Plünderer

Ein eindeutiges Votum meiner Waage hat mich bewogen, meiner Lauffaulheit ein Ende zu setzen und wieder öfter meine Runden zu drehen – Ziel ist, mindestens 30 km in der Woche zu schaffen. Bei der frühen Dämmerung ein Projekt für die Mittagspausen – oder mit Stirnlampe, so lange noch kein Schnee liegt. Letzte Woche war ich – beflügelt von einem Rob-Bell-Podcast – so flott unterwegs, dass ich tags drauf nach Monaten mal wieder Muskelkater in den Beinen hatte.

Was mir die Freude an der Bewegung trotzdem vermiest, ist die Tatsache, dass der einst so schattige Wald mit weichen, federnden Wegen von der geschäftstüchtigen und daher “schlagkräftigen” (O-Ton Staatsregierung!) Holzindustrie inzwischen brutal ausgeplündert wird. Die Harvester schlagen schnurgerade Schneisen nach rechts und links und ihre Räder hinterlassen tiefe Spurrillen im Untergrund, aus denen nur noch hier und da tote Äste aufragen. Die meisten “meiner” Wege sind in diesem Jahr zu Rennstrecken für LKW-Gespanne umgebaut, auf das Doppelte verbreitert und knöcheltief geschottert worden. Einst malerische Ecken sind bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Unwillkürlich fühlt man sich an die Orks von Isengard erinnert und meint, auch ohne Ents das Seufzen der Kreatur hören zu können…

Hundehalter brauchen keine Sorge mehr zu haben, dass der unangeleinte Waldi wildert – es gibt außer Joggern nicht mehr viel zu jagen. Für diese ist es auch ohne Hund auf den Fersen mühsam, für Radfahrer sogar richtig gefährlich geworden auf dem losen Untergrund. Aber Freizeitsportler stören eh nur beim Bäumefällen und halten den Verkehr auf den neuen Waldpisten auf. Um so besser, wenn man sie auf diese Weise vergrault. Und wenn das gelungen ist, kann auch die überflüssige Südumgehung endlich ohne Proteste gebaut werden…

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Wusst‘ ich’s doch…

In der Post von heute ist ein Brief eines christlichen Werkes. Auf dem Umschlag steht neben dem Logo der Slogan “Wir wollen mehr”. Mehr wovon?

Ich habe schon so eine Vorahnung, als ich den Brief öffne. Und tatsächlich purzelt ein “Bettelbrief” mit Überweisungsträger heraus. Drüber steht: “Dankopfer” – soll heißen: der Absender ist dankbar und ich werde um das Opfer gebeten…

Ich beschließe, wer den originellsten Spendenbrief schickt, der bekommt was von mir. Dieser allerdings wandert in die “Rundablage”.

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Kinopredigt

Gestern hatte ich das Vergnügen, den Gottesdienst der CityChurch im Cinemaxx Würzburg mitzuerleben und meine erste “Kinopredigt” zu halten. Alex hatte mir als Thema “Gospel reloaded” gegeben. Erinnert etwas an das (leider etwas fade) Matrix-Sequel und spornt daher an, nach dem wirklichen roten Faden in der Botschaft Jesu zu suchen.

Die freundliche Aufnahme dort hat das Ungewohnte der Umgebung (man sitzt im Dunkeln und sinkt wirklich sehr tief in diese Plüschsessel hinein…) schnell vergessen lassen, und über dem Mittagessen mit Christine und Alex, Christoph und Daniel haben wir über so viele anregende Themen gesprochen, dass die Zeit unglaublich schnell verging.

Ich finde es toll, immer wieder auf solche Gemeinden zu treffen, die sich eine Menge Gedanken machen und nicht beim Gewohnten und Vordergründigen stehen bleiben.

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Anregende Unterhaltung

Der November hat ob der Rekordtemperaturen Schuldkomplexe bekommen und sich hinter zähem Hochnebel verbarrikadiert. Ich habe mich die längste Zeit des Tages mit Kopfschmerz herumgeplagt und der Perspektive, dass es noch fast vier Wochen lang immer dunkler wird. Der verschwand schließlich über einer Tasse Kaffee mit Avi und Ruth Snyder von Juden für Jesus, die auf dem Rückweg von Nürnberg nach Essen vorbeikamen. Avi hat mich an Alan Hirsch erinnert. Er ist ein paar Jahre älter und noch ein paar Zentimeter kürzer und die dunklen Augen funkeln noch einen Tick lebhafter. Avi ist mehr der Evangelist und Praktiker, und er kommt ohne alle Umschweife zum Punkt.

Wir haben uns auch ein wenig über die heiklen Themen unterhalten, mit denen man immer wieder zu tun bekommt (“biblisch” motivierter frommer Zionismus, Endzeit-Ideologien oder die Frage, ob der Schlüssel zur Zukunft in stellvertretender Buße für die Vergangenheit zu suchen sei – und wenn ja, warum Jesus dazu keinen Piep gesagt hat…). Aber es hat mich auch wieder an Newbigins “Logik der Erwählung” erinnert, mit diesem charakteristischen Ping-Pong zwischen Juden und Heidenvölkern, in der das Evangelium seinen Lauf nimmt. Und an alles, was ich von Buber und N.T. Wright über jüdisches Denken in den letzten Jahren gelernt und dabei mächtig profitiert habe.

Bei allen Kontroversen, die diese Arbeit im Judentum und den Kirchen und dem mühsam austarierten Miteinander auslöst: Jenseits aller Stilfragen bleibt Jesus und das Evangelium eine Provokation für beide Seiten. Gut, dass jemand dafür sorgt, dass wir sie nicht wegbügeln.

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Nachts sind (fast) alle Londoner schwarz

Es war mal eine ganz andere Stadtansicht: Als ich heute morgen um 4.00 Uhr von Kensington gen Stansted aufbrach, sah ich fast ausnahmslos schwarze Gesichter auf der Reise. Erst im Flughafen selbst dann wieder die gewohnte Mischung. Die paar “Bleichgesichter”, die so früh auf sind (viele können es nicht sein) sitzen in den PKWs.

Auf der Straße und im Bus sind die unterwegs, die Schicht arbeiten, vor allem im öffentlichen Dienst und Transportwesen – also nicht die Millionäre, zu denen angeblich jeder zwanzigste in der Londoner Klassengesellschaft gehört. Irgendwer muss ja auch die paar Kilometer Luxusappartments zwischen Tower und Canary Wharf bezahlen…

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London-Impressionen II: Saddams Swimmingpool

Canon Andrew White anglikanischer Pfarrer berichtet aus seinem Alltag in Bagdad. White war sieben Jahre Leiter des International Center for Reconciliation in Coventry und arbeitet heute für Versöhnung im Nahen Osten. Er leidet an MS und musste vor einer Weile sein Haus am Tigrisufer verlassen, weil er unter Beschuss war. Elf seiner Mitarbeiter kamen im letzten Jahr ums Leben. Ein ganzes Team, das nach Jordanien gereist war, kam nicht mehr zurück. Die Bedingungen sind, vorsichtig gesagt, schwierig. Um ans andere Ende des vielleicht gefährlichsten Pfarrbezirks der Welt zu kommen, muss er im Hubschrauber fliegen und kugelsichere Kleidung und einen Helm tragen. Wer zum arabischen Gottesdienst (im Regierungsgebäude des schiitischen Premierministers) kommen will, braucht drei Stunden, um die Sicherheitskontrollen zu passieren.

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Aber es gibt auch die andere Seite: Mitten in allem Chaos finden in den Alpha Kursen, die auf englisch, spanisch und arabisch stattfinden, Dutzende Menschen zum Glauben und damit zu einer lebendigen Hoffnung. An Ostern wurden mehrere Menschen im Swimmingpool von Saddam Husseins Residenz getauft (darunter, wenn ich es richtig verstanden habe, auch ein General); der Kurs fand in den Räumen statt, wo sich Saddams Kabinett traf. Und es gibt immer wieder überraschende Gebetserhörungen. Wer mehr wissen will, kann das Buch lesen, das 2005/2006 den Preis für das beste christliche Buch abgeräumt hat.


“Iraq: Searching for Hope” (Canon Andrew White)

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London-Impressionen: Eichhörnchen und Schlangenpsychologie

Es scheint beim Fliegen feste Rituale zu geben. Etwas dies, dass vor dem Abflug alle aus ihren Sitzen hochschießen, so bald die Durchsage kommt, dass der Einsteigevorgang nun beginnt. Dann stehen die Leute mit scharrenden Füßen in einer langen Schlange an der Bordkartenkontrolle. Als gäbe es etwas umsonst, aber nicht genug für alle (etwa die besten Plätze), oder als könne man den Flug jetzt noch verpassen.

Die ersten aus der Schlange dürfen zur Belohnung länger im kalten Bus warten, der sich langsam füllt, und sind dafür beim Aussteigen aus dem Bus die letzten. Taktisch gesehen eine Meisterleistung. Vermutlich sind das aber dieselben, die nach der Landung klatschen (ja, die gab’s heute) um gleich danach kollektiv aufzuspringen und sich in den Gang zu drängeln (so als ob sie deswegen schneller raus dürften), statt die Zeitung zu Ende zu lesen und dann in Ruhe und ohne Drängelei den Flieger zu verlassen. Zwischendrin ein korpulenter Althippie, der sich, als alles längst in Bewegung ist, zwei Minuten in den Gang stellt, seine Sachen anzieht und sein Handgepäck zusammensucht.

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London

Morgen geht es für zwei Tage und zwei Nächte nach London. Bei Alpha International kommen Leute aus Europa, Afrika und dem Nahen Osten zusammen. Immer eine sehr interessante Zeit, aber auch stressig wegen des vollen Programms und der vielen Leute.

Wenn ich mich mal nach nebenan ins naturgeschichtliche Museum (mit gutem Capuccino und WiFi) abseilen kann, gibt es das eine oder andere Schlaglicht auf diesem Blog. Jetzt muss ich erst mal die Fläschchen und Tuben für die Reise richtig packen…

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Dressiert

Ich glaube, unser Meerschwein hat es geschafft, meinen Sohn zu dressieren. Seit einer Weile fiept es mehrmals täglich so dramatisch, als wäre es kurz vor dem Hungertod. Wenn sein zart besaiteter Versorger in Hörweite ist, flitzt er sofort los und bringt dem Tierchen etwas zu fressen und/oder zu trinken. Wenn er nichts findet, bekommt er die Krise.

So langsam habe ich das Gefühl, das funktioniert nun so gut, dass der verfressene kleine Nager seinen Spaß dran findet. Ok, Spaß ist vielleicht etwas sehr menschlich geredet. Sagen wir, die beiden sind ein eingespieltes Team. Und es ist nicht immer klar, wer den Ton angibt. Obwohl, wenn wir von Ton reden, dann ist es doch eindeutig 🙂

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trübe Aussichten

verheißt ein Blick aufs Wetter – vor dem Fenster und auf dem Bildschirm. Seit der Umstellung auf Winterzeit und dem früheren Einbruch der Dunkelheit (Sonnenuntergang heute 16.37 Uhr und die nächsten 6 Wochen weiter sinkend…) merke ich, wie mir die Bewegung fehlt und die Dunkelheit auf die Stimmung drückt.

Was tun? Schokolade essen als Stimmungsaufheller wäre das falsche Rezept. Die Stirnlampe zum abendlichen Joggen herauskramen? Vielleicht schon eher.

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Klartext

Ich hatte heute ein viel zu kurzes, aber tiefes und gutes Gespräch mit jemandem, der mir eine Reihe herausfordernder, wichtiger und guter Fragen gestellt hatte – und das alles auch noch sehr leidenschaftlich. Es gab also eine Menge, worüber wir uns verständigen mussten.

Am Ende unserer intensiven Unterhaltung sahen wir uns in die Augen und er sagte zu Abschied: “Ich weiß jetzt, dass ich mit Dir Klartext reden kann.” Ich bin danach ganz fröhlich nach Hause zurückgekommen. Denn wenn wir Klartext mit einander reden können, dann können wir es zusammen auch weit bringen. Und nur dann, scheint mir. Doch unter dem Strick setzen Klartext-Gespräche mehr Energie frei, als sie kosten. Wir werden weiter reden.

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Twenty years ago today…

… war ich in Amsterdam zu einer YWAM DTS, noch zu Floyd McClungs Zeiten. Es war der definitive Abschied von Zuhause gewesen und ich kannte niemanden dort. Das änderte sich zwar schnell und nicht nur die Leute in meiner Schule, auch die über 200 Mitarbeiter auf der riesigen internationalen Base waren ein Erlebnis.

Ein absolutes Highlight war der Besuch von Loren Cunningham, der eines Abends in einer Predigt sagte, er erwarte dass Gott den eisernen Vorhang wegnehmen würde. Ich hielt ihn für einen etwas überspannten Amerikaner und fand, als Deutscher hätte ich eine realistischere Vorstellung von diesen Dingen. Peinlich: Drei Jahre später atmeten wir Trabi-Abgase und ich sah, roch und fühlte, er hatte Recht behalten.

 Wikipedia De 9 95 Munt Turm

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Führungskräfte

Neulich habe ich mich mit einem Manager unterhalten. Er berichtete, dass er mitbekommen hatte, wie ein an Aufstieg (oder war es Position?) interessierter Mitarbeiter, der sich unbeobachtet wähnte, eine Mitarbeiterin völlig unnötig herablassend und barsch behandelt hatte. In seinen Augen war der Mann für Führungsaufgaben damit disqualifiziert.

Die Klarheit, in der er das formulierte, fand ich bemerkenswert. Wer würde nicht gern in einem Unternehmen arbeiten, wo die “Chefs” aus Prinzip (und nicht nur wenn es ihnen nützt) höflich und freundlich sind? Und wie wäre es, wenn wir diesbezüglich unsere Maßstäbe in christlichen Gemeinden da auch etwas nachjustieren, ohne dabei süßlich und gekünstelt zu werden?

Klar, in einer Familie redet man auch mal unverblümt, aber es muss ja nicht verletzend sein. Aber wie die Familie wäre auch eine Gemeinde ein tolles Übungsfeld für Dinge, die man überall im Leben gut brauchen kann.

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Die Klappe halten

Letzten Wochenende habe ich ein Fußballspiel meines Sohnes als Zuschauer verfolgt. Sie haben mit etwas Dusel gewonnen, aber das macht Bayern München ja auch. Nur schade, dass der Siegtreffer nicht als Wiederholung gezeigt wird…

Ich finde die anderen Eltern manchmal interessanter als das Spiel. Bei der Gastmannschaft war es diesmal so, dass der Trainer unten am Spielfeldrand stand und dezente Anweisungen an seine Schützlinge ausgab, die leider nicht den gewünschten Erfolg hatten. Dafür schrie ein Vater oben von der Tribüne p-a-u-s-e-n-l-o-s seine Kommandos über den Platz. Nicht nur an den eigenen Junior, sondern auch an andere kleine Kicker.

Meine Vermutung ist, dass die Jungs auf dem Platz gar nicht hören, was da einer schreit. Für die übrigen Eltern wäre es daher netter, wenn die Äußerungen dezenter ausfielen – wenigstens von der Lautstärke her. Torjubel und Applaus ausgenommen. Ich vermute weiter, der Trainer hätte auch nichts dagegen. Fast wäre ich hingegangen und hätte es unserem Alleinunterhalter gesagt. Aber dann dachte ich mir: einer muss es schaffen, hier mal die Klappe zu halten. Warum nicht ich?

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