Omissionsrechte?

Alle Dogma-Fans aufgepasst: Anlässlich des internationalen Paulusjahres, das am 28. Juni beginnt, hat die katholische Kirche einen Sonderablass ausgerufen. Es könnte also spannend werden…

Fraglich ist natürlich aus evangelischer Sicht, was Paulus dazu sagen würde. Konkret heißt es nämlich zum Thema Ablass auf paulusjahr.info:

Der Ablass (lateinisch „indulgentia“) gehört zur Bußpraxis der Kirche und ist Teil der Verwirklichung des dritten Aspekts des Sakraments der Buße. Neben dem reumütigen Herzen („contritio cordis“) und dem ausgesprochenen Bekenntnis der Sünden („confessio oris“) bedarf es zur Sündenvergebung der Genugtuung durch Werke („satisfactio operis“). Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche (Codex Iuris Canonici, can. 992) und der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nr. 1471) bestimmen den Ablass als „Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet“.

Die Vorstellung ist, dass die Kirche hier ein Guthaben verwaltet und ermächtigt ist, bestimmte Transaktionen zu tätigen. In diesem Fall: zeitliche Strafen zu erlassen. Das erinnert irgendwie an den Handel mit Emissionsrechten, und weil Sünden häufig in Unterlassungen bestehen, könnte man von Omissionsrechten reden (lat. omissio: Auslassung). Insofern ist es wieder sehr modern.

Auch eine Art ancient future faith… 🙂

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Eine Antwort auf „Omissionsrechte?“

  1. Es hat mich schon immer irritiert, dass Menschen sich zu „Sündenverwaltern“ aufschwingen … übrigens hat es auch andere Menschen schon irritiert, dass „jemand“ Macht hat, Sünden zu vergeben… Markus berichtet darüber in Kapitel 2 „Es saßen aber dort einige von den Schriftgelehrten und überlegten in ihrem Herzen: Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben außer einem, Gott.“
    Mir scheint, die Schriftgelehrten unserer Tage sind nicht klüger geworden durch diese Worte.
    Und ganz offensichtlich haben sie auch die Antwort Jesu auf ihre Überlegungen nicht verstanden: „Damit ihr aber wißt, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben – spricht er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh in dein Haus.“

    Mich hat diese Geschichte schon als Kind fasziniert – da hatte ich noch keine Ahnung von Ablass und Sündenverwaltung durch kirchliche Institutionen.

    Nun bin ich allerdings keine Theologin – und die mögen das alles noch etwas anders und besser verstehen als ich!

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