Wahlvorschlag

Allmächtiger Gott, Herr des Himmels und der Erde,

Robert Mugabe ist sicher nicht der erste Despot, der meint, Du hättest ihm die Macht gegeben – und damit auch das Recht, sie zu missbrauchen und mit allen Mitteln zu behaupten. In diesen Tagen sagte er, Du allein könntest ihn abwählen.

Eine gute Idee. Die UNO wird von den Chinesen und Russen blockiert und andere afrikanische Staatschefs haben kein gesteigertes Interesse daran, Dir diese Aufgabe abzunehmen. Vielleicht hat Robert Mugabe schon lange nicht mehr Apostelgeschichte 12,21-23 gelesen. Dort steht in grimmiger Deutlichkeit, wie so eine Abwahl aussehen könnte:

Am festgesetzten Tag nahm Herodes im Königsgewand auf der Tribüne Platz und hielt vor ihnen eine feierliche Ansprache. Das Volk aber schrie: Die Stimme eines Gottes, nicht eines Menschen! Im selben Augenblick schlug ihn ein Engel des Herrn, weil er nicht Gott die Ehre gegeben hatte. Und von Würmern zerfressen, starb er.

Gut zu wissen, dass Du nicht hinter solchen Gewaltherrschern stehst. Herodes hatte, glaube ich, weniger Leute auf dem Gewissen. Wie Du Mugabe abwählst, muss ich nicht wissen. Ich bete nur darum, dass es schnell geht und dass jemand besseres nachrückt.

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Emerging Grannies?

Gestern saß ich mit einer liebenswerten älteren Dame bei einem Glas Wein und wir sprachen über Gott und die Welt. Dabei erzählte sie von dem Hauskreis in ihrer Kirchengemeinde mit einigen anderen Leuten ihres Alters und dass sie alle das Gefühl haben, sie können das, was sie seit Kindertagen glauben, nicht mehr so richtig in Worte fassen. Die alten Formulierungen passen schlicht nicht mehr. Ab und zu arbeitet einer aus der Gruppe an einem grundlegenden Glaubensthema, mit eher willkürlich ausgewählter Literatur, aber sie kommen nicht so recht weiter. Zum Beispiel in der Frage, ob Gott denn das Blut Christi gefordert oder nötig gehabt habe.

Zugleich erlebt sie bei ihren Enkeln, wie diese mit den christlichen Vorstellungen von Gott und dem Evangelium, mit dem sie groß geworden war, rein gar nichts mehr anfangen können. Der eine erklärte schon im zarten Alter von acht Jahren, Glaube spiele sich nur ihm Gehirn ab. Die andere kann einfach nicht verstehen, warum Gott an den Menschen ständig nur das Negative sieht.

Egal wie diese Vorstellungen der Jugendlichen zustande kamen, wie geht man mit solchen (Vor-?)Urteilen um? Das fragen sich diese älteren Mitchristen nun – und inzwischen haben sie auch jemanden gefunden, der ihnen theologisch unter die Arme greift.

Ich habe nur gesagt, dass ich mich die letzten Jahre mit genau denselben Themen herumgeschlagen habe und es immer noch tue. Möglicherweise ist die emerging conversation viel älter, als wir denken. Oder zumindest offen für alle Altersgruppen. Alle, die noch lernen und im Gespräch bleiben mit anderen. Und das finde ich absolut großartig.

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Fix und Fatih

… waren die Kroaten nach der unerwarteten Last-Minute-Niederlage gegen die Türkei, und nun hat es auch die Holländer erwischt, die doch alle schon im Finale gesehen hatten.

Kein Gruppenerster hat bisher überlebt. Lässt die Frühform im Turnierverlauf nach, hat sich der Einsatz der B-Mannschaft im letzten Gruppenspiel negativ auf den Spielrhythmus ausgewirkt? Plötzlich will keiner mehr Favorit sein. Verkehrte Welt…

Diese Woche habe ich die Anweisung Jesu gelesen, sich am Tisch nicht die Ehrenplätze zu suchen (nebenbei: was heißt das für das notorische Plätze besetzen bei christlichen Großveranstaltungen?), sondern sich bescheiden am unteren Ende der Tafel niederzulassen (das zumindest haben viele Gottesdienstbesucher schon verinnerlicht…).

Ab jetzt werden sich die Teams bei der EM vermutlich im Tiefstapeln überbieten. Es scheint das Turnier der Underdogs zu werden. Italien kann die miese Gruppenphase als Verheißung für die KO-Runde betrachten. Die Russen müssen nun allerdings zittern im Halbfinale. Jeder rechnet mit einem Sieg gegen – wen auch immer…

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Omissionsrechte?

Alle Dogma-Fans aufgepasst: Anlässlich des internationalen Paulusjahres, das am 28. Juni beginnt, hat die katholische Kirche einen Sonderablass ausgerufen. Es könnte also spannend werden…

Fraglich ist natürlich aus evangelischer Sicht, was Paulus dazu sagen würde. Konkret heißt es nämlich zum Thema Ablass auf paulusjahr.info:

Der Ablass (lateinisch „indulgentia“) gehört zur Bußpraxis der Kirche und ist Teil der Verwirklichung des dritten Aspekts des Sakraments der Buße. Neben dem reumütigen Herzen („contritio cordis“) und dem ausgesprochenen Bekenntnis der Sünden („confessio oris“) bedarf es zur Sündenvergebung der Genugtuung durch Werke („satisfactio operis“). Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche (Codex Iuris Canonici, can. 992) und der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nr. 1471) bestimmen den Ablass als „Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet“.

Die Vorstellung ist, dass die Kirche hier ein Guthaben verwaltet und ermächtigt ist, bestimmte Transaktionen zu tätigen. In diesem Fall: zeitliche Strafen zu erlassen. Das erinnert irgendwie an den Handel mit Emissionsrechten, und weil Sünden häufig in Unterlassungen bestehen, könnte man von Omissionsrechten reden (lat. omissio: Auslassung). Insofern ist es wieder sehr modern.

Auch eine Art ancient future faith… 🙂

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Der Ort prägt die Optik

Diese Woche habe ich meinen kleinen Rasen gemäht und ein paar Dinge im Haus gefunden, die repariert oder ersetzt werden müssen. Ein neues Regalbrett für die vielen Bücher im Arbeitszimmer. Die Stühle um den Esstisch knarzen und wackeln erbärmlich. Es geht uns ganz gut in diesem Haus und in dieser Nachbarschaft. Und ich weiß nicht, ob ich mich darüber freuen soll, oder ob es Grund zur Beunruhigung ist. Eben lese ich das nächste Kapitel aus „New Monasticism“, und da steht unter anderem:

Manchmal muss man den Ort wechseln um die Welt wirklich zu sehen und die eigene Rolle in ihr neu zu durchdenken. Deshalb zog Antonius in die Wüste und Franziskus ging auf die Straßen. Sie wussten, dass mit der Kirche etwas nicht in Ordnung war, aber sie konnten die Alternativen nicht sehen von da, wo sie sich befanden. Ihr Ort blendete sie, besetzte ihre Vorstellungskraft. Die „monastics“ müssen die Welt von einem anderen Ort aus sehen, wenn sie sie neu sehen wollen. Also zogen sie um. Und als sie das taten, lösten sie eine Bewegung aus. Die Erneuerung der Kirche hing von ihrem Ortswechsel ab.

Also, auf nach Neusehland…?

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Durchschaut

Als Joachim Löw heute versprach, dass Deutschland ins Finale kommt, war mir alles klar: Es gab keinen einzigen Zufall im Verlauf der EM auf deutscher Seite. Alles sah nur so aus: Gegen Polen kickten sie sich warm, gegen Kroatien wurde dann die Tarnung begonnen. Großartige Leistung, wie die in Wirklichkeit absolut souveräne Mannschaft gegen die Balkan-Truppe so überfordert aussah. Andere Fußballer schauspielern, um Freistöße für sich und gelbe Karten für den Gegner zu schinden. Unser Team aber lullte die Portugiesen, die man für das Viertelfinale fest im Visier hatte, mit dem miesen Spiel erfolgreich ein. Sie wollten gar nicht erster werden…

Zugleich entzog man den Schlüsselspieler und Portugiesenschreck vom Dienst durch eine rote Karte dem Rampenlicht und schien sich dann gegen Österreich durchzuzittern, aber auch das war nur eine Verbeugung vor dem Gastgeber und um weiter Ronaldo & Co Sand in die Augen zu streuen. Und weil eben längst alles klar und perfekt geplant war, erwirkte Jogi Löw unterstützt von Josef Hickersberger den Platzverweis, um in Basel den Logenplatz zu bekommen. Auf dem Platz wurde er nämlich gar nicht gebraucht.

Scolari hatte zwar ein paar dunkle Ahnungen, aber niemand hörte auf ihn. Damit waren die Weichen gestellt für den Erfolg im Viertelfinale. Die Falle schnappte zu, die perplexen Gegner hatten das Nachsehen, der Turniersieg ist in Reichweite. Wir werden es alle noch sehen… 😉

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Verkleidet

Ich habe heute mittag mein Portugal-Trikot angezogen und schon die ersten spannenden Erlebnisse auf der Straße gemacht: Ich werde fassungslos angestarrt oder jemand ruft mir irgendwas hinterher. Ein bißchen Lust an der Provokation ist dabei, man muss doch auch mal gegen den Strom schwimmen können…

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Aufdrucksstark

Genial einfach, dieser Protest: Eine Bloggerin und Greenpeace Aktivistin bestellt bei Tchibo T-Shirts mit Wunsch-Aufdruck: „Tchibo Shirts: Gefertigt für Hungerlöhne“ und „Dieses T-Shirt hat ein Kind für Tchibo genäht“.

Tchibo liefert die bestellten Shirts tatsächlich, und gerät in die Schlagzeilen. Nun wird wieder über faire Arbeitsbedingungen diskutiert. Die Arbeiterinnen verdienen 18-14 Euro. Im Monat!

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Kein Cordoba

… aber wahrhaftig keine Glanzleistung. Auf der Straße vereinzeltes Hupen von Fans, die die Chance zum Autokorso noch nutzen wollen.

Die Portugiesen werden sich schon freuen auf unsere Rumpelfußballer, die endlich wieder so spielen, wie man das von Duetschland kennt und sie in dieser Verfassung vor keine großen Probleme stellen dürften. Oder doch? Im Fußball ist ja – wie man täglich hört – alles möglich.

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Schön locker bleiben…

In den letzten Wochen habe ich immer mal wieder die Diskussion über die Erweckung in Lakeland verfolgt. Mit recht zwiespältigen Gefühlen: Manches schien eine Art „Toronto reloaded“ zu sein, mit vielen Begleiterscheinungen, denen ich bisher nicht besonders nachgetrauert hatte. Zudem hatte mich das Niveau, auf dem Begeisterte und Entgeisterte diskutierten und mit häufig kontextbereinigten Bibelzitaten um sich warfen, auch nicht besonders beeindruckt. Schließlich schien mir das Ganze zu oft auch einfach furchtbar humorlos vorgetragen, und zwar von allen Seiten.

Vielleicht muss man sich noch viel gründlicher von der Vorstellung befreien, dass es Gottes Wirken irgendwo in Reinkultur gibt, selbst wenn Leute ganz intensive Erfahrungen machen. Vielleicht muss man die eigenartige Mischung, die so ein Phänomen erzeugt, auch mal eine Weile auf sich wirken lassen, ohne den Druck, alles entweder verklären oder verdammen zu müssen. Vielleicht hat Unterscheidung der Geister viel mehr damit zu tun, mit einer gesunden Portion Offenheit auch ebenso berechtigter Skepsis den ganzen Betrieb unter die Lupe zu nehmen, das (manchmal allzu) Menschliche daran einfach so stehen zu lassen und eben darüber auch mal zu lachen.

Mike K. hat das unter dem Titel „Leaving Lakeland“ auf the Ooze getan. Der erste Teil ist online und ich freue mich auf die Fortsetzung. Beim Lesen musste ich mehrfach laut lachen, weil er ziemlich frech schreibt („She wanted to bring the “Fire™” back home to her church„) und die Dynamik der segenshungrigen Meute so gut beobachtet (“People have been hungry for God” said the lady with red and gray highlights. “Yes. People will crawl over one another to get to God!” said another woman).

Parallel lese ich weiter in New Monasticism und lasse mich in Kapitel 4 wieder daran erinnern, dass Gottes primäres Augenmerk nicht dem Wohlbefinden und der persönlichen Entfaltung des einzelnen dient, sondern dass das alles eingebettet ist in die Vision einer Gemeinschaft, die dazu berufen ist, diese Welt zu verändern. Mehr geistliche Dynamik in dieser Richtung könnten wir sicher brauchen – ob sie nun via Internet und Satellit aus Florida kommt oder sich aus anderen, weniger bizarren Quellen speist.

Nachtrag: Inzwischen ist auch Teil 2 online.

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Gut aufhören können

Vor einiger Zeit haben wir beschlossen, unser LebensArt Projekt nach sieben Jahren einzustellen. Es hatte eine ganze Reihe von Gründen, und irgendwie schien allmählich die Luft raus zu gehen. Die meisten hatten das eine Weile schon so empfunden, und dann fiel die Entscheidung recht schnell. Es war dann bei aller Wehmut auch ein gutes Gefühl, dass viele sagten, es wird ihnen etwas fehlen und noch keiner gefragt hatte, wie lange wir das eigentlich noch machen wollen.

Leicht war das Ganze allerdings nicht. Und dabei fiel mir auf, was sich heute in einem Gespräch über andere Dinge noch einmal bestätigt hat: Ich glaube, wir sind nicht so gut darin, Dinge aufzuhören. Vielleicht verwechseln wir das auch mit Treue. Die allerdings brauchen wir wirklich. Sie besteht darin, vor Schwierigkeiten nicht davon zu laufen und Durststrecken zu ertragen.

Aber manchmal verwalten wir einfach nur den Stillstand und haben nicht den Mut, die Reißleine zu ziehen, wenn das Verfallsdatum erreicht ist. Vielleicht auch aus Verlegenheit und weil wir nicht wissen, was wir sonst tun sollten. Und das hat dann Folgen: Wir schleppen als einzelne wie als Gemeinden einen gewissen Ballast an Aktivitäten und Programm herum, der Kräfte bindet und wenig einbringt. Wir nehmen uns kreative Freiräume, die wir nutzen könnten, um Bestehendes zu verbessern oder Neues zu entwickeln. Wenn wir dann schließlich doch loslassen, sind wir müde und genervt und empfinden das Ganze als Niederlage.

Diesmal werden wir feiern. Einmal mit unseren Gästen und einmal als Team. Es wird ein guter Abschied.

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Neuer Lesestoff

Seit vorgestern lese ich Jonathan Wilson-Hartgroves Buch New Monasticism: What It Has to Say to Today’s Church und finde nach den ersten beiden Kapiteln, es ist eine gute Ergänzung und Vertiefung zu Shane Claibornes „Ich muss verrückt sein“.

Neben seiner eigenen Geschichte und der seiner Kommunität beschreibt Wilson-Hartgrove den theologischen und geschichtlichen Hintergrund des „neuen Mönchtums“ systematischer und zusammenhängender, als es die Episoden und Aphorismen des bekannten Mitstreiters hergeben. Und trotzdem hat er immer wieder prägnante Formulierungen, über die ich lange und ausführlich nachdenken möchte.

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Vergebung für 40 Euro

Ich bekam heute einen Stapel Flyer, in denen für eine Vergebungszeremonie geworben wird, die auf einem indianischen Ritual basiert. Grundlage ist die so genannte „Tipping-Methode“; und die ist, so lese ich, an keine religiösen Überzeugungen gebunden. Für die drei Stunden zahlt man dann 40 Euro als Teilnehmer.

Irgendwie widerstrebt mir der Gedanke, dass Vergebung hier zur weltanschaulich keimfreien Methode gemacht wird. Sicher hilft das Konzept manchen Menschen, erlittenes Unrecht zu verarbeiten. Aber für mich ist das doch nicht zu trennen vom Evangelium der Versöhnung zwischen Gott und Menschheit und deshalb dann auch zwischen einzelnen Menschen.

In diesem Sinne haben wir als Christen doch mehr zu sagen und zu bieten. Vielleicht müsste man die vorhandenen Angebote etwas profilierter herausstellen. Aber kostenlos sollten sie in jedem Fall bleiben, denn gerade Vergebung haben wir nach Mt 10,8 umsonst empfangen. Umsonst, aber nicht vergeblich…

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