Bibel in heutiger Sprache (2)

Wenn Ihr Geld spendet, dann sollt Ihr es machen, wie das Tiefbauamt: Sie sperren und asphaltieren eine Straße wochenlang, und dann reißen sie die Fahrbahn drei Wochen später wieder auf, um eine Leitung zu legen. So sollt auch Ihr Euren Geldbeutel immer wieder aufmachen…

(vgl. Mt 6,3)

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„Gabentopf“: Halb voll oder halb leer?

Ich bewege mich immer noch im Themenkreis von Pfingsten. Heute morgen haben wir eine neue Predigtreihe geplant und sind dabei auf die verschiedenen Listen geistlicher Gaben im Neuen Testament gekommen.

Die meisten von uns haben dagegen den umgekehrten Ansatz kennen gelernt: Jemand predigt über einen solchen Text und befasst sich dann nicht mit den Gaben, die in der Gemeinde vorhanden sind, sondern mit denen, die fehlen.

Was natürlich sofort zu der Frage führt, warum sie denn fehlen. Von da ist man schneller als man denkt bei der Frage, wer an diesem defizitären Zustand schuld ist. Und schon hat man genau das Gegenteil dessen erreicht, was Paulus eigentlich wollte: Sich über den Reichtum, den Gott wirkt, dankbar zu freuen.

Schon komisch, wie wir das immer wieder hinkriegen….

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Bibel pervers

Spiegel online zeigt ein paar PowerPoint Folien von Donald Rumsfeld, auf denen dieser Kriegsnachrichten aus dem Irak mit Bibelversen garniert hatte. Mit Verlaub, dieser Umgang mit der Bibel ist pervers: Wenn Bilder von US-Kampfbombern, Panzern und Marines mit dem Aufruf Gottes an den militärisch und waffentechnisch hoffnungslos unterlegenen Josua, doch mutig und unerschrocken zu sein, kombiniert werden, dann stellt das die Verhältnisse eben gerade auf den Kopf. So gesehen hätte Gott – wenn man denn schon unbedingt annehmen will, dass er Partei ergreift – doch eher auf der Seite der Irakis gewesen sein.

In Crown of Lights gibt es einen interessanten kleinen Dialog, wo Merrily Watkins‘ Tochter Jane sich fragt, ob es analog zur schwarzen Magie auch eine Art black christianity gibt, wobei „schwarz“ eben weder im politischen noch im ethnischen Sinn gebraucht wird, sondern für die Bereitschaft steht, andere Menschen zu unterdrücken, einzuschüchtern, auszugrenzen und zu zerstören um die eigene Macht zu vergrößern oder zu behaupten.

Also das hier kommt schon nahe hin. Und es zeigt einmal mehr, dass Kontext alles ist. Einfach Bibelstellen zitieren kann ja – laut Bibel – selbst der Teufel…

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Dialogs-Domino: Ein Anstoß gibt den nächsten…?

Natürlich ist das Kreuz ein anstößiges Symbol. Doch nicht jede Auseinandersetzung um diesen Anstoß verläuft glücklich, wie der Eklat um den hessischen Kulturpreis zeigt. Über diesen Artikel der Zeit online bin ich auf den eigentlichen Stein des Anstoßes aufmerksam geworden und fand, der Artikel von Navid Kermani in der NZZ über eine Kreuzesdarstellung von Guido Reni ist ein gutes Beispiel für die Mischung von Gedanken und Gefühlen, Empfindlichkeiten und Missverständnissen, mit denen wir es im Dialog der Religionen zu tun haben.

Neben Kermani werden nicht nur viele Muslime, sondern auch ein paar Millionen Deutsche ganz ähnliche Fragen haben. Und Kermani bietet selbst schon einen Ansatz für das weitere Gespräch, weil das Bild ihn von der abstoßenden Leidensmystik hinaus zum tieferen Sinn des Kreuzes hin führt, den auch viele Christen ähnlich beschreiben könnten, etwa wenn er sagt, dass Jesus hier nicht leidet, „um Gott zu entlasten“ und dass sein Todesschrei die Gottverlassenheit und Todverfallenheit der ganzen Welt einschließt (genau das bedeutet ja „Stellvertretung“, richtig gedacht).

Natürlich verfehlt Kermani das christliche Verständnis an manchen Stellen trotzdem und wendet sich eher gegen einen Karikatur desselben. Aber ich dachte, dazu ist der Dialog da, dass solche Differenzen ausgesprochen und vielleicht eines Tages ausgeräumt werden. Umgekehrt bedeutet es, dass wir als Christen den Muslimen ja auch schwierige Fragen über ihr Gottesbild stellen dürfen, ohne gleich in die Ecke gestellt zu werden.

Bezeichnend dazu auch der Kommentar von Matthias Kamann in der Welt: „Wenn sich schon alle an die Regeln für den Dialog der Religionen halten würden, dann müsste man ihn nicht mehr führen.“

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Facebook-Tests, auf die die Welt gewartet hat

In den letzten Wochen ist mein Freundeskreis auf Facebook wieder etwas gewachsen und mit ihm (oder noch schneller als dieser) die Zahl der Nachrichten über irgendwelche sinnigen Tests. Zum Glück lassen sich die ja abstellen, lästig ist es aber allemal. Ich will gar nicht wissen, welcher Soap-Star ich bin.

Also habe ich zu Zweck der Immunisierung mal überlegt, welche überflüssigen Tests Facebook noch braucht. Hier ein paar Vorschläge von mir – vielleicht hat sie schon längst jemand realisiert – und dann könnt Ihr die Liste über die Kommentarfunktion ergänzen:

  • Welcher italienische Politiker bist du?
  • Welcher Modern-Talking-Song bist du?
  • Welches Fünf-Freunde-Buch bist du?
  • Welcher ausgestorbene Autohersteller bist du?

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Drei ??? und die Unheilspropheten

In dieser Woche wurde ich gleich mehrmals auf eine nach eigenem Anspruch prophetische Botschaft von David Wilkerson angesprochen, die gerade die Runde macht. Wilkerson kündigt eine gewaltige, nicht näher erläuterte Katastrophe an, die zu weltweitem Chaos führen werde und dann empfiehlt, einen Vorrat an Nahrungsmitteln und Toilettenartikeln für 30 Tage anzulegen.

Schon vor ein paar Monaten geisterte eine Botschaft des Berliner Pastors Joh.W. Matutis durchs Netz, die in eine ähnliche Richtung wies, aber deutlich langatmiger ausfiel. Natürlich haben in Zeiten globaler Krisen solche Stimmen Hochkonjunktur, nicht nur unter Christen. In jüngster Zeit haben aber oft auch die Recht behalten, die vor Monaten noch als Schwarzseher bezeichnet wurden.

Muss man diesen Stimmen also glauben, wenn man nicht selbstsicher ausschließen kann, dass sich irgendwo gewaltiges Unheil zusammenbraut? Andererseits habe ich heute wieder Jesu Wort über die Vögel am Himmel und die Lilien auf dem Feld gelesen und mich gefragt, wie die Anweisung zum Bunkern von Vorräten dazu passt. Mir sind beim Lesen dieser Botschaften drei Fragezeichen gekommen:

Fragezeichen 1: Die Dominanz des Spektakulären

Es ist ja nicht so, dass wir keine globalen Krisen hätten, die eine schnelle, besonnene und entschlossene Reaktion von uns verlangen. Meine Sorge ist, dass das Warten und die Vorbereitungen auf ein nebulöses (aber offenbar unausweichliches) Unglück uns davon abhalten, uns um die längst absehbaren, aber in der mittel- und langfristigen Konsequenz möglicherweise nicht minder heftigen Katastrophen zu kümmern, so lange noch Zeit ist.

Diese anderen Problemfelder werden auch dann bestehen bleiben, wenn eine Katastrophe welcher Art auch immer eintritt, nur würden sie nicht mehr beachtet (wie etwa der Klimaschutz angesichts drohender Arbeitslosigkeit). Das Kaninchen ist am Ende so auf die Bedrohung der Schlange gepolt, dass es für den Fuchs zur leichten Beute wird. Das „Wissen“ um ein Unglück, an dem ich nichts ändern kann, wird mich so noch anfälliger für andere, eigentlich offensichtliche Probleme machen.

Fragezeichen 2: Die politische Agenda

Bei Wilkerson scheint sie nur zwischen den Zeilen durch und bleibt unklar wie der Rest seiner Botschaft:

God is judging the raging sins of America and the nations. He is destroying the secular foundations.

Der Verweis auf die Sünden ist recht allgemein. Ist die Kernsünde der USA der säkulare Staat, die pluralistische Gesellschaft? Liebäugelt Wilkerson mit einer Art Theokratie, und wie müsste man sich die vorstellen? Hätte er das zu Bush-Zeiten auch geschrieben? Matutis schreibt diesen interessanten Absatz:

Wenn man die Entwicklung verfolgt, stellt man fest, dass es seit dem 14. Juli 2007 mit den Börsen und Banken permanent berg-ab geht. Wie der Zufall es will, flattert mir gerade eine ältere Pressemeldung in die Hände, und darin wird berichtet: Am 13.Juli 2007 wurde die neue Sitzungsperiode des US-Senats durch Gebete eines Hindu-Priesters eröffnet und damit ganz Amerika und die Wirtschaftswelt den Hindu Göttern geweiht. Ein Skandal und eine Schande für das so „christliche Amerika“. Der Hindu Priester las aus den Veden und rief die Geister der Erde, des Meeres und des Windes an. Ein Gläubiger im Saal schrie auf: O Gott, vergib uns diese Gräuel“. Sofort fielen Ordner über ihn her und trugen ihn aus dem Auditorium hinaus. Der Hindu-Priester fing seine Zeremonie und das Weihe-Ritual noch einmal ganz von vorne und vollendete sie in aller Ruhe. Und was passierte dann? In meinem Archiv fand ich noch eine Pressemeldung vom 13.Juli 2007: „Riesen-Hornissen /Wespen überfallen das US-Parlament“. Etwa 16 Schwärme von ca.5 cm großen Hornissen ließen sich im Parlaments-Ge-bäude nieder. In 2.Mose 23.27-29 sagt Gott „…ich werde Angst und Schrecken senden…und Hornissen , die sich so vermehren werden, dass ihr darüber nicht Herr werdet…

Wilkerson muss man zu Gute halten, dass er derart grobe Vereinfachungen und Bibelauslegung qua Stichwortassoziation meidet. Für Matutis lag es offenbar nicht etwa an der seit Monaten schwelenden Subprime-Krise, sondern am Auftritt des Hindupriesters, dass die Wirtschaft lahmt. Aus einer zeitlichen Abfolge wird ein kausaler Zusammenhang konstruiert. Und natürlich hat er aus den vielen Ereignissen des 13. Juli 07 dieses eine ausgewählt. Das war kein Zufall – mein zweites Fragezeichen ist also in beiden Fällen, welche politischen Anschauungen die jeweiligen Propheten vertreten und ob sich da konkret nicht eine zumindest latente Aversion gegen eine pluralistische Gesellschaftsordnung andeutet (die sicher nicht perfekt ist, aber derzeit ohne überzeugende Alternative). Wenn ich nämlich solche Botschaften verbreite, muss ich auch deren Tendenzen und Nebenwirkungen im Blick haben.

Fragezeichen 3: Der fehlende Zusammenhang

Wenn Wilkerson am Ende seinen praktischen Ratschlag erteilt, dann ist dieser ja nicht als Krisenprävention, sondern als Maßnahme zum Überleben zu verstehen. Es wird aber auch keine nachträgliche Verarbeitung des Unglücks vorbereitet (von dem uns – im Unterschied zur Ankündigung des Exils durch die Propheten und zu Jesu Ankündigung der Zerstörung Jerusalems ja nicht gesagt wird, was es sein wird). Mir scheint auch den Vergleich mit der Josephsgeschichte von den fetten und mageren Jahren unzureichend. Da ging es ja gerade nicht darum, dass einzelne ihren Vorrat aufstocken, sondern dass eine ganze Gesellschaft überlebt. Und diese Dimension fehlt hier weitgehend.

Um noch einmal Dietrich Dörner zu bemühen: Hier besteht zumindest die Gefahr einer horizontalen wie vertikalen Flucht. Die „vertikale Flucht“ besteht in der Ausrichtung auf ein völlig unbestimmtes, jedoch alles andere an Bedeutung übertreffendes Ereignis. Die „horizontale Flucht“ besteht darin, dass man sich auf einen beherrschbaren Teilbereich (Vorräte) beschränkt und das Ganze (bzw. die damit verbundene Ohnmacht und Unzulänglichkeit) dabei vergisst.

Bei manchen medizinischen Impfungen wird unter Fachleuten heftig diskutiert, ob die Probleme und Nebenwirkungen nicht den Nutzen übersteigen. Irgendwie frage ich mich das bei diesen Warnungen auch.

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Mission – aber wie?

Die SZ hat (wie so oft) den Streit um den Religionsunterricht in Berlin klug kommentiert. Die Kirchen haben sich mit dieser Kampagne in eigener Sache nicht unbedingt einen Gefallen getan, findet der Kommentator Matthias Drobinski:

„Pro Reli“ war in Berlin populär, solange die Initiative als Nothilfe gegen einen übermächtigen, ungerechten und ignoranten Senat galt. Die Stimmung kippte, als Schüler in Religionsunterricht zum Unterschriftensammeln angehalten wurden, als Plakate die Stadt zupflasterten, und Pfarrer, die für Ethik waren, Ärger mit den Bischöfen bekamen – es ging ja schließlich um die Freiheit, da kann man sich keine Abweichler leisten.

Das wird das Dilemma der Kirchen in den bevorstehenden Auseinandersetzungen um die Frage sein, wie viel öffentliche Religion ein säkularer Staat mit einer sich säkularisierenden Gesellschaft braucht. Sie muss die Regeln der Mediengesellschaft kennen und die Instrumente der öffentlichen Auseinandersetzung handhaben. Doch tut sie das, gerät sie immer in den Verdacht, das Eigene zu verraten, den Kern, die christliche Botschaft; ein Akteur wie die anderen Parteien und Verbände auch…

Plötzlich waren es nicht nur ein paar Evangelikale, die sich den Vorwurf anhören mussten, auf diesem Weg missionieren zu wollen. Und sie wollen es tatsächlich: Werte, Denkweisen, Ansichten und Verhaltensmuster prägen. Und natürlich geht es dabei unausgesprochen auch darum, den eigenen Bestand zu wahren.

Anders jedoch als Freikirchler und Pietisten haben die großen Kirchen lange und nahezu alternativlos auf eben jene institutionell privilegierten Wege der Glaubensvermittlung gesetzt (die ich weder in Frage stellen noch schlecht reden möchte, ich halte lediglich die Fixierung auf diese Schiene für problematisch), die aus der Konkursmasse des Staatskirchentums seit 1918 noch vorhanden waren und die von den Vätern des Grundgesetzes nach der Katastrophe des Dritten Reichs bestätigt wurden. Vom Podest dieser Privilegien herab konnte man auch die (zugegeben: oft kritikwürdigen) Missionsstrategien anderer bequem und öffentlich kritisieren, ohne ernsthaft überlegen zu müssen, wie man selbst es besser machen würde.

In der Diskussion sind auch gute Gründe für einen Religionsunterricht an staatlichen Schulen angeführt worden. Der eigenen Glaubwürdigkeit sind die Kirchen es dennoch schuldig, sich zukünftig mit demselben Einsatz von Zeit und Kraft der Frage zuzuwenden, wie Mission ein Thema für die ganze Gemeinde wird, wie alle ihre Glieder im Glauben sprachfähig und -willig werden, und das Ganze nicht einfach an Pfarrer und Religionslehrer wegdelegiert wird, die das auf sich allein gestellt gar nicht leisten könnten. Denn wenn die Rechnung aufgegangen wäre, hätte diese Abstimmung doch wohl zu einem anderen Resultat geführt.

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Liebes ZDF,

Klinsmann musste gehen. Viel zu früh, sagen die einen. Viel zu spät, sagen die anderen. Der ARD war das im Quotenkampf einen „Brennpunkt“ wert, auch wenn es weder der Terroranschlag noch das Erdbeben oder der unerwartete Regierungswechsel war, für das dieses Format bisher stand (sollen wir den Volkstrauertag nun auf den 27. April legen?)

Ihr hättet es besser machen können als die Kollegen von der Eins. Nur: Wer von Euch kam bloß auf die Idee, man müsse ausgerechnet Lothar Matthäus dazu befragen?

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Heißes Thema

Mein Sohn brütete am Wochenende über der Deutsch-Hausaufgabe. Thema: Sollten in der Schule auch Nicht-Pädagogen unterrichten? Der Hintergrund ist wohl die Diskussion, ob man Quereinsteiger „aus der Wirtschaft“ an die Schulen holen sollte.

Ich hatte gerade im UniSpiegel diesen Artikel gelesen, der beschreibt, wie mangelhaft die Lehrerausbildung für weiterführende Schulen hinsichtlich der Didaktik etc. ist, und schlug ihm vor, die These aufzustellen, dass der meiste Unterricht an Gymnasien schon die ganze Zeit von „Nichtpädagogen“ gehalten wird. Die haben zwar ihr Fach studiert, aber eben kaum Pädagogik im eigentlichen Sinn. Und selbst im Referendariat müssen sich Nachwuchs-Lehrer, so der Spiegel, das meiste selbst aneignen. Das hätte sicher eine spannende Diskussion gegeben.

Zum Glück gibt es dann trotz aller Systemfehler noch gute Lehrer. Es geht hier also nicht darum, den Beruf(sstand) schlecht zu machen. Aber die eigentliche Frage müsste wohl doch eher lauten, wie wir mehr „echte“ (d.h. in dieser Hinsicht gründlich ausgebildete) Pädagogen an die Schulen bekommen. So gesehen erscheint die Frage nach Lehrkräften aus der Wirtschaft (wer eigentlich: arbeitslose Investmentbanker?) schon wieder in einem ganz anderen Licht.

Meinem Sohn war das Thema dann doch zu heiß, er hat ein anderes gewählt…

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Verräterische Parole

Gestern auf der Autobahn: Vor mir ein schwarzer Ford Kombi aus Leipzig, auf dessen Heckscheibe in fetter Fraktur „Todesstrafe für Kinderschänder“ prangte. Der Fahrer: um die 30, Sonnenbrille, keine erkennbaren Haare auf dem Haupt. Und drinnen (im Haupt) sieht es bei dem Kameraden vermutlich ähnlich öde aus – wirbt er doch für eine Bewegung, die krampfhaft Sündenböcke suchen muss, an denen sie ihre Gewaltphantasien auslassen und sich dabei auch noch irgendwie „gut“ oder moralisch überlegen fühlen kann.

Nicht dass sexueller Missbrauch ein Kavaliersdelikt wäre. Aber das hier erinnert eher daran, dass Kinderschänder im Knast von den anderen Häftlingen drangsaliert werden – nicht zuletzt deshalb, weil die froh sind, endlich jemanden gefunden zu haben, der noch abscheulichere Dinge getan hat, als sie selbst. Also – wie tief das Niveau der Rechten inzwischen ist (oder immer schon war), verrät dieser Aufruf nur zu deutlich: Drei braune Finger zeigen zurück…

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Rechtfertigung: Wright or wrong? (1)

Es war eine Streitschrift von John Piper, die N.T. Wright gegen seine ursprüngliche Absicht dazu brachte, Justification zu schreiben. Man kann, wie Brian McLaren im Klappentext zu Recht sagt, Piper dafür nur dankbar sein. Spürbar genervt von der Tatsache, dass Piper und andere hartgesottene US-Reformierte (sogar der friedliebende Scot McKnight schlägt da inzwischen harte Töne an) ihn einfach nicht verstehen (wollen? können? beides?), macht sich Wright nun erneut daran, seine Sicht der paulinischen Rechtfertigungslehre darzustellen. Allerdings treibt ihn eher die Hoffnung, dass künftige Generationen es mit dem Verstehen leichter haben, als dass er auf ein Umdenken der alten Garde setzen würde. Der Umgangston gegenüber Piper ist sportlich, aber respektvoll, was das Lesen spürbar erleichtert.

Im ersten Kapitel geht Wright auf methodische Fragen ein. Kurz umrissen heißt das: Gute Exegese folgt den biblischen Texten und lässt sich von deren Gedankenfluss und Fragestellungen leiten, in dem Wissen, dass sie nur auf die Fragen antworten, die die Autoren damals auch selbst beschäftigten. Statt den Römerbrief zum alleinigen Maß der paulinischen Theologie zu machen und alles in diesem Licht zu betrachten, schlägt Wright vor, die kosmische Soteriologie (Erlösungslehre) des Epheser- und Kolosserbriefes als Bezugsrahmen der Betrachtung anzusetzen, die er – anders als manche deutschen Kollegen – trotz gewisser sprachlich-stilistischer Eigenheiten für nicht „deuteropaulinisch“ hält. Zudem besteht Wright auf der Notwendigkeit, die Texte und Begriffe aus ihrer Zeit heraus zu verstehen. Da es keinen „neutralen“ Standpunkt gibt, würde alles andere nur dazu führen, dass sich nur noch mehr Vor-Urteile in unser Verständnis einschleichen. Warum er solch eine scheinbare Selbstverständlichkeit betont, zeigt das zweite Kapitel. Dazu in Kürze mehr.

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Düstere Poesie

Eben stolperte ich beim Stöbern nach Zitaten für den Kreuzweg am Freitag über diesen Text von Clemens Brentano:

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,

Er mäht das Korn, wenn’s Gott gebot;

Schon wetzt er die Sense, Daß schneidend sie glänze,

Bald wird er dich schneiden, Du mußt es nur leiden;

Mußt in den Erntekranz hinein,

Hüte dich schöns Blümelein!

Das erste Mal begegnete er mir in der Grundschule, im Notenheft für den Blockflötenunterricht. Kein Wunder, dass ich mit dem Instrument auf Kriegsfuß stand. Wer will denn – als Kind – so etwas Morbides hören. Ganz davon abgesehen: In welch seltsamem Licht erscheint eigentlich Gott hier?

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Fleischliches in der Karwoche

Die Nachrichten passen in die Fastenzeit: Fleisch sinkt zum Nahrungsmittel der Unterschicht herab, schreibt die Welt. Vor ein paar Tagen machte schon die Entdeckung die Runde, dass der Verzehr von rotem Fleisch die Lebenserwartung sinken lässt.

18 Prozent der Treibhausgasemissionen weltweit gehen auf das Konto der Fleischproduktion, der Verkehr dagegen insgesamt nur 13 Prozent. Man muss nicht einmal Vegetarier werden, um diese Quote sinken zu lassen. Dauerhaft weniger Fleisch zu essen ist schon ein guter Anfang.

Im Blick auf Gründonnerstag ist es da doch ein zukunftsweisendes Zeichen, dass das Neue Testament im Blick auf das Abendmahl zwar (vgl. Johannes 6) von „Fleisch“ reden kann, konkret aber Brot gegessen wird. Steckt da noch eine Lektion drin für uns?

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Playmobilderverbot

Passionszeit ist Leidenszeit: Pfarrer Markus Bomhard hat Ärger mit Playmobil bekommen, weil er die Figuren des Herstellers für manche Szenen seiner playmo-bibel verändert hat. Dagegen durfte Harald Schmidt, wie die SZ süffisant anmerkt, unbehelligt den Spielzeugmännchen einen Hitlerbart anmalen. Und Weihnachtskrippen verkauft die Firma aus Zirndorf sogar selbst. Nur Eva und Adam  (in selbigem Kostüm) gab es dort noch nicht und für die Kreuzigungsszene musste Bomhard die Arme des „Darstellers“ etwas hinbiegen.

Bei Geobra Brandstätter war man offenbar not amused. Inzwischen steht alles (?) unter einem neuen Domainnamen im Netz. Vielleicht meldet sich demnächst noch der Kamerahersteller, mit dessen Ausrüstung die Bilder gemacht wurden, und protestiert? Oder wenn (zugegeben: das wäre eine blöde Retourkutsche) die Bibelgesellschaft Playmobil untersagt, Weihnachtskrippen herzustellen? Sachen gibts…

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Lebensweisheiten (2)

Den folgende Gedanke ist nicht nur im Blick auf die Wirtschaft von Bedeutung, sondern könnte auch manchen Gemeindewachstums- und Erweckungsphantasien als gesunde „Erdung“ dienen:

Die Natur lebt uns vor, wie gesundes Wachstum funktioniert. Nichts in der Natur wächst ungebremst jedes Jahr um 30 Prozent! Im Körper heißt Wachstum auf Kosten von der Umgebung Krebs, und wenn man sich die Erde auch als ein lebendiges Wesen vorstellt, ist es gut, wenn die kapitalistische Raubbaumentalität einen Dämpfer bekommen hat.

Eckart von Hirschhausen in der Welt

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