Es ist ungewöhnlich leise draußen. Die Mauersegler haben schon den Weg zurück nach Afrika angetreten. Die Mönchsgrasmücke haben wir schon länger nicht mehr gehört, ebenso die Meisen, den Grünspecht, das Rotkehlchen, die Amsel. Ab und zu tönt in der Ferne noch eine Ringeltaube oder eine Elster. Aber der laute Spatzenschwarm, der in der Hecke der Nachbarn seine Nester hatte, ist verschwunden. Wasser stellen wir ihnen jeden Tag raus. Finden sie hier kein Futter mehr?
Es ist schon ein bisschen gespenstisch, diese Stille.
Zugleich macht sich ein anderes, nervtötendes Geräusch breit. In der Wohnanlage gegenüber sind seit drei Wochen fast täglich und über mehrere Stunden Laubbläser im Einsatz. Denn Bäume und Büsche werfen schon im großen Stil ihre trockenen Blätter ab. Der Krach ist schon im Oktober eine Zumutung, aber im Hochsommer alle Fenster schließen zu müssen, um hier drinnen noch irgendwie denken und arbeiten zu können, ist ein bitterer Vorgeschmack auf die Klimahölle der kommenden Jahrzehnte.
Jetzt ist Freitag, bis Montag ist Bläserpause. Dafür wird am Wochenende die stattliche Motorsportfraktion den Stadtteil ausgiebig beschallen. Das ist nicht weniger gespenstisch, denn unsere Liebe zu Verbrennern aller Art hat in jahrzehntelanger Arbeit die Dürre erst möglich gemacht.
Aber für manche ist das Aufheulen von Motoren ja wie Musik in den Ohren. Die zarten Vogelstimmen vermissen nur wir anderen.
(Foto: Laura Ockel auf unsplash.com)

