Ende der Hitze

Beim Radfahren habe ich heute noch einen Sonnenbrand abbekommen. Aber wenigstens die kommende Nacht verheißt etwas Abkühlung, es ziehen von drei Seiten Gewitter heran.

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Liebe und Glück

Für die Liebe ist bloßes Geben und Nehmen nicht genug; sie will in Freiheit geben und nehmen. das heißt, sie will verschenken, nicht nur angenommen werden. Selbstlose Liebe, die an einen selbstsüchtigen Empfänger verschwendet wird, schafft kein vollkommenes Glück. Nicht weil Liebe Erwiderung oder Lohn fordert, sondern weil sie im Glück des Geliebten beruht. Und wenn der Geliebte selbstsüchtig empfängt, ist der Liebende nicht befriedigt. Er erkennt, dass es seiner Liebe nicht gelungen ist, den Geliebten glücklich zu machen. Er hat seine Fähigkeit zu selbstloser Liebe nicht wecken können.

Thomas Merton, Keiner ist eine Insel, S. 18

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Blick nach oben

Gestern abend ist die ISS gut sichtbar am diesigen Nachthimmel über uns hinweggezogen. Heute morgen lese ich, dass die (eine?) Toilette da oben streikt. Alle Erlanger haben um 22:04, um 23:39 und morgen um 1:14 Uhr noch einmal die Gelegenheit, einen Blick zu erhaschen. Die Zeiten für andere Orte gibt es hier.

Und hoffentlich ist das Problem dann schon gelöst.

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Zitat der Woche

Der Prophetenwahn – in unserer Zeit etwas recht Häufiges – ist der äußerste Gegensatz zum Herdenwahn, der zu allen Zeiten noch häufiger ist. Der falsche Prophet wird jede Antwort annehmen, vorausgesetzt, dass es seine, dass es nicht die Herdenantwort ist. Die Herdenmentalität andererseits heißt jede Antwort gut, die in der eigenen Herde umläuft, vorausgesetzt, dass es nicht die Antwort eines Propheten ist, der nicht seit mindestens fünfhundert Jahren tot ist.

Thomas Merton, Keiner ist eine Insel

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Zu viele Katzen

Heute morgen im Gottesdienst hatten wir eine Lesung aus der Volxbibel. Statt des verlorenen Schafes hat sich dort in Lukas 15 eines von 20 (!) Haustieren eines Katzenfans verlaufen. Es taucht zum Glück wieder auf, und Frauchen/Herrchen feiert eine Party.

So spontan war ich etwas ratlos: Ich war wohl nicht der einzige, der (weil allergisch gegen die lieben Tierchen) eine Wohnung mit 20 Katzen nie betreten würde. Die Feier würde also ohne mich stattfinden müssen. Meine Nachbarin (die eher an den Geruch in der Bude dachte) fand auch, dass jemand, der 20 Katzen hat, etwas merkwürdig ist.

Das ist der Bauer mit seinen 100 Schafen nicht. Hier geht es ja nicht um Tierliebe im spätmodernen Sinn – die Hirten damals und die Bauern heute sind da eher pragmatisch-unsentimental. Es ist eher so wie bei dem Abschnitt mit der verlorenen Drachme: ein wertvolles Besitzstück.

Eine Aktualisierung von biblischen Gleichnissen ist sicher wichtig, kann aber auch leicht schief gehen: Ich war über eine Katze weniger nicht so unglücklich. Katzen schlagen sich in der Regel ganz gut durch…

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Umkehrschluss

Diese Woche hat jemand eine Statistik zitiert, nach der (wenn ich mich recht erinnere, aber auf ein paar Prozent kommt es auch gar nicht an…) 85% der Menschen bis zum 14. Lebensjahr zum Glauben gefunden hatte. Die Schlussfolgerung war, dass Kinder- und Jugendarbeit enorm wichtig ist.

Ist sie auch. Nur kann man aus der Statistik eben auch entnehmen, dass man offenbar in eine christliche Familie und Gemeinde mehr oder weniger hineingeboren werden muss. Und möglicherweise kann man auch schließen, dass außer ein paar Alibiaktionen die bestehenden Gemeinden (so gut wie) nichts unternehmen, um Erwachsenen zu helfen, ihren Weg zum Glauben zu finden.

Denn vielleicht liegt es nicht an den Leuten und nicht am Alter, sondern an der Art, wie unsere Gemeinden funktionieren…?

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Was ist natürlich?

Nachdem das Thema Homosexualität immer wieder mal hochkocht, hier ein guter Rat des Verhaltensforschers Paul Vasey auf Zeit Online zu Analogien aus dem Tierreich. Dort wird in bestimmten Fällen homosexuelles Verhalten beobachtet. Aber welche Schlüsse darf man daraus ziehen für die politische Diskussion (ganz zu schweigen vom Thema Monogamie, wo oft ähnlich verfahren wird)?

Vasey jedenfalls will nicht, dass seine Forschungsergebnisse missbraucht werden. Von niemandem:

Die Schwulenbewegung verwendet diese Ergebnisse als politisches Instrument. Allerdings greifen Anti-Homosexuellen-Verbände, wie konservativen Christen, genauso auf Forschungsergebnisse zurück, um gegen Homosexuelle zu argumentieren. Jeder nutzt also die Forschung für seine politischen Zwecke. Als Wissenschaftler kann ich nur sagen: Wenn ein Politiker Tiere benutzt, um zu behaupten, was natürlich ist und was nicht, dann hat der Politiker unrecht.

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Alpha EMEA Week (2): Die Richtung stimmt – immer noch

Der Berufsverkehr braust über die Brompton Road und das Caffé Nero hat zum Glück schon auf. Etwas Katerstimmung herrscht noch im Royal Borough of Kensington and Chelsea nach der Finalniederlage gestern. Dafür haben letzte Nacht keine feiernden Fans unseren Schlaf getrübt. Heute ist mein letzter Tag auf der EMEA Week. Viele gute Begegnungen liegen schon hinter mir und manches, was sich schon angedeutet hatte, ist noch klarer geworden.

Ein wesentlicher Beitrag dazu kam wieder von Graham Tomlin. Er hat gestern noch einmal zwei sehr hilfreiche theologische Grundlagenreferate gehalten, in denen ich mich sehr gut wiederfinden konnte. Zuvor hatte schon Nicky Gumbel deutlich gemacht, dass die Motivation für Evangelisation die Transformation der Gesellschaft ist. Statt „Hintern für den Himmel“ (meine Worte…) also: Mitarbeiter für Gottes neue Welt. Und weil die Aufgaben in dieser Welt so riesig sind (man muss nur die Teams aus Kenia, Zimbabwe oder Ruanda fragen, da ist es vielleicht am deutlichsten zu spüren.

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Zurück zu Graham: Er erklärte, dass Evangelisation eine Form der Katechese ist. In einer Zeit, in der man keinen „objektiven“, neutralen Standpunkt mehr findet (wenn es ihn je gab…), von dem aus man die unterschiedlichen Überzeugungen betrachten und bewerten könnte, kann man über Wahrheiten nicht mehr intellektuell entscheiden, sondern muss ihnen existenziell nachgehen. Es geht nicht um Ideen, sondern um einen Lebensstil. Und den kann man nur verstehen, wenn man sich zumindest versuchsweise darauf einlässt und in einer Gemeinschaft die Grammatik des Glaubens lernt. Zweitens ist Evangelisation ein Akt der Gastfreundschaft. Die Gemeinschaft, die von Gott als dem dreieinigen ausgeht, ist offen für andere: Auf Rublevs berühmter Ikone ist ein Platz leer. In dieser Gemeinschaft dann ist der Raum für Gespräch, so wie in den Tischgemeinschaften mit Jesus, wo sich so viele wesentliche Dinge abgespielt haben. Und nicht zuletzt in diesem Sinne vermittelt Evangelisation (das war der dritte Punkt) einen Vorgeschmack von Gottes Zukunft versöhnter Beziehungen und einer geheilten Schöpfung.

Der Gedanke der Transformation liegt in der Herrschaft Gottes begründet, um die sich bei Jesus alles dreht. Hier denkt Graham stark von der Missio Dei her: Gott bezieht uns ein in die Erneuerung und Wiederherstellung seiner Welt. David Bosch sagte, Evangelisation bedeutet, Menschen in diese Mission zu rufen. Und auch wenn wir keinen vollkommenen Himmel auf Erden erreichen werden, so ist es doch ein Beitrag mit ewiger Bedeutung. Kirche muss von dieser Missio Dei her gedacht und zentrifugal – nach außen gewandt – gedacht und gelebt werden, nicht nach innen gekehrt. Und das ist zuerst eine Frage der Herzen, nicht der Gebäude. Wir geben das, was wir bekommen haben, gleich weiter – und merken dabei, wie es mehr statt weniger wird, je länger wir das tun.

Alpha wird ein immer bunterer und größerer Ökumenischer Mikrokosmos. Gestern war ein koptischer Bischof unter uns der von einer Arbeit unter Aidskranken berichtete und Heilungen, die sie dort auch erleben; in Chile arbeiten Katholiken, Pfingstler und Evangelikale fröhlich zusammen; 35 verschiedene Gemeinden haben in Soweto eine Alpha Celebration veranstaltet, in Irland gibt es erste Alpha-Kurse für Gehörlose und unter Obdachlosen, in Seattle hat man für Einwanderer einen sprachlich stark vereinfachten Kurs entwickelt. Andere Dinge habe ich ja schon erwähnt.

Je länger ich über das alles nachdenke, desto begeisterter bin ich, ein Teil dieses Beziehungsgeflechts zu sein, das diese gute Nachricht verbreitet und immer mehr und konkreter auch daran geht, in vielen kleinen Schritten die Welt zu verändern. Denn auch wenn vor Ort mal eine Weile lang nichts vorwärts zu gehen scheint, alle zusammen kommen wir eben doch voran. Und wenn Alpha auch bei uns immer noch mehr dazu hilft, nicht nur Kirchenbänke zu füllen, sondern Menschen für die Missio Dei freizusetzen, dann ist es jeden Aufwand wert.

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Verbohrt

Vorgestern sah ich auf BBC ein Interview mit dem Schriftsteller Gore Vidal. Irgendwann kam das Gespräch auf das Christentum, weil Vidal unter anderem dem römischen Kaiser Julian (der kein Freund der Christen war) ein literarisches Denkmal setzte. Vidal sagte, die Geschichte des Christentums sei mit Blut beschmiert. Und als der Interviewer zu bedenken gab, dass Christen neben Grausamkeiten auch vieles Gute gebracht hätten, sagte er knapp: „Ich habe nie etwas davon gesehen“. Auch durch einiges Zureden ließ er sich nicht davon überzeugen, dass dieses Statement vielleicht überzogen war.

Zugleich scheint er im Hinblick auf sein Heimatland ähnlich zu denken. Er lebt in Italien, weil für ihn alle Amerikaner Lügner sind, die sich die Wahrheit über sich selbst nicht eingestehen. Vidal natürlich ausgenommen, sonst wüsste er ja nicht, dass die anderen Lügner sind. Vielleicht ist er aber doch nicht so anders als seine Landsleute – immerhin hält er unbeirrt an seinen pauschalen Vorurteilen fest…

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Alpha EMEA Week (1): Spannende Zeiten

Am ersten Tag gab es viele Begegnungen mit alten (und ein paar neuen) Bekannten, eine inspirierende Einführung von Sandy Millar, der noch einmal zentrale Anliegen rekapitulierte, und einen Einstieg in die Theologie von Alpha von Graham Tomlin, der den Weg über die Pneumatologie wählte und sehr schön darstellte, dass der Heilige Geist es ist, der Gottes Schöpfung und menschliches Leben zur Erfüllung und Vollendung bringt. Er ist Gottes verändernde Kraft, weil in ihm die Zukunft der Welt schon erfahrbar angebrochen ist. Deshalb ist geisterfülltes Menschsein menschlicher und in gewisser Weise natürlicher, nicht abgehobener und künstlicher. Und es entsteht auch eine neue Rationalität, die nicht mehr von den Zwängen der Welt, wie wir sie jetzt kennen, beschränkt wird, sondern sich an dem orientiert, was einmal sein wird. Aber es geht um mehr als den Verstand – der Geist Gottes eröffnet uns das Leben der neuen Welt, zumindest in immer neuen Ansätzen. Hier liegt, sagt Graham, auch eine wesentliche theologische Begründung dafür, warum Christsein mit Gesellschaftstransformation zu tun hat.

Alpha und die immer vielfältigeren verwandten Arbeitszweige entwickeln sich ständig. Hier in Holy Trinity hat unter der Leitung von Nicky Gumbel das Interesse an und der Einsatz für soziale Zwecke enorm zugelegt. Arbeitszweige wie eine Obdachlosenunterkunft in der kalten Jahreszeit haben eröffnet, man arbeitet mit vielen Partnerorganisationen zusammen, der Salt and Light Course hilft Christen, ihre Prioritäten zu ordnen und nimmt dabei auch den Kontostand und den Terminkalender unter die Lupe, die Gemeinde hat erste Schritte unternommen, ihren CO2 Ausstoß zu senken, bezieht Ökostrom und kauft fair gehandelte Nahrungsmittel ein. Das mag im reichen Kensington (die Ferrari- und Porschedichte hier ist enorm) auch gut fürs hippe Image sein, aber die Richtung stimmt auf jeden Fall.

Zum Schluss noch ein paar Schlaglichter: Weltweit haben inzwischen rund 11 Millionen Menschen an einem Alpha-Kurs teilgenommen. Das Wachstum ist regional unterschiedlich, aber in Indien haben als Resultat von 40 Konferenzen rund 2.000 Kurse begonnen. Unter den rund 1.200 Gästen aus 83 Ländern, die diese Woche hier zusammen kommen, ist der Anteil der Katholiken noch einmal gestiegen. Sie waren heute morgen die größte konfessionelle Gruppe, darunter auch (trotz EMEA) eine Delegation der lateinamerikanischen Bischöfe.

Die faustdicke Überraschung heute war für mich, dass Pete Greig von 24/7 Prayer der Nachfolger von Jeremy Jennings als Verantwortlicher für das Gebet in HTB wird. Spannende Zeiten!

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London – der erste Tag

Das Wetter hat sich seit gestern abend (der Club stieg ab und es goß in Strömen in Nürnberg, sogar in London nieselte es noch…) deutlich verbessert. Nur noch vier Nächte im Eden Plaza, dessen Name doppelt irreführend ist. Platz hat man in dem winzigen Zimmerchen nicht und von Eden ist an der lauten Ecke Brompton Road/Queens Gate auch nichts zu spüren. Der Mann an der Rezeption erklärte mir gestern abend, dass ich das Frühstück gratis bekomme. Offenbar fand er den Preis auch happig… 🙂

Heute morgen bin ich eine Runde bei strahlendem Sonnenschein und kühlem Wind durch den Hyde Park gejoggt, dabei zahllosen Hunden ausgewichen. Danach war habe ich vergeblich mein Lieblingsrestaurant (mit WiFi) gesucht, war zum Gottesdienst in HTB, Graham Tomlin hat gepredigt, anschließend beim Mittagessen im Garten der Gumbels und habe mich am Nachmittag mit Bahn und Busersatzverkehr nach Sutton durchgeschlagen, um einen Kaffee mit Jason Clark zu trinken. Wie immer ein anregendes Gespräch. Danach noch ein Besuch bei Freunden und nun warte ich, bis ich müde genug bin, um auf der weichen Matratze möglichst sofort einzuschlafen.

Heute mittag traf ich einen jungen Mann, dessen Frau am Dienstag das zweite Kind bekommen hat. Vor zwei Jahren waren sie beide schon einmal hier. Sie hatten sieben Jahre vergeblich versucht, Kinder zu bekommen. Damals hatte Sandy Millar eines Abends den Impuls, für kinderlose Paare zu beten. Ich glaube, das macht er sehr gern. Und tatsächlich: das ältere Kind ist jetzt 15 Monate alt, das zweite folgte prompt…

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London am Horizont

Heute abend geht es via Zürich nach London zur EMEA Week. Alpha-Leute aus Europa, Afrika und dem nahen Osten kommen zum Austausch zusammen. Das sind immer anstrengende und interessante Tage zugleich und wenn alles klappt in Sachen WiFi, werde ich hier den einen oder anderen Bericht absetzen, bevor es Donnerstag wieder zurück geht.

Auf London im Frühling freue ich mich, sonst war ich oft im Herbst oder Winter dort. Das noch bezahlbare Hotel hat sehr unterschiedliche Ratings im Internet bekommen, zumindest aber liegt es nahe am Hyde Park und erlaubt so die eine oder andere morgendliche Joggingrunde. Mal sehen, wer da sonst noch so läuft…

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„Evangelikal sein“ (5): Und jetzt?

Auch wenn die Theologie sehr betont wurde, scheint mir das Manifesto ein ausgesprochen kirchenpolitisches Dokument zu sein. Theologisch tief gebohrt wird nirgends, die Konsensformeln sind etwas hausbacken und dehnbar. Immer wieder ist der Versuch mit Händen zu greifen, im Wahljahr einen Mittelweg zwischen den Extremen zur Rechten und Linken offen zu halten.

Die Abgrenzungen gegenüber dem Liberalismus fallen deutlicher aus als nach „Rechts“, und auch das wirkt auf mich so, als wolle man die innerevangelikale Einheit durch diesen Akzent bestärken. Immerhin hat es aus den Reihen der Hardliner auch schon Kommentare gegeben, die zeigen, dass die Botschaft angekommen ist.

Ob die Botschaft in der Öffentlichkeit ankommt, dass Evangelikale und religiöse Rechte nicht identisch sind, scheint mir indes zweifelhaft. Dazu ist der Text zu lang und manche Distanzierungen sind zu verklausuliert. Ich vermute, es wird über kurz oder lang eine Spaltung des „alten“ Evangelikalismus stattfinden in eine fundamentalistischen und einen weltoffenen Flügel. Einige der Sollbruchstellen sind hier schon vorgezeichnet.

Hier noch ein paar Links zum Thema:

An Evangelical Manifesto?

Take 2: An Evangelical Manifesto

Take 3: An Evangelical Manifesto and a Covert Colonialism

Come On, You Call This a Manifesto?

‚An Evangelical Manifesto‘ criticizes politics of faith – CNN.com

Evangelicals Lament a Politicized Faith

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