Filmreife Verfolgung

Er lief arglos auf einer schmalen, einsamen Straße, als er hinter sich ein Fahrzeug auftauchen sah. Blinde Panik ergriff ihn und er lief, was die durchtrainierten Beine hergaben – weiter die Gasse entlang. Aber der Verfolger holte immer weiter auf. Er schlug einen kleinen Haken nach links, einen nach rechts, ohne Erfolg. Ich wollte ihm helfen in seiner verzweifelten Lage. In meinem Kopf schrie eine Stimme: „Bieg doch ab! So hast du keine Chance“, aber ich wusste, er würde mich nicht verstehen. Noch einmal sah ich den gehetzen Blick in seinen Augen. Dann geschah es:

Der Feldhase schlüpfte ins angrenzende Rapsfeld und verschwand. Ich zischte auf dem Rad vorbei und dachte, dass ich das so ähnlich schon in tausend Filmen gesehen hatte. Da allerdings wird das Opfer meistens überfahren. Hasen sind nicht besonders klug, aber offenbar schlauer als Drehbuchautoren und ihre Standardklischees. Dieses zu Beispiel habe ich noch nie verstanden.

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Zauberhaft

Freitag Abend im Wald bei Hartenstein. Wir sind mit der Konfi-Gruppe auf dem Rückweg von der Petershöhle zur Jugendherberge. Der Wald wird schon dunkel in der späten Abenddämmerung. Es ist immer noch sehr warm und staubtrocken.

Plötzlich ein Ruf von vorn: „Licht aus, Glühwürmchen“. Alle schalten die Taschen- und Stirnlampen ab – und tatsächlich: Der ganze Wald ist voller winziger, tanzender Lichter. Es müssen tausende sein. Für jeden Leuchtpunkt, der ausgeht, geht irgendwo anders wieder einer an. Fünf Minuten gehen wir ehrfürchtig durch einen zauberhaft illuminierten Forst und genießen einen Moment, den man weder festhalten noch wiederholen kann.

Wenn Galadriel hinter der nächsten Biegung auf dem Weg gestanden hätte, hätte mich das auch nicht mehr gewundert.

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