Verdirbt Geld den Charakter?

Die Welt zitiert dazu heute John Grisham, der McCains Verbindungen zur Ölindustrie anrüchig findet und auch sonst kein Blatt vor den Mund nimmt:

„Ich denke, Geld und Erfolg erlauben einem nur, der Mensch zu sein, der man ohnehin ist.“ Wenn man sich grundsätzlich um das Wohl anderer Menschen sorge, dann könne man sein Geld dafür auch sinnvoll einsetzen. „Auf der anderen Seite macht Geld aus einem Arschloch ein richtig fieses Arschloch.“

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Kleinere Brötchen backen

Immer wieder mal hat jemand gefragt, ob der Titel „Everything Must Change“ nicht eine McLaren-typische Übertreibung sei. Die meisten haben gar nicht zur Kenntnis genommen, um welche Themen es dabei geht. Ein Interview mit dem Systemanalytiker Dennis Meadows in der SZ zeigt, dass tatsächlich an allen Schrauben gleichzeitig gedreht werden muss, um den Kollaps aller Systeme zu verhindern, vor allem aber am privaten Konsum:

Systeme, die exponentiell wachsen, also mit steigender Rate größer werden, stoßen an eine natürliche Grenze, wenn man nicht rechtzeitig etwas dagegen unternimmt. Wird ein bestimmtes Niveau überschritten, kommt es zum Kollaps, alles bricht zusammen. (…)

Wir hätten uns spätestens in den frühen 80er Jahren von dem Postulat des ständigen Wachstums verabschieden müssen, um den Kollaps zu verhindern. Damals verbrauchten die Menschen noch weniger Ressourcen, als die Erde nachliefern konnte. Seitdem ist unser Niveau auf 125 Prozent dessen gewachsen, was regenerierbar, also nachhaltig ist.

Ganz nebenbei habe ich mich beim Lesen gefragt, ob es eigentlich Zufall ist, dass die Gemeindewachstumsbewegung Anfang der 80er Jahre entstand, in der die wirtschaftliche Wachstumseuphorie die Bodenhaftung allmählich verlor. Nicht, dass Gemeinden nicht wachsen dürften. Aber es fehlte irgendwie die ökologische Komponente in dem Ganzen, etwa in dem Sinne, dass man ökumenisch (statt nur protestantisch) denkt. Oder die Frage stellt, was der Rest der Welt eigentlich davon hat, wenn Gemeinden wachsen?

Schön, dass sich das allmählich ändert. Peinlich, dass es so lange gedauert hat.

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Bekenntnis-Bewegung

Die Wahlen in den USA kommen näher und es sieht gut aus für den Rest der Welt, denn die „Country First“ Kampagne scheint derzeit deutlich im Hintertreffen. Ein ganz schwerer Schlag für McCain war Alan Hirschs Blogpost (gefunden bei Haso), für den die Entscheidung am 4. November ein no-brainer ist. Nicht alle (US-) Kommentatoren auf Alans Blog stimmen zu, aber das wäre auch zuviel erwartet.

Und dann hat gestern auch noch Colin Powell sein Körnchen in die Waagschale geworfen, und zeigt, dass er nach seinem Ausstieg aus der Bush-Regierung das Herz wieder am rechten Fleck hat, nämlich (für US-Verhältnisse) leicht links. Zugleich – und das zeichnet Powell aus – redet er sehr respektvoll über McCain. Hoffentlich macht beides Schule: Stil und Substanz von Powells Bekenntnis.

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Sukkot

Heute nachmittag war ich mit etlichen anderen beim Laubhüttenfest in der Erlanger Synagoge. Die jüdische Kultusgemeinde hatte anlässlich des interkulturellen Monats dazu eingeladen. Anfänglich fiel uns Gästen die Orientierung etwas schwer, und irgendwie hatte alles einen charmanten, leicht anarchischen Charakter. Das passt ja auch vielleicht zu dem Fest, das nicht nur Dank für die Ernte ist, sondern auch an die Wüstenwanderung ohne feste Häuser erinnert.

Die Männer kamen in der Sukkah (Laubhütte) im Garten zusammen, der Vorbeter stimmte eine Reihe hebräischer Gebete an, in denen ich wenigstens einzelne Worte wieder erkannte. Der Rabbi sprach kurz und klang dabei sehr jiddisch. Es schlossen sich ein paar Erklärungen für die Gäste an, zwei Grußworte, ein Chor aus fünf Damen sang und dann duften alle Wein und Gebäck in der improvisierten Hütte kosten.

Zu den Gottesdiensten in der Synagoge gehören Feststräuße aus vier Pflanzenarten: ein Palmzweig, drei Myrtenzweige, zwei Bachweidenzweige, und der Etrog (eine Zitrone). Diese „Vier Arten“ werden einmal täglich geschüttelt. Dazu wurde uns heute erklärt, dass es vier Arten von Juden gibt: Die einen duften und schmecken aromatisch (wir die Zitrone), was für Gelehrsamkeit und Glaubenspraxis steht. Andere duften (Myrte), aber schmecken nicht oder umgekehrt, sind also entweder gelehrsam oder praktizieren. Schließlich gibt es auch noch Juden, denen beides fehlt. Aber sie gehören trotzdem dazu. Es ist eben ein Strauß.

Heute morgen hatte noch jemand zu mir gesagt, er fände das Judentum gesetzlich. Ich glaube, das ist ein Missverständnis. Diese Gemeinde lebt im vollen Bewusstsein ihrer Unvollkommenheit, aber fröhlich, entspannt und dankbar.

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Ein Stück vom Krisenkuchen

Die ostentative Empörung über der Gier der Banker wurde in jüngster Zeit ja fast schon langweilig – unbegründet ist sie dennoch nicht. Der Spiegel berichtet, dass an der Wall Street noch einmal gigantische Summen als Boni an die Manager ausgeschüttet werden:

Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ recherchiert hat, verteilen alleine die Geldhäuser an der Wall Street noch einmal 70 Milliarden Dollar an ihr Spitzenpersonal, das meiste davon in diskreten zusätzlichen Bonuszahlungen. Die Manager belohnten sich damit für ein Geschäftsjahr, schreibt der „Guardian“, in dem sie das globale Finanzsystem in die schlimmste Krise seit dem Börsencrash von 1929 führten.

Zehn Prozent der Summe, die nun als Rettungspakte vom Staat kommt, wandern also vorab in die Taschen der Hohenpriester des Turbokapitalismus. So gepolstert lässt sich der Absturz gut verkraften. So verständlich der Ärger ist, die Sündenbock-Kampagne der Linken (Bankmanager einsperren) ist da auch keine Lösung.

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Seelenlose Wissenschaft

Ich habe mal wieder „The Soul’s Code“ von James Hillman aus dem Regal gezogen. Er beklagt die typisch moderne atomisierende Betrachtungsweise seiner Zunft, die dem Geheimnis des Individuums nicht gerecht werden:

… when it comes to accounting for the uniqueness and the call that keeps us to it, psychology too ist stumped. Its analytical methods break down the puzzle of the individual into factors and traits of personality, into types, complexes and temperaments, attempting to track the secret of individuality to substrata of brain matter and selfish genes.

(…) Of all of psychology’s sins, the most mortal is the neglect of beauty. There is, after all, something quite beautiful about a life. But you would not think so from reading psychology books. Again, psychology fails what it studies.

Ähnlich fällt sein Fazit da aus, wo die Naturwissenschaften das Leben erklären wollen:

The cosmologies of today – big bangs and black holes, antimatter und curved, ever-expanding space going nowhere – leave us in dread and senseless incomprehensibility. Radom events, nothing truly necessary. Science’s cosmologies say nothing about the soul, and so they say nothing to the soul, about its reason for existence and where it might be going and what it’s tasks could be.

… Explanation by the physical sciences of the ultimate origins of and reasons for our life may not be such a good way to go. Any cosmology that begins on the wrong foot will not only produce lame accounts; it will also lame our love of existence. The creation myth (!) of random events in unimaginable space keeps the Western soul floating in a stratosphere where it cannot breathe.

Ein Artikel der Zeit gibt Hillman Recht. Dort wird Charles Darwin zitiert, der in sein Tagebuch schrieb: „Viele dieser so niederen Kreaturen sind überaus exquisit in ihren Formen und reichen Farben. Es ruft ein Gefühl der Verwunderung hervor, dass so viel Schönheit für offenbar so wenig Zweck erschaffen worden sein soll.“ Der Nutzen verdrängt die Schönheit als grundlegende Perspektive. Letzten Endes wird Darwin selbst krank und unglücklich:

Es ist Darwin selbst, der in der Natur auch eine mitleidlose Züchterin sieht. Wie bei seinen späteren Mitkämpfern Haeckel und Huxley wird seine Meinung durch einen schweren persönlichen Verlust zementiert. Als seine Lieblingstochter Annie, zehnjährig, stirbt, ist klar: Die biologische Welt muss böse sein.Der lebenslange Leidensweg des forschenden Privatiers setzt zeitgleich mit seiner Evolutionslehre ein. In seinem Arbeitszimmer befallen ihn Erbrechen, Übelkeit, Schwächeattacken, die schlimmsten Symptome jener qualvollen Seekrankheit, die ihn bei seinen Entdeckungen stets begleitet hatte. Seine Seele bedrückt die Unfähigkeit, sich an der Poesie der damals populären Romantik und Spätromantik zu erfreuen. Die Kreativität des Kosmos, die dort beschworen wird, entsetzt ihn. Dichter wie William Wordsworth deuten die Naturgeschichte als Entfaltung Gottes – nicht als deren Widerlegung.

Zurück zu Hillman: Weniger überzeugend ist dann der eher oberflächliche Umgang mit allen möglichen mythischen Traditionen, in denen Hillman die Antwort sucht (besonders im platonischen Mythos von Er und der Seelenwanderung) und seine nicht ganz verzerrungsfreie Wiedergabe biblisch-christlicher Vorstellungen. Dabei könnte sein Anliegen, die Einzigartigkeit des Individuums herauszustellen, gerade hier richtig gut zur Geltung kommen, wo der Mythos, wie Tolkien gegenüber C.S. Lewis anmerkte, in Christus einzigartige Wirklichkeit geworden war.

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Der erste Stein

Meine Angst

in deinen Augen

Meine Scham

in deinem Erröten

Mein Schweiß

auf deiner Stirn

Mein Zittern

in deinen Händen

Mein Zwiespalt

in deinem Abgrund

Mein Hochmut

in deinem Fall

Meine Sehnsucht

in deinem Herzen

Mein Kurzschluss

in deiner Reaktion

Meine Last

auf deinen Schultern

Mein Chaos

in deinen Trümmern.

Dein Blut

an meinen Händen?

Ich

kann

diesen Stein

nicht werfen.

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Glauben ist alles…?

Slavoj Žižek beschreibt in der Zeit heute die ganze Absurdität der wirtschaftlichen Systemkrise:

Märkte leben von dem, was die Marktteilnehmer glauben, und von dem, was sie glauben, dass andere Marktteilnehmer glauben. Wenn also nun alle Welt darüber grübelt, »wie die Märkte reagieren werden«, dann hängt die Antwort auf diese Frage nicht nur von den realen Auswirkungen der Maßnahmen ab, sondern davon, ob die Märkte selbst an die Wirksamkeit dieser Maßnahmen glauben. Das ist der Grund, warum sogar ein Rettungspaket, das ökonomisch unsinnig ist, am Ende funktionieren könnte.

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Unmoralische Moral?

Die „Welt“ kommentiert Sarah Palins Verhalten im Troopergate, ich spare mir jetzt die passenden Bibelstellen dazu, nachdenklich stimmt das ganze allemal (und natürlich gilt das auch für alle, die sich jetzt über Palin entrüsten):

Wie kommt es aber, dass ein Mensch, der so viel Wert auf die Moral legt, ja, der die Frage der Moral – allerdings vor allem der Sexualmoral – wieder zum Thema des Wahlkampfs machte, selbst so unmoralisch handeln konnte? Die Antwort ist, gerade weil Palin sich für moralischer hält als ihre politischen Gegner, sieht sie ihre eigenen Handlungen als moralisch an.

(…) Weil diese Einstellung bei Gutmenschen die Regel ist, gilt auch die Regel. Wer aus politischen Fragen moralische oder aus moralischen Fragen politische macht, dürfte in der Regel ein paar miese kleine Geheimnisse haben. Wohlgemerkt: Die haben andere auch, die haben wir alle. Aber die kann man jenen verzeihen, die nicht so tun, als wären sie bessere Menschen.

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Evangelisation: bitte mehr – und besser…

Neulich saß ich in einer Gesprächsrunde über christliches Engagement in der Gesellschaft. Mehrere Leute hatten Ideen und Wünsche, und ab und zu kam zwischen den Zeilen oder auch ganz explizit durch, dass man diese oder jene Sache nicht als „Evangelisation“ (meine Worte) verstanden wissen wollte. In dem Kontext dieses Gesprächs war das auch richtig: Freundschaften sind keine Mittel zum missionarischen Zweck, sonst sind sie keine echten Freundschaften. Dasselbe gilt für praktische Nächstenliebe und Diakonie in allen ihren Formen.

Trotzdem war ich am Ende sehr nachdenklich. Hat Evangelisation allgemein (also nicht einfach die peinlichen Karikaturen, die wir auch alle kennen und gerne vermeiden) bei diesen Überlegungen auf der Strecke, weil wir es gar nicht mehr wagen, uns zu wünschen (Karl Valentin lässt grüßen), dass Menschen zum Glauben finden? Keiner aus unserer Runde hat das so verstanden. Aber es ist nötig, dass wir neu bestimmen, was genau wir meinen.

Brian McLaren nennt in Finding Our Way Again vier Ansätze, Gottes Absichten mit uns zu verstehen:

A. Gott geht es darum, die Welt zu heilen. Er sucht dafür Mitarbeiter, die gesund sind (und nicht noch mehr Krankheiten verbreiten) und Krankenpfleger, die ihre Gesundheit nicht als Selbstzweck verstehen. Leider gibt es das nicht in Reinkultur, also fängt Gott mit Kranken an, die allmählich genesen, um dann anderen (und damit der Welt) zu besserer Gesundheit zu verhelfen.

B. Gott geht es primär darum, einzelne zu heilen. Je mehr einzelne sich heilen lassen, desto heiler wird auch die Welt

C. Gott interessiert sich nur für die Welt, einzelne sind ihm egal. Mein „Privatleben“ spielt keine Rolle, so lange ich mich nur für soziale Gerechtigkeit einsetze, je nach System oder Ideologie sieht das anders aus.

D. Gott geht es nur um einzelne, die Welt geht irgendwann bald zugrunde.

Die beiden letzten Standpunkte sind natürlich indiskutabel, kommen aber vor. Die Positionen A und B verbinden die Gegensätze von C und D, allerdings mit verschiedener Akzentuierung. A ist für mein Empfinden die bessere Lösung, weil es deutlich macht, dass Evangelisation und Diakonie, persönliche Transformation und Gesellschaftstransformation von Anfang an zusammen gehören.

Also brauchen wir Evangelisten, die Leute davon überzeugen, dass es auch für sie höchste Zeit ist, ein Teil der Lösung der Probleme unserer Welt zu werden, weil genesende Heiler gesucht werden und mehr als unsere eigene Kraft und unser wankelmütiger guter Wille nötig sein wird, um tatsächlich etwas zu bewegen und damit gute Nachricht zu sein. Dazu fehlt vielen die Hoffnung, dass ihr Beitrag mehr ist als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und wäre wir nur isolierte Individuen und hätten wir nicht Gott auf unserer Seite (besser noch: wir auf seiner Seite), dann wäre vielleicht wirklich der Fall. Die gute Nachricht ist also auch die: Du kannst etwas bewegen, zusammen mit Gott und vielen anderen. Lass Dir nichts anderes einreden!

Leute wie Nicky Gumbel und Bill Hybels haben diesen Ansatz längst übernommen. Nun müssen wir alle dafür sorgen, dass er sich auch überall an der Gemeindebasis und in der Verkündigung durchsetzt.

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Mehr Fehler, bitte!

Ich hatte diese Woche ein Telefoninterview mit idea, das irgendwann demnächst im Druck erscheint. Eine Frage war, wie ich zu der Kritik an „der“ emerging church (die es selbstverständlich als einheitliche Größe gar nicht gibt) stehe, man könne den herkömmlichen Formen von Kirche kein schlüssiges neues Konzept entgegensetzen und stelle viele Fragen, ohne Antworten zu wissen.

Ich halte das für einen wichtigen Punkt in der Diskussion: Fragen kommen vor Antworten, gute Antworten findet nur der, der gute Fragen stellt, und oft genug braucht man Zeit und eine ganze Reihe von Fehlversuchen, um Lösungen zu finden. Wer versucht, diesen Prozess abzukürzen und meint, er könne es sich und anderen nicht zumuten, eine Weile lang auf wichtige Fragen keine Antworten mehr zu wissen (oder nur Bruchstücke zu haben), wird sich in der gegenwärtigen Situation schwer tun.

Google spuckt ganz unterschiedliche Zahlen aus, wenn es um Edisons Fehlversuche bei der Erfindung der Glühbirne geht – zwischen 250 und 9.000 auf den ersten drei Trefferseiten. Die Legendenbildung treibt offenbar ihre Blüten, es waren eben ziemlich viele. Natürlich verkraftet keine Gemeinde so viel Scheitern, aber es wäre ja schon ein Gewinn, wenn wir die Fehlertoleranz moderat anheben könnten. Was mir an der emerging conversation gefällt, ist die Freiheit, Sachen mal ins Unreine zu sagen, unkonventionelle Dinge möglichst unvoreingenommen zu betrachten und schließlich auf die Fähigkeit zur Selbstkritik, die man in dieser Intensität nicht in vielen Bewegungen findet. In diesem Netzwerk von Entwicklern lernt also einer aus den Fehlern des anderen, und zwar doppelt: Er vermeidet ähnliche Fehler – oder er entdeckt, dass Dinge, die an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit nicht passen, in einem anderen Kontext zum Renner werden können.

Natürlich kann man auf Nummer sicher gehen und die Microsoft-Strategie fahren: Lass andere riskante Innovationen entwickeln (Apple, Netscape, Sony, Google) und warte ab, um dann den Markt mit Imitaten zu fluten. Keine Frage, das kann auch funktionieren. Vielleicht aber hat Gerhard Scheucher doch Recht, wenn er im Spiegel sagt, und wir tun nicht nur unseren Gemeinden, sondern auch den Christen allgemein einen Gefallen, wenn wir etwas riskofreudiger werden:

… es sollte viel hemmungsloser gescheitert werden! Wir müssen es immer wieder zum Thema machen, eine kleine Scheiterrevolution vom Zaun brechen! Rückschläge sind doch Teil der Erfolgsgeschichte. Es gibt nicht nur den geraden Weg. In allen Lebenssituationen ist es so, dass der Weg zum Erfolg ein mühevoller mit vielen Rückschlägen ist. Der gelassene Umgang mit Unebenheiten im beruflichen Werdegang gehört eindeutig zu den Kompetenzen, die man im 21. Jahrhundert besitzen muss.

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Willowmergent

Bill Hybels erklärt im aktuellen Willow Audio-Journal „Mutig Führen“, dass er Brian McLarens Everything Must Change“ (das in Kürze auf Deutsch erscheint unter dem Titel Höchste Zeit, Umzudenken!) gleich paketeweise gekauft hat und sagt:

Dieses Buch hat mich begeistert. Ich habe 50 oder 60 Exemplare gekauft und es als Pflichtlektüre eingeführt für leitende haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter, Vorstandsmitglieder und Älteste. Außerdem habe ich es überall empfohlen. Ich sehe es als wichtigen Beitrag für den Denkprozess von Christen und christlichen Leitern, die die Sache wirklich ernst nehmen.

Natürlich kommt der übliche McLaren Disclaimer – „ich glaube nicht alles, was er schreibt“ – aber dann entwickelt sich ein gutes Gespräch zwischen Hybels, Beach und McLaren, das zeigt, wie breit die Front des Umdenkens inzwischen geworden ist und dass Emerging Church keine Spielwiese für Exoten mehr ist, sondern tatsächlich den evangelikalen Mainstream erreicht und durchdringt. Wie das mit Bewegungen eben so ist.

Wenn jetzt alle möglichen Leute das emergent/emerging Label in dieser oder jeder Schattierung für entbehrlich halten, dann doch auch deshalb, weil man inzwischen außerhalb dieser kleinen Brutkästen für Querdenker über die Themen reden kann, vor die uns der gesellschaftlichen Wandel stellt. Und darüber kann man sich eigentlich nur freuen!

Kleiner Nachtrag: Ich finde, es ist auch ein Kompliment, wenn man es als Autor schafft, mehr zu sagen, als viele andere auf Anhieb glauben können. Das bedeutet doch auch, dass wir noch ein paar Jahre mit – im guten Sinne – provozierenden Gedanken versorgt werden.

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