ersten beiden Kapitel von Peter L. Bergers Erlösender Glaube? Fragen an das Christentum bewegt und war begeistert. Das Cover und Inhaltsverzeichnis (er hangelt sich am apostolischen Glaubensbekenntnis entlang) hatten erst einmal gar keine großen Erwartungen geweckt.

Aber es ist spannend, wie Berger sich hier vorantastet angesichts zweier universaler Erfahrungen, nämlich der nicht harmonisierbaren Pluralität von Religionen und Glaubensrichtungen einerseits und – sofern man nicht zur kleinen Gruppe religiöser Genies wie Abraham oder Paulus gehört – des Schweigens Gottes andererseits. Kein völliges Schweigen allerdings, aber ein Reden, das uns eben nur mittelbar erreicht und daher vor die Frage stellt, wo wir Gottes Offenbarung anzutreffen meinen und wo nicht.

Berger bringt Philosophie, Religionswissenschaft und christliche Theologie in ein spannendes Gespräch, indem er nicht so sehr abstrakte Sätze gegen- oder nebeneinander stellt, sondern in der Ich-Form fragt, was ihm beim Glauben hilft oder hindert und wie er an die Aufgabe herangeht, zwischen verschiedenen Angeboten und Möglichkeiten zu entscheiden.

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Glück braucht Rituale

“Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen”, sagte der Fuchs. “Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll … Es muß feste Bräuche geben.”

“Was heißt ‚fester Brauch‘?” sagte der kleine Prinz.

“Auch etwas in Vergessenheit Geratenes”, sagte der Fuchs. “Es ist das, was einen Tag vom anderen unterscheidet, eine Stunde von den anderen Stunden. Es gibt zum Beispiel einen Brauch bei meinen Jägern. Sie tanzen am Donnerstag mit den Mädchen des Dorfes. Daher ist Donnerstag der wunderbare Tag. Ich gehe bis zum Weinberg spazieren. Wenn die Jäger irgendwann einmal zum Tanz gingen, wären die Tage alle gleich und ich hätte niemals Ferien.”

Antoine de Saint-Exupery

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Lesen und Lesen lassen

Alan Mann hat Brian McLarens Everything Must Change gelesen. Scot McKnight ist noch dabei, es zu besprechen.

Am Abend des 30. November wird Brian hier in Erlangen live aus diesem Buch lesen bzw. darüber sprechen. Ich bin schon sehr gespannt darauf. Es wird eine ganz besondere Adventsandacht werden…

Wer sich mit dem Englischen schwer tut und das Buch auf Deutsch nicht zur Hand hat, kann bei DoSi Brians Gedanken über Jesus nachlesen. Sie bilden die Grundlage für seine Frage, was in der Welt denn alles anders werden muss.

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Geht’s uns gut!

Erlangen hat als einziger Stadtkreis in Bayern im Familienatlas 2007 der Bundesregierung als Top-Region abgeschnitten. Davon gibt es in ganz Deutschland nur 12. Natürlich gibt es auch hier noch viel zu verbessern. Aber es ist doch schon mal ein gute Anfang, für den man dankbar sein kann.

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Wer einmal lügt…

Die Freunde von Kabel Deutschland haben wieder einen neuen Anlauf unternommen, ihre (potenziellen) Kunden für dumm zu verkaufen: Sie bieten eine stinknormale Festnetz-Flatrate mit dem Versprechen an, man werde “ein Leben lang gratis telefonieren”.

Ob die Bindung ein Leben lang hält, liegt jedoch eher am Kunden als am Anbieter, denn der muss für die “Gratisleistung” bezahlen. Dass sie damit ganz andere Erwartungen wecken, als sie einzulösen in der Lage sind, interessiert keinen, so lange ein paar schlichte Gemüter auf den Trick hereinfallen. Ich habe trotzdem mal dem Werberat geschrieben. Vielleicht hilft es ja…

Übrigens: Das Gerät, das neulich angeblich schon in der Post war, kam nie bei mir an – es war glatt gelogen.

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Free Burma

Es ist schon so Vieles gesagt und geschrieben worden, aber wir können erst damit aufhören, wenn sich Dinge tatsächlich verändern und die Freiheit und Gerechtigkeit siegt. Momentan scheint sich die Lage zu verdüstern – Hunderte von Mönchen sind womöglich schon tot, viele sind in Haft. Auch wenn es notgedrungen nur eine Geste ist, heute sind viele an der Aktion Free Burma! beteiligt.

Mehr über die Lage im Land hier.

Free Burma!

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Wie bitte?

Ich hätte nicht reinklicken sollen. Auf der idea-Website beginnt ein Bericht mit diesem Satz:

Weder der Militäreinsatz im Irak noch die Politik in Washington treiben die evangelikalen Führungskräfte in den USA am meisten um. Am stärksten brennen den rund 100 Vorstandsmitgliedern der Evangelischen Allianz ethische und geistliche Fragen unter den Nägeln.

Der Krieg (und die Politik) ist weder eine ethische noch eine geistliche Angelegenheit? Das ist jetzt weniger eine Frage an die Evangelikalen in den Staaten als an die idea-Redaktion, denn diese Formulierung spricht Bände.

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