Sinnlose Rechtfertigungen

Immer wieder mal werde ich auf verschiedene Kritiken am Alpha-Kurs angesprochen und gefragt, ob ich eine Antwort geben würde. Nun gibt es sicher viel Kritik, die eine Antwort wert ist. Leider gibt es aber auch etliches, zu dem man einfach besser schweigt.

Dazu gehört die Kritik aus dem biblizistisch-fundamentalistischen Lager. Sie zielt per Definitionen schon darauf ab, alles was nicht ins Konzept passt als „unbiblisch“ hinzustellen. Das ist bei den kleinkarierten Auslegungsmethoden kein Problem. Alpha steht damit in einer Reihe mit – als „evangelikal“ getarnten – Verführern wie Willow Creek oder ProChrist.
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In memoriam Käthe Banzhaf

Als ich letzten Dienstag Abend am Totenbett unseres „Mileins“ in Streitberg stand, war das ungewöhnlichste an ihr die völlige Regungslosigkeit. Vermutlich wird jeder bestätigen, dass sie stets einen unermüdlichen Bewegungsdrang an den Tag gelegt hatte.

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Meine ersten Erinnerungen sind Samstagabende, die ich als Kind alleine bei ihr in eine Häkeldecke gehüllt mit Fernsehen (wir hatten keinen zuhause) und einem Becher Joghurt verbracht habe, dass sie mich nach einer Mandeloperation im Alter von 4 Jahren in der Klinik besuchte und ich ihr vor Heimweh bis auf die Straße nachlief, oder dass ich in ihrem Hof Rad fahren lernte. Ich war es auch gewesen, der ihr bei meinen ersten Sprechversuchen den Spitznamen Milein verpasste (Omi – eine Silbe weg und eine andere dazu), auf den sie immer stolz war.

Erst später habe ich entdeckt und verstanden , dass ihr Leben von schweren Zeiten geprägt war.
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So weit die Füße tragen

Es waren nur etwa 31 km und nicht ganz 2 1/2 Stunden beim Städtemarathon Erlangen-Herzogenaurach, dann wollte zumindest der linke Fuß plötzlich nichts mehr tragen. Und nachdem das Laufen an sich antrengend genug ist (zumal auf dieser Strecke, die ich mir ganz sicher kein zweites mal zumuten werde), bin ich ausgestiegen.

Schade. Die ganze Training der letzten Wochen, der verpasste Zieleinlauf (die Zeit wäre passabel gewesen, wenn ich einfach so weiter gelaufen wäre). Vielleicht war die Dämpfung im Schuh schon hinüber und ich habe es nicht gemerkt, weil ich sonst nur im Wald laufe. Vielleicht hätte ich am Freitag nicht so lange feiern sollen – aber das musste einfach sein.

Auf der anderen Seite: Es ist wenigstens vorbei. Ziel nicht ganz erreicht, aber ich kann mir ein neues setzen (z.B. eine andere Distanz oder einfach eine flachere Strecke). Wenigstens war das Wetter heute ideal zum Laufen und solange es gut ging, konnte ich es ein bißchen genießen. Das Leben geht weiter und dem Fuß geht es schon wieder gut.

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Nochmal Weltbild: Schlösser und Magie

Mir ist ein merkwürdiger Fall magischen Denkens begegnet: In meiner Familie werden Fahrradschlösser wie eine Art Talisman oder Fetisch behandelt, als würden sie durch ihr bloßes Vorhandensein Diebe in die Flucht schlagen. Man wickelt sie um die Sattelstütze wie man Knoblauch gegen Vampire hinhängen würde.

Skeptiker und Rationalisten wie ich, die darauf hinweisen, dass man ein Rad auch tatsächlich durch den Rahmen und die Speichen hindurch abschließen muss, um wirklich zu verhindern, dass der Drahtesel geklaut wird, ernten genervtes Achselzucken. Schließlich stehen die Räder ja noch da, oder?

Frage an alle Philosophen unter uns: Ist das nun eine prämoderne oder postmoderne Mentalität? Oder habe ich das einfach missverstanden?

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Warum?

Manuel (fast 11) hat heute ein gewichtiges Problem angesprochen: Warum gibt es Stechmücken? Gestern abend hat er 11 Stiche abbekommen (Autan wollte er keines nehmen) und nun jucken seine Beine und er kann nicht richtig einschlafen. Hätte Gott das nicht anders regeln können?

Meine Bücher schweigen zu dem Thema. Kann ein gerechter Gott solches Leid zulassen? Sind Moskitos der ultimative Beweis, dass die ganze Schöpfung gefallen ist, oder verstehen wir nur Gottes vollkommene Ordnung nicht mehr? Gibt es im Himmel noch welche, aber die Stiche jucken nicht?

Hat irgendwer da draußen die Lösung – eine Antwort, mit der wir leben können? 😉

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Die Revolution der „Normalos“

Die Alpha-Konferenz in Stuttgart liegt hinter uns. Wenn man ein Jahr lang auf eine Sache hin gearbeitet hat, ist es schon ein großer Moment, wenn der Tag kommt. Und er kam sehr gut. Wir waren rund 1.000 Leute und die Atmosphäre war von Beginn an ausgesprochen gut. Ulrich Parzany ermutigte die Teilnehmer, mit dem Evangelium nicht hinter dem Berg zu halten und Weihbischof Renz überbrachte ein Grußwort von Kardinal Kasper aus Rom, dem Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Und die Referenten Nicky Gumbel, Paul Cowley, Thomas Fischer, Dominik Reifler und viele andere erwiesen sich als hochgradig infektiös.

Am Ende stand gut die Hälfte der Anwesenden auf um zu signalisieren, dass sie einen Kurs in ihrer Gemeinde beginnen möchten. Ich denke, das ist ein traumhaft gutes Resultat und ein echter Meilenstein für die Alphakurs-Bewegung im deutschprachigen Raum.

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Noch eine Woche bis Stuttgart…

In einer Woche steigt die Neue Alpha-Konferenz in Stuttgart. Es werden wohl an die 1.000 Leute und wir hoffen natürlich alle, dass gute Impulse von den zwei Tagen in der Liederhalle ausgehen.

Wenn ich in diesen Tagen Brigitte und Silke (unsere beiden Mitarbeiterinnen im Alpha-Büro) erlebe, denke ich mir manchmal, dass wir uns da ganz schön etwas eingebrockt haben als so ein kleiner Haufen von Idealisten: Die Koordination mit den Leuten aus England und den Partner-Organisationen hier in Deutschland ist richtig anspruchsvoll.

Aber ich finde es großartig, all diese Dinge in einem motivierten Team zu stemmen, wo jeder ruhig mal stöhnen und leise schimpfen darf, aber trotzdem alle an einem Strang ziehen und der Ton gut bleibt. Und es ist toll, dass wir mit tatkräftiger Unterstützung von Musikern, Technikern und Helfern aus der Gemeinde nach Stuttgart gehen.

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Moskito-Verteidigung

Letzte Woche besuchte ich meinen Freund Udo Anrich, der für etliche Wochen in Orlando/Florida arbeitet. Wir besichtigten gemeinsam das „historische“ Fort DeSoto am Eingang der Tampa Bay. Es stellte sich heraus, dass die Festung Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden war (aus europäischer Perspektive nicht zwingend „historisch“ zu nennen) und obendrein war das Inselchen nie Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen.

Der wahre Kampf mehrerer Generationen von unfreiwillig dort stationierten Rekruten schien sich vielmehr gegen die allgegenwärtigen Moskitos gerichtet zu haben, denen kaum beizukommen war. Schlaflose Nächte waren eher die Regel denn die Ausnahme.

Irgendwann wurde der Posten schließlich aufgelassen. Dennoch wurde der heldenhafte Einsatz für das Vaterland (da lassen sich die Freunde in den USA nicht lumpen) mit starken Worten gewürdigt und das Baudenkmal ist geschützt und restauriert worden.

Mich hat die Frage beschäftigt, ob wir nicht (als Christen, aber nicht nur die) auch hin und wieder solche sinnlosen Posten beziehen und dort unter Qualen ausharren – angetrieben von einem unstillbaren Sicherheitsbedürfnis. Das können ideologische Positionen sein, unreflektierte Glaubensüberzeugungen, Vorurteile gegen andere.

Vielleicht hätte man die Botschaft der Moskitos schneller begreifen können und etliche junge Leute davor bewahren, an den Rand des Wahnsinns zu geraten? Hat Gott sie als kleinen Wink dort „stationiert“? Und wo stehe ich in Gefahr, auf verlorenem Posten die falschen „Feinde“ zu bekämpfen?

Dscf1285 Fort deSoto heute: Angler und faule Seevögel

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Frischer Wind aus dem Westen: Eindrücke von der „Emergent Convention“ in San Diego

Man muss sich die Paradoxie auf der Zunge zergehen lassen: Während die Teilnehmer der nebenan statfindenden „National Pastors Convention“ Referate von Größen wie John Ortberg hörten und in Freizeitkleidung ohne Krawatte zu „modernem“ Lobpreis mit konzertreifer Rockband mit den Zehen wippten, saßen die 700 (im Schritt 10-15 Jahre jüngeren) Teilnehmer der „Emergent Convention“ meist in kleinen Diskussionsgruppen zusammen und sprachen über den Wert traditioneller Liturgie, die Bedeutung der Theologie Karl Barths oder der Quantenphysik, die Philosophiegeschichte seit der Aufklärung und vieles mehr, um so der Frage auf den Grund zu gehen, wie sich Kirche im 21. Jahrhundert verändern wird. Eines aber wollten sie auf gar keinen Fall sein – modern! Es wäre also zu kurz gegriffen wenn man hier an „Jugendgemeinden“ für 15-25 Jährige denkt – mit trendiger Musik, Piercings, verdunkelten Räumen, Videobeamern und Gottesdiensten, die ein hippes „X“ im Namen hatten (Für alle, die es noch nicht bemerkt haben: „X’e“ sind mega-out…).

Während hier wie in den USA immer noch viele geistliche Leiter und Theologen unter „Postmoderne“ einen plumpen, destruktiven Relativismus verstehen, der alles Streben nach Wahrheit aushöhlt und zersetzt, machen sich Denker wie Brian McLaren von der Cedar Ridge Community Church im Bundesstaat Maryland daran, ein differenzierteres Bild zu zeichnen. Auch postmoderne Menschen fragen nach Wahrheit, vielleicht sogar mehr als frühere Generationen. Aber sie misstrauen mit gutem Grund all jenen, die beanspruchen, über absolute Wahrheiten zu verfügen – seien es nun totalitäre Ideologien oder der Versuch, die christliche Botschaft auf vier Gesetze und ein Gebet in drei Sätzen an den persönlichen Heiland zu verkürzen.

Sie gewinnen so einen erfrischend neuen Zugang zu Dimensionen des Glaubens, die unsere vernunftgeprägte Theologie der Moderne – sei sie nun evangelikal oder liberal – verloren hatte. Sie entdecken die Bibel neu als eine dramatische Geschichte voller Rätsel, nicht als ein lückenlos erklärbares System von abstrakten (und damit universal gültigen) Satzwahrheiten. Sie fragen, welche Botschaft wir dadurch vermitteln, dass wir Gottesdienste in Theater- oder Kinobestuhlung feiern und auf alle anschauliche, handfeste Symbolik verzichten. Sie fragen, ob das Christentum auf Dauer nicht leidet unter dem Ideal „zeitgemäßer“, marktorientierter Mega-Gemeinden mit (durchaus „geistlichen“, keine Frage!) Leitern, die vor allem fähige Manager sind? Oder ob es richtig ist, dass Evangelisten allzu oft wie Verkäufer auftreten und argumentieren, oder (schlimmer noch) sich in moderner Kreuzzugs-Rhetorik üben?

Ich bin auf die „Emergent Convention“ gefahren, um Leute zu treffen, die sich als Grenzgänger verstehen und Denken in starren theologischen „Lagern“ hinter sich lassen. Dabei hat mich beindruckt, wie ernst und radikal hier genuin theologische Fragen diskutiert werden. Vieles, was in den letzten Jahren über den großen Teich geschwappt ist, hat sich weitgehend im Methodischen bewegt: Da wurden Gemeindekonzepte vermittelt, Prinzipien und Schritte-Modelle von Evangelisation verhandelt, das persönliche geistliche Leben unter die Lupe genommen – immer in der Annahme, alles beruhe auf einem selbstverständlichen Grundkonsens in Fragen der Offenbarung, Schriftauslegung, Christologie und Ekklesiologie und eines viel beschworenen, aber selten konkret erläuterten „biblisch-christlichen“ Weltbildes.

Dieses Weltbild, so stellt sich nun heraus, steckt voller moderner „Viren“: Es hat Individualismus auf Kosten von Gemeinschaft gefördert, den Schatz der Glaubenserfahrungen durch Reduktion auf allgemein gültige „Prinzipien“ flachgebügelt, mechanistische Gemeindekonzepte und Dienstleistungs- und Konsumchristentum erzeugt. Es wird obendrein von dem typisch modernen Grundbedürfnis beherrscht, die Welt zu erobern und zu dominieren. In dieser Hinsicht haben wir uns von den biblischen und historischen Ursprüngen des Glaubens entfernt, ohne es zu merken. Das Ende der Moderne, das wir nun erleben, bietet auch uns Christen einen Ausweg aus der Sackgasse. Und einen Neuanfang im Gespräch mit einer Welt, die immer mehr nach Gott fragt, aber am organisierten Christentum verzweifelt.

Es ist sicher kein Zufall, dass viele Lutheraner, Reformierte und Episkopale unter den Teilnehmern sind, die sich nicht unbedingt als Evangelikale verstehen würden. In den USA ist dies ohnehin eine problematische Selbstbezeichnung, wenn man nicht mit der Agenda der konservativ-fundamentalistischen „Christian Coalition“ identifiziert werden möchte, die nationales Pathos pflegt, gegen Abtreibung und Homosexualität zu Felde zieht, aber zu Armut und Krieg schweigt und Ökologie für überflüssig hält, weil ja die „Entrückung“ diese Probleme löst – für die Frommen zumindest. All das bringt der Theologe, Soziologe und Querdenker Tony Campolo gewohnt provokativ zur Sprache, und beweist zugleich, dass es nicht nur die Aufgabe der Jungen sein kann, neue Wege zu suchen. Bringt die Postmoderne also „Postevangelikale“ und „Postliberale“ dazu, das Gute im jeweils anderen zu entdecken, Gräben zu überwinden und miteinander zu lernen, wie man offen spricht und denkt?

All das beruht auf der Einsicht, dass unsere Welt einen tief greifenden Wandel erlebt. Das westlich dominierte Zeitalter der Moderne endet gut 500 Jahre nach Gutenberg, Kolumbus, Luther und Leonardo da Vinci. Über 300 Jahre Aufklärung haben manches verändert, aber mit der vermeintlich „reinen Vernunft“ als Richterin ist die Welt insgesamt nicht besser geworden. 200 Jahre Industriegesellschaft haben Inseln des Wohlstands geschaffen, die sich auf Dauer aber nicht gegen globales Elend abschotten können und aufgrund dieser Künstlichkeit ihre Bewohner innerlich leer gelassen haben. Noch kann niemand sagen, wie die neue Welt jenseits der Erschütterungen aussieht. Es scheint, als hätte Gott ein neues Abenteuer für uns bereit.

www.emergentvillage.com

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