Passion zum Anfassen

Selten habe ich dermaßen viele Leute sichtlich bewegt aus einem Gottesdienst kommen sehen wie heute morgen von unserem Karfreitags-Kreuzweg. Die Passion Christi mal so richtig mit allen Sinnen wahrzunehmen, wo Filme einem weder genug Zeit noch Distanz gelassen, Predigten nichts neues mehr erzählt und viele Lieder allzu gewohnt geklungen hätten.

In Verbindung mit Dingen zum Ansehen und Anfassen hatten die (ebenfalls bekannten) Bibeltexte plötzlich eine ganz andere Resonanz. Und am Ende hatte tatsächlich fast jeder innerlich einen Weg mit Gott zurückgelegt. Es herrschte eine unglaubliche Konzentration im Raum, die auch auf die Kinder sofort gewirkt hat.

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Genial bei dem ganzen war das vierköpfige Team, das wunderbar kreativ, harmonisch und effizient alles vorbereitet hat, und die vielen künstlerischen Helfer. Sogar ein echter Grabstein war dabei…

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Bibeln und Bigotterie

Bernardo Provenzano scheint ein Mann voller Gegensätze zu sein: Ein Multimilliardär, aber er gibt nichts davon aus, lebt in einer spartanischen Hütte, ernährt sich von Frischkäse und – jetzt kommt’s noch dicker – er hat schätzungsweise vierzig Leute direkt auf dem Gewissen, sieht aber häufig seinen Beichtvater und hat gleich mehrere Bibeln bei sich.

Aus den letzten Infos hätte der eine oder andere geschlossen, der fromme Bernardo müsse ein guter Mensch sein. Pustekuchen! Aber es wäre doch wirklich schön, wenn das Lesen in de Bibel Leute von allein zum Guten verändern würde.

Ein anderes Beispiel für diese Art empörender Bigotterie ist der Konflikt zwischen dem deutschen Papst Benedikt XVI und dem polnisch-nationalistischen katholischen (!) Sender Radio Maryja, der durch Antisemitismus von sich reden macht.

Es bleibt also eine riesige Aufgabe, daran aufmerksam zu arbeiten, dass das Evangelium richtig verstanden und dann auch praktisch umgesetzt wird – keineswegs nur für Katholiken.

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Zitat zu Ostern

Aus dem Ende wächst ein neuer Anfang. Verlust und Schmerz sind nicht das letzte Wort. Zeit, die Trauer zurück zu lassen, das Gute zu genießen und mit Hoffnung in die Zukunft zu blicken, aus der mir Gottes neue Schöpfung entgegenkommt. Schönheit statt Asche, wie Jesaja sagte.

Das hat mich an den folgenden Dialog aus Four Weddings and a Funeral erinnert:

Fi, you do look lovely today.

I’ve abandoned my traditional black.

Yes, so you have.

From now on, I shall be all the colours of the rainbow and fall in love with someone who fancies me for a change.

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Abgänge

Eine Woche voller Abgänge und Abgesänge:
Oliver Kahn muss die Nummer 1 an Lehmann abgeben, und bleibt im dennoch Team (guter Verlierer, sagt Klinsmann). Vielleicht brauchen wir ihn, um bei de WM alle gute Verlierer zu werden…?
Matthias Platzeck gibt den Vorsitz der SPD ab, damit er (kluger Verlierer) seine Gesundheit behält.
Silvio Berlusconi muss sein Amt demnächst abgeben an Prodi 🙂 und und lässt nachzählen (schlechter Verlierer). Er hofft auf eine große Koalition wie in Deutschland, aber es sollte ihm klar sein, dass diesen Wechsel selbst Gerhard Schröder politisch nicht überlebt hat. Prodi und Angie werden sich dagegen verstehen.
Bernardo Provenzano muss in den Knast und Italien atmet auf, zum zweiten Mal an diesem Tag. Die Cosa Nostra verliert ihren Paten. Ein Schritt in die richtige Richtung.

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Brief aus Athen

Eher zufällig bin ich heute auf der Website des ÖRK gelandet und habe da einen interessanten Brief von der Weltmissionskonferenz Athen 2005 gefunden. Bestimmt bin ich der einzige, dem das bisher entgangen war… Es gibt ihn sogar in (nicht immer richtig gutem) Deutsch, hier ein kleiner Auszug, der vielen aus dem Herzen sprechen wird:

Der Missionscharakter der Kirche wird in größerer Vielfalt erfahren als je zuvor, und die christlichen Gemeinschaften setzen ihre Suche nach eigenen Antworten auf das Evangelium fort. Diese Vielfalt ist eine echte Herausforderung und kann mitunter Unbehagen in uns hervorrufen. Wir entdecken darin aber auch Möglichkeiten für ein tieferes Verständnis des schöpferischen, lebenserhaltenden, heilenden und versöhnenden Wirkens des Heiligen Geistes.
Denn die Kraft des Geistes berührt uns in vielerlei Weise : in Sanftmut und Wahrheit, Trost und Kreativität, Gottesdienst und Handeln, Weisheit und Unschuld, Gemeinschaft und Heiligung, Befreiung und heiliger Kontemplation.
Doch es gibt auch böse Geister, die in der Welt und leider auch in einem großen Teil unserer Geschichte und in vielen unserer Gemeinschaften am Werk sind. Dies sind Geister der Gewalt, Unterdrückung, Ausgrenzung, Spaltung, Korruption, Selbstsucht, Ignoranz, des Versagens, unseren Glauben zu leben, und des angstvollen Schweigens angesichts von Unrecht.
Um das Werk des Heiligen Geistes erkennen zu können, haben wir die Notwendigkeit verspürt, immer wieder zu den Wurzeln unseres Glaubens zurückzukehren und den dreieinigen Gott zu bekennen, der uns in Jesus Christus, dem Fleisch gewordenen Wort, offenbart worden ist.

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Kunststück Verstehen

Mit fällt immer mehr auf, wie tief die Sehnsucht der meisten Menschen ist, verstanden zu werden. Oder, um es in biblischer Sprache zu sagen: erkannt zu werden – irgendwie durchschaut und trotzdem zugleich auch geliebt. Ein (Augen-) Blick, in (bzw. mit) dem der andere alles sieht, und sich darüber nicht abwendet.

Andererseits leben wir täglich mit Missverständnissen oder dem Schmerz, unverstanden zu sein. Um so kostbarer ist es, wenn mich jemand “erkennt”. Und das ist nicht primär eine Frage des Informationsstandes, sondern der Empathie und Intuition. Tom Marshall hat einmal geschrieben, dass ohne das Verstehen auch Liebe, Achtung und Vertrauen in einer Beziehung nicht mehr richtig funktionieren.

Das Dumme ist, dass man Verständnis kaum einfordern kann. Man muss es geschenkt bekommen. Manchmal verstehe ich mich ja selbst nicht einmal. Wahrscheinlich ist alles menschliche Verstehen bruchstückhaft. Kein Mensch auf dieser Welt wird alles an mir verstehen. Es geht also immer um ein mehr oder weniger, nicht so sehr um alles oder nichts (diese Erwartung wäre das sicherste Rezept für Einsamkeit). Nur manchmal ist das Wenige nicht genug.
„Kunststück Verstehen“ weiterlesen

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Nichts besonderes

Heute habe ich mich mit einem Freund über die Dinge unterhalten, mit denen jeder von uns die letzten Wochen so zu kämpfen hatte. Mir hat es geholfen, in Gesprächen und durch Sachen, die ich gelesen habe (Guardini…), manche dieser Erfahrungen einzuordnen.

Beruhigend und ernüchternd zugleich war dabei die Einsicht, dass ich gar nicht so besonders bin, wie es sich hin und wieder anfühlte: Nicht so einsam in meiner Tragik, dafür auch nicht so verloren, wenn es um Lösungen geht. Vielleicht doch eher tröstlich, denn sonst träfen mich irgendwann diese Zeilen von Dido:

You think you are complicated,
Deep mystery to all,
Well it’s taken me a while to see,
You’re not so special.

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Glück und Entsetzen

Generous Orthodoxy verweist auf ein Gespräch des Sunday Herald mit der jüdisch-stämmigen Feministin Naomi Wolf, die erzählt, wie sie eine Begegnung mit Jesus hatte. Hier ein kleiner, aber feiner Auszug, der theologisch spannend ist und vor allem die Frage aufwirft, wo jemand hingehen kann und verstanden wird, wenn er so etwas erlebt:

“Ich war völlig verdutzt, aber ich hatte tatsächlich diese Vision von … von Jesus, und ich bin sicher, es war Jesus.” Weil sie ein Stirnrunzeln erwartet, fügt sie schnell hinzu: “Aber es war nicht so was komisches Theologisches; es war einfach diese Gestalt, die das vollkommenste menschliche Wesen war – voller Licht und voller Liebe. Und ganz und gar zugänglich. Jeder von uns könnte so sein. Es kam Licht holographisch aus ihm heraus, einfach weil er ungetrübt war. Aber als Menschen könnten wir das alle sein.”

Obwohl sie beunruhigt war, war sie auch beschwingt. “Auf der mystischen Ebene war das völlige Freude und Glück und mir liefen die Tränen herunter. Auf der Ebene des Bewusstseins war ich absolut entsetzt, als es vorbei war, weil ich Jüdin bin. Auf so etwas hätte ich nicht treffen sollen.”

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Mailserver kollabiert

Von gestern mittag bis heute morgen war unser (Mail)Server gestört. Ich vermute, dass etliche Mails auf der Strecke geblieben sein könnten. Falls jemand in dieser Zeit etwas geschickt hat, könntet Ihr das bitte im Zweifelsfall wiederholen?

Danke…

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Augenzwinkern

Ich kam ziemlich kaputt von einer flotten Laufrunde zurück und ging zum Verschnaufen die letzten 250 m zur Haustür.

Plötzlich hörte ich schräg hinter mir kleine Füße trappeln und drehte mich um. Ein kleines Kind lugte unter einer Mütze hervor, streckte mir ein goldenes Schokoladen-Osterei entgegen und sagte “Da!” (viel mehr konnte es wohl auch nicht sagen).

Dann drehte es um und lief davon. Ich glaube, Gott hat mich in dem Moment angezwinkert. Viel mehr als nur Schokolade für die Nerven.

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Auf dünnem Eis

Wissenschaftliche Wunder-Erklärung bleibt ein Widerspruch in sich. Den neuesten Anlauf schildert die SZ: Jesus sei über eine Art sporadisch auftretendes Blitzeis am See Genezareth marschiert. Petrus muss dann wohl eingebrochen sein?

Biblische Geschichten auf diese Weise für “moderne Menschen” nachvollziehbarer zu machen bedeutet, sich auf sehr dünnes Eis zu begeben. Meistens verschiebt man die Probleme nur. Die Forscher wiesen lediglich auf die Möglichkeit hin. Wie es tatsächlich war, können sie auch nicht sagen…

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Die richtigen Fragen stellen

Gestern abend habe ich es endlich doch noch geschafft, in “Walk the Line” zu gehen. Die wilden Jahre von Johnny Cash sind mitreißend erzählt und es ist leicht nachzuvollziehen, dass der Film drei Golden Globes und Reese Witherspoon für ihre Rolle den Oskar bekam. Aber das ist ja nur das Vordergründige.

Mir hat gut gefallen, wie Johnny Cashs schwierige Lebensgeschichte (vor allem mit dem jähzornigen und verbitterten Vater) so dargestellt wurde, dass man ihn verstehen konnte. Gleichzeitig kam er aber nicht als “Opfer” weg, sondern man hätte ihm zwischendurch auch gern mal eine runtergehauen für seine Drogengeschichten und sein unverantwortliches Verhalten. Gut, dass ihn June vor dem totalen Absturz rettet und nach allen Irrwegen ein versöhnliches Ende steht. Nun würde mich interessieren, wie es weiterging. Vielleicht sollte ich mal in Steve Turners Cash-Biografie schauen.


“Ein Mann namens Cash. Die autorisierte Biografie” (Steve Turner)

Aber zurück zum Film. Eine der stärksten Szenen fand ich, als der von floskelhaften, halbherzig heruntergenudelten Gospelsongs gelangweilte Plattenproduzent zu ihm sagt, er solle sich vorstellen, er sei am Verbluten und könnte noch ein einziges Lied singen, das Gott und der Welt das ausdrückt, was er wirklich empfindet. Das war der Wendepunkt.

Ich glaube, die meisten von uns brauchen Leute, die ihnen ab und zu so eine Frage stellen.

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