Eine Stunde am Tag

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Es muss eine Stunde am Tag geben, wo der planende Mensch all seine Pläne vergisst und handelt, als hätte er überhaupt keine.

Es muss eine Stunde am Tag geben, wo der Mensch, der zu reden hat, verstummt. Dann formt er im Geist keine Anträge mehr, und er fragt sich: hatten sie einen Sinn?

Es muss eine Stunde geben, wo der Mann des Gebets anfängt zu beten, als geschähe es zu ersten Mal in seinem Leben, wo der Mann der Entschlüsse seine Entschlüsse beiseite schiebt, als wären sie alle zerronnen, und wo er eine neue Weisheit lernt: die Sonne vom Mond zu unterscheiden, Sterne vom Dunkel, das Meer vom festen Land und den Nachthimmel von der Wölbung eines Hügels.

Im Schweigen lernen wir zu unterscheiden. Wer das Schweigen flieht, flieht auch die Unterscheidungen. Er will nicht allzu klar sehen. Verwirrung ist ihm lieber.

Thomas Merton

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