Emerging Grannies?

Gestern saß ich mit einer liebenswerten älteren Dame bei einem Glas Wein und wir sprachen über Gott und die Welt. Dabei erzählte sie von dem Hauskreis in ihrer Kirchengemeinde mit einigen anderen Leuten ihres Alters und dass sie alle das Gefühl haben, sie können das, was sie seit Kindertagen glauben, nicht mehr so richtig in Worte fassen. Die alten Formulierungen passen schlicht nicht mehr. Ab und zu arbeitet einer aus der Gruppe an einem grundlegenden Glaubensthema, mit eher willkürlich ausgewählter Literatur, aber sie kommen nicht so recht weiter. Zum Beispiel in der Frage, ob Gott denn das Blut Christi gefordert oder nötig gehabt habe.

Zugleich erlebt sie bei ihren Enkeln, wie diese mit den christlichen Vorstellungen von Gott und dem Evangelium, mit dem sie groß geworden war, rein gar nichts mehr anfangen können. Der eine erklärte schon im zarten Alter von acht Jahren, Glaube spiele sich nur ihm Gehirn ab. Die andere kann einfach nicht verstehen, warum Gott an den Menschen ständig nur das Negative sieht.

Egal wie diese Vorstellungen der Jugendlichen zustande kamen, wie geht man mit solchen (Vor-?)Urteilen um? Das fragen sich diese älteren Mitchristen nun – und inzwischen haben sie auch jemanden gefunden, der ihnen theologisch unter die Arme greift.

Ich habe nur gesagt, dass ich mich die letzten Jahre mit genau denselben Themen herumgeschlagen habe und es immer noch tue. Möglicherweise ist die emerging conversation viel älter, als wir denken. Oder zumindest offen für alle Altersgruppen. Alle, die noch lernen und im Gespräch bleiben mit anderen. Und das finde ich absolut großartig.

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Fix und Fatih

… waren die Kroaten nach der unerwarteten Last-Minute-Niederlage gegen die Türkei, und nun hat es auch die Holländer erwischt, die doch alle schon im Finale gesehen hatten.

Kein Gruppenerster hat bisher überlebt. Lässt die Frühform im Turnierverlauf nach, hat sich der Einsatz der B-Mannschaft im letzten Gruppenspiel negativ auf den Spielrhythmus ausgewirkt? Plötzlich will keiner mehr Favorit sein. Verkehrte Welt…

Diese Woche habe ich die Anweisung Jesu gelesen, sich am Tisch nicht die Ehrenplätze zu suchen (nebenbei: was heißt das für das notorische Plätze besetzen bei christlichen Großveranstaltungen?), sondern sich bescheiden am unteren Ende der Tafel niederzulassen (das zumindest haben viele Gottesdienstbesucher schon verinnerlicht…).

Ab jetzt werden sich die Teams bei der EM vermutlich im Tiefstapeln überbieten. Es scheint das Turnier der Underdogs zu werden. Italien kann die miese Gruppenphase als Verheißung für die KO-Runde betrachten. Die Russen müssen nun allerdings zittern im Halbfinale. Jeder rechnet mit einem Sieg gegen – wen auch immer…

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Omissionsrechte?

Alle Dogma-Fans aufgepasst: Anlässlich des internationalen Paulusjahres, das am 28. Juni beginnt, hat die katholische Kirche einen Sonderablass ausgerufen. Es könnte also spannend werden…

Fraglich ist natürlich aus evangelischer Sicht, was Paulus dazu sagen würde. Konkret heißt es nämlich zum Thema Ablass auf paulusjahr.info:

Der Ablass (lateinisch „indulgentia“) gehört zur Bußpraxis der Kirche und ist Teil der Verwirklichung des dritten Aspekts des Sakraments der Buße. Neben dem reumütigen Herzen („contritio cordis“) und dem ausgesprochenen Bekenntnis der Sünden („confessio oris“) bedarf es zur Sündenvergebung der Genugtuung durch Werke („satisfactio operis“). Das Gesetzbuch der lateinischen Kirche (Codex Iuris Canonici, can. 992) und der „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nr. 1471) bestimmen den Ablass als „Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist; ihn erlangt der entsprechend disponierte Gläubige unter bestimmten festgelegten Voraussetzungen durch die Hilfe der Kirche, die im Dienst an der Erlösung den Schatz der Sühneleistungen Christi und der Heiligen autoritativ verwaltet und zuwendet“.

Die Vorstellung ist, dass die Kirche hier ein Guthaben verwaltet und ermächtigt ist, bestimmte Transaktionen zu tätigen. In diesem Fall: zeitliche Strafen zu erlassen. Das erinnert irgendwie an den Handel mit Emissionsrechten, und weil Sünden häufig in Unterlassungen bestehen, könnte man von Omissionsrechten reden (lat. omissio: Auslassung). Insofern ist es wieder sehr modern.

Auch eine Art ancient future faith… 🙂

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