Großer Bruder

George Orwells Heimat ist 22 Jahre nach 1984 auf dem Weg in die totale Überwachungsgesellschaft. Angesichts IRA gestern und islamistischer U-Bahn-Bomber heute vielleicht keine Überraschung, aber für unsere Standards von Datenschutz (die hoffentlich auch nicht aufgeweicht werden) eine gruselige Vorstellung, was der Heise-Newsticker heute schreibt:

In Großbritannien gibt es etwa vier Millionen Überwachungskameras. Die Wachstumsrate steigt explosiv an, innerhalb der letzten drei Jahre haben sich die Kameras um 300 Prozent vermehrt. Der durchschnittliche Brite wird täglich 300-mal von einer Überwachungskamera aufgenommen. Auf 14 Einwohner kommt bereits eine Überwachungskamera.

Da kann einem die Reiselust glatt vergehen…

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Aufschlussreich

Ich schreibe an unseren Landtagsabgeordneten (und Fraktionschef). Dazu habe ich die Website der CSU angesehen und “Klimaschutz” suchen lassen. Alle Texte, die dort erschienen, stammen noch aus der Zeit vor dem Regierungswechsel im Herbst 2005. Ist doch interessant!

Aber es wurde noch besser. Denn daraufhin habe ich mich ins Grundsatzprogramm geklickt, wo vermerkt war: Der Klimapolitik der Bundesregierung fehlt eine zielführende Systematik.

So viel Ehrlichkeit hatte ich gar nicht erwartet 🙂

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Sind wir die Guten?

Draußen macht der November unmissverständlich klar, dass der goldene Oktober vorbei ist und es nun nicht nur dunkler, sondern auch empfindlich kalt wird. Wir saßen heute nachmittag drinnen und haben Al Gores unbequeme Wahrheit über einen immer wärmer werdenden Planeten angesehen. Verschiedene Kritiker haben schon einige typisch amerikanische Schwächen bemängelt – und trotzdem sollte sich jeder diesen Film ansehen. Um so mehr, als inzwischen immer deutlicher wird, dass die Klimaveränderung auch gravierende ökonomische und soziale Krisen zur Folge haben wird. Und wenn man sich daran erinnert, dass ohne die Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren Hitler kaum an die Macht gelangt wäre, wird deutlich, dass auch die politischen Konsequenzen verheerend sein könnten.

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Es ist übrigens viel zu billig, auf die Amis herabzusehen. Unsere Automobilindustrie etwa hinkt im internationalen Vergleich weit hinterher und ist augenscheinlich zu dumm, um aus den Fehlern von Ford oder GM zu lernen. Im Film kam (wieder eine nette Illustration zum Thema “Mächte und Gewalten”) ganz deutlich heraus, dass die Sachlage ganz eindeutig ist, und dass die Gegner einer Klimaschutzpolitik aber systematisch Zweifel an den Zusammenhängen säen, so wie bis heute die Tabaklobby der Öffentlichkeit Sand in die Augen streut: Sollte die Wissenschaft wirklich gesagt haben?

Am Ende des Nachspanns hieß es übrigens sinngemäß: Wenn Sie an das Gebet glauben, dann beten Sie, dass Menschen bereit werden, etwas zu ändern. Im Kino haben dabei einige gelacht: Beten!

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Flagge zeigen – aber wie?

Ein Verantwortlicher aus einer befreundeten Gemeinde berichtete jüngst, die dortige Jugendgruppe habe auf seine Anregung hin ihren “Lobpreis” am Freitagabend in die Innenstadt verlagert – und zwar auf offener Straße, neben einem Kino und einer stets überfüllten Szenekneipe. Eine Art Praise God it’s Friday also.

Gestern beim Abendessen bekam ich dann den authentischen Kommentar meiner Kinder dazu mit, der für dieses Blog etwas zu unverblümt ausfiel. Ihre Begeisterung hielt sich, vorsichtig gesagt, in Grenzen. Wir werden diese Aktion also wohl nicht nachmachen. Und zwar nicht nur wegen meiner Kinder.

Vielleicht liegt ja ein Teil des cringe factors darin, dass hier eine Sache in der Öffentlichkeit inszeniert wird, die in unserer Kultur als sehr privat gilt? Bleibt nur die Frage, ob wir den Raum der Öffentlichkeit mangels Mut, Kreativität und Engagement völlig brachliegen lassen oder eine Antwort finden, die besser zu uns und in die Landschaft hier passt. Die Homepage allein wird’s nicht richten…

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Krimi-Glaube

Conrad Gempf unterscheidet in Jesus asked zwei Arten von Geheimnissen, und die englische Sprache kommt ihm dabei zu Hilfe: Das eine, englisch “secret”, ist etwas, das mir verheimlicht wird und das ich nicht wissen kann (oder, als Eingeweihter verraten darf). Ich habe schlicht gar keinen Zugang zu diesem Wissen.

Das andere, englisch “mystery”, ist eine Sache, in der ich wie in einem Thriller oder Kriminalfall mitten drin stecke, ständig über Hinweise stolpere und es doch (noch) nicht kapiere. Es geht weniger um Wissen, mehr ums Verstehen. Die Geheimnisse des Glaubens sind von dieser zweiten Sorte: Seltsame Dinge direkt vor meiner Nase.

Leider will “Mysterium” im Deutschen irgendwie nicht so recht nach Krimi klingen. Der Gedanke aber bleibt wichtig: Selbst wenn wir es nicht richtig auf die Reihe bekommen – wir stoßen ständig auf Gottes Spuren – Indizien in einem mysteriösen “Fall”. Erst nach und nach ahnen wir, was sich da abspielt. Gott verheimlicht uns nichts, aber er lässt und an den Fragen knabbern.

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Wer will eigentlich in den Himmel?

Ein Freund erzählte heute beim Joggen von einem Gespräch, in dem jemand sagte, er fände die Vorstellung eines perfekten Himmels, in dem alles vollkommen und in Ordnung wäre, so beängstigend, dass er um Glaubensfragen einen Bogen mache. Ich kann das gut nachempfinden. Da will ich auch nicht hin, es erinnert zu sehr an die Langeweile des Münchners im Himmel. Vielleicht ist es auch eine Wohlstandskrankheit. Leute, die hungern oder unterdrückt und verfolgt werden, stellen sich den Himmel vermutlich anders vor. Attraktiver irgendwie, denn da hat man einfach genug zum Leben, nicht ständig Angst und kann sich entfalten.

Yosemite

Wenn im satten Germanien niemand in den Himmel will, lockt man mit Versprechungen des Himmels auch keinen hinter dem Ofen vor (und konsequenterweise auch nicht mit Höllenkram). Vor allem, wenn man den Himmel sich so denkt, wie ihn die anderen nicht wollen: Autoritär verordnetes Glück, statisch, ätherisch und irgendwie blutleer. So eine Vorstellung kommt dann zustande, wenn der Himmel alles das wird, was dieses Leben nicht ist, oder theologisch gesagt, wenn Schöpfung und Erlösung, Gott und Welt in den größtmöglichen Kontrasten gezeichnet werden.

Muss das sein?

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Kleine Fehler bestraft Google sofort…

Mit einem Schreibfehler ist mir gelungen, wovon so mancher träumt: Mein Blog hat es bei Google auf die Position Nr. 1 zum Thema “Präkariat” geschafft. Zwar hat ein anderer Blogger die falsche Schreibweise (klar – kommt von prekär) umgehend gerügt und ich brav den Fauxpas behoben, aber zu spät.

Seither erfreut sich ausgerechnet dieser Eintrag großer Popularität. Dabei habe ich viel bessere und originellere Gedanken an anderen Stellen…

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Beim nächsten Halloween…

… wäre ich für die Aktion “Gute Geister”. Ohne Gruseleffekte. Einfach im Rudel losziehen und irgendwelchen Leuten wahllos und ohne Hintergedanken etwas Gutes tun, um danach geisterhaft spurlos zu verschwinden.

Wer es noch eindeutiger haben möchte, kann sich ja kleine Flügelchen umhängen 🙂 Oder ein Kärtchen hinterlassen. Die domain www.gutegeister.org ist auch noch frei. Je länger ich drüber nachdenke, desto mehr gefällt mir die Idee. Habt Ihr Vorschläge, was Gute Geister an Halloween so alles anrichten könnten? Dann schreibt Eure Ideen unten für alle als Kommentar.

Mit etwas Vorlauf können wir nächstes Jahr vielleicht ein paar Leute mobilisieren für ein Stück echter Gegenkultur…

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Newbigin (19) Das Leitungsamt in einer missionarischen Gemeinde

Newbigin hatte bereits festgehalten, dass Gemeinden die Gesellschaft durch das aktive Leben der Christen im Alltag mit prägen. Das gelingt ihnen aber nur, wenn sie nicht vereinzelt, sondern Teil einer größeren Gemeinschaft sind. Um diese aufzubauen und zu erhalten, braucht es Struktur und Leitung. Leitung ermöglicht – richtig verstanden – erst die Partizipation und ist daher kein Gegensatz, wie antiklerikale Parolen suggerieren.

Bestandswahrung kann nicht das Ziel sein, wenn das Evangelium die gute Nachricht von Gottes Herrschaft in allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft ist. Doch diese Gesellschaft ist fragmentiert, sie zerfällt in viele verschiedene Beziehungsnetze. Wo der Bezug zum Ganzen verloren ist, da wächst auch die Versuchung, sich auf die eigene Gruppe zu beschränken. Daher klagen viele Gemeinden, ihre Pfarrer seien zu wenig für sie da, während die Pfarrer klagen, sie würden von den eigenen Leuten zu stark beansprucht. Es ist aber weder ihre Aufgabe, sich der geistlichen Nöte der Gemeindeglieder anzunehmen noch selbst Gottes Repräsentanten in der Gesellschaft zu sein, sondern die Gemeinde dahin zu führen, Gottes Botschaftspersonal für die ganze Gesellschaft zu sein.

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Versuch: das Evangelium auf einer Seite

Das Evangelium ist die Geschichte von der Rückkehr des Königs. Gott kommt zurück auf seine Erde, zu den Menschen, die er geschaffen hat, um in liebevoller Gemeinschaft mit ihm zu wachsen und seine Herrlichkeit immer völliger widerzuspiegeln.

Nachdem die Menschen nicht unter Gottes Anleitung und mit seiner Hilfe ihr Potenzial entfalten wollten, sondern sich von ihm abwandten und sich (auf Kosten anderer und zum Schaden der ganzen Schöpfung) ihre eigenen kleinen und großen Reiche schufen, gerieten viele an sich gute Dinge unserer Welt außer Kontrolle.

Gott sah nicht tatenlos zu.

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Richtig herum denken

Eigentlich war das Thema unseres Wochenendes ja “Gemeinde”. Ich hatte das mit unserem Gastreferenten auch so besprochen und war etwas erstaunt, als Jason die ganze Zeit über das Evangelium sprach und die Frage, wie wir es (einzeln und gemeinsam) in unserer Gesellschaft und – konkreter – den Beziehungen zu anderen Menschen leben und vermitteln. Mir liegt dieses Thema ja. Ich hatte nur ein bißchen die Sorge, es könnte als Etikettenschwindel (und zwar meinerseits…) verstanden werden, um Leute, die nie auf ein Wochenende über “Evangelisation” gehen würden, mit Dingen zu ködern, die sie interessieren.

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So wie es dann aber lief, war es sehr gut und konstruktiv. Vor allem wurde (wieder, aber für manche vielleicht auch erstmals) deutlich, dass es nur so herum geht: Wir müssen Gemeinde/Kirche vom Evangelium her denken und dabei dürfen wir uns es nicht zu leicht machen, indem wir einfach davon ausgehen, wir wüssten ganz selbstverständlich, was das Evangelium eigentlich ist. Wo wir es zu genau wissen, haben wir oft wichtige Dinge abgeblendet. Das liegt an unseren falschen Gewissheiten, unhinterfragten und oft auch gar nicht aus der Bibel hergeleiteten Denkvoraussetzungen. Etwa der, dass es im Evangelium primär (und in der Praxis dann so gut wie ausschließlich) um Gott und den einzelnen ginge; und was den einzelnen angeht, je nach geistlicher Prägung, um dessen individuelles Glück oder dessen ewigen Aufenthaltsort.

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Nützliche Melancholie

Melancholie hatte für mich schon immer eine große Anziehungskraft. Sie wird in der modernen Wohlstandsgesellschaft entweder unterschätzt oder missachtet. Wir sind heute doch alle nur noch auf Ziele und Ergebnisse fixiert. Wir wollen nie unseren Kurs verlassen, nie zugeben, dass wir im Unrecht sind. Melancholie aber entsteht immer dann, wenn man über sich und die Welt nachdenkt. Es ist ein nützliches Gefühl. Dowlands Musik [Stings neues Album mit Liedern aus dem 16. Jahrhundert] ist für mich daher eine wichtige Therapie. Ich glaube, dass auch andere Menschen heute diese Art nachdenklicher und spiritueller Musik brauchen.

Sting im Gespräch mit der Zeit

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Ungewissheit

Jason erzählte letztes Wochenende die Geschichte des Journalisten John Diamond, der über seine Krebserkrankung und den zu erwartenden Tod schrieb und daraufhin wohlmeinende, aber haarsträubende Zuschriften von Christen erhielt, die er enttäuscht, aber nicht verbittert, als Gewissheitskrämer bezeichnete. Später fügte er noch an: Gewissheit führt zu Überheblichkeit, Zweifel zum Glauben.

Ungewissheit als Sprungbrett zum Glauben ist eine Sache, die herausfordert. Ich werde nicht gern verunsichert. Trotzdem geschieht es immer wieder. In den letzten Monaten habe ich mich vielen Leuten darüber unterhalten, wie ihre und meine vermeintlichen Gewissheiten sich an manchen Punkten in Luft aufgelöst haben – Schicksalsschläge, Desillusionierung, Selbstzweifel, offene theologische Fragen.

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