Langsam wird es ernst – die letzten Vorbereitungen laufen und gleich geht es los. Zum Liveblog geht es hier


Quer gedacht
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Nach der US-Wahl haben einige Kommentatoren gefragt, ob das hier auch denkbar wäre: Ein politisches Spitzenamt für jemanden „mit Migrationshintergrund“ (schreckliches Wort), noch konkreter: einen anatolischen Schwaben. Heute haben die Grünen Cem Özdemir zum Parteichef gewählt, nachdem er zuletzt noch einige Kröten von Seiten der Parteifreunde hatte schlucken müssen. Ob der Obama-Faktor da eine Rolle gespielt hat?
Deutschland tut es auf jeden Fall gut, finde ich, auch wenn es keine echte Überraschung war.
Obama hat es geschafft und schlägt mit seinem überwältigenden Sieg wahrscheinlich ein neues Kapitel amerikanischer Geschichte auf. Die hohe Wahlbeteiligung und die Begeisterung in den Städten Amerikas spricht dafür, dass er ein zerrissenes Land zusammenführen kann. Dieser Wandel wurde sehnsüchtig erwartet und konnte auch mit fiesen Aktionen einiger Gegner nicht mehr verhindert werden.
Die Freudentränen bei Obamas Rede in Chicago haben ihren Grund – die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist geweckt. Und wenn Obama von Europa mehr Engagement in der Welt erwartet als sein Vorgänger, dann ist das auch für uns nur gut, auch wenn es anstrengender wird. Mehr dazu bei Haso und im Spiegel von Matthias Matussek.
Kultur ist, wenn Sie Ihrem Nachbarn den Kopf abschlagen und daraus eine Blumenvase machen. Zivilisation ist, wenn Sie dafür ins Gefängnis müssen und nie wieder rauskommen.
Henryk M. Broder im Spiegel
Eben noch machte unter all den republikanischen Schlammwerfern auch „Focus on the Family“ mobil mit einem düsteren (na ja, aus ihrer Sicht…) Horrorszenario für den Fall eines demokratischen Wahlsieges, indem man einen fiktiven Brief aus Obamas Amerika 2012 schrieb, in dem u.a. dreist behauptet wird, dass dann kleine Jungs bei den Pfadfindern gezwungen werden sollen, mit homosexuellen Betreuern in einem Zelt zu schlafen (die üble Gleichung Homosexuelle = Kinderschänder ist da wohl impliziert). Ganz, ganz tiefer Griff in die Gruselkiste so kurz vor Halloween…
Ehrlich gesagt, Bushs Amerika 2008 hätte schon genug Horror zu bieten – und dazu hätte man den schwarzen Pinsel stecken lassen können.
Aber wer das schon für den Gipfel der Geschmacklosigkeit hielt, wird eines besseren belehrt: Gestern bekam ich dann eine E-Mail über einen christlichen „Gebetsverteiler“, in der ein ehemaliger Mitarbeiter von Billy Graham sich auf Barack Obamas großen Anklang bei der Bevölkerung bezieht, und unter anderem mit folgenden Worten zitiert wird (der Text erscheint auch auf einigen McCain Websites):
The power of speech from a charismatic person truly can be a powerful thing. Certainly Billy Graham had charisma. Both his manner of speech and particularly the content changed millions. On the extreme other hand, the charisma of Adolph Hitler, too, inspired millions and the results were catastrophic. Barack Obama certainly is no Hitler or a Billy Graham, but for many Americans riding on the Obama Tidal Wave it is just like a surfer who might be ecstatic and euphoric while riding a tidal wave, but the reality of the ride is what happens when it hits shore.
Der echte Bill Brown hat sich inzwischen davon distanziert. Irgendwer hat eine Angstkampagne mit Schlamm-Spam gestartet und dabei, um Obama als Rattenfänger zu diffamieren, indirekt Billy Grahams Namen genutzt. Wohl wissend, dass viele verängstigte Christen diese Propaganda ungeprüft verbreiten würden – und das bis zu Wahl auch keiner mehr klären kann. Vielleicht eine gute Gelegenheit zur Selbstprüfung, bevor ich das nächste Mal auf „Weiterleiten“ klicke. Von dem Verteiler habe ich mich abgemeldet. Spam habe ich auch so schon genug.
(Ganz nebenbei zeigt sich heute wieder einmal: in den USA kommt der Terror von Rechts, nicht von links oder von außen)
Gestern im Gottesdienst hatten wir es von David, der schon zum König gesalbt wurde, während sein glückloser Vorgänger noch im Amt war. Und ich dachte beim Zuhören, dass das alles gar nicht so weit weg ist.
Die Anklänge an die aktuelle Landespolitik sind unüberhörbar. Ob Seehofer allerdings seinen Goliath (das Mammutloch der Bayern-LB) mit einem Schuss erledigt und dann 40 Jahre regiert? Zumindest hatte er von Hubers und Becksteins Mäntelchen auch nur den Zipfel abgeschnitten. Den Rest hat Edis Söldnertruppe erledigt…
Das musste schiefgehen: Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut vergleicht die Kritik an den Bankenmanagern mit dem Antisemitismus der Weimarer Zeit. Klar fallen im Moment alle über die Banker her, und nicht immer sehr fair. „Sündenböcke“ sind sie deswegen trotzdem nicht, denn im Unterschied zu den Juden in Deutschland waren sie alle direkt beteiligt am Schlamassel und haben lange von dem System, dem Sinn nun die Schuld gibt, mächtig profitiert.
Und zwischen kritischen Kommentaren in Zeitungen (oder der drohenden Kürzung des Gehalts auf armselige 500.000 Euro) und dem Schicksal der Juden im Dritten Reich gibt es noch ein paar klitzekleine Unterschiede…
Wer hätte das gedacht: Jürgen Klinsmann sollte wenigstens am Sonntag lieber mal ausschlafen, sagt ein entspannt wirkender Uli Hoeneß. Und klagt, dass heutzutage nur der Erfolg zählt, sonst nichts. Andere Bundesligatrainer fürchten längst um ihren Job, weil das Punktekonto zu Wünschen übrig lässt. Verkehrte Welt, aber so herum wird die Sache vielleicht schon wieder richtig…
Die Wahlen in den USA kommen näher und es sieht gut aus für den Rest der Welt, denn die „Country First“ Kampagne scheint derzeit deutlich im Hintertreffen. Ein ganz schwerer Schlag für McCain war Alan Hirschs Blogpost (gefunden bei Haso), für den die Entscheidung am 4. November ein no-brainer ist. Nicht alle (US-) Kommentatoren auf Alans Blog stimmen zu, aber das wäre auch zuviel erwartet.
Und dann hat gestern auch noch Colin Powell sein Körnchen in die Waagschale geworfen, und zeigt, dass er nach seinem Ausstieg aus der Bush-Regierung das Herz wieder am rechten Fleck hat, nämlich (für US-Verhältnisse) leicht links. Zugleich – und das zeichnet Powell aus – redet er sehr respektvoll über McCain. Hoffentlich macht beides Schule: Stil und Substanz von Powells Bekenntnis.
Meine Angst
in deinen Augen
Meine Scham
in deinem Erröten
Mein Schweiß
auf deiner Stirn
Mein Zittern
in deinen Händen
Mein Zwiespalt
in deinem Abgrund
Mein Hochmut
in deinem Fall
Meine Sehnsucht
in deinem Herzen
Mein Kurzschluss
in deiner Reaktion
Meine Last
auf deinen Schultern
Mein Chaos
in deinen Trümmern.
Dein Blut
an meinen Händen?
Ich
kann
diesen Stein
nicht werfen.
Die „Welt“ kommentiert Sarah Palins Verhalten im Troopergate, ich spare mir jetzt die passenden Bibelstellen dazu, nachdenklich stimmt das ganze allemal (und natürlich gilt das auch für alle, die sich jetzt über Palin entrüsten):
Wie kommt es aber, dass ein Mensch, der so viel Wert auf die Moral legt, ja, der die Frage der Moral – allerdings vor allem der Sexualmoral – wieder zum Thema des Wahlkampfs machte, selbst so unmoralisch handeln konnte? Die Antwort ist, gerade weil Palin sich für moralischer hält als ihre politischen Gegner, sieht sie ihre eigenen Handlungen als moralisch an.
(…) Weil diese Einstellung bei Gutmenschen die Regel ist, gilt auch die Regel. Wer aus politischen Fragen moralische oder aus moralischen Fragen politische macht, dürfte in der Regel ein paar miese kleine Geheimnisse haben. Wohlgemerkt: Die haben andere auch, die haben wir alle. Aber die kann man jenen verzeihen, die nicht so tun, als wären sie bessere Menschen.
Neulich saß ich in einer Gesprächsrunde über christliches Engagement in der Gesellschaft. Mehrere Leute hatten Ideen und Wünsche, und ab und zu kam zwischen den Zeilen oder auch ganz explizit durch, dass man diese oder jene Sache nicht als „Evangelisation“ (meine Worte) verstanden wissen wollte. In dem Kontext dieses Gesprächs war das auch richtig: Freundschaften sind keine Mittel zum missionarischen Zweck, sonst sind sie keine echten Freundschaften. Dasselbe gilt für praktische Nächstenliebe und Diakonie in allen ihren Formen.
Trotzdem war ich am Ende sehr nachdenklich. Hat Evangelisation allgemein (also nicht einfach die peinlichen Karikaturen, die wir auch alle kennen und gerne vermeiden) bei diesen Überlegungen auf der Strecke, weil wir es gar nicht mehr wagen, uns zu wünschen (Karl Valentin lässt grüßen), dass Menschen zum Glauben finden? Keiner aus unserer Runde hat das so verstanden. Aber es ist nötig, dass wir neu bestimmen, was genau wir meinen.
Brian McLaren nennt in Finding Our Way Again vier Ansätze, Gottes Absichten mit uns zu verstehen:
A. Gott geht es darum, die Welt zu heilen. Er sucht dafür Mitarbeiter, die gesund sind (und nicht noch mehr Krankheiten verbreiten) und Krankenpfleger, die ihre Gesundheit nicht als Selbstzweck verstehen. Leider gibt es das nicht in Reinkultur, also fängt Gott mit Kranken an, die allmählich genesen, um dann anderen (und damit der Welt) zu besserer Gesundheit zu verhelfen.
B. Gott geht es primär darum, einzelne zu heilen. Je mehr einzelne sich heilen lassen, desto heiler wird auch die Welt
C. Gott interessiert sich nur für die Welt, einzelne sind ihm egal. Mein „Privatleben“ spielt keine Rolle, so lange ich mich nur für soziale Gerechtigkeit einsetze, je nach System oder Ideologie sieht das anders aus.
D. Gott geht es nur um einzelne, die Welt geht irgendwann bald zugrunde.
Die beiden letzten Standpunkte sind natürlich indiskutabel, kommen aber vor. Die Positionen A und B verbinden die Gegensätze von C und D, allerdings mit verschiedener Akzentuierung. A ist für mein Empfinden die bessere Lösung, weil es deutlich macht, dass Evangelisation und Diakonie, persönliche Transformation und Gesellschaftstransformation von Anfang an zusammen gehören.
Also brauchen wir Evangelisten, die Leute davon überzeugen, dass es auch für sie höchste Zeit ist, ein Teil der Lösung der Probleme unserer Welt zu werden, weil genesende Heiler gesucht werden und mehr als unsere eigene Kraft und unser wankelmütiger guter Wille nötig sein wird, um tatsächlich etwas zu bewegen und damit gute Nachricht zu sein. Dazu fehlt vielen die Hoffnung, dass ihr Beitrag mehr ist als nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und wäre wir nur isolierte Individuen und hätten wir nicht Gott auf unserer Seite (besser noch: wir auf seiner Seite), dann wäre vielleicht wirklich der Fall. Die gute Nachricht ist also auch die: Du kannst etwas bewegen, zusammen mit Gott und vielen anderen. Lass Dir nichts anderes einreden!
Leute wie Nicky Gumbel und Bill Hybels haben diesen Ansatz längst übernommen. Nun müssen wir alle dafür sorgen, dass er sich auch überall an der Gemeindebasis und in der Verkündigung durchsetzt.
In Zeiten allgemeiner Börsenpanik ist es tröstlich, dass sich die gebeutelte CSU so uneigennützig der Wirtschaftspolitik zuwendet. Sie lockert das Rauchverbot für Bayerns Gastronomie und setzt damit lang ersehnte Wachstumsimpulse für die heimischen Wirtschaften. Die FDP packt tatkräftig mit an. Super – darauf hat die Welt gewartet.
Wer die postmoderne These vom Tod der Metaerzählungen als überholt betrachtet, wird von der FAZ eines besseren belehrt. Es gibt dieses Sterben noch immer, und zugleich kommen wir nicht ohne Geschichten aus:
Jeder, der mit Kindern lebt, weiß, dass Geschichten nicht erzählt werden, um Informationen zu transportieren. Das behaupten wir nur unter Erwachsenen: dass ein Text oder eine Rede dazu da ist, etwas Neues über die Welt zu sagen. Aufklärung ist aber nur eine Funktion von Geschichten. Eine andere ist der Trost, das Bändigen der unbekannt nahenden Zukunft, damit man sich einen Reim macht auf die Dinge des Lebens. (…) Gesellschaften sind manchmal wie Kinder, liegen zusammengekauert in der Embryonalstellung, den Blick auf das orangene Glühlämpchen in der Steckdose gerichtet – und wollen eine Stimme hören.
Diesmal ist es die neoliberale Story, die zusammengebrochen ist, und zugleich stellt sich die Frage, aus welchen Geschichten die neue Welt ihre Gestalt gewinnt. Es ist schon erstaunlich, wie viele religiöse Untertöne sich in die Kommentare zur globalen Finanzmarktapokalypse mischen. Und es ist wirklich eine Apokalypse: Ein krankes System wird enthüllt, demaskiert, Irrtümer und Fehler bloßgelegt. Hier für alle die Kurzversion dessen, was keiner mehr glauben kann:
Die Gier, von der so viel die Rede ist, war eine Gier danach, die Geschichte vom wahnsinnigen Wachstum des Geldes immer weiter erzählt zu bekommen, wie bei Harry Potter sollte immer noch ein beruhigend schwerer Band kommen von der großen neoliberalen Erzählung über Geld und Magie. In dieser Geschichte ist das Geld wie Red Bull, es verleiht Flügel: Vergiss deine bescheidene Herkunft, die engen Leute da, als Investmentbanker blickst du aus hellen Höhen auf die ganze Welt hinunter. Was dich belastet, was dich da unten hält, wo es nach Weichspüler riecht – das nennen wir Kosten.
Die Vergangenheit, die Gepflogenheiten, die örtlichen Gegebenheiten, das kannst du in Kosten verwandeln – und loswerden. Geld ist der Rohstoff der ultimativen Verwandlung, macht alles, und vor allem dich, zu glänzender Flüssigkeit, wie in „Terminator II“, du erstehst neu, unbesiegbar. Der Staat will das eindämmen, er hindert die Tüchtigen. Er hat keine Chance: Geld ist unser Zaubertrank. Alle Menschen werden fit.
Und ganz am Schluss fragt der Autor dann:
Neue Sachen passieren: Geld fließt von unten nach oben, Banken werden verstaatlicht, als habe man hierzulande die Weisheit von Hugo Chavez erkannt. Nur die passende Geschichte ist noch nicht gefunden. Besser wäre es, wir hätten einen ganzen Reigen davon zur Verfügung. Der neue Tag ist fern, wir brauchen etwas, das tausendundeine Nacht dauern kann. Was soll denn vorkommen in unserer Geschichte, fragt man manchmal die Kinder, und dann muss man etwas dichten, aus einer Katze, einem Feuerwehrauto und einem Baby. Was macht uns glücklich?
Dies ist die Stunde der Literatur: Unsere wichtigsten Papiere sind heute die Bücher.
Ich arbeite an einem Artikel über die Frage, warum in vielen Gemeinden so wenig Männer sind. Meine ersten, spontanen Einfälle zum Thema fasse ich hier kurz zusammen, ich hatte es ja schon verschiedentlich gestreift. Ihr könnt gern munter drauflos kommentieren.
Manchmal scheint das Klischee zu sein: Brave Männer kommen in die Kirche, böse überall sonst hin. Die Bibel gibt m.E. zu dieser Fragestellung keine direkten Aussagen im Sinne von Anweisungen her, was zu tun ist, um mehr Männer zu „erreichen“. Außer vielleicht der Beobachtung, dass wir das Evangelium so weit privatisiert haben, dass viele Männer finden, für ihre Lebenswirklichkeit spielt es keine Rolle – es sei denn, sie sind (und das ist jetzt nicht ironisch gemeint) gerade im Erziehungsurlaub. Also doch: ?
Ich halte die Unterschiede zwischen Männern und Frauen an sich für vernachlässigbar. Die sozial konstruierten und historisch geformten Rollen und im Zusammenhang damit die verschiedenen Lebenswelten sind der Knackpunkt. Wir haben ja auch herzlich wenig „Karrierefrauen“ in den Gemeinden, die keinen sozialen Beruf haben. Predigtinhalte bewegen sich in der Regel im Bereich apolitischer Individualethik (Ehrlichkeit, Treue etc.) und wenn es dann wirklich mal „politisch“ wird, geht es um Familie oder Abtreibung – schon wieder ein „Frauenthema“. Über Arbeit und Beruf wird selten gesprochen und wenn, dann geht es wieder oft um Moral, und für „typisch männliche“ Sünden (die haben in der Regel des Klischees mit Sex zu tun) gibt es dabei deutlich weniger Verständnis. Wirtschaftsethik fehlt dagegen.
Unsere dominierende Metapher für Gemeinde ist die Familie. Nur bedeutet Familie im 21. Jahrhundert „Kernfamilie“ (wenn nicht gar „Rumpf-Familie“), also emotionaler Nahbereich, das war im ersten Jahrhundert und bis vor wenigen Generationen noch ganz anders. Viele Männer fühlen sich, gerade wenn sie einen Job mit Verantwortung haben, in der eigenen Familie aber schon fremd, folglich erst Recht in der Gemeinde. Da kommt dann noch die ausgesprochen intime Lobpreiskultur dazu, mit viel Herz und weniger Anforderung an den Intellekt. Im NT ist ekklesia ein Begriff aus der Politik, und wir sind nicht nur Gottes Familie, sondern sein Volk. Diese weitere Dimension fehlt heute an vielen Stellen, wo das Evangelium auf Lebenshilfe im Beziehungsbereich reduziert wird. Dabei war es mal eine Botschaft, deren Träger wegen Hochverrats als Staatsfeinde hingerichtet wurden. Heute meiden viele Christen alles, was Joseph Myers zum öffentlichen Bereich zählt, und wegen manch missglückter Politisierung zur Rechten und Linken legt man in vielen Gemeinden Wert darauf, überhaupt nicht politisch zu sein.
Christliches Machotum oder fromme Cowboy-Erlebnispädagogik ist für mich keine ausreichende Lösung. Damit richtet man nur Biotope in einer immer noch widrigen Umgebung ein. Vermutlich auch nicht die autoritätslastigen, patriarchalischen Männerideale vom Haupt oder „Priester“ der Familie, die bei vielen (wenn sie mal Familie haben, das steht mit 20 ja in der Regel noch aus) die „normale“ Überforderung noch potenzieren. Das Problem sind nicht die Männer (zu weich, zu hart, was auch immer) und auch nicht die Frauen (zu viele, zu stark, …). Das Problem ist, dass wir Glauben privatisiert, moralisiert und in einer ganz bestimmten intimen Tonlage emotionalisiert haben. Also: Keine Biotope, sondern ein grundlegender Kulturwandel in der Gemeinde, der auch vielen Frauen gut tun wird.