Jugendgrammatik

Beim Thema Jugendsprache wird ja immer wieder auf alle möglichen neuen Begriffe hingewiesen, die der normale “Erwachsene” nicht kennt. Nun habe ich in Tischgesprächen zuhause entdeckt, dass sich auch die Grammatik ändert:

Es heißt jetzt nicht mehr “das war ein saudummer Spruch” sondern “das war sau der dumme Spruch”. Im Sinne der paradoxen Intervention über ich nun die Redefigur und mache schon sau die großen Fortschritte dabei. Ich ernte sau die überraschten – oder genervten – Blicke, wenn ich sau die komischen Sachen sage.

So mancher Saudi Araber wäre begeistert…

Apropos Kinder und Paradox – Paul Watzlawick, der am 31. März dieses Jahres starb, definierte Reife so:

Die Fähigkeit, das Richtige auch dann zu tun, wenn die Eltern es empfehlen.

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Mittsommersonntag

Tags über zog die warme Sommersonne süßen, schweren Duft aus den Wiesen und der Wind hauchte ihn über den Weg. Am Abend schob er dann von Westen taubenblaue Schäfchenwolken über den Himmel, der im Nordosten noch orange und lila funkelt und dem Abendstern seinen gewohnten Auftritt schwer machte. Der Mond steht halb voll und leicht benebelt im Süden und spiegelt sich im Rotweinglas.

Das Gras beginnt, nach Tau zu riechen. Aus den Gärten steigen tollpatschige braungepanzerte Flugkünstler auf, die trunken gegen Bäume und Hauswände brummen. Ein Geschwader Schwalben dreht schrill tönend Kreise über den Dächern und sinkt dabei allmählich tiefer herab. Die Straße hinter den Häusern wird ruhiger, die letzten Kinderstimmen sind verstummt. Der Horizont zieht meinen Blick an, die Gedankenzüge fahren nur noch Schrittempo. Im Hinterkopf der flüchtige Gedanke an kürzere Tage, ein bisschen Wehmut unter dem Gefühl von Heimat. Ich bin in einer Juninacht geboren – und nie so lebendig wie jetzt.

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Besuch aus Armenien

Dscf2507Heute morgen war Petros Malakyan aus Armenien ein paar Stunden hier. Wir haben uns über Alpha kennen gelernt, in London vor zwei Jahren. Petros hat nach dem Erdbeben von 1988, wo er seine Frau aus den Trümmern retten konnte, aber sonst alles verlor, Armenien verlassen und bei Verwandten in Kalifornien gelebt. Dort hat er am Fuller Seminary Theologie studiert und ging Ende der 90er Jahre – mit zwei in den Staaten geborenen Kindern – zurück in die Heimat.

Als Evangelikaler (sein Vater wuchs in einem Waisenhaus in Griechenland auf, das von einer dänischen Baptistin geleitet wurde) entschloss er sich, der orthodoxen apostolischen Kirche Armeniens beizutreten. 90% der Bevölkerung gehören ihr an, und die Armenier als erste christliche Nation der Welt hatten unter allen möglichen Invasoren zu leiden; zuletzt unter dem Völkermord von 1915 in der heutigen Türkei, der 1,5 Millionen Armenier das Leben kostete und nach dem nur 10% des ursprünglichen Siedlungsgebietes übrig blieb. Die Armenier sind ein Volk, das unter Leiden und Fremdherrschaft seine christliche Identität behauptet und bewahrt hat. Zwei Drittel von ihnen leben in der Diaspora – praktisch überall auf der Welt. So gesehen sind sie den Juden ein bisschen ähnlich. Und den keltischen Christen, wenn man die Kunst und Ornamentik betrachtet.

Petros ist inzwischen von seiner Kirche zum Subdiakon geweiht. Er trainiert junge Leiterinnen und Leiter. Zusammen mit einem Erzbischof seiner Kirche hat er einen Alpha-Kurs für Behinderte durchgeführt und seine Mitarbeiterin Iveta arbeitet erfolgreich unter armenischen Künstlern. Zu dem Sonntagsschulen auf den Dörfern kommen bis zu 500 Kinder. Nominelles Christentum hat seine vielfältigen Probleme, aber dafür gibt es keine Kluft zwischen Kirche, Gesellschaft und Kultur bei ihnen – das ist noch richtige Volkskirche. Hier wie da arbeiten wir allerdings auf vielfältige Weise daran, dass Menschen im Glauben wachsen.

Sie wünschen sich sehr den Kontakt zu Christen hier bei uns. Es gibt eine ganze Reihe materieller Bedürfnisse, da das Durchschnittseinkommen junger Leute oft unter 100 $ im Monat liegt und sie davon kaum gemeindliche Infrastruktur wie robuste Kleinbusse ohne elektronischen Schnickschnack oder einfache Hütten für Freizeiten und Trainingswochenenden finanzieren können. Ich fände es toll, wenn wir ihnen dabei helfen könnten und zugleich vielleicht auch etwas von ihrem unverwüstlichen und leidensfähigen Glauben lernen. Hat jemand Interesse? Ich kann den Kontakt gern vermitteln.

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Klar im Kopf?

Gestern habe ich einen anregenden Abend mit Theologiestudenten in Neuendettelsau verbracht. Ich sollte über die Frage sprechen, wie charismatische Spiritualität und wissenschaftliche Theologie zusammenpassen – plump gesagt also: ob man denn als “Charismatiker” den Verstand an der Garderobe abgeben muss. Ich hatte keine Ahnung, wie sich das atmosphärisch so gestalten würde und habe mich über das konstruktive Gespräch ohne Polemik auf irgendeiner Seite gefreut. Sich als Postcharismatiker zu definieren hilft dabei vielleicht – es gibt mir die Freiheit, mich differenziert zu verhalten.

Zugleich war es für mich selber interessant, in der Vorbereitung meine eigene Entwicklung durchzugehen und manche Erfahrungen, Spannungen oder Konflikte noch einmal zu betrachten – auch in großer Dankbarkeit. Als Jugendlicher kannte ich nur eine ernste, mild depressive Kirchlichkeit oder aber verklemmte und verbissene “Fromme”. Der Grundton der Freude, Hoffnung und Dankbarkeit, den ich in der charismatischen Frömmigkeit zum ersten Mal kennen lernte, war erfrischend anders. Klar kann der auch künstlich werden. Und doch entspricht er, wenn er authentisch ist, der vorherrschenden Stimmung, die wir auch im Neuen Testament finden.

Als wir neulich für den Besuch von Michael Herbst Passanten zum Thema Kirche befragt haben, haben uns gleich mehrere Leute erzählt, dass sie von fröhlichen, lebendigen Gottesdiensten sehr angetan waren. Nur waren das immer Erlebnisse aus dem Ausland – bei uns hatten sie solche Gemeinden bisher nicht gefunden. Daher waren sie auch aus der Kirche ausgetreten oder zumindest sehr distanziert. Ich konnte das gut verstehen – es wäre mir genauso gegangen.

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Kriminalklamauk

So gut konnte Ocean’s 13 (das wäre die Kino-Alternative heute gewesen) gar nicht sein. Hot Fuzz aus der spätestens seit Vier Hochzeiten und ein Todesfall bekannten Filmschmiede Working Title ist rasant, komisch und voller Biss.

Sgt. Nicholas Angel wird, weil er zu erfolgreich war, von der Metropolitan Police nach Sandford, Gloucestershire versetzt. Doch zum Glück für Angel und die Zuschauer entpuppt sich die Dorfverschönerungsidylle bei näherem Hinsehen doch als Abgrund blutrünstiger Verbrechen eines Phantommörders.

Munter werden Zitate aus britischen Kriminalromanen und amerikanischen Actionfilmen mit einem sehenswerten Showdown am Ende kombiniert. Weil reichlich und theatralisch Ketchup spritzt, durften auch ein paar kleine Jungs (sie waren vielleicht 12) vor uns nicht in den Film. Aber alle über 16, die sich vom überflüssigen Untertitel “zwei abgewichste Profis” nicht abschrecken lassen, werden ihre Spaß haben.

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Zurück aus Berlin

Die beiden letzten Tage war ich zum “runden Tisch” der Koalition für Evangelisation (Lausanner Bewegung) in Berlin. Ab und zu wurden schon andere Tagungsorte ins Gespräch gebracht, aber ich finde, es gibt keinen besseren. Wie immer trifft man interessante neue Leute und (ich bin schon ein paar Jahre dabei und werde nicht mehr unter “younger leaders” gehandelt – schade eigentlich…) “alte” Bekannte, die auch viel Neues zu erzählen haben.

Ein Highlight war der Gebetsabend, den wir nicht (wie sonst so oft) im Saal den Zentrums der Berliner Stadtmission verbrachten, sondern auf einem Schiff, das uns in der Abendsonne zu verschiedenen Punkten entlang der Spree trug, wo wir dann unter der Anleitung von Axel Nehlsen und eines Teams von Gemeinsam für Berlin recht konkret und zielgerichtet beten konnten. Es hilft, wenn man etwas tatsächlich vor Augen hat (und es schadet auch nicht, wenn das bei strahlendem Wetter noch schön anzusehen ist).

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Freunde auf verschiedenen Wegen

Gestern abend rief aus heiterem Himmel ein alter Freund an. Das letzte Mal haben wir uns vor drei Jahren gesehen und seither nur mal kurz Weihnachtsgrüße ausgetauscht. Wir hatten uns auf einem Kongress kennen gelernt und ein paar Jahre ganz regen Kontakt mit etlichen Besuchen hin und her. Er war sehr engagiert in seiner charismatischen Gemeinde, die wir damals ziemlich faszinierend und cool fanden. Ihn selber natürlich auch, außer dass mir manchmal seine Theologie etwas zu eng schien.

Wir haben einmal eine Führung durch eine Höhle in der fränkischen Schweiz gemacht und dabei das Alter der Tropfsteine erklärt bekommen. Er hatte Mühe mit den Zeitangaben, weil die Erde für ihn erst 6.000 Jahre alt war. Ein Tropfstein von mehr als 100.000 Jahren passte da nicht hinein. Er fuhr die klassisch fundamentalistische Argumentationslinie, Gott könnte die Steine ja so gemacht haben, dass sie aussähen, als wären sie so alt. Ich fand, dann hätte zwar die Bibel recht, aber Gott wäre mir ziemlich suspekt, wenn er solche Spielchen mit uns macht und uns täuscht.

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Kopf- oder Bauchtyp?

Ich habe mich heute mit Martina über eine Idee unterhalten, die mir seit längerer Zeit nicht so recht aus dem Kopf gehen will. Eher eine Vorahnung vielleicht (zur Beruhigung für ELIA-Leute: hat nichts mit der Gemeinde zu tun!).

Ich konnte gar nicht erklären, wie sie zustande kam, irgendwann war sie einfach mal da und ging partout nicht wieder weg. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie sich das irgendwann einmal verwirklichen sollte. Ich sagte, es kann ja auch alles Quatsch sein. Vielleicht täusche ich mich. Aber sie sagte dann zu mir: Also, wenn Du schon mal ein Bauchgefühl hast….

Irgendwann werden wir ja sehen, ob es stimmt. Ich fand aber, dass ich viel öfter Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffe, als die meisten denken. Der Unterschied zu manchen anderen Leuten ist vielleicht der, dass ich für meine Bauchentscheidungen in der Regel auch gleich noch ein paar gute Argumente finde, so dass sie mehr nach Kopf aussehen

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Staunen

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‚Cause it flutters and floats
It falls and it climbs
It spins and sputters and spurts
And You filled this world
With wonders ‚round every turn
And it buzzes and beeps
It shimmeys and shines
It rattles and patters and purrs
And You filled this world with wonders
And I’m filled with the wonder of Your world

(Rich Mullins)

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Reparaturlaubswoche

Diese Woche habe ich frei – und einen Berg von Sachen vor mir. Heute morgen habe ich mein Auto zur Untersuchung weggebracht, weil auf der Rückfahrt vom Dünenhof der Turbo ausgefallen ist und wir dann nur noch mit 70 die hessischen Berge auf der A7 hochkrabbeln konnten. Inzwischen hat der Motor seine Leistung mysteriöserweise zurückgewonnen, aber den Fehler wüsste ich doch gern.

Wenn das Auto wieder da ist, sind die Espressomaschine (nur ein paar mechanische Kleinigkeiten, hoffe ich mal) und der alte iMac (Ethernet-Port streikt) fällig. Unsere Telefonanlage funktioniert auch nur zur Hälfte, nachdem neulich der Splitter Blumenwasser abbekommen hatte und einen Kurzschluss produzierte. Und draußen steht ein Fahrrad mit einem Platten und an meinem eigenen muss ich auch mal ein paar Schrauben nachziehen.

War da noch was?

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Missionshüte

Heute vormittag waren wir in der Stadt unterwegs und haben Leute zum Thema “sechster Sinn” befragt. Jamend gab uns den Tipp, doch es doch mal “bei den Esoterikern am Marktplatz” zu versuchen. Dort gerieten wir allerdings an einen “Urchristen”, der sich gleich auf die missionarische Gelegenheit stürzte.

Das Gespräch hat Daniel, meinen “Kameramann” und mich irgendwie peinlich berührt und ich bin noch dabei, zu verstehen, was genau mich gestört hat. Ich glaube, es waren folgende Dinge:

  • Er outete sich als Angehöriger einer besonderen Gruppe. Die Bezeichung “Urchrist” im Jahr 2007 ist natürlich historisch und sachlich absurd (und weckt wohl nicht zu Unrecht den Verdacht, dass hier etwas Dubioses oder Sektiererisches lauert), aber es war ganz offenbar, dass er einen gewissen Anspruch damit verband – und sich dazu erkennbar aufplusterte. Als würde er einen bestimmten “Hut” aufsetzen – den Missionshut
  • Er beschrieb uns nicht nur ein Erlebnis mit einem Beinahe-Unfall, sondern nutzte das gleich zur Untermauerung seiner Überzeugungen, nach denen wir doch gar nicht gefragt hatten. Bei den Dingen, die wir eigentlich wissen wollten, blieb er dagegen schrecklich schwammig.
  • Seinen Glauben brachte er ganz stark in Verbindung mit bestimmten Geboten, konkret ging es etwa darum, dass er Vegetarier ist und findet, man dürfe keine Tiere töten. Das finde ich zwar biblisch schwer zu begründen, aber was soll’s. War nicht unser Thema. Aber er war schon drin im (Moral-)Predigen – wenn wir noch weiter zugehört hätten.

Warum schreibe ich das auf? Damit ich mich daran erinnere, was ich vermeiden möchte, wenn mir das nächste Mal jemand eine Frage stellt, die irgend etwas mit Glauben und Gott zu tun hat. Oder besser noch: bei jeder Frage. Ich lasse den “Missionshut” unten. Der sieht doch irgendwie doof aus.

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Pfingsten am Dünenhof I: Zu Gast bei Freunden

Das Dünenhof-Festival war ein gutes Erlebnis. Die WegGemeinschaft hatte ihren alten Freund Gordon MacDonald eingeladen und der hatte dann auch noch seinen alten Freund Tony Campolo mitgebracht; beide kamen mit ihren Frauen, das hat es noch einmal schöner gemacht. Als Tonys Übersetzer hatte ich die Gelegenheit, sie alle wenigstens kurz aus nächster Nähe zu erleben. Sie sind wirklich liebenswerte Leute und Martina und ich fanden, wenn wir in diesem alter noch so aktiv, fröhlich und wach daherkommen, kann das nur ein Ansporn sein, ihnen nachzueifern.

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Ich habe wieder einiges über Freundschaft gelernt: Tony vertrat – nachdem wir die Diskussion hier ja eben erst hatten – auch den Standpunkt, dass Freundschaft, auch wenn es explizit keine Arbeitsbeziehung ist, ein gemeinsames Interesse bzw. die Verpflichtung gegenüber einer gemeinsamen Sache voraussetzt. Und ich würde das nach allen meinen Erfahrungen bestätigen. Leute mit einem völlig anderen Lebensinhalt finde ich oft nett oder interessant, aber wenn sie das nicht verstehen (und teilen!), was mich im Innersten antreibt, dann bleibt doch sehr vieles an der Oberfläche. Und die verschiedenen Prioritäten im Leben führen nur allzu oft dazu, dass sich die Wege wieder trennen.

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In der Zwickmühle

Die letzten beiden Tage hatten mich gleich zwei Sachen befallen: Ich hatte mir einen Muskel unter dem Schulterblatt gezerrt, so dass ich vor allem schlecht liegen konnte bzw. mich nicht richtig umdrehen (und das tue ich ständig in der Nacht…). Dazu gesellte sich spontan eine Magen-Darm Infektion (Ob das damit zu tun hatte, dass ich letzte Woche in Fulda war?).

Das Grummeln im Bauch machte mich gestern ziemlich müde. Aber Liegen war schwierig wegen der Schmerzen im Rücken. Für sich genommen kann man das eine wie das andere ja ganz gut aushalten. So war es ein bisschen vertrackt. Aber heute geht’s zum Glück schon besser 🙂

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“V-Day”

Man kann nur spekulieren, wie viele bierkastenbepackte Leiterwägen heute am gründlich verregneten (wer hat da gebetet?) Himmelfahrtstag im Morast stecken geblieben sind. Aber nachdem echte Väter im Gegensatz zu solchen, die das erst noch werden müssen, gar nicht soo scharf auf diese Art Ausflug sind, ist das zu verschmerzen. Nervig dagegen das Vatertagsgetue der Radiosender. Da hilft nur Abschalten.

Das mit dem Naturerlebnis ohne nass zu werden hat heute dann trotzdem noch geklappt. Hier ein paar Impressionen aus der fränkischen Schweiz:

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PS: Ja, die Teufelshöhle. Nein, ist nicht “okkult”… 🙂

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