Es hätte gestern abend so viel mehr zu sagen gegeben, und weder das witzige Supernanny-Quiz noch die anderen Beiträge und Mitmachlieder lassen sich hier konservieren. Aber wer nicht kommen konnte oder sich einfach so interessiert, kann hier mitlesen und nachhören.
Krippen-Streit
Selten war unser LebensArt Thema derart aktuell wie heute: Kindersegen. Als ich so überflog, was in den letzten Tagen dazu geschrieben wurde (wer kann das alles noch von vorn bis hinten lesen, und vieles ist ja nicht so originell), da fiel mir auf:
Jesus musste auch in eine Krippe. Ob ihm das geschadet hat?
😉
Cameron: Das verlogene Grab…
Die Zeit rechnet mit James Camerons dubiosem Presse-Stunt zum angeblichen Jesusgrab ab. Demnächst bei uns im Fernsehen als “Doku”. Christianity Today hat etliche gute Stimmen dazu gesammelt.
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EC und EC?
Diese Woche war ich anderthalb Tage zu Gast beim EGHN zum Thema emerging church. Für mich war es eine spannende und herausfordernde Sache, mich auf die Zeit theoretisch und praktisch vorzubereiten, weil ich ja selbst mitten in einem offenen Umdenk- und Lernprozess stecke, der durch diese Tage auch wieder neue Impulse bekommen hat. In diesem Umfeld ist “EC” ja ein wahrhaft doppeldeutiges Kürzel 🙂
Ich empfand die Atmosphäre als sehr offen und konstruktiv; es gab viele gute Fragen und Gespräche, auch wenn in der begrenzten Zeit manches leider wirklich nur angerissen werden konnte. Vor allem hat es mir die Hoffnung gegeben, dass wir die Diskussion über Kirche, Glaube und Theologie in einer sich rapide verändernden Welt (um mir mal all die post… Vokabeln hier zu sparen) bei uns in Deutschland auf einem guten Niveau führen können, das allen etwas bringt – den Protagonisten wie den Kritikern.
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Kalauer der Woche
Mehr als tausend Worte
Der Sieger bei den World Press Photo Awards hat sein Bild vielleicht selbst nicht richtig interpretiert, schreibt die SZ heute. Das vielsagende Foto eines roten Mini Cabrio mit fünf Insassen im zerbombten Süden von Beirut zeigt nicht etwa “Schnösel in Trümmern” (SZ vom 9.2.07), sondern libanesische Christen, die sich das Auto geliehen hatten um zu sehen, was vom eigenen Haus und Besitz noch übrig war. Opfer also, keine Gaffer.
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Wenn es aber missverstanden wird, sind aber noch viel mehr Worte nötig, um den falschen Eindruck auszuräumen. Manchmal reichen Bilder eben nicht aus.
Schlämmer Fänger
Es hat sich inzwischen herumgesprochen: Das Schlämmerblog war ein getarnter PR-Streich von Volkswagen. Nicht dass er deshalb weniger komisch wäre, und doch…
Auf die Automarken hatte ich ehrlich gesagt gar nicht geachtet. Hape Kerkeling wird sich jetzt vielleicht auch fragen lassen müssen, für wen er “Ich bin dann mal weg” geschrieben hat: das spanische Tourismusbüro? Erzbischöfliche Pilgerseelsorge? Und wir anderen werden argwöhnisch auf mögliche Sponsoren hin abgeklopft.
Ein paar von uns könnten von Apple Geld bekommen (dumm, dass die das nicht nötig haben). Also lieber Lavazza? Gralshüter aller möglichen Orthodoxien werden den jeweiligen Erzfeind als Mäzen im Hintergrund vermuten: Katholiken, Liberale, Megachurches, Wiedertäufer, Grüne, George Bush, Pietisten – was die kirchliche Klamottenkiste so an Watschenmännern bereit hält. (Überhaupt: Warum heißt es Watschenmänner und Prügelknaben?)
Und wo wir schon dabei sind: Jan Ullrich hätte jetzt auch Zeit zum Bloggen. Wer den wohl sponsern würde?
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Vielsagende Lücken
Dallas Willard verwendet den Ausdruck the great omission. Und es ist wirklich erhellend, wenn man ganz plötzlich darüber stolpert, was so alles fehlt. Letzte Woche wollte ich für eine Predigt über Gastfreundschaft im Jerusalemer Bibellexikon das Stichwort nachschlagen. Ein hoher Wert in der antiken Kultur und ein Dauerthema in den Evangelien.
Dachte ich. Das Lexikon hat keinen Eintrag dazu, und auch unter “Tisch(gemeinschaft)” oder “Mahl(gemeinschaft)” war nichts zu finden. Schließlich scheiterte noch der Versuch, im Umfeld der Stichworte Freiheit, Freude und Friede den “Fremden” zu lokalisieren. Für die Autoren und Herausgeber ist das offenbar kein Thema. Wen wundert’s also, dass das auch für den Alltag vieler Gemeinden gilt?
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Bravo!
Gestört
Brian McLaren: Anbetung – vorbei am Eigentlichen? Teil 4: Gott, Sex und “Das Gefühl”
Das Beste zum Schluss. Nach den Fragen zu den Inhalten und zur Stilistik kommt Brian wieder auf die Frage zurück, was genau wir eigentlich erreichen wollen:
Anbetungsleitung, die kein neues Gebiet erkundet (sondern Produkte einer Industrie hervorbringt, deren unausgesprochenes Ziel es ist, 52mal im Jahr ein gutes Gefühl zu liefern) kann uns ungewollt nicht in die Anbetung, sondern in Versuchung führen. Und dann lägen wir daneben.
Ich denke, mit der Anbetung ist es ähnlich wie mit dem, was Forscher über Sexualität entdecken. Eine Fernsehsendung über Evolution zitierte Wissenschaftler zum biologischen Hintergrund von Verliebtheit: Das Hirn scheint so angelegt, dass es in Reaktion auf einen romantischen oder sexuellen Kontrakt zu einem besonders attraktiven Objekt des Begehrens alle möglichen wohltuenden Substanzen ausschüttet. Diese Stoffe lösen im Gehirn eine Mischung aus Euphorie, Obsession und Sehnsucht aus – wesentliche Gefühle für die Erhaltung unserer Spezies.
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Kinder, Krippe, Kirchenfrust?
Das gibt Ärger: Bischof Mixa aus Augsburg bemüht antisozialistische Rhetorik und findet, dass unsere tapfere Familienministerin Frauen zur “Gebärmaschine” degradiere und damit nur der Industrie und dem Konsum nütze. Das ist ein böses Wort, und weckt allerlei ungute Assoziationen. Ob ein Pressesprecher das durch kreative Neuinterpretation wieder richtig hinbiegen kann – wir werden es sehen.
Die meisten Frauen in meinem Bekanntenkreis würden das wohl kaum so sehen (oder doch? Kommentare?). Aber wo wir gerade beim Thema Kinderfreundlichkeit sind: Wann dürfen Priester eigentlich – offiziell – Väter werden? Das wäre doch mal ein Schritt in Richtung Gegenkultur, wenn man in der katholischen Kirche Familie und Karriere vereinbaren könnte. So lange das nicht geht, darf man da eigentlich solche Dinge sagen?
Nicht schwarz genug?
Nein, das hat rein gar nichts mit der CSU oder mit Bayern zu tun: Barack Obama ist möglicherweise nicht schwarz genug, um als Repräsentant der Afroamerikaner gelten zu können. Aus der Distanz gesehen eine interessante Diskussion: Ich bin sicher, Hillary Clinton (wen hat sie wohl bezahlt, um diesen Streit anzuzetteln?) und diverse republikanische Hoffnungsträger stehen schon bereit, um für ihn einzuspringen. Da scheint die Hautfarbe egal.
Da wird ein viel versprechender Kandidat (jetzt, wo ich es schreibe, fällt mir die Doppeldeutigkeit erst auf: in gewisser Hinsicht sind sie das ja alle…) möglicherweise demontiert, weil er den Idealen nicht entspricht. Nicht fromm genug, nicht dieses genug, nicht jenes.
Rick Warren hat für seine Zusammenarbeit mit Barack Obama auch schon Druck aus den eigenen Reihen bekommen, weil der zwar gegen AIDS, aber auch gegen schärfere Abtreibungsgesetze ist. Dass einer unter dem Strich möglicherweise durchaus die beste Wahl wäre, interessiert in diesem Moment fast schon nicht mehr. Wenn ich nicht genau das kriege, was ich will, will ich lieber gar nichts. Zum Glück gibt es das ja nur in Amerika…
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Brian McLaren: Anbetung – vorbei am Eigentlichen? (Teil 3)
Im dritten Teil wendet sich Brian vor allem der Sprache und Stilistik der Texte zu und formuliert ein paar Wünsche, die es in sich haben.
Schließlich: Bin ich der einzige, der sich mehr Abwechslung beim Rhythmus wünscht? Warum tun mir die kreativen Drummer und Percussionisten so gut, wo immer ich hingehe – Musiker, die die Grenzen hinausschieben statt im sicheren Weißbrot, mittelalten, easy listening Mittelbereich zu bleiben?
… und was die Texte angeht
Gestattet mir noch ein paar Fragen, die mich beschäftigt haben – nicht in kritischer Absicht, sondern um zu helfen – und Wege aufzuzeigen, wie Ihr mit Euren Gaben der Kirche und unserer Mission in dieser Umbruchszeit besser dienen könnt?
Ist es möglicherweise an der Zeit, dass wir endlich und vollständig über das Lutherdeutsch in unseren neuen Texten weg kommen, auch wenn wir es in den alten beibehalten? Genug gesagt.
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Brian McLaren: Anbetung – vorbei am Eigentlichen? Teil 2: Die Inhalte
Im zweiten Teil geht es um den Inhalt unserer Lieder und Liturgie. Brian verweist auf fünf biblische Themenkomplexe, die in moderner Anbetungsmusik kaum vorkommen, aber wichtig sind für eine gesunde und vor allem glaubwürdige Gemeinde.
Wenn es aber beim Liederschrieben nicht primär um eine tiefe, innige Beziehung zu Gott geht, worum sollte es dann gehen? Ich denke, wir täten gut daran, in unseren Texten die folgenden fünf biblischen Themen zu verfolgen, nicht um den Gedanken persönlicher Intimität zu ersetzen, sondern um ihn zu ergänzen, um das Thema in einem weiteren, größeren Bild ausgewogen zu platzieren.
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