… so müsste der Plural korrekt lauten. Oder Panoramen? Ich spare mir den Blick in den Duden und lasse die Bilder sprechen, die Sonys praktische Sweep-Panorama-Funktion liefert:
„Zu verdammt christlich“
Rowan Williams tritt als Erzbischof von Canterbury ab. Vielen gilt der Mann mit den buschigen Augenbrauen und der grauen Mähne als intellektueller Zauderer. Ben Myers, der kürzlich ein Buch über Williams‘ Theologie veröffentlicht hat, charakterisiert diese Führungsstil nicht nur wohlwollender, sondern für meinen Geschmack auch treffender. Es ist sein Glaube an die Kirche (statt an sich selbst), der ihn so handeln lässt:
This is why, at Canterbury, Williams has consistently refused to wield political power or to dabble in the dark arts of managerial manipulation. He believes that leadership is not about winning but about fostering a community that knows how to listen and argue and learn from one another – a community that practices patience.
Simply put, Williams believes in the Church more than he believes in his own opinions. All his troubles as Archbishop of Canterbury have stemmed from this fact. He believes in processes of communal negotiation more than he believes in the enforcement of any fixed viewpoint. It is this mindset, this belief in the Church, that has drawn so much criticism, even from within the Church of England. Giles Fraser, the former canon chancellor of St Paul’s Cathedral, reports hearing a bishop say: „The problem with Rowan Williams is that he is too bloody Christian.“
Williams, sagt Myers, ist gewiss kein Relativist. Aber er ist ebensowenig der Überzeugung, dass Wahrheitsfindung eine elitäre oder autoritäre Angelegenheit sein sollte.
Das – Beziehungs- und Sachebene gleich zu gewichten, Wahrheit als etwas verbindendes zu betrachten statt auf „klare Definitionen“ im Sinne harter Abgrenzungen zu drängen, die Suche als mehrstimmigen Prozess zu gestalten, dessen Qualität so wichtig ist wie das schlussendliche Resultat – ist ein eher emergenter Führungsstil.
Und auch wenn das viele einfacher fänden: Sicher ist es nicht der mosaische Ansatz des einsamen Rückzugs auf den Berg, um von dort mit apodiktischen, in Stein gemeißelten Vorgaben wieder herabzusteigen. Aber selbst Mose wusste ja schon (wie das Buch Numeri verrät), dass diese Phase vorbei gehen würde: „Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!“ (Num 11,29, vgl. !.Kor 14).
Kurz und charmant erzählt: St. Patrick
Durchleuchtet
Wir hatten einen sehr anregenden Tag mit Raban Fuhrmann von Procedere und einer kleinen, aber sehr feinen Gruppe zum Thema „emergente Organisation“. Irgendwie wird es auch eine Art Ergebnissicherung geben, für Aufnahmen (einige hatten danach gefragt) eignete sich das Format aber nicht so recht.
Der Einstieg fand gestern Abend mit ein paar kurzen Referaten statt, zu denen die Gruppe dann Fragen erarbeitete und heute ging es anhand dieser Fragen und einer Runde emergenten Storytellings dann weiter ins Detail. Immer wieder kam dabei heraus, dass eine emergente Organisation andere Akzente im Verhältnis nach innen und außen setzt. Die Begriffe, die wir dafür fanden, waren verschieden. Es ist eine Form der Identität, die nach innen eine große Vielfalt zulässt und die nach außen eine Offenheit und Durchlässigkeit entwickelt.
Es hat mich an eine Passage aus Exclusion and Embrace erinnert (und an meinen Predigttext für morgen). Dort schreibt Miroslav Volf im Blick auf Kulturen, was für Organisationen vermutlich ganz ähnlich gilt:
Eine Möglichkeit, kulturelle Identität zu betrachten, ist ein stabiles kulturelles „Wir“ zu postulieren, dem ein einem ebenso stabiles „sie“ entgegensteht, beide in sich und aus sich heraus vollständig; sie interagieren dann, aber als in sich geschlossene Ganzheiten, ihre Beziehung zueinander ist im Blick auf die Identität jedes einzelnen etwas Äußerliches. Ein solch essentialistisches Verständnis kultureller Identität ist jedoch nicht nur unterdrückerisch – Gewalt muss angewandt werden, um alles Fremde im Zaum zu halten – sondern auch unhaltbar. Edward Said verweist darauf, dass alle Kulturen „hybrid und bepackt mit oder verstrickt in und überlagert [sind] von Elementen, die man für von außen kommend gehalten hatte“.
Die Distanz zu unserer eigenen Kultur, die aus dem Geist der neuen Schöpfung geboren ist, sollte uns aus dem Griff unserer Kultur lösen und uns fähig machen, mit ihrer Fluidität zu leben und ihre Hybridität zu bejahen. Andere Kulturen sind keine Bedrohung für die Reinheit unserer unverdorbenen kulturellen Identität, sondern eine mögliche Quelle für ihre Bereicherung. Sich überschneidende und überlagernde Kulturen können, wenn in ihnen Menschen leben, die mutig genug sind, nicht einfach nur dazuzugehören, einander zu einer dynamischen Vitalität verhelfen.
Der könnte interessant werden
Habe ich da unter anderem gerade John Piper, Mark Driscoll und Brian McLaren im Trailer gesehen? Im September erscheint „Hellbound“ (meine Autokorrektur wollte gerade „hellblond“ draus machen…) in den USA. Ob man den Streifen hier auch zu Gesicht bekommt?
Vielleicht könnte der ERF oder BibelTV ja deutsche Untertitel drunter machen. Spannend wär’s allemal!
Hellbound? Teaser Trailer 1080 from Darren Hull Studios Inc. on Vimeo.
Tödliche Modernisierung
Vor ein paar Tagen hat der rein theoretische (das macht es freilich nicht besser) Vorschlag zweier australischer Wissenschaftler, Kinder noch nach der Geburt auf elterlichen Wunsch zu töten, für einen Proteststurm im Netz.
Am Freitag war in der Zeit diese Geschichte einer jungen Inderin zu lesen, die ihren Mann verklagte, weil der sie mit allen Mitteln zu einer Abtreibung ihrer Zwillingsmädchen zwingen wollte. Die Geschichte ist ein Beispiel für das Schicksal von Frauen in vielen asiatischen Ländern und den unabsehbaren Folgen dieser Katastrophe. Von einem Proteststurm habe ich bislang nichts bemerkt – dabei geht es hier nicht um Ideen, sondern um millionenfache Praxis.
Der Artikel zeigt einige überraschende Zusammenhänge auf: Hatte man früher noch gehofft, Bildung und technischer Fortschritt würden die Missachtung von Frauen und Mädchen allmählich beseitigen, so steht nun fest, dass das Gegenteil der Fall ist:
… drei Dinge haben die Lage der schwangeren Frau verändert: das Ultraschallgerät, das Kalkül der Kleinfamilie und die Abtreibungspille. Heute gibt es kein Geheimnis mehr um das Geschlecht des Kindes. Der Mann zwingt die Schwangere zur Ultraschalluntersuchung. Und wenn es ein Mädchen ist, kann die Mutter nicht mehr so leicht sagen: Dann versuchen wir es später noch mal. Denn auch sie möchte nur noch ein, höchstens zwei Kinder. Früher schon war eine Tochter wegen der höheren Aussteuer eine zusätzliche Last; heute fallen außerdem noch Schul- und Erziehungskosten für sie an. Außerdem will die Familie neben Kindern auch ein neues Auto. Deshalb müssen es weniger Kinder sein – und mindestens ein Sohn muss als Stammhalter her.
Nicht obskures Brauchtum oder irrationale Mythen aus grauer Vorzeit sind die treibende Kraft hinter diesen Morden, sondern die sozialen Aufstiegsträume. Religion (auch der Islam und der Hinduismus) hatten diese Tendenz bisher noch gebremst, so der Artikel. Der Verlust solcher Bindungen hat nun zum ungebremsten Geschlechtermord geführt. Die Konsumgesellschaft, so lautet das bittere Fazit, hat die Sitten verdorben:
»Die Motive für den Mord an der ungeborenen Tochter entstammen einer sehr zeitgemäßen Einstellung – man will große Hochzeiten, große Geschenke und einen stolzen Sohn, aber keine wirtschaftlich unnütze Tochter«, sagt Shanty Sinha, Vorsitzende der Nationalen Kommission für Kinderrechte in Indien. »Es geht um eine Brutalisierung der individuellen Einstellung zum menschlichen Leben, wie sie erst die Modernisierung hervorbringen konnte.«
Homo Duplex
Jonathan Haidt erklärt in diesem TED-Video, dass Menschen eine Sehnsucht nach Selbsttranszendenz in sich tragen. Religion und Spiritualität, die Welt als ein verbundenes Ganzes, als etwas Heiliges sehen und empfinden zu können, gehört zu unserem Wesen als Menschen. Emile Durkheim sprach daher vom Homo Duplex, der nicht nur in der Welt der Dinge wohnt, sondern nach Tiefe (bzw. nach Höherem) sucht.
Nur hat – und da berühren sich seine Ausführungen z.B. mit den Thesen von Richard Rohr – unsere säkulare Gesellschaft mit ihrer linkszerebralen Reduktion der Wirklichkeitserfahrung dieses Bedürfnis vernachlässigt und bietet uns wenig Gelegenheiten, einen Zugang zur spirituellen Dimension des Lebens zu finden.
Todesmut und Lebensmut
Kürzlich las ich einen Satz, der Martin Luther King zugeschrieben wurde und sinngemäß lautete, wer nichts habe, wofür es sich zu sterben lohnte, der habe auch nichts, wofür er leben könne. Eine ebenso steile wie eingängige Wahrheit; und eine, die im Blick auf den, der sie äußerte, gewiss auch zutraf.
Im Alltag stehen die wenigsten von uns jedoch vor der Frage, wofür sie denn jederzeit sterben würden. Und dann kommen gelegentlich noch die Nachrichten von oft jugendlichen Selbstmordattentätern dazu, die zwar etwas haben, wofür sie sterben, aber offenbar wenig, wofür sie leben konnten.
Diese Assoziationen heben den positiven Sinn der Aussage nicht auf, zeigen aber an, dass nicht das Leben vom Tod her seinen Wert erhält, sondern der Tod vom Leben. Das scheint mir zumindest die christliche Position zu sein. Und die christliche Tradition weiß auch um den Vorbehalt Jesu gegenüber den Anflügen von Helden- und Todesmut seiner Nachfolger: Als es darauf ankam, verließ er den Petrus.
Was ist nicht alles über diese Verleugnungsszene gesagt und geschrieben worden. Statt nur das Versagen darin zu sehen, kann man auch auf den „Erfolg“ achten: Petrus hatte seine Mission noch nicht erfüllt – er hatte sie noch gar nicht richtig angetreten. Seine Lebensaufgabe lag noch vor ihm. Als sie beendet war, so die Tradition, war auch der Mut zum Sterben kein Problem.
Weisheit der Woche: In die Lehre gehen
Lebendige Organisation
Ausgehend vom paulinischen Motto „ein Leib – viele Glieder“ werden wir uns am Samstag in einer Woche beim Workshop „Lebendige Organisation“ mit Raban Fuhrmann von Procedere und weiteren interessanten Teilnehmern in der Gruppe Gedanken machen über „emergente Organisationen“.
Wir von ELIA sind zuerst einmal selbst Lernwillige und -bedürftige und erst dann Gast- und ein bisschen vielleicht auch Stichwortgeber. Denn es geht ja nicht um neue Modelle im Sinne von Kopiervorlagen, sondern darum, im Dialog mit anderen die eigenen Perspektiven zu schärfen. In dieser Hinsicht bin ich selber schon sehr gespannt.
Alle relevanten Informationen stehen hier: Viele_Glieder_ein_Leib.pdf
Das Kreuz und die „Hunde“
Ich habe es in den letzten Wochen schon ein paar mal angerissen: Ted Jennings geht in Transforming Atonement der Frage nach, wie man ein Verständnis des Kreuzestodes Jesu gewinnen kann, das missverständliche Metaphern ersetzt oder zumindest ergänzt, und das im Unterschied zu machen Sühnetheorien auch die historischen Zusammenhänge ernst nimmt.
Eine der Linien, die er herausarbeitet, betrifft dabei Juden und Heiden. Von Anfang an wird Jesus in den Evangelien nicht nur als der Messias der Juden dargestellt, sondern auch als der Menschensohn, der über den engen Rahmen Israels hinauswächst. Das beginnt schon mit den „Magi“ bei seiner Geburt, dem Tumult, den seine erste Predigt in Nazareth auslöst und nach dem kurzen, scheinbar herben Disput mit der syrophönizischen Frau über Heiden, Hunde und Brotkrümel entwickelt sich tatsächlich ein vorösterliches Wirken unter den Heiden in der Dekapolis. Die Begegnung erweitert also Jesu Verständnis seiner eigenen Sendung.
Aber dann stirbt Jesus auch noch als der Menschensohn, der von den eigenen Leuten verstoßen und „den Heiden ausgeliefert“ wird (Markus 10,31). Und so kommt das Evangelium endgültig zu den Heiden und wird dort auch als erstes verstanden.
Paulus zieht in Kolosser 3 daraus die Konsequenz, dass weder starre und hierarchische Geschlechterrollen noch soziale und ethnische Grenzen in der Gemeinde Geltung haben können: Weder die zwischen Juden und Heiden noch die zwischen Griechen und Skythen. Ein wichtiger Schritt zu dem multikulturellen Christentum, das im Vielvölkergemisch der antiken Großstädte so erfolgreich Fuß fasste.
Für uns heute stellt sich dann zum Beispiel die Frage, wie Gemeinden in einer Stadt aussehen müssten, deren Bürger zu einem Drittel (!) Migrationshintergrund haben. Wer sich das Ganze etwas ausführlicher mit ein paar Ergänzungen und Kommentaren von mir anhören möchte, kann hier in den ELIA-Podcast klicken.
Armer Zwingli
Samstag nachmittag, unsere Gruppe steht im Sonnenschein vor dem Zwingli-Denkmal an der Wasserkirche in Zürich. Während alle der Erklärung unserer Stadtführerin lauschen, steigt ein etwas derangiert wirkender Typ auf den Sockel, spuckt demonstrativ auf den Reformator und schickt lauthals eine wüste Beschimpfung hinterher. Dann dreht er sich der Gruppe zu, outet sich als Katholik und nennt die Reformierten „Kinder Satans“.
Der Mann war offensichtlich alkoholisiert. Aber der Fusel enthemmt ja lediglich. Den Hass auf Andersdenkende und die Sprüche hat er irgendwo her, das macht nicht der Suff allein (für die Ärzte sicher ein Schrei nach Liebe). Solche Töne hört man heute ja zum Glück sehr selten. Vielleicht ist es sinnvoller, sich über diese Tatsache zu freuen, als sich über dieses eine schlechte Beispiel lange zu ärgern.
Glaube und Wissenschaft: So tun, als ob
Glaube an Gott … lässt sich nicht reduzieren auf eine sachliche Antwort auf die Frage „existiert Gott?“, wenn man für einen Augenblick davon ausgeht, dass der Ausdruck „eine sachliche Antwort“ einen Sinn hat. Es bedeutet, der Welt gegenüber eine Haltung, eine Disposition einzunehmen, wodurch diese Welt, so wie sie für mich zu sein beginnt, eine Welt ist, in die Gott hineingehört. Dieser Glaube verändert die Welt, er verändert aber auch mich. Ist es wahr, dass Gott existiert? Wahrheit ist eine Disposition, nämlich jemandem oder etwas die Treue zu wahren. Man kann nicht einfach an nichts glauben und so jeglichen Glauben meiden, einfach deswegen, weil man der Welt gegenüber nicht keine Disposition haben kann, das wäre in sich schon wieder eine Disposition. Manche Menschen entschließen sich, an den Materialismus zu glauben; sie handeln so, als wäre diese Philosophie wahr. Eine Antwort auf die Frage, ob Gott existiert, kann nur so kommen, dass ich so handle, „als ob“ es Gott gibt, und auf diese Weise Gott die Treue wahre und erlebe (oder vielleicht auch nicht), wie Gott mir die Treue wahrt.
Dieses „Tun, als ob“ ist keineswegs eine Ausflucht, ein Eingeständnis, dass man das, was man angeblich glaubt, gar nicht „wirklich“ glaubt. Ganz im Gegenteil: Wie Hans Vaihinger verstand, ist alle Erkenntnis, vor allem wissenschaftliche Erkenntnis, nicht mehr als zu handeln, „als ob“ bestimmte Modelle bis auf Weiteres wahr sind. Wahrheit und Glaube.
Iain McGilchrist, The Master and His Emissary, S. 170f.
Abtrünnige
Vielleicht liegt es daran, dass ich mich zur Zeit mit mittelalterlicher Gnadenlehre beschäftige: Heute fiel mir ein Gespräch mit einem Bekannten ein. Es liegt schon länger zurück. Ich weiß nicht mehr, wie wir auf das Thema kamen, aber er war ziemlich verärgert über einen Pfarrer, der für sein Empfinden eine laxe Haltung zum Thema Ehe und Scheidung hatte. Sinngemäß sagte er damals: Unsereiner strengt sich an und hält durch, und der macht es sich leicht. Dabei sollte er doch ein Vorbild sein. Ich spürte: Der Mann war bei ihm wirklich „unten durch“.
Vermutlich kann man das auch im Blick auf andere Themen so empfinden: Einer hält die Regeln ein, der andere bricht sie – das fängt schoin im Straßenverkehr an. Die einen stehen zu einer Überzeugung, verteidigen einen Wert und lassen sich das etwas kosten, andere scheren aus dieser Solidarität aus – und man fühlt sich plötzlich noch mehr auf verlorenem Posten als zuvor. Und so wächst die Wut auf Streikbrecher, Fahnenflüchtige, Kollaborateure und Verräter an der guten Sache.
Lassen wir es mal dahingestellt sein, ob es tatsächlich eine leichtfertige Entscheidung war, die jener Pfarrer traf.Es ist in Ordnung, empört zu sein, wenn ein Mensch selbstsüchtig handelt, wenn jemand andere mutwillig gefährdet, verletzt oder im Stich lässt. Aber manchmal stehen wir vielleicht auch in der Gefahr, dass sich unsere Empörung nur vordergründig darauf bezieht und dahinter die eigene Sorge zum Vorschein kommt, etwas zu verpassen oder sich ausnutzen zu lassen.
Trotzdem: Ich hätte meinem Bekannten in dieser Situation die Gelassenheit gewünscht, dass sein persönlicher Weg gut und richtig ist. Dass seine Konsequenz und Prinzipientreue sich lohnt, dass er sich morgens mit Dankbarkeit statt Bedauern im Spiegel ansehen kann, dass er seinen Weg fröhlich und mit erhobenem Haupt geht. Und dass er nicht zu oft nach rechts und links schaut, sondern den anderen, der das (aus welchem Grund auch immer) nicht fertig brachte, mit Barmherzigkeit betrachtet. Und mir selber wünsche ich das auch.
„Er trug unsere Krankheit“
Wir haben munter diskutiert über Sühnetheorien diese Woche. Ausgangspunkt war Theodore Jennings‚ Einwurf, dass manche klassischen Sühnetheorien heute nicht mehr „anschlagen“. Seine Anregung war, wieder verstärkt auf die geschichtlichen Zusammenhänge einzugehen, die im Hintergrund des Weges Jesu ans Kreuz stehen.
Einer davon ist die Frage nach Gottes Verhältnis zu körperlichem Leiden – der Schmerzensmann aus Jesaja 53 etwa. Was hat das Leiden Jesu am Kreuz mit seiner – und in der Konsequenz dann auch mit unserer – Haltung Kranken gegenüber zu tun? Und ist das Thema geschehender wie ausbleibender Heilung nur ein nebensächlicher Aspekt oder doch ein zentrales Element des Evangeliums?
Ich habe Jennings‘ spannendes Kapitel über Kreuz und Leiden hier in einem Podcast kurz zusammengefasst, wer also dranbleiben möchte an der Thematik, findet weitere Anregungen.




