Gewinnen und verlieren

Bei Richard Rohr bin ich noch auf einen interessanten Gedanken gestoßen, der das Thema Helden/Antihelden von letzter Woche etwas weiter führt:

In der ersten Lebenshälfte bekämpfen wir den Teufel und haben die Illusion oder den schmeichelhaften Eindruck, dass wir ab und zu „gewinnen“; in der zweiten Lebenshälfte verlieren wir immer, weil wir unweigerlich mit Gott kämpfen. Die ersten Schlachten festigen das Ego und schaffen einen standhaften Soldaten; die zweiten Schlachten bringen dem Ego Niederlagen bei, weil Gott immer gewinnt. Kein Wunder, dass viele den standhaften Soldaten so schwer loslassen können; kein Wunder, dass so wenige den Glauben haben, um erwachsen zu werden. Das Ego hasst es, zu verlieren, selbst gegen Gott.

Hier erscheint die Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen und sich Siege nicht zu Kopf steigen zu lassen, als ein entscheidendes Merkmal für den Übergang zur spirituellen Reife. Die Projektion eines plumpen Heldenideals auf Jesus führt dagegen zu solchem Quatsch, wie ihn die Süddeutsche gerade aufgespießt hat. Da sagt der Künstler Stephen Sawyer zum Beispiel:

Männer brauchen Helden. Einen, der das verkörpert, was sie gern wären. Der Jesus, der vor über 2000 Jahren auf die Erde kam, war für mich ein echter Held. Er war klüger, stärker und sah meiner Meinung nach auch besser aus als ich.

Wenn man das liest und sieht, dann bekommt man wieder ein Gespür dafür, warum es im Judentum und im Islam ein Bilderverbot gibt. Eigentlich auch im Calvinismus, aber Neocalvinisten wie Mark Driscoll gehören auch zu denen, die (dann eben verbal) die krassesten Macho-Projektionen abliefern. Vom Calvi- zum Chauvinismus ist es offenbar nur ein kleiner Schritt, jedenfalls verrät Sawyer im Interview, dass Nationalstolz und Religion für ihn eng verwandt sind: Mein Gott ist der coolste und stärkste. Das entspricht in etwa dem Reflexionsniveau eines Achtjährigen.

Ob man überhaupt sagen kann, die Christenheit sei verweiblicht, ist eine interessante Frage. Ich habe vor einer Weile ein paar Gedanken dazu hier gepostet.

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Weisheit der Woche: gefährliche Unschuld

Die erste Naivität ist die ernsthafte und gefährliche Unschuld, die wir manchmal an jungen Eiferern bewundern, aber sie ist auch der Grund, warum wir ihnen nicht folgen, wenn wir schlau sind, und warum wir sie nicht zu Leitern wählen und ihrer Leitung folgen sollten. Wahrscheinlich ist es nötig, viele Zweifel auszublenden, wenn wir jung sind: das ist eine gute Überlebenstechnik. Aber solche Weltbilder sind nicht wahr, und sie sind auch keine Weisheit.

Richard Rohr, in: Falling Upward

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Abenteuerliche Argumente?

Seit einer Weile lese ich Michael Frosts und Alan Hirschs neues Opus Faith of Leap. Es ist mit dicken Vorschusslorbeeren von Scot McKnight ausgestattet, und weil ich die letzte Begegnung mit dem stets anregenden Michael Frost in Kapstadt noch im Hinterkopf hatte, habe ich mich in dieses Manifest christlichen Abenteurertums vertieft. Wer die beiden kennt, wird auch da, wo sie sich nicht explizit zitieren, ihre Themen sofort wieder erkennen: Erstens die Mission als der Gedanke, um den sich alles dreht, zweitens die von dem Ethnologen Victor Turner formulierten Themen Liminality und Communitas, also die Notwendigkeit von Grenzerfahrungen für a) das Wachstum im Glauben und b) die Bildung einer verschworenen Gemeinschaft. In dem neuen Buch stellen sie das alles nun unter das Leitmotiv des Abenteuers und des Heldentums.

Beim Lesen der ersten 100 Seiten habe ich drei unterschiedliche Reaktionen bei mir beobachtet: Erstens Zustimmung zu den wesentlichen Inhalten, zweitens leichte Ermüdung durch den Stil – es wirkt, anders als bei The Shaping of Things to Come, weniger aus einem Guss, man meint fast, die beiden live zu hören, ohne die Stimmen unterscheiden zu können: Einer sagt was, der andere kommentiert, ergänzt, wirft noch einen anderen Aspekt ein, dann antwortet wieder der erste und es geht im assoziativen Zickzack weiter. Da wird man – ich wenigstens – als Leser schon mal etwas ungeduldig, zumal auch noch zahlreiche Zitate den Textfluss hemmen. Drittens fand ich es seltsamerweise einfach emotional anstrengend. Wie gesagt, im Ziel stimme ich ja zu, aber irgendwie scheint mir da bisher zu sehr Appell und Belehrung und zu wenig Inspiration und Verführung drin zu sein. Und manche Beispiele (zum Beispiel von Cortez, der die Schiffe verbrennen lässt) fand ich einfach unglücklich gewählt.

Nun war ich im (zentralen?) Kapitel, The Hero’s Journey. Die beiden wählen wieder einen interessanten Anmarsch. Ausgangspunkt ist das Buch „Hero with a thousand Faces“ von Joseph Campbell. Campbell hat die traditionelle Mythologie verschiedener Kulturen untersucht und dabei ein Grundschema oder eine Art archetypischen Mythos (auch Monomyth genannt) (re?)konstruiert. Ob Campbell sich in der Literaturwissenschaft damit durchgesetzt hat, wird nicht erläutert, wäre aber eine interessante Frage. Die Versuche, die verschiedenen religiösen Traditionen auf ein gemeinsames Schema oder einen gemeinsamen wesentlichen Inhalt zu reduzieren bzw. in eine Meta-Religion (ob Hegel oder Baha’i) aufzuheben, sind ja auch alle recht problematisch gewesen.

Dann beschreiben die beiden ausführlich, wie Disney Campbells Schema rezipiert und seit über 20 Jahren ungemein erfolgreich vermarktet hat. Schließlich verweisen sie auf C.S. Lewis Äußerungen zum Thema „Mythos“, für den in Christus der vollkommene Mythos ganz zur historischen Tatsache geworden ist. Stark verkürzt lautet die These des Kapitels also: Im Grund verweisen alle Mythen auf das Evangelium und im Grunde sehnen sich alle Menschen, Christus als dem archetypischen Helden nachzueifern und ähnlich zu werden. Das ist, wenn ich es richtig sehe, ein primär anthropologisches Argument, gar nicht so verschieden vom größten Romantiker unter den Theologen, Friedrich Schleiermacher, der Jesus zwar nicht als den Prototypen des Abenteurers, sondern des mit Gott unmittelbar verbundenen Menschen ansah.

Etwas verunglückt fand ich die kurzen Ausführungen zu geistlichen Übungen. Da haben die beiden etwas nicht verstanden, fürchte ich, wenn sie kritisieren, dass es keine „Übungen“ zum Thema Risiko gebe, und dass in der Literatur kein Zusammenhang zwischen geistlichen Übungen und konkreter, einsatz- und risikofreudiger Nachfolge hergestellt werde. Geistliche Übungen sind dazu da, sich in Zeiten relativer Stabilität fit zu halten, um plötzlich auftretenden Herausforderungen gewachsen zu sein. Ganz ähnlich wie man im Sport dosiert und maßvoll auf einen Wettkampf hin trainiert, aber eben in dem vollen Bewusstsein, dass der Wettkampf, in dem man dann alles gibt, nicht die Alltagssituation sein kann. Man könnte aber umgekehrt gerade das Gebet als Abenteuer entdecken, so wie Henri Nouwen das getan hat, und damit den unnötigen Gegensatz aufheben:

… das Gebet zieht uns weg von der Beschäftigung mit uns selbst, ermutigt uns, vertrautes Gelände zu verlassen, und fordert uns heraus, eine neue Welt zu betreten, die unser Herz und Verstand mit seinen engen Grenzen nicht fassen kann. Gebet ist daher das große Abenteuer, weil der Gott, mit dem wir eine neue Beziehung eingehen, größer ist als wir und alle unsere Berechnungen und Vorsichtsmaßnahmen missachtet.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht in den nächsten Kapiteln. Meine Fragen im Augenblick sind:

  1. Abenteuer und Heldentum sind ja nun keine zentralen biblischen Kategorien. Mut schon eher. Setzt sich hier die neoromantische Tendenz aus „der Wilde Messias“ fort, wo solche Begriffe dazu dienen, wieder Interesse und Leidenschaft zu wecken und Abstumpfung und Gewohnheitstrott zu durchbrechen?
  2. Sollte man das Evangelium als den wahren Ur-Mythos etikettieren, der die Sehnsüchte aller Menschen bewusst oder unbewusst lenkt und allen anderen Mythen zugrunde liegt? Oder muss man das Evangelium eher als Anti-Mythos lesen und Jesus oder Paulus als Anti-Helden, die zwar dem Risiko nicht aus dem Weg gehen, wohl aber anders kämpfen und Erfolg anders verstehen als Odysseus oder König Artus?
  3. Sind moderne, areligiöse Kunstmythen wie Tolkiens Herr der Ringe oder die zahllosen pseudo-archaischen Retortensagen und Destillate, die Hollywood verfilmt hat, nicht in vieler Hinsicht noch ein ganz anderer Fall, den man gesondert betrachten müsste?
  4. Wie verhalten sich Held und Gemeinschaft zueinander? Ist es das Ziel antiker Heldensagen, jeden einzelnen Menschen zur Nachahmung anzuleiten oder gar anzutreiben oder drückt sich da eher das Bewusstsein aus, dass eine Gemeinschaft zwar immer wieder Helden braucht, die über sich hinauswachsen und sie retten, dass aber der Held gewissermaßen immer eine stellvertretende Aufgabe an seiner Gemeinschaft hat, so wie die großen Richter des Alten Testaments?
  5. Kann man Heldentum planen und machen, oder ist es eher so, dass man sich die wahren Abenteuer gerade nicht aussucht, sondern oft gegen seinen Willen berufen und ins kalte Wasser geworfen wird? Müsste man von da aus nicht eher fragen, wo wir schon längst im kalten Wasser schwimmen oder einen Ruf gehört haben, als darüber, wie man Grenzerfahrungen der Liminalität „künstlich“ herbeiführt?
  6. Widerspricht das Ideal der ständigen oder wiederholten Schwellenzustände nicht der Weisheit, die sich in vielen archaischen Übergangsriten ausdrückt, dass nämlich das Ziel die erneute Eingliederung in den sozialen Kontext ist, aber in einer neuen, veränderten Rolle, nämlich als Erwachsener? Anders gefragt: Läuft der gedankliche Ansatz dieses Buches auf eine Art permanente Adoleszenz hinaus und entspricht damit einer eher problematischen Tendenz unserer Zeit, die das Erwachsen- (und damit letztlich auch das Altwerden) so weit wie möglich hinausschieben möchte?
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Unüberwindlich

Reinhard Mey hat in einem seiner legendären Songs einmal drüber philosophiert, dass sein Hund in vieler Hinsicht das bessere Leben hat, nur die Kühlschranktüre kriegt er nicht auf…

Man sagt ja, dass Hunde in etwa die Intelligenz eines Kleinkinds erreichen können. Den Kühlschrank bekommen meine Kinder in der Tat schon lange auf, aber eine andere Tür hat sich im Laufe der Jahre als unüberwindliches Hindernis herausgestellt: Die der Spülmaschine.

Benutztes Geschirr, wenn es nicht wider alle Gesetze der Physik trotz verzehrten Inhalts bleischwer auf der Tischplatte lastet, schafft es eigentlich immer nur dank elterlicher Hilfe in den Geschirrkorb. Und gespültes Geschirr wird auch erst wieder angetastet, wenn es jemand in den Schrank geräumt hat.

Ich werde das zu nutzen wissen: Demnächst bewahren wir die Süßigkeiten in einer Box im Geschirrspüler auf. Da sind sie vor allen nichtautorisierten Zugriffen absolut sicher.

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Frietes und Fietsen

Ich war eine Woche in den Niederlanden. Meine Frieten-Ration für die nächsten vier Jahre habe ich in dieser Zeit verdrückt und dabei ein paar neue Worte der sympathischen Sprache gelernt: Bromfietsen etwa, die im anarchischen Straßenverkehr von Amsterdam ähnlich wie in Rom hunderte von atemberaubenden Beinahe-Unfällen produzieren – jedenfalls sieht es für den unbedarften Beobachter so aus. Inzwischen habe ich auch den Unterschied zum Snorfiets gelernt: Das eine ist ein Moped, das andere ein Mofa (bis 25 km/h).

Der Erlanger fühlt sich im Fietsengewimmel der Grachtenstadt schnell zuhause und freut sich, dass man nun jedem Nürnberger, der sich über das Fahrradaufkommen und die laxe Interpretation der StVO in der Hugenottenstadt mokiert, nun sagen kann, er solle mal ein Wochenende am Ij verbringen, dann würde ihn hier nichts mehr aufregen. Verschrottet werden Räder dort erst, wenn die Klingel kaputt ist. Die braucht man nämlich ständig.

Sehr entspannt ist dagegen der Autoverkehr in Holland. Dicke Premium-Karossen finden sich dort deutlich seltener als bei uns, was beweist, dass Audi, BMW und Mercedes allen Grund haben, sich vor einem Tempolimit auf heimischen Autobahnen zu fürchten. Gleichwohl fährt es sich so viel stressfreier und spritsparender, dass man der Regierungskoalition den Mut wünscht, sich von der Autolobby möglichst flott zu emanzipieren und etwa für Dienstwagen Steuervorteile zu streichen und scharfe Grenzwerte in Leistung und Verbrauch durchzusetzen.

Von einer Mediamarkt-Tüte habe ich gelernt, dass deren Slogan auf Niederländisch „ik ben toch niet gek“ heißt. Und bin in der Folge auf Buurtal von Alexandra Kleijn gestoßen – ein Blog, der sich um die Verständigung zwischen Deutschen und Niederländern kümmert. Dabei spielt auch das Essen eine wichtige Rolle. Wer demnächst im Nordwesten Urlaub machen will, kann sich da schon mal schlau machen in Sachen Sprache, Küche und Kultur.

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Anstößig oder anständig?

Ein Bekannter hat auf Facebook einen geharnischten Leserbrief an seine Regionalzeitung veröffentlicht, in dem er sich über die „Dekadenz“ der „Slutwalks“ (Deutsch etwa: „Schlampenmärsche“) am Samstag beschwert. Wir haben dann darüber eine Weile kontrovers diskutiert.

Bei diesen Demonstrationen ging es um ein Zeichen gegen sexuelle Gewalt und den Hinweis darauf, dass die (Mit-)Schuld an Vergewaltigungen und Übergriffen häufig immer noch den Opfern zugeschoben wird. Der Begriff „Schlampe“ gibt hier also die Mentalität des Vergewaltigers wider, der seine Tat damit vor sich selbst rechtfertigt und dreist behauptet, das Opfer wollte es im Grunde ja so haben. So hatte es ein Polizist in Toronto formuliert, als er Studentinnen riet, sie sollten sich „nicht wie Schlampen“ anziehen, um nicht zum Opfer sexueller Gewalt zu werden

Anne Wizorek, die Organisatorin der Slutwalks erklärt im Interview auf Zeit Online, grenzwertige und bisweilen vielleicht auch anstößige Kleidung gehöre zur Logik des Protests. Nicht nur wegen des großen Medienechos, auch um der Sache willen. Zugleich räumt sie ein:

ein Großteil der Leute kommt in Alltagsklamotten, denn auch darum geht es: Es ist eine Illusion, dass man sich an irgendwelche Kleiderregeln halten kann, und dann würde man nicht vergewaltigt.

Mit Sodom-und Gomorrha-Rhetorik einzusteigen ist da doch eher unpassend. Über den Stil kann man vielleicht streiten, das Anliegen muss man auf jeden Fall würdigen. Und anerkennen, dass es ohne die schrille Optik vermutlich kein so großes Echo erzeugt hätte (zu dem freilich auch empörte Leserbriefe so oder so beitragen…)

Ich habe mich eher an den Auftritt des Heiligen Franziskus vor dem Bischof von Assisi erinnert oder an die bewusst anstößige Aktion des Propheten Jesaja, der drei Jahre „nackt und barfuß“ durch Jerusalem lief. Wenn es damals schon Leserbriefe gegeben hätte, wie wären die wohl ausgefallen?

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Bücherstapel

Die Ferien sind in vollem Gang, das Tempo wird gemächlich, es ist Zeit und Musse da, die Nase in ein paar gute Bücher zu stecken, zumal ein dicker Knöchel und gelegentlich das Wetter den Bewegungsdrang hemmt. Irgendwie passen sie auch gut zusammen:

Wladimir Kaminer: Meine russischen Nachbarn. Der Mann begeistert durch hintergründigen Humor und den genialen lakonisch-undramatischen Stil. Fremde in Deutschland, von denen man eine Menge lernen kann. Zum Beispiel, sich selbst nicht so schrecklich ernst zu nehmen.

Richard Rohr: Falling Upward. A Spirituality for the Two Halves of Life Die zweite Lebenshälfte, oder besser: -aufgabe. es geht nicht ums Altern im biologische Sinne, sondern um das Wachstum und die Suche nach dem wahren Selbst. Ich muss zwar immer wieder die Gedanken in meine eigene theologische Matrix übersetzen (etwa die eher platonische Vorstellung, es gebe ein „wahres Selbst“, das einem vorgegeben ist, nun entdeckt werden muss und dessen Gunsten man ein falsches Selbst dann ablegt), aber es ist eine mutmachende Anleitung, Brüche und Scheitern nicht als Makel zu betrachten, sondern als unerlässliche Lernerfahrungen.

Michael Frost/Alan Hirsch: Faith of Leap. Embracing a Theology of Risk, Adventure & Courage das missionale Gegenstück zu Rohrs Buch über Spiritualität mit erstaunlich vielen Parallelen, zugleich natürlich den Themen, die bei Frost und Hirsch nie fehlen. Wer die schon kennt, kann das Buch auch recht zügig lesen.

wenn ich also in den nächsten Tagen etwas stiller bin, dann sind diese Autoren schuld 🙂

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Wutbürger 2.0?

Die Berichte von den Straßenschlachten in London haben mich an unseren Urlaub vor zwei Jahren erinnert, das inzwischen letzte von vielen Malen, die ich in London war. Seither habe ich mich zwar nach den Freunden dort zurückgesehnt, nicht aber nach der Stadt. Ich mag’s im Zweifelsfall lieber „arm, aber sexy“ wie Berlin.

Ich fand die Tage dort anstrengend. Nicht wegen der Hektik, Enge und Lautstärke der Metropole, sondern wegen dem krassen Kontrast von Arm und Reich. Von Prunk und Verschwendung auf der einen Seite und Armut und Perspektivlosigkeit auf der anderen. Meine Grundstimmung, als ich meinen Sohn durch die Straßen von Kensington begleitete, wo er die Luxuskarossen bestaunte, war – das wurde mir erst heute so richtig klar – Wut und Zorn. Sie blieben knapp unter der Oberfläche des Bewusstseins, aber ich empfand den Spaziergang als anstrengend und unerfreulich.

Auf bbc.com habe ich heute einen britischen Polizeioffizier sagen hören, die Ausschreitungen hätten keinen Grund, es sei ihnen kein Unrecht vorausgegangen. Wie blind muss man eigentlich sein, um zu übersehen, dass diese stetig wachsende Kluft – wunderbar beschrieben in diesem Artikel der SZ – schon die ganze Zeit Unrecht war? Nun ist aus der Kluft ein veritabler Abgrund geworden.

Leider haben wir Deutschen den Engländern viel zu gewissenhaft nachgeeifert und hier dieselbe wachsende Kluft geschaffen. Was uns jetzt noch fehlt, ist die Clique der Superreichen in ihrem prunkvollen Kokons aus Stahl, Designerkram und Personenschützern, die allen anderen schamlos vor Augen führen, dass sie zu den Verlierern gehören. Ich erinnere mich noch an eine Werbung in der Tube, die stolz verkündete, in London sei jeder zwanzigste ein Millionär. Wie viele von den anderen 95% an und unter der Armutsgrenze leben, davon stand da nichts.

Wenn man sich schon vor zwei Jahren als Tourist mit dem Zorn, der da in der Luft lag, innerhalb einiger Tage „infizieren“ konnte, wie muss es sein, wenn man dort lebt und nicht weg kann? Die Gewaltausbrüche sind gewiss nicht zu rechtfertigen, aber eben auch keine Überraschung. Und wenn hier kein Politikwechsel kommt, erleben wir in nicht allzu ferner Zukunft vielleicht ganz ähnliche Dinge.

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Gruß und Kuss und Überdruss…

Mark Zuckerberg selbst wurde neulich irgendwo sinngemäß mit der Bemerkung zitiert, wer meine, seinen Facebook-Kontakte seien wirkliche Freunde, der wisse nicht, was der Begriff bedeutet. Aber auch an anderen Stellen entsteht durch die Eigendynamik sozialer Netze Verwirrung.

In den letzten Wochen habe ich bei mir einen wachsenden Widerwillen gegen Geburtstagsgrüße entdeckt. Es liegt einfach daran, dass die Pinnwand-Grüße so inflationäre in der Häufigkeit, zugleich aber so stereotyp in der Formulierung sind. Da gibt es die betont joviale Version {„burzeltach“), das „Happy Birthday“ (in der Hoffnung, das Englisch weniger banal klingt), die formal-fromme („Herzliche Glück- und Segenswünsche“, „Gottes reichen Segen“), moderat fromme („ich wünsch dir Gottes Segen…“) und salopp-fromme („fetten Segen“); man kann es sich auch ganz leicht machen und den „like“ Button unter einem der vielen anderen Einträge klicken.

Wenn man der achte oder dreizehnte Gratulant ist, scheint beides gleich einfallslos zu sein: Die Standard-Textbausteine der anderen wiederholen oder nur ein Daumen-hoch klicken. Bei all den Leuten, denen man im weiten „Freundes“-Kreis täglich vor den Augen hunderter anderer gratulieren könnte, nun lyrisch und originell zu werden, haut in der Praxis einfach nicht hin. Vielleicht sollte man sich eher drauf einigen, dass man sich wie in manchen Beziehungen nicht nur „nichts schenkt“, sondern auch auf Pinnwand-Glücwünsche verzichtet? Oder gibt es irgendeinen Filter, der die Glückwünsche nur für den Adressaten sichtbar macht?

Wenn ich sie nicht jeden Tag lese, sondern nur ab und an (an meinem eigenen Geburtstag und an mich adressiert), und dann vielleicht auf einer Karte – oder durchaus auch in einer Mail, die, weil nicht den Blicken anderer ausgesetzt, vielleicht noch ein paar persönlichere Worte zulässt –, dann brauche ich auch keine lyrische Innovation, dann freut mich sogar das Formelhafte und Schlichte wieder.

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Wahre und falsche Emergenz

Seit ein paar Tagen habe ich Richard Rohrs Falling Upward. A Spirituality for the two Halves of Life hier liegen. Er stellt darin die beiden Lebenshälften mit ihren ganz unterschiedlichen Aufgaben einander gegenüber. In der ersten Lebenshälfte geht es – sehr verkürzt gesagt – darum, sich einen Platz und er Welt zu erarbeiten und zu erkämpfen, das sich zu beweisen und etwas zu schaffen oder zu erreichen. Das hat dann auch mit Auseinandersetzung, Emanzipation und Abgrenzung zu tun.

Die Schlüsselaufgabe für die zweite Lebenshälfte sieht Rohr in Anschluss an C.G. Jung darin, das Erreichte loszulassen, über es hinauszugehen. Eine wiederkehrende Formel lautet „transcend and include“. Betrachtet man die emergente Bewegung (vor allem in den USA), dann fällt auf, dass das nicht immer gelungen ist, sondern dass man sich hier und da in neuen Antithesen und negativen Definitionen festgefahren hat. Freilich ist es in Umbruchssituationen immer auch ganz normal, dass man zuerst sagen kann, was nicht mehr ist oder funktioniert und erst viel später weiß, was an Stelle des Alten nun entsteht. David Fitch hat das in diesem Blogpost unter anderem als Problem benannt. Vielleicht hat das aber damit zu tun, dass etliche der Protagonisten tatsächlich noch nicht zu den Fragen der zweiten Lebenshälfte vorgedrungen sind?

Auf der anderen Seite wird auch deutlich, dass ein gewisser Gegensatz zwischen „emergenten“ und „neokonservativen“ Christen vermutlich dauerhaft bestehen bleibt. Nicht in dem Sinne, dass eine Seite das Spiegelbild der anderen ist und bleibt, wohl aber darin, dass diese beiden Wege nicht miteinander in Einklang zu bringen sind. Für Rohr, der nicht nur evangelikale, sondern auch katholische Neocons im Blick hat, ist diese Bewegung ein regressives Phänomen und ein Hinweis darauf, dass diejenigen, die sich dafür so begeistern, die Aufgaben der ersten Lebenshälfte noch nicht richtig bewältigt haben. Hier einige seiner Beobachtungen:

This pattern is usually an inconsistent mix of old-fashioned styles and symbols with very contemporary ideologies of consumerism, technology, militarism and individualism. … In fact, neoconservatives are usually intense devotees of modern progress and upward mobility in the system (S. 40)

The result is a generation of seminarians and young clergy who’re cognitively rigid and „risk adverse“; who want to circle the wagons around their imagined secure and superior group (…). Ecumenism, interfaith dialogue and social justice are dead issues for them.

… Self-knowledge its dismissed as psychology, love as „feminine softness“, critical thinking as disloyalty, while law, ritual and priestcraft have become a compulsive substitute for actual divine encounter or honest relationship. This does not bode well for the future of any church or society (S. 42/43).

In manchem steht übrigens der Attentäter von Oslo, Anders Breivik, diesen Strömungen nahe, wie die Analyse seines Manifests ergeben hat. Er scheint eine deutliche Nähe zu einem exklusivistischen und antimodernistischen Katholizismus zu pflegen, wie die katholische Theologin Saskia Wendel auf Zeit.de erklärt – und auch den Unterschied zwischen Fundamentalismus und Konservativismus noch einmal verdeutlicht.

Emergenz wäre also ein Etikettenschwindel, wenn damit eine neue Tradition in Abgrenzung von allen alten, der Austausch moderner gegen postmoderne Dogmen und Gewissheiten, oder eine neue fest umrissene und definierte Methode oder Stilform gemeint wäre, und nicht etwa der notwendige Versuch, sich dem Risiko des Neuen und Fremden existenziell auszusetzen, den Preis für die eigene Veränderung zu bezahlen und die eigenen inneren Grenzen zu erweitern. Wie aber kann man das wirksam vermitteln?

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Spielfreude

In Lukas 17,7-10 steht eine verstörende Passage:

Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde? So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Als ich das las, fiel mir eine Diskussion zum Thema „Wertschätzung in der Gemeinde“ vor einpaar Wochen ein. Wie verhält sich dieses Jesuswort zu Aussagen des Paulus, dass Christen „einander mit Ehrerbietung zuvorkommen“ (Römer 12,10), immer auf Lobenswertes bedacht (Philippe 4,8) sein sollen und dass gerade die unscheinbaren Glieder besonders geehrt werden (1. Korinther 12,23)?

Einerseits ist es eine Frage der Motivation: Wenn ich mich irgendwo engagiere, dann sollte es mir um die Sache und das Ganze gehen. Anerkennung für meinen Beitrag ist dann schön, aber keine notwendige Bedingung. Wo sie unter der Hand zu eigentlichen Ziel wird, um das es mir geht, wird das Lob nur ganz selten die Mühe wert gewesen sein. Vielleicht hilft hier der Vergleich mit einer Fußballmannschaft: Trainer bemühen sich ja oft, einzelne Spieler nach einem Sieg (und noch viel mehr nach einer Niederlage…) nicht zu sehr herauszuheben. Selbst die teuren Profis freuen sich ja noch, wenn sie spielen dürfen. Am Ende gibt es einen Handschlag vom Trainer, ein Schulterklopfen von den Mitspielern (und manchmal auch eine Kopfnuss, wenn etwas nicht gut gelaufen ist). Aber das Eigentliche ist und bleibt das Dabeisein beim Spiel selbst. Nichts motiviert mehr, als mit anderen (Selbst-)Motivierten gemeinsam zu kämpfen. Die Spirale dreht sich nach oben, wenn (und weil) man von sich selbst wegschaut.

Schwierig wird es da, wo man die Verantwortung für die eigene Motivation unter der Hand anderen zuschiebt. Manche von uns haben das auch schon erlebt: Da sind nicht nur Selbstdarsteller und Bewunderungsjunkies am Werk, sondern auch Verzagte (das kann vorkommen, kein Problem) und ein paar Antriebsschwache, denen man ständig gut zureden muss, um sie bei Laune zu halten. Es fühlt sich ein bisschen an wie Wandern mit Kindern. Während für mich als Erwachsenem die Bewegung, die frische Luft und die schöne Natur – Berge, Wasser, Wald, die Sonne und der weite Himmel) die eigentliche Belohnung sind, muss ich für den widerwillig mittrottenden Nachwuchs tütenweise Süßigkeiten als Bestechung mitschleppen und versprechen, am Ende an einem Schnellrestaurant zu halten, wo man neben so gesunden Produkten wie Pommes und Cola auch noch grausiges Plastikspielzeug in die Tüte gepackt bekommt. Zum Glück funktionieren die meisten Teams in unseren Gemeinden nicht so. Wo es aber doch so ist, dass man – ob Fußballverein oder Kirche – ständig Streicheleinheiten verteilen muss (eine Art Mutti-vation), da sind die Verantwortlichen nicht zu beneiden. Befangenheit stellt sich angesichts der oft unausgesprochenen Ansprüche ein, das Lob wird dann eher spärlich tröpfeln und die Spirale früher oder später nach unten gehen. Etwas partout toll finden zu müssen, ist eben schwierig.

Zweitens ist da die Frage nach dem Maßstab. Wenn das Lob und die Anerkennung zum eigentlichen Ziel werden, dass ist das ja ein Tauschhandel, aber kein „Dienen“ mehr. Andere geraten unter Zugzwang, sie spüren die drohende Enttäuschung, wenn die Gegenleistung ausbleibt. Zusätzlich kann man bei diesem Geschäft auch noch die Preise verderben: Pädagogen warnen inzwischen davor, Kinder zu viel und für die falschen Dinge zu loben. Mag sein, dass das eine Art Pendelschlag war auf den knauserigen Umgang mit Komplimenten in früheren Generationen und bestimmten Landstrichen (etwa das berüchtigte „net geschimpft sich globt gnug“). Zu überschwänglich und zu pauschal hilft trotzdem niemandem, und Lobhudeleien wirken eben auch relativ bald nicht mehr anspornend. Nicht jede Leistung ist etwas Besonderes, nicht immer hat jemand sein Bestes gegeben oder sich erkennbar verbessert – das geht freilich auch nicht immer, nur kann man dann auch keine besondere Reaktion von den anderen erwarten (wenn jemand dagegen ein aussagekräftiges Feedback für eine bestimmte Tätigkeit und Aufgabe möchte, dann sollte er andere ausdrücklich darum bitten und sie dazu einladen. In den seltensten Fällen kommt das von allein oder zu einem guten Zeitpunkt). Wenn meine Leistung als Vater oder Mutter davon abhängt, ob meine Kinder mir das ausreichend danken oder es würdigen (von der Gesellschaft insgesamt ganz zu schweigen), dann gute Nacht: Der Dank kommt zu spärlich und zu spät – immer. Mein wirklicher „Lohn“ ist der, dass die Sprösslinge irgendwann hoffentlich gestandene Persönlichkeiten sind.

Drittens hat das Ganze mit unserem Rollenverständnis zu tun. In Lukas 17 kommt der Begriff der „Schuldigkeit“ ins Spiel. Ein „Knecht“ lebt im Haus des Herrn, der für ihn sorgt, indem er ihm ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen gibt. Dafür „schuldet“ der Knecht dem Herrn seine Dienste. Das ist etwas anderes als heutige Arbeitsverträge, die auf eine weniger umfassende Solidarität angelegt sind und (wenigstens pro forma) gleichberechtigte Partner voraussetzen. Sie liegen tatsächlich eher in der Nähe eines Deals: Lohn für Leistung. Wer so denkt, warnt Jesus, greift zu kurz. Die Pharisäer, die ihre Spitzenfrömmigkeit zur Schau stellen, haben ihren Lohn schon bekommen, sagt er. Von Gott können sie nichts mehr erwarten.

Im Blick auf Gott ist es nämlich so, dass wir ihm ja gar nichts schenken könnten, was er uns nicht immer schon gegeben hätte. Man muss das, um den Sachverhalt zu würdigen, ganz sicher nicht so extrem auslegen und -leben wie C.H. Spurgeon es getan hat:

Kann jemand von euch auf den Dienst für den Herrn mit Befriedung zurückblicken? Wenn ihr es könnt, kann ich nicht sagen, daß ich euch beneide, denn ich stimme nicht im geringsten mit euch überein. Was mich betrifft, so bin ich genötigt, mit heiligem Ernst zu bekennen, daß ich nicht mit dem zufrieden bin, was ich getan habe. Ich habe halbwegs gewünscht, mein Leben von vorn wieder anfangen zu können, aber jetzt tut es mir leid, daß mein stolzes Herz sich einen solchen Wunsch erlaubt hat, denn aller Wahrscheinlichkeit nach würde es das zweite Mal noch schlechter sein. Was die Gnade für mich getan hat, erkenne ich mit tiefer Dankbarkeit an, aber für das, was ich selbst getan habe, bitte ich um Vergebung. Ich bitte Gott, mir meine Gebete zu vergeben, denn sie sind voller Fehler. Ich bitte Gott, selbst dieses Bekenntnis mir zu vergeben, denn es ist nicht so demütig, wie es sein sollte. Ich bitte ihn, meine Tränen zu waschen und meine Andacht zu reinigen und mich mit meinem Heiland in den Tod zu begraben, daß ich in mir selbst ganz vergessen und nur in Ihm an mich gedacht werde. O Herr, Du weißt, wie wir zu kurz kommen in der Demut, die wir fühlen sollten! Vergib es uns. Wir sind alle unnütze Knechte, und wenn Du uns nach dem Gesetze richten würdest, wären wir alle verloren.

Unter uns sind die Rollen wieder anders verteilt: Hier geht es weder um Herren und Knechte noch um Eltern und Kinder, sondern wir arbeiten alle gemeinsam für den einen Herrn und sind Kinder des einen Vaters. Es wäre auch ein Missverständnis, dass „Ehrenamtliche“ für die Hauptamtlichen in der Gemeinde arbeiten (umgekehrt würde eher ein Schuh draus, aber auch nicht so richtig), sondern beide arbeiten Seite an Seite für die ganze Gemeinde, die wiederum (wenn alles richtig läuft) ihrer Stadt und ihrem Ort dient. Von Spieler zu Spieler quasi kann man einander Anerkennung und Wertschätzung schenken. Aber alle bleiben frei von dem Druck, irgendetwas toll finden zu müssen, was ein anderer macht. Ihr Urteil ist ohnehin nicht das Entscheidende. Und vielleicht ist diese Freiheit eine Bedingung dafür, dass eine gesunde Wertschätzung überhaupt wachsen kann, weil sie ein Geschenk bleiben darf.

Mit diesem Geschenk nun braucht man nicht zu knausern. Jeder freut sich, wenn ihm etwas gelingt und die anderen das auch merken. Wir alle blühen auf, wenn wir nicht das Gefühl haben, nur ein anonymes Rädchen in einem großen Apparat zu sein. Wir hängen uns mehr rein, wenn wir eine positive Resonanz spüren. Und je mehr wir uns hineingeben in die Aufgabe (und uns dabei, das ist das Seltsame, selbst fast vergessen), desto näher kommen wir dem positiven „Flow-Erlebnis“.

Und vielleicht ist es ja auch das, was in Lukas 17 angedeutet ist: Die Selbstvergessenheit im Blick auf den großen Gott und das Geschenk der Möglichkeit, etwas zu seinem Wirken in der Welt beitragen zu können, nicht die herbe Selbstherabsetzung als untauglich und nichtsnutzig. Das dabei-sein-Können ist in sich schon die größte Auszeichnung. In diesem Sinne – lasst uns täglich mit so viel Spielfreude wie möglich auf den Platz stürmen, wenn uns der Trainer schon aufgestellt hat 🙂

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„Ein Löwe im Haus“

… so lautete der Titel eines Kinderbuches, das ich früher mal im Schrank stehen hatte. Seit einer Weile ist wieder einer im Haus, genauer: auf meinem Rechner. Und nach ein paar Tagen Eingewöhnung kann ich ein weitgehend positives Fazit ziehen.

Im täglichen Gebrauch erfreut die deutlich längere Akkulaufzeit und das nette Feature der deutschen Sprachausgabe. Eben sprach mich mein Gerät an, dass Mail einmal kurz meine Aufmerksamkeit braucht. Das ist höflich und aussagekräftiger als der bisher übliche Warnton. Man kann sich in Safari und Vorschau nun Texte auch komplett vorlesen lassen. Computerstimme zwar und nicht Ben Becker, aber man versteht fast alles recht gut. Ein im wahrsten Sinne des Wortes ansprechendes Feature!

Umgewöhnen muss ich mich immer noch mit der Scrollrichtung; und die verkleinerten Scrollbalken sind zwar optisch gut, weil sie verschwinden, wenn man sie nicht braucht, trotzdem ist es ein Gefiesel, wenn man tatsächlich auf sie zugreifen möchte, etwa im Eingangskorb von Mail, wo sehr viele Listeneinträge stehen. Das lässt sich auch wieder ändern, ich versuch’s trotzdem mal so.

Besser gelungen ist die Gestensteuerung in Safari, da kommt man mit einem Wisch zweier Finger nun auf die vorher geöffnete Seite und wieder zurück, was ich im Unterschied zu manch anderen Nutzern gar nicht vermisse, ist Spaces. Die Optik von Kalender und Adressbuch ist auch kein Fortschritt, das Umblättern von Monat zu Monat über Gesten.

Kleiner Nachtrag:

Der erste „Hänger“ im System, der mich zu einem Neustart zwang, brachte eine weitere positive Überraschung. Das System fuhr wieder hoch und öffnete von selbst alle Programm und Fenster, die vor dem Abschuss da waren.

Heute lese sich, dass Google sich über Apples Patentklagen gegen Android-Hersteller beschwert, der Chefjustiziar meinte, Apple solle liebe neue Geräte und Technik entwickeln. Wenn es stimmt, dass Google da (wie weiland Microsoft) aber munter Ideen und Code abgekupfert hat, dann ist das doch blanker Hohn. Nach dem Motto: Haltet still und liefert uns neue Kopiervorlagen. Wenn es aber stimmt, dass MacOS und iOS demnächst verschmelzen, dann steht für Apple da wirklich viel auf dem Spiel.

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Kinderleicht

Die Sommerferien haben begonnen. Viele freuen sich, endlich Zeit zu haben. Manche fahren ans Meer und sehen den Möwen zu. Es ist auch eine Gelegenheit, wieder ein Stück mehr eine kontemplative Lebenshaltung zurückzugewinnen und sich ins „nichtduale“ Denken einzuüben, von dem Richard Rohr neulich gesprochen hat und über das er schreibt.

Wie das gehen kann, erklärt Purzle Schulz in seinem Stück „Kinderleicht“. Gestern ist beim Bardentreffen aufgetreten. Wenn man ihm zuhört, stellt man fest: Es ist tatsächlich so.

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