Männer und Frauen

Nächste Woche findet in unserer Gemeinde ein Frauenwochenende statt. Ich darf nicht hin, aber in letzter Zeit habe ich das Thema bei Scot (ein “t”!) McKnight verfolgt. Heute geht es darum, dass Gott “Vater” ist, aber nicht maskulin im menschlichen Sinne. Ein theologischer Dauerbrenner.

Das Kontrastprogramm dazu bietet (wie könnte es anders sein?) Mark Driscoll aus Seattle, der über episkopale Bischöfinnen und allmählich sinkende Testosteronspiegel bei Männern im Allgemeinen schreibt. Dass und wie er die beiden Themen in Beziehung setzt, spricht Bände. Schürt er nur die Ängste anderer oder sind es die eigenen?

Rose Swetman hat Driscoll couragiert geantwortet und abgesehen davon bei Mars Hill in Michigan (bekannt durch Rob Bell) angefragt und die folgende Antwort bekommen. Ich denke, die meisten von uns würden (nachdem wir auch keine Sklaverei mehr verteidigen) hier zustimmen:

We believe that scripture is to be interpreted in light of a redemptive arc. This means that things that once were may no longer be. Therefore, our task becomes to apply the ancient text in light of our current context. Throughout scripture there are texts that speak to a specific group of people at a specific point in time.Scripture is not seen as static truths for all times; its context and ours must be taken into account. For example we cite I Timothy 2.11-12 where Paul says that women are not to assume authority over men. In light of a redemptive arc this is not considered a static timeless truth. It is to be applied to that group of people, at that point in history, in that specific setting. We have come to the conclusion that women in our context must have the freedom to serve in all capacities within the local church. For us, this includes the role of pastor and elder. We believe the church is to be a community of free and equal people.

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Das Wahre ist immer das Persönliche (?!?!)

Richard Sennetts Kritik an der allgegenwärtigen Forderung nach Authentizität (siehe Tobias‘ feine Posts auf pickaboo) und sein Verweis auf die Folgen dieser Mentalität hat mich ans Predigen erinnert. Da ist ja auch – je nach Gemeindekultur, und alles was jetzt kommt ist überspitzt formuliert! – die Erwartung gestiegen, dass ein Prediger sich, wenn schon nicht zum Thema, dann wenigstens zum Dauerexempel seiner Botschaft macht. Wenn es gut läuft, dann zum Erzheiligen, alternativ auch gern zum Erzsünder:

„Das übermäßige Interesse an Personen auf Kosten der gesellschaftlichen Beziehungen wirkt wie ein Filter, der unser rationales Gesellschaftsverständnis verfärbt.“ So entsteht der Glaube, Gemeinschaft sei das Produkt gegenseitiger Selbstentblößung.

Ich mag persönliche Beispiele, aber man kann es auch übertreiben. Und manchmal beunruhigt mich das Missverhältnis zwischen der Resonanz auf persönliche Anekdoten und der auf inhaltliche Aussagen. Fast so, als ob nur das erste hängen bleibt. Die Folgen könnten nämlich in doppelter Hinsicht zum Problem werden:

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Besser high als im Netz?

Die Zeit schreibt über den “Fluch der Unterbrechung” in der Informationsgesellschaft, der die Leistungsfähigkeit der Betroffenen (und wer ist das eigentlich nicht?) drastisch herabsetzt. Besonders deutlich wird es bei diesem Vergleich:

Wissenschaftler am Londoner King’s College wollten voriges Jahr herausfinden, wie leistungsfähig die Empfänger hereinströmender E-Mails sind. Zum Vergleich verabreichten sie einer Kontrollgruppe Marihuana und stellten beiden Gruppen dieselben mittelschweren Aufgaben. Die Kiffer schnitten besser ab. (Wenn auch dramatisch schlechter als Nüchterne ohne E-Mails.) Nie gab es so viele Unterbrechungen wie heute, eine logische Folge der Vernetzung durch Internet und Mobilfunk. Seit alle allen jederzeit etwas mitteilen können, tun sie es auch.

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trübe Aussichten

verheißt ein Blick aufs Wetter – vor dem Fenster und auf dem Bildschirm. Seit der Umstellung auf Winterzeit und dem früheren Einbruch der Dunkelheit (Sonnenuntergang heute 16.37 Uhr und die nächsten 6 Wochen weiter sinkend…) merke ich, wie mir die Bewegung fehlt und die Dunkelheit auf die Stimmung drückt.

Was tun? Schokolade essen als Stimmungsaufheller wäre das falsche Rezept. Die Stirnlampe zum abendlichen Joggen herauskramen? Vielleicht schon eher.

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Verspielte Zukunft?

Kofi Annan himself schreibt in der SZ darüber, welche dringliche Aufgabe der Klimawandel darstellt. Angesichts der erdrückenden Beweislast immer noch den Skeptiker zu spielen, ist längst unverantwortlich. Umgekehrt scheint auch mancher gut gemeinte Weckruf verpufft zu sein (Analogien zu “evangelistischen” Schocker-Strategien sind vermutlich zulässig):

Weltuntergangs-Szenarien, die die Menschen mit Schockmethoden zum Handeln bewegen wollen, haben letztlich oft den gegenteiligen Effekt. So war es zeitweise auch mit dem Klimawandel. Wir dürfen uns nicht nur auf die Gefahren konzentrieren, sondern müssen unser Augenmerk auch auf die Möglichkeiten richten, die mit dem Klimawandel einhergehen.

Die Emissionen steigen, so ist aus Nairobi zu hören, in letzter Zeit noch rasanter an. Wir verspielen zukünftige Lebensqualität in gigantischem Ausmaß. Aber die Nachrichten treffen mehrheitlich auf Apathie, Resignation oder gar Zynismus. Christen legt Paulus eine ganz andere Reaktion nahe:

Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn. Daher, geliebte Brüder, seid standhaft und unerschütterlich, nehmt immer eifriger am Werk des Herrn teil und denkt daran, dass im Herrn eure Mühe nicht vergeblich ist. (1. Korinther 15,58-59, “Einheiz-Übersetzung” 🙂 )

Wer wirklich glaubt, dass Gott alle lebensfeindlichen Mächte überwunden hat, der kann auch in scheinbar aussichtslosen Situationen selbstlos und in vielen kleinen Schritten das Gute tun. In diesem Fall: Rücksicht auf Gottes zerbrechliche Schöpfung nehmen und einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen jetzt und in künftigen Generationen ihre Heimat und Lebensgrundlagen behalten. Und dabei zählt jede Kleinigkeit.

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Die Ehre retten

Für diesen Sonntag habe ich noch einmal die Grundzüge der Satisfaktionslehre betrachtet: Sünde verletzt die Ehre Gottes und um diese wieder herzustellen, fließt notwendigerweise Blut oder ein Preis wird bezahlt. Im Hochmittelalter ein völlig normaler Gedanke, heute in unseren Breiten ein Unding. Gottes Ehre gerät hier mit seiner Liebe in Konflikt. Das klingt eigentlich mehr nach Stolz und Rechthaberei.

Zum Glück steht das so auch nirgends in der Bibel. Da wird vielmehr deutlich, dass Gott selbst seine Ehre rettet, indem er barmherzig ist und seine Zusagen hält, auch wenn Menschen ihre Zusagen brechen. Gottes Ehre besteht darin, dass er sich durch nichts davon abhalten lässt, uns zu lieben. Wenn der Vater dem verlorenen Sohn entgegen rennt, obwohl das für einen orientalischen Patriarchen höchst peinlich ist, dann ist das ein ganz anderes Bild.

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Fraktionszwang

Im Grunde geht es bei der mit vielen Kommentaren bedachten Tragödie um Ted Haggard gar nicht um Sex, sondern um Heuchelei. Der “Fall” ist deswegen so peinlich, weil da jemand heimlich Dinge tat, die er öffentlich immer wieder mit starken Worten verurteilte. Irgendwie gibt es ja in jeder Gemeinschaft bestimmte Sachen, die besonders schlimm sind. Bei konservativen Evangelikalen und Katholiken hat das viel mit Sex zu tun. Andere Traditionen haben andere Tabus, und andere Pappkameraden.

Daraus entwickeln sich leicht bestimmte Sprachrituale. Wenn man als Prediger Zustimmung haben möchte, dann gelingt das am einfachsten damit, dass man die dunklen Folien aktiviert und die moralische Überlegenheit der eigenen Gruppe dadurch beschwört, dass bestimmte Dinge angeprangert werden: vorehelicher Sex, Kapitalismus (inzwischen: Neoliberalismus), Alkohol, Nazis, Atomkraft, Abtreibung, Geiz – aber bitte immer nur eines davon. Das stabilisiert nach innen: Alle Insider nicken schon aus Gewohnheit (und wer doch ein Problem damit hat, beißt sich auf die Zunge und zieht kurz den Kopf ein). Und alle anderen wissen, wo es lang geht. Was wiederum von den Insidern befriedigt bemerkt wird, die – in ihrem moralischen Urteil bekräftigt – feststellen, dass das eine richtig gute Predigt war.

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Klartext

Ich hatte heute ein viel zu kurzes, aber tiefes und gutes Gespräch mit jemandem, der mir eine Reihe herausfordernder, wichtiger und guter Fragen gestellt hatte – und das alles auch noch sehr leidenschaftlich. Es gab also eine Menge, worüber wir uns verständigen mussten.

Am Ende unserer intensiven Unterhaltung sahen wir uns in die Augen und er sagte zu Abschied: “Ich weiß jetzt, dass ich mit Dir Klartext reden kann.” Ich bin danach ganz fröhlich nach Hause zurückgekommen. Denn wenn wir Klartext mit einander reden können, dann können wir es zusammen auch weit bringen. Und nur dann, scheint mir. Doch unter dem Strick setzen Klartext-Gespräche mehr Energie frei, als sie kosten. Wir werden weiter reden.

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Jenseits der Lippenbekenntnisse

George Hunter erklärt in Christianity Today nach der Wahl zum US-Kongress, warum er sich als evangelikaler Demokrat am richtigen Platz sieht:

… viele Evangelikale fühlen sich unter Republikanern wohler als unter Demokraten, weil sich mehr Republikaner zu einer Religion bekennen. Das stimmt wahrscheinlich, aber bitte ziehen Sie das Gleichnis Jesu in Matthäus 21 noch einmal heran: Ein Mann bat seine beiden Söhne, im Weinberg zu arbeiten. Ein Sohn sagt, er würde es nicht machen, tat es aber doch; der andere sagte, er macht es, tat es aber nicht. Jesus stellt eine rhetorische Frage die seither solche Lippenbekenntnisse entlarvt: “Wer von beiden hat den Willen des Vaters getan?” Ich bin die meiste Zeit ein evangelikaler Demokrat, weil die Republikaner oft wie der zweite Sohn sind, und die Demokraten wie der erste.

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Twenty years ago today…

… war ich in Amsterdam zu einer YWAM DTS, noch zu Floyd McClungs Zeiten. Es war der definitive Abschied von Zuhause gewesen und ich kannte niemanden dort. Das änderte sich zwar schnell und nicht nur die Leute in meiner Schule, auch die über 200 Mitarbeiter auf der riesigen internationalen Base waren ein Erlebnis.

Ein absolutes Highlight war der Besuch von Loren Cunningham, der eines Abends in einer Predigt sagte, er erwarte dass Gott den eisernen Vorhang wegnehmen würde. Ich hielt ihn für einen etwas überspannten Amerikaner und fand, als Deutscher hätte ich eine realistischere Vorstellung von diesen Dingen. Peinlich: Drei Jahre später atmeten wir Trabi-Abgase und ich sah, roch und fühlte, er hatte Recht behalten.

 Wikipedia De 9 95 Munt Turm

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Unter der Lupe: Versöhnung

Scot McKnight hat auf seinem Blog eine Menge Material (31 Posts!) zum Thema Versöhnung/Erlösung (engl.: atonement) zusammen getragen.

Ich werde mich in den nächsten Tagen hoffentlich durchwühlen. Vielleicht findet er Wege weg von den schablonenhaften Darstellungen, die große Teile der Erbauungsliteratur (und -Musik!) prägen?

Dscf1780

McKnight zitiert F. LeRon Shults (The Faces of Forgiveness, S. 148-149), der fragt:

Wenn Gott es eingerichtet hat, dass die Schuld der Menschen in vollem Umfang beglichen wurde (Satisfaktion, also “Genugtuung”), inwiefern sollten wir das noch als Vergebung bezeichnen? Wenn eine rechtliche oder finanzielle Schuld erlassen wird, dann muss sie nicht beglichen werden. Wenn Gott (oder Gott, der Sohn) die Schuld tatsächlich bezahlt hat (volle Genugtuung geleistet hat), dann braucht Gott nicht mehr zu vergeben. Wenn eine Zahlung geleistet wurde, sollten wir nicht besser von “Ausgleich” reden als von Vergebung?

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Führungskräfte

Neulich habe ich mich mit einem Manager unterhalten. Er berichtete, dass er mitbekommen hatte, wie ein an Aufstieg (oder war es Position?) interessierter Mitarbeiter, der sich unbeobachtet wähnte, eine Mitarbeiterin völlig unnötig herablassend und barsch behandelt hatte. In seinen Augen war der Mann für Führungsaufgaben damit disqualifiziert.

Die Klarheit, in der er das formulierte, fand ich bemerkenswert. Wer würde nicht gern in einem Unternehmen arbeiten, wo die “Chefs” aus Prinzip (und nicht nur wenn es ihnen nützt) höflich und freundlich sind? Und wie wäre es, wenn wir diesbezüglich unsere Maßstäbe in christlichen Gemeinden da auch etwas nachjustieren, ohne dabei süßlich und gekünstelt zu werden?

Klar, in einer Familie redet man auch mal unverblümt, aber es muss ja nicht verletzend sein. Aber wie die Familie wäre auch eine Gemeinde ein tolles Übungsfeld für Dinge, die man überall im Leben gut brauchen kann.

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Keine Theologie, bitte?

Vielleicht hat der eine oder andere das auch schon erlebt: Man kommt in ein überkonfessionelles oder übergemeindliches Treffen, besonders wo es um die “Einheit” geht, und jemand aus der Runde fordert die anderen dazu auf, im Namen der Einheit nicht über Theologie zu reden. Alle nicken verständnisvoll, weil Theologie ja immer zu Streit führt und Diskussionen nichts bringen.

Wirklich? Fortan wird nämlich implizit ständig über Theologie geredet – es geht auch gar nicht anders. Nur macht man sich die eigenen theologischen Denkvoraussetzungen nicht bewusst und ordnet die des Gegenübers womöglich falsch ein, weil Rückfragen dann tabu sind. Die Frage war nie, ob wir über Theologie reden, sondern nur auf welchem inhaltlichen Niveau und mit welchem Maß von persönlicher Transparenz.

Nur weil man jahrelang den einen Fehler gemacht hat – nämlich persönliche Differenzen, Ängste, Konkurrenzverhältnisse und Antipathien über den Umweg der Theologie auszutragen oder anders Denkende inquisitorisch auszugrenzen – muss man doch nun nicht auf der anderen Seite vom Pferd fallen. Der nämlich, dass die stärkste, eloquenteste (oder am geschicktesten manipulierende?) Persönlichkeit die Grundüberzeugungen der Gruppe bestimmt und jemand, der sachliche (!) Bedenken äußert, als Harmoniesaboteur in die Ecke wandert. Oder in Zukunft frustriert weg bleibt.

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