Sprechende Räume

Neulich war ich bei der xy-Gemeinde zu Gast und musste seither noch eine Weile über den Eindruck des Raumes nachdenken. Um richtig verstanden zu werden – das ist nun keine Aussage über die netten, gastfreundlichen und ernsthaften Menschen, auch nicht indirekt.

Weiter im Text: Es ist das totale Kontrastprogramm zum klassischen Kirchengebäude: Keine hohen Deckengewölbe und kalten Fußböden, keine (unbequemen?) Bänke, in die sich der Besucher zwängt, kein Halbdunkel, das man je nach Stimmungslage als düster oder mystisch interpretieren darf.

Aber dem Raum mit Teppichboden, Reihen aus gepolsterten Stühlen mit verchromten Beinen, Ikea-Vorhängen und weißer Rauhfasertapete fehlt der optische Mittelpunkt.

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Push Up

Flyer Mai07 Zum ersten und vielleicht einzigen Mal im Leben auf einem Laufsteg zu stehen war schon etwas Besonderes – selbst wenn ich dort ja nur am Reden war. Dafür war die Modenschau, die LebensArt gestern abend eröffnete und Begeisterungsstürme hervorrief, schon etwas ganz Besonderes. Vielleicht kann ich wenigstens noch ein paar Fotos nachreichen.

Den Podcast zum Thema Schönheit, Selbstbild und mehr gibt es hier zu hören, unten steht das PDF dazu, und der zwischendurch erwähnte Clip evolution ist hier zu bewundern.

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Mein Rasenstück

 Dürer RasenJeder Kopfarbeiter sollte einen Garten haben. In meinem habe ich zu Beginn der Dürre auf unserer löchrigen Wiese Rasen neu angesät und vorher Moos und Unkraut heraus gerissen. Dann musste ich wochenlang viel gießen und heute habe ich zum ersten Mal gemäht.
Endlich mal sichtbare Resultate – das gibt es sonst nicht so oft. Aber hin und wieder braucht man solche aufbauenden Erlebnisse. Jetzt geh ich noch einmal raus und genieße den Duft des frisch gemähten Grases in der lauen Mailuft…

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Was ist Theologie?

Gestern hatte ich auf eine Tagung der ACK die Gelegenheit, einen griechisch-orthodoxen Priester zu hören. Der Vortrag über Spiritualität, Liturgie und Gemeinde war spannend. In der anschließenden Diskussion kam noch ein interessanter Punkt zur Sprache: Die Unterscheidung zwischen Theologie und Philosophie.

Was wir im Westen oft Theologie nennen, das wissenschaftlich reflektierte Reden über Gott, gilt dort als Philosophie. Ein Theologe ist jemand, der aus seiner Erfahrung und seinem Leben mit Gott heraus redet – egal wie wissenschaftlich das nun ist. Erst in jüngerer Zeit wird in der griechisch-orthodoxen Kirche Wert auf akademische Ausbildung gelegt, aber noch immer sind viele Priester ganz einfache Leute.

Zu Beginn der Tagung traf ich eine Krankenschwester, die in einem Hospiz arbeitet. Ihr erster Satz war: “Ich bin hier der fromme Exot, ich bin nämlich kein Theologe”. Nach der Lektion von gestern müsste man dieses Statement noch mal philosophisch überdenken…

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Soziale Wunder

Neulich abends nach dem Tanzen saßen wir in einem Straßencafe. Ein älterer Mann mit einem einzelnen schmutzigen Wollhandschuh sprach die Kellnerin, die unsere Bestellung aufnehmen wollte, in gebrochenem Deutsch an. Es stellte sich heraus, dass er auf einem Mülleimer gegenüber ein paar belegte Brote gefunden hatte und sie gerne mitnehmen wollte, was er dann auch tat.

Wir gerieten darüber in ein Gespräch über unseren Umgang mit Bettlern in der Stadt. Die einen geben manchmal Geld, andere nie und eine Person in der Gruppe meistens. Wir alle waren am Zweifeln, wie arm manche dieser Leute tatsächlich sind, die da mit Leidensmiene knien und ihren Pappbecher in die Luft halten oder mit gesenktem Haupt auf einer schmutzigen Decke sitzen. Jeder schien mit dem Verdacht zu ringen, das könnte nur Theater sein. Einige kannten auch Beispiele dafür.

Schließlich meinte jemand, das seien doch die Leute, zu denen Jesus gehen würde.

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Wüstengedanken

Ein spannendes und abwechslungsreiches Gemeindewochenende liegt hinter mir. Gestern mittag ließ die Anspannung nach und ich war nur noch müde – so viel Kaffee konnte ich gar nicht trinken, wie ich gebraucht hätte. Aber es war eine sehr gute Zeit. Eine Frage, die mich in den letzten Monaten umgetrieben hatte, war: wie veränderungsfähig sind wir nach all den Jahren eigentlich noch? Und ich bin positiv überrascht worden. Unter allem Spaß und in aller Bewegung war eine echte Tiefe in der Begegnung mit Gott und den Beziehungen unter einander zu spüren.

Wir werden immer kämpfen mit Veränderungen – selbst dann, wenn wir sie selbst initiiert haben. Aber der Gott Israels und der Gott Jesu ist ein nomadischer Gott, ein Wanderer, und ein Missionar. Bei ihm zu bleiben bedeutet, sich auf den Weg zu machen. Die Götter Ägyptens und Babylons dagegen reisen nicht – sie wohnen in wuchtigen Tempeln und garantieren die unveränderte Wiederkehr des ewig Gleichen.

Ich habe mich erinnert an ein Gespräch während der Zeit in Northumberland, als mich meine Begleiterin fragte, wie ich denn meine Berufung beschreiben würde. Ich drehte ein paar verbale Runden bis ich schließlich sagte: “Ich glaube Gott ist ”da draußen“ an vielen Stellen am Wirken. Ich möchte sie entdecken und mich ihm anschließen.”

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Sprichwörtliches

Bei vielen Dingen, die man so liest und mitbekommt, entsteht der Eindruck, dass es ungewöhnlich sei, wenn es zwischen Ehepartnern auch nach vielen Jahren noch (!) so richtig knistert.

Dass das nicht so sein muss, hat sich bei uns heute sehr konkret bemerkbar gemacht: Ich kam gerade aus der Küche und mit meinem Zinken der hübschen Nasenspitze von Martina sehr nahe. So nah, dass es plötzlich es einen kleinen elektrischen Schlag gab. Autsch 🙂

Ich bin sicher, man könnte dafür nun wissenschaftliche Erklärungen finden. Wir haben lieber gelacht, uns die Nasen gerieben und fanden es cool, zusammen zu sein.

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Bei der Northumbria Community (2): Worte, die mich tragen

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Ein besonderes Erlebnis während der Tage im Norden waren die liturgischen Gebete. Sie geben dem Tag eine Struktur und einen Rhythmus, den ich kurz erklären muss, bevor ich zu dem komme, was es bei mir bewirkt hat: Das Morgengebet um 9:30 Uhr, das kurze Gebet mittags um 12:00 Uhr, das Abendgebet um 19:15 Uhr und die Compline um 21:30 Uhr. Bis auf die Compline (oder deutsch Komplet) haben die Gebete jeden Tag dieselbe Liturgie, und die alten Hasen sprechen sie auswendig. Immer ein anderes Mitglied der Gemeinschaft hat die Leitung, es gibt also keine Hierarchie. Manchmal werden die Texte auch gesungen – und da war für mich die Zeit zu kurz, um die Melodien zu lernen. Morgen- und Abendgebet enthalten mehrere Schriftlesungen und Meditationen. Letztere wiederholen sich monatlich, die Lesungen sind für jeden Tag des Jahres ausgesucht. Die meisten der rund 300 Mitglieder der Gemeinschaft leben verstreut und sind durch diese Form des Gebets verbunden – auch deshalb, weil morgens und abends für jeweils drei “Companions” gebetet wird, deren Namen aus einem kleinen Korb mit Zetteln gezogen werden.


“Celtic Daily Prayer” (Northumbria Community)

Viele Protestanten argwöhnen ja, dass man Liturgien und Riten irgendwann hirn- oder herzlos herunterleiert (was von beiden schlimmer ist, bestimmt dann die jeweilige Tradition, aus der man kommt – außer beim Singen von frommen Liedern, da ist es plötzlich ganz ok) . So, als sei das Leiern und Abschalten erstens unvermeidlich und zweitens eine Katastrophe. Meine Erfahrung war eine andere:

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Full House

Es ist so weit, wir sind als Familie wieder komplett. Gestern Abend haben wir Deborah in München vom Flieger abgeholt. Sie spricht nun fließend Cumbrian und ist darauf auch ungefähr so stolz wie Martina einst auf ihren dicken irischen Einschlag. Über Oxford-English rümpft sie nur die Nase.

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Jetzt packt sie ihren Koffer aus und versucht, hier auch innerlich wieder zu landen – aber nicht zu sehr, schließlich hat sich durch drei Monate Ausland viel verändert. Wir sind jedenfalls froh, sie wieder zu haben – auch wenn uns bewusst geworden ist, dass auch das eine befristete Sache ist. Heute ist nebenbei unser 18. Hochzeitstag. Alles ist voller Erinnerungen, Träume und Hoffnungen bei solch einem mehrfachen Anlass. Und voll Dankbarkeit.

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Bei der Northumbria Community (1): Einfach Leben

Ein Klopfen unterbricht das gesammelte Schweigen zwischen den liturgischen Blöcken des Mittagsgebets. Es ist laut und vor allem schnell wie ein Trommelfeuer. Ein Schmunzeln macht sich breit und die geschlossenen Augen der Anwesenden blicken amüsiert auf – aber nicht zur Tür, sondern nach oben zum Dach. Dort hat sich nämlich ganz offenbar der Specht, den wir tags zuvor noch im Garten gehört hatten, unserem Gotteslob angeschlossen und hämmert fröhlich vor sich hin. Die kleine Kapelle aus ein paar Balken und ungehobelten Brettern gibt einen großartigen Resonanzkörper ab.

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Kein ganz untypisches Erlebnis in Nether Springs, dem Zentrum der Northumbria Community, die sich seit gut dreißig Jahren dem Erbe des keltischen Christentums verpflichtet weiß. Also hat man eine ausgesprochen schlichte Kapelle gebaut, die im Winter kalt und zugig ist, aber dafür hört man die Vögel und den Wind beim Beten durch. Im Garten stehen zwei weitere kleine Hütten – eine aus Feldsteinen mit einem Strohdach, eine andere aus Holz. Dorthin kann man sich zurückziehen zu Gebet und Meditation, oder aber sich auf den Weg durch die einsame Weite der Hügel von Northumberland machen, wo man auf der Straße außer Schulbus und Postauto auch meistens die Stille genießt.

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Auch mal Vorbild sein

Axel Hacke hat in seiner unnachahmlichen Art beschrieben, wie es ist, wenn man im Vergleich gegen andere Männer schlecht abschneidet und vorgehalten bekommt, was dieser oder jener seiner Frau zuliebe so alles tut.

Letzte Woche ist mir das (zum ersten Mal seit langer, langer Zeit) auch mal anders herum passiert: Ich erzählte Freunden, dass ich Martina vorletztes Jahr einen Tanzkurs zu Weihnachten geschenkt habe. Und ein Jahr später (das hätte ich auch nicht gedacht) sind wir für den Gold-Kurs angemeldet. Steile Karriere vom Tanzmuffel zum Medaillisten also. Sie (die Frau meines Freundes) war begeistert von der Story – und den Rest muss man sich vielleicht so vorstellen wie bei Axel Hacke:

Und ich sah Interesse in den Augen Annas und in denen ihres Mannes erblickte ich etwas wie, nun ja, war es Angst? War es Hass? Jedenfalls wusste ich: In diesem Moment war ich Anderemänner für ihn und würde es noch eine Weile bleiben, und, wie soll ich sagen: Es war ganz schön, Freunde, es war ganz okay.

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Vollmacht

Am letzten Morgen in Nether Springs bin ich vor dem Frühstück die 4 km hinüber zu Cuthbert’s Cave gejoggt – zum Abschied sozusagen. Auf dem Rückweg musste ich eine Farm durchqueren und sah vor mir einen großen Schäferhund mitten auf dem Weg. Weit und breit kein Herrchen, das mir – wie in heimischen Gefilden – milde lächelnd versichert hätte “Der macht doch nix”.

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Aber offenbar hatte ich von dem Ort, den der Sarg des Heiligen auf dem Weg von Lindisfarne nach Durham passiert hatte, eine Ladung Autorität abbekommen. Der Hund jedenfalls drehte sich sofort um, als er mich kommen sah, und lief ins Haus. Sah er alt und müde aus, als er davon trottete? Nein, nein – es war ganz bestimmt meine tiefe Ausstrahlung…

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Pilgerreise

Spät abends bin ich gestern von meiner Pilgerreise zurückgekehrt. Am Montag morgen hatte ich sie in Durham begonnen, mit einem Gebet am Grab von St. Cuthbert. Montag bis Donnerstag war ich zu Gast bei der Northumbria Community in Hetton Hall.

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Das Haus liegt nur ein paar Kilometer landeinwärts von Holy Island, wo das Kloster Lindisfarne lag, dessen Abt Cuthbert lange Jahre war. Auf dem Weg zum Rückflug von Glasgow (fast wäre ich im Berufsverkehr stecken geblieben…) bin ich am Tweed entlang schließlich noch in Melrose vorbei gekommen, wo Cuthbert ins Kloster eingetreten war. Es gibt einen Pilgerweg von Melrose nach Lindisfarne, den man zu Fuß in ein paar Tagen laufen kann.

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Englisch zum Abgewöhnen: “To be honest with you…”

Meine Freunde Steve und Ann haben mich heute auf einen Wohnungsbesichtigungsmarathon (muss so lang sein, das Wort) mitgenommen. Nach acht Stationen habe ich mich am Ealing Broadway in die Coffee Rebublic (das darf es offenbar in einer Monarchie dann doch geben) abgeseilt.

Während bei den beiden sicher die Köpfe rauchen, geht mir noch nach, dass der erste Makler seine Kommentare ständig mit “to be honest with you” eingeleitet hat. Vielleicht ist das ja ein berufsspezifischer Textbaustein oder eine nichtssagende, blöde Angewohnheit. Trotzdem macht mich das immer misstrauisch. Sagt er auch dann noch die Wahrheit, wenn er es nicht ausdrücklich dazu sagt?

Ein Glück, dass wir im Deutschen keine solchen Redewendungen kennen…

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Viel zu sehen

Im Flieger habe ich den letzten Teil von Richard Sennets mehrfach erwähntem Buch zu Ende gelesen. Es hat mich wieder sehr nachdenklich gemacht und wird noch ein paar Posts abwerfen. Erst einmal aber muss ich die Fragen für mich selber durchdenken – ich habe mich allzu oft ertappt gefühlt von seinen Einsichten über unseren allgegenwärtigen Narzissmus.

Die Gespräche mit Freunden sind angenehm und inspirierend (manchmal etwas zu kurz) und lassen das eher trübe Wetter vergessen. Heute morgen kam für ein paar Stunden die Sonne heraus, aber ich hatte es eilig. Als ich dann auf dem Rückweg Zeit hatte und die Kamera auspacken wollte, nieselte es wieder. Mist aber auch…

Am Abend dann startete Amazing Grace hier im Kino.

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