„Dass es Gott immer so spannend macht…“

sagte jemand aus dem Team heute morgen vor dem lange geplanten Open Air Gottesdienst. Und es war spannend, denn das Wetter stand auf der Kippe. Am Ende lief alles gut und der Regen setzte erst wieder ein, als er in die Liturige passte. Der Schlusssegen lautete nämlich

Mögen die Regentropfen sanft auf dein Haupt fallen;
Möge der weiche Wind deinen Geist beleben;
Möge der sanfte Sonnenschein dein Herz erleuchten;
Mögen die Lasten des Tages leicht auf dir liegen;
Und möge unser Gott dich einhüllen in den Mantel seiner Liebe

Und just in diesem Moment kam alles zusammen: Ein paar Regentropfen, ein Windhauch an einem ansonsten stillen Morgen und ein warmer Sonnenstrahl. Als wollte Gott damit sagen, dass auch der Mantel seiner Liebe, der ja sinnlich nicht so unmittelbar wahrnehmbar ist, uns umschließt. Wir sind gesegnet nach Hause gegangen.

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Existenzieller Dialog

Die Welt interviewt Notker Wolf im Blick auf die umstrittene Anti-Islamisierungskonferenz in Köln. Der Abtprimas der Benediktiner hat da ganz andere Ansichten als die Organisatoren:

Was ich am Islam schätze, ist, dass die Menschen ihren Glauben zumindest ernst nehmen. Vielleicht hat ihn uns Gott ja auch deshalb geschickt – gewissermaßen als Provokation, um unseren verwalteten Glauben, der ja keine Katze hinter’m Ofen vorlockt, wieder lebendig werden zu lassen.

… Wir halten den interreligiösen Dialog immer für eine Sache des Intellekts. Dabei ist das eine existenzielle Sache des Miteinander-Auskommens und des Miteinanderredenkönnens. Erst wenn die Menschen unterschiedlichen Glaubens an der Basis anfangen mit einander zu leben, wird sich etwas bewegen. Es nützt überhaupt nicht, wenn Theologen diesen Dialog führen, der doch aber an den Menschen völlig vorbeigeht.

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Emerging Church in 30 Minuten

Das Tempo ist mit dem Ende des Urlaubs und dem Schulbeginn in mein Leben zurückgekehrt. Zwei Kinder in Abschlussklassen, das verspricht Spannung im laufenden Schuljahr, und Daniel fand heute morgen, das Telefon im ELIA-Büro habe so oft geklingelt wie die ganzen Ferien nicht.

Kommenden Dienstag darf ich auf der Gnadauer Mitgliederversammlung in Kassel 30 Minuten zum Thema „Emerging Church“ sprechen und bin schwer am Überlegen, was in der kurzen Zeit wie gesagt werden sollte. Das zweite Referat hält Heinzpeter Hempelmann, der sich hier schon zum Thema der Kirche in der Postmoderne sehr eindrücklich geäußert hat. Schon allein deswegen freue ich mich auf das Treffen.

Vorschläge und Anregungen Eurerseits nehme ich gern entgegen… 🙂

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Leichter Muskelkater

an selten strapazierten Muskelgruppen blieb bei mir zurück nach dem Ausflug mit der Konfigruppe in den Waldklettergarten bei Kloster Banz, den Flo für uns am Samstag organisiert hatte. Trotz frischer Temperaturen (zum Glück blieb es trocken) hatten wir eine Menge Spaß auf den Seilen zwischen den riesigen Buchen. Ein guter Start in den Herbst!

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Der menschliche Makel

Theologisch kann man sich beim Thema „Erbsünde“ ja heiße Diskussionen liefern. Ab und zu aber stolpert man über unerwartet gute literarische Beschreibungen dessen, was mit diesem Begriff gemeint sein könnte. Zum Beispiel in Der menschliche Makel von Philip Roth. Dort betrachtet Faunia, die Geliebte des Protagonisten Coleman Silk, eine zahme Krähe in der Voliere des Vogelschutzbundes. Sie wohnt dort, weil die wilden Krähen sie nicht akzeptieren. Vielleicht wäre Augustinus ja einverstanden mit ihren Schlussfolgerungen:

„Das kommt davon, wenn man handzahm geworden ist“, sagte Faunia. „Das kommt davon, wenn man die ganze Zeit mit Leuten wie uns verbringt. Das ist der menschliche Makel“, sagte sie, weder angewidert noch verurteilend. Nicht einmal traurig. So ist es eben (…) Die Berührung durch uns Menschen hinterlässt einen Makel, ein Zeichen, einen Abdruck, eine Unreinheit, Grausamkeit, Missbrauch, Irrtum, Ausscheidung, Samen – der Makel ist untrennbar mit dem Dasein verbunden. Er hat nichts mit Ungehorsam zu tun. er hat nichts mit Gnade oder Rettung oder Erlösung zu tun. Er ist in jedem. Eingeboren. Verwurzelt. Bestimmend. Der Makel, der schon da ist, bevor irgendeine Spur davon zu erkennen ist. es ist nichts zu sehen, und doch ist er da. Der Makel, der so wesenseigen ist, dass er kein Zeichen braucht. Der Makel, der jedem Ungehorsam vorausgeht, der den Ungehorsam einschließt und jedes Erklären und Begreifen übersteigt.

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Öfen und Ohrwaschl

Über die Eisenstraße hin und das „Ohrwaschl“ zurück bin ich heute mittag seit langem mal wieder eine große Runde gelaufen. Meine Polaruhr fand, ich hätte 1.500 Kalorien dabei verfeuert, und mir war tatsächlich recht warm. Die Herbstsonne hat Licht und Schatten auf den Waldboden gezaubert. Im Bauch einige Dinge, die ich noch nicht richtig verdaut und somit auch noch nicht gründlich durchdacht hatte. Da hat Laufen immer etwas Meditatives, Klärendes. Für manche Dinge braucht man allerdings ein paar Kilometer.

Mein Innenleben ist wie ein Backofen: Manche Dinge gehen darin erst richtig auf, anderes brodelt und brutzelt vor sich hin, Flüssiges wird allmählich fest, manches wird darin erst genießbar und anderes verkohlt oder brennt an. Das alles geht an dem Ofen nicht spurlos vorüber. Wäre nett, wenn er selbstreinigend wäre…

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Die endlose Jagd nach Leben

Die Zeit bestätigt die Analysen von Cavanaugh mit einem Bericht über Superreiche, also trage ich es noch kurz nach:

»Die Fiktion ist ja: Durch den Reichtum kann ich mir jeden Wunsch erfüllen«, sagt der Kölner Psychologe und Gesellschaftsforscher Stephan Grünewald, »aber die Erfüllung ist der Tod des Wunsches.« So werde die Sucht nach immer neuen Konsumerlebnissen für nicht wenige zur Ersatzhandlung, zur Jagd nach Leben, zur Mission, »das zu finden, was einen mal gepackt hatte«.

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Göttlicher Virenschutz

Neulich hat eine Frau in einem Gottesdienst berichtet, wie sie ihren Rechner durch Weihwasser gegen Spam immunisiert hat. Etwas ungewöhnlich die Methode, aber offenbar hat Gott ein Herz für Leute, die mit Virenschutz und Spamfiltern technisch überfordert sind. Wenigstens in diesem Fall. Wenn der Glaube kranke Körper heilt, dann vielleicht auch infizierte Computer?

Heute entdecke ich nun, dass auch im IT-Sektor der interreligiöse Wettbewerb ausgebrochen ist. Die Online-Redaktion des ZDF berichtet, dass japanische Shinto-Priester entsprechende Dienstleistungen anbieten. Über die „Erfolgsquote“ werden leider keine Angaben gemacht. Dass sogar Computerfirmen den Beistand höherer Mächte erflehen, lässt aber vielleicht doch auf ein gewisses Maß von Verzweiflung schließen…

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Kurz und knackig

Dieses kleine, aber sehr feine Buch hat mich wirklich begeistert. Cavanaugh, katholischer Theologe aus St. Paul, beleuchtet die innere Logik der Konsumgesellschaft in drei Schritten: Erstens stellt er dem Wirtschaftsliberalismus von Milton Friedman den christlichen Freiheitsbegriff des Augustinus entgegen und zeigt die Konsequenzen auf, wenn man wie Friedman Freiheit rein negativ als Abwesenheit äußerer Zwänge (d.h. vor allem staatlicher Intervention) definiert.

Im zweiten Teil („Detachment and Attachment“) zeigt er, wie die Konsumgesellschaft zu einer Veroberflächlichung von Beziehungen aller Art führt, in der Menschen und Gegenstände austauschbar werden und rastlos immer das Neue ersehnt wird. In dem Moment, wo man etwas hat, ist es schon uninteressant. Das ist zwar auch eine Form von Überwindung des Materialismus, aber doch eine für den einzelnen auf Dauer unbefriedigende und für die Gesellschaft hat es fatale Folgen.

Im dritten Teil geht er der Logik der Globalisierung nach, die die Spannung zwischen dem Einzelnen und dem Universalen nur scheinbar hält. Mit Hans Urs von Balthasar stellt er dar, dass das Problem des einen und der vielen in Christus (und sinnlich erfahrbar in der Eucharistie) ganz anders gelöst ist. Hier wird der „Konsument“ von seiner Speise verzehrt und aus seinem Kreisen um die eigenen Bedürfnisse befreit, hier werden Arme und Reiche nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret zu einem Leib verbunden und vor die Aufgabe gestellt, das auch in den ökonomischen Beziehungen umzusetzen.

Ein heißer Kandidat für die Edition Emergent Deutschland, finde ich.


„Being Consumed: Economics and Christian Desire“ (William T. Cavanaugh)

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Selbsterkenntnis

Aus dem Buch der Unruhe (Eintrag 39), das irgendwie an Augustinus‘ Bekenntnisse erinnert, nur eben aus der Sicht eines Agnostikers, der mit sich selbst allein bleibt:

Sich nicht kennen, heißt leben. Sich kaum kennen, heißt denken. Sich erkennen, plötzlich wie in diesem läuternden Augenblick, heißt eine flüchtige Vorstellung von dieser inneren Monade zu gewinnen, vom magische Wort der Seele. Doch dieses plötzliche Licht verbrennt, verzehrt alles. Entblößt uns sogar von uns selbst.

Ich habe mich gesehen, wenn auch nur einen Augenblick lang. Und nun vermag ich nicht einmal mehr zu sagen, was ich war.

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Überraschendes Votum

Für mich die Überraschung des Tages: Sir Cliff Richard hat sich, wie die Times berichtet, für eine kirchliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften ausgesprochen und erklärt, dass er seit sieben Jahren mit einem ehemaligen katholischen Priester zusammen lebt. Es sei an der Zeit, die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse zu akzeptieren.

Das Thema sorgt für andauernde Kontroversen in der anglikanischen Kirche. Idea hat die Story auch, aber noch ohne Kommentar…

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Inkarnation und Humanismus

Fernando Pessoa erklärt zu Beginn seines „Buches der Unruhe“, warum man als Atheist vernünftigerweise eigentlich kein Humanist sein kann:

Ich wurde zu einer Zeit geboren, in der die Mehrheit der jungen Leute den Glauben an Gott aus dem gleichen Grund verloren hatte, aus welchem ihre Vorfahren ihn hatten – ohne zu wissen warum. Und weil der menschliche Geist von Natur aus dazu neigt, Kritik zu üben, weil er fühlt, und nicht, weil er denkt, wählten die meisten dieser jungen Leute die Menschheit als Ersatz für Gott. Ich gehöre jedoch zu jener Art Menschen, die immer am Rande dessen stehen, wozu sie gehören, und nicht nur die Menschenmenge sehen, deren Teil sie sind, sondern auch die großen Räume daneben. Deshalb habe ich Gott nie so weitgehend aufgegeben wie sie und niemals die Menschheit als Ersatz akzeptiert. Ich war der Ansicht, daß Gott, obgleich unbeweisbar, dennoch vorhanden sein und also auch angebetet werden könne, daß aber die Menschheit, da sie eine rein biologische Vorstellung ist und nichts anderes bedeutet als eine Gattung von Lebewesen, der Anbetung nicht würdiger sei als irgendeine andere Gattung von Lebewesen. Dieser Menschheitskult mit seinen Riten von Freiheit und Gleichheit erschien mir stets wie ein Wiederaufleben jener alten Kulte, in denen Tiere Götter waren oder die Götter Tierköpfe trugen.

Ich finde das spannend: Er deutet als Agnostiker an, dass die Besonderheit (und damit die Würde) des Menschen in seinem Gegenüber zu Gott liegt und mit diesem steht und fällt. Und bestätigt damit, was andere auch schon gesagt haben: Der Glaube an die Menschwerdung Gottes ist die einzig tragfähige Grundlage des Humanismus.

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