Flagge zeigen – aber wie?

Ein Verantwortlicher aus einer befreundeten Gemeinde berichtete jüngst, die dortige Jugendgruppe habe auf seine Anregung hin ihren “Lobpreis” am Freitagabend in die Innenstadt verlagert – und zwar auf offener Straße, neben einem Kino und einer stets überfüllten Szenekneipe. Eine Art Praise God it’s Friday also.

Gestern beim Abendessen bekam ich dann den authentischen Kommentar meiner Kinder dazu mit, der für dieses Blog etwas zu unverblümt ausfiel. Ihre Begeisterung hielt sich, vorsichtig gesagt, in Grenzen. Wir werden diese Aktion also wohl nicht nachmachen. Und zwar nicht nur wegen meiner Kinder.

Vielleicht liegt ja ein Teil des cringe factors darin, dass hier eine Sache in der Öffentlichkeit inszeniert wird, die in unserer Kultur als sehr privat gilt? Bleibt nur die Frage, ob wir den Raum der Öffentlichkeit mangels Mut, Kreativität und Engagement völlig brachliegen lassen oder eine Antwort finden, die besser zu uns und in die Landschaft hier passt. Die Homepage allein wird’s nicht richten…

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4 Antworten auf „Flagge zeigen – aber wie?“

  1. Do it with JOE!
    Warum verfallen Christen immer in Programmatik?
    Anstelle sich singend am Freitag Abend mit einer frierenden Horde Youngstern und ängstlich bibbernden Gemeindegliedern vor einer Szene-Kneipe zu blamieren, lieber am Samstag morgen mit „JOE“ für zwei Stunden für die Kinder in Ukrainischen / Deutschen Waisenhäusern singen. Fangt doch erst einmal ganz klein an, da hätte JESUS auch mal die Chance Mitten unter euch zu sein, und man braucht nicht die Ganze Gemeinde zu motivieren und zu organisieren, etc…

  2. Von der ganzen Gemeinde war ja hier nun nie die Rede. Aber inwiefern ist die Aktion im Waisenhaus (gibts hier eins?) denn keine „Programmatik“? Und das mit Jesus in der Mitte hab ich auch nicht begriffen. Meinst Du die Waisenkinder?

  3. Danke der Nachfrage.
    Ich habe zu oberflächlich gelesen und zu knapp geschrieben. Ich will da besser werden.
    Also der Begriff „Programmatik“ ist unzureichend, ich meine eher einen projizierten Aktionismus.
    Also eine Art der persönlicher Projektion „Flagge zeigen“ auf einen leicht zu beeinflussenden Teil der Gemeinde, der noch nicht über die übliche Resistenz und Trägheit verfügt.
    ***
    Ich will damit auch nicht implizieren, dass die Gemeinde ein Recht besitzt litaneiartig hinter ihren Mauern ein zu schlafen, sondern lediglich, dass junge Christen nicht etwas signalisieren sollen, was in der real existierenden Gemeinde nicht (mehr) vorhanden ist.
    Nämlich eine gesunde, lebendige Gottes-Beziehung, die auf den Werten des neuen Testaments und nicht nur auf Teilen daraus beruht. Hierüber ließe sich natürlich eine rege Diskussion führen…
    ***
    Die Aktion mit „JOE“ sollte ein Metapher für eine Gegenbewegung sein, nämlich ein einfaches, schlichtes und unspektakuläres Auftreten als reifer Christ in der Öffentlichkeit. JOE, weil er offen für den „cringe factors“ ist.
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    Ob die Aktion in einem Waisenhaus stattfindet, oder ob es um einen sozialen Dienst auf der Straße geht, ist in diesem Zusammenhang sekundär. Die Tatsache genügt, dass man als reifer Christ und als Schriftgelehrter sein sicheres Terrain verlässt und in einer selbstlosen Tat „Flagge zeigt“. Wenn das ganze JESUS zentriert ist, haben die Männer plötzlich JESUS in ihrer Mitte – natürlich im übertragenen Sinne.
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    Ich rede nur aus dem schmalen Blickwinkel meines Erfahrungsbereichs und erhebe nicht den Anspruch einer vollständigen Analyse der Probleme der Christenheit. Mir ist nur in letzter Zeit sehr deutlich geworden, dass Weniger an der richtigen Stelle sehr viel Mehr bedeutet. Darüber ließe sich auch beliebig viel sagen…
    ***
    Zum Abschluss die zwei Abschlussthesen eines Kirchenkritikers, die bis dato in Vergessenheit geraten sind, diese haben natürlich nur peripher mit der Flagge zu tun, die man gerne zeigen möchte:
    94 Man soll die Christen ermutigen, dass sie ihrem Haupt Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzufolgen trachten
    95 und dass die lieber darauf trauen, durch viele Trübsale ins Himmelreich einzugehen, als sich in falscher geistlicher Sicherheit zu beruhigen.
    Quelle: http://de.wikisource.org/wiki/95_Thesen

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