Hops über den Kanal

Die nächsten Tage wird es hier wohl etwas ruhiger, spätestens ab Montag. Da bin ich für vier Tage bei der Northumbria Community zu einer “private retreat”. Da bleibt das Notebook zu und das Handy aus. Es ist übrigens schon mein zweiter Anlauf, die Gemeinschaft kennen zu lernen. Der erste scheiterte vor ein paar Jahren in einem Blizzard.

Zuvor werde ich ein paar alte und neue Freunde besuchen (Jason Clark, die Cliffords und Roger Ellis) und dann auf dem Weg in den Norden Deborah im Lake District für einen Tag sehen. Donnerstag abend geht es via Glasgow dann zurück. Bin schon gespannt…

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Taktvoll

Heute morgen im Zug fand ich mich in einem Abteil mit einer jungen Mutter und zwei lebhaften Kleinkindern wieder. Es gelang mir nicht so recht, mich auf mein Buch zu konzentrieren, und ich hatte das Gefühl, die leicht genervte Mutter wäre auch etwas entspannter, wenn sie nicht meinetwegen für Ruhe sorgen müsste.

Andererseits wollte ich nicht einfach aufstehen und gehen, weil ich fürchtete, das sähe auch blöd aus und würden als ungnädiges Urteil über das redliche (wenngleich aussichtslose) Bemühen um so etwas wie Ruhe missverstanden. Also wartete ich den nächsten Halt ab, verabschiedete mich und zog zwei Waggons weiter. Nicht in Richtung Speisewagen, weil die drei (wenn sie es wagen würden, ihr Gepäck allein zu lassen) vielleicht noch einen Ausflug in diese Richtung unternehmen würden, sondern zum Ende des Zuges hin.

Dumm gelaufen: Eine halbe Stunde später kamen die drei an meinem Platz vorbei. Ich hoffe nur, die Mutter hat mich vor lauter Kleinkindgewackel übersehen. Wahrscheinlich hatte sie den Ausflug zum Speisewagen für später aufgehoben.

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Wenn Du es eilig hast…

Gut, es lag auch am Wetter. Als ich aus meiner Sitzung zum Bahnhof Wilhelmshöhe eilte (danke fürs Mitnehmen, Frank!) hatte ich nur den Zug im Kopf und das interessante Gespräch auf dem Rückweg. Erst auf dem Bahnsteig fiel mir auf, dass ich meine Jacke in der CVJM-Tagungsstätte vergessen hatte. Bei der frühlingshaften Wärme hatte ich sie (anders als bei der Anreise am Morgen) nicht weiter vermisst. Also, nochmal den ganzen Weg zurück. So kann’s gehen, wenn man Zeit sparen will.

Neulich auf dem Passamt musste ich meinen neuen Ausweis unterschreiben. Die freundliche Beamtin meinte, als sie mir zusah: “Jetzt glaube ich Ihnen den Doktor” (der stand nämlich im alten PA noch nicht drin). Das mit der Jacke heute geht aber schon in Richtung Professor, so rein vom Klischee her…

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Klare Indizien

Letzte Woche haben wir seit Ewigkeiten wieder mal gemeinsam einen TV-Krimi angesehen. Ich hätte misstrauisch werden sollen, als die zweite Werbung für Dritte-Zähne-Haftcreme kam. Solche Signale für programmierte Langeweile darf man einfach nicht übersehen. Jetzt weiß ich’s…

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EC und EC?

Diese Woche war ich anderthalb Tage zu Gast beim EGHN zum Thema emerging church. Für mich war es eine spannende und herausfordernde Sache, mich auf die Zeit theoretisch und praktisch vorzubereiten, weil ich ja selbst mitten in einem offenen Umdenk- und Lernprozess stecke, der durch diese Tage auch wieder neue Impulse bekommen hat. In diesem Umfeld ist “EC” ja ein wahrhaft doppeldeutiges Kürzel 🙂

Ich empfand die Atmosphäre als sehr offen und konstruktiv; es gab viele gute Fragen und Gespräche, auch wenn in der begrenzten Zeit manches leider wirklich nur angerissen werden konnte. Vor allem hat es mir die Hoffnung gegeben, dass wir die Diskussion über Kirche, Glaube und Theologie in einer sich rapide verändernden Welt (um mir mal all die post… Vokabeln hier zu sparen) bei uns in Deutschland auf einem guten Niveau führen können, das allen etwas bringt – den Protagonisten wie den Kritikern.

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Sahara

Nach dem Gottesdienst kam ein Mann auf mich zu und sagte, meine Predigt hätte ihn in die Sahara versetzt. Ich bat ihn, diesen Satz noch etwas zu erläutern und erwartete, er würde nun von geistlicher Dürre und Trockenheit sprechen, die meine uninspirierten (dürren, trockenen…) Worte bei ihm ausgelöst hätten.

Stattdessen erzählte er dann von einer mehrwöchigen Tour, die er vor vielen Jahren durch die Sahara gemacht hatte und einer intensiven nächtlichen Begegnung mit Gott dort in der Wüste. Ein paar Tage später hat er die Klause von Charles de Foucauld besucht und dort auf 2800m den Sonnenaufgang fotografiert. Da wäre ich jetzt auch gerne…

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Identifikation und die Uhr

Letzten Sonntag haben wir von allen Gottesdienstbesuchern am Eingang Fotos gemacht. Das Thema war “Identifikation” und nach der Predigt konnten alle ihr inzwischen ausgedrucktes Bild auf eine Moderationswand kleben, in Form eines großen “wir” – das ist nämlich das Wort, mit dem man verrät, dass man sich mit anderen identifiziert.

Amüsiert und verblüfft hat mich dabei jedoch, dass 80% der Leute argwöhnten, wir würden eine Pünktlichkeitskontrolle durchführen (quasi die Identifikation der Spätankömmlinge) und womöglich die Fotos über den Beamer flimmern lassen. Einige haben sich sogar versteckt, bis wir weg waren, und sind dann mit 25 Minuten Verspätung in den Saal gekommen. So viel schlechtes Gewissen ist mir noch nie auf einem Haufen begegnet!

Aber wo wir nun schon dabei sind:

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Späte Runde

Ich komme von einer Runde Joggen durch den abendlichen Wald. In den anbrechenden Dunkelheit auf Schnee zu laufen ist grandios. Die letzten Strahlen Tageslicht und das Streulicht der nahen Stadt erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre. Dazu die Stille und Einsamkeit und die klare Luft – das pure Vergnügen. (Martina nennt mich scherzhaft Silberrücken wegen der Kondenswassertröpfchen auf dem schwarzen Fleece). So lange ich noch nicht die Statur eines Gorillas habe, meinetwegen 🙂

Joggen war auch ein Thema bei Scot McKnight (iJoggers – gehts auch ohne Soundtrack?). In der neuen Abnehm-Kolumne der SZ (“Mein Bauch gehört mir”) quält sich der Autor etwas zu hochtourig durch den Olympiapark und klagt über allerhand Schmerzen, die vermeidbar wären, wenn er statt seinem Fußballtrainer einen vernünftigen Laufratgeber befragt hätte, zum Beispiel diesen:


“Lauffeuer. Das Lauf-Buch für Körper, Seele und Geist” (Martin Schramm)

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Da isser ja

Kaum zu glauben nach diesem Unwinter: Es schneit doch noch, und nicht zu knapp. So sieht es momentan draußen aus:

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Ob jetzt alle wieder die Beunruhigung über den Klimawandel vergessen? An den Daten und Studien hat sich nichts verändert, auch wenn es bei uns nun weiß ist. Sagt einer noch mal Herrn Glos Bescheid, der unsere trägen Autobauer schon wieder vor Konsequenzen für ihre miesen Emissionswerte schützen und verbindliche Grenzwerte verhindern will?

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Ein Volk zieht den Kopf ein

Kyrill braust übers Land. In der Innenstadt gibt es mehr Parkplätze als am Sonntag. Die Geschäfte sind leer, manche schließen zwei Stunden eher. Die Aufmerksamkeit des Verkaufspersonals ist mir sicher. Aber ich habe auch keine rechte Ruhe mehr beim Stöbern, obwohl ich auch einen Termin auswärts absagen musste. Durch die Fassadenverkleidung des Kaufhauses heult der Sturm.

Inzwischen stehen die Züge bei der Bahn still. Die Grafik der Unwetterzentrale ist komplett rosarot – das habe ich noch nie gesehen – und die Mehrheit der Leser auf tagesschau.de hält diesen Un-Winter für eine Folge des Klimawandels. Früher hielt man einen Orkan für eine Theophanie gehalten – wie bei »höherer Gewalt« eher Unheil verkündend. Heute kann man spekulieren, ob es eine Art letzter klimatechnischer Weckruf sein könnte oder schon der Anfang unwiderruflicher Veränderungen mit unabsehbaren Folgen.

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Hiob und die Prüfungen

Mein Verhältnis zum Buch Hiob ist durch eine kleine Episode geprägt, die mit dem Inhalt eigentlich direkt nichts zu tun hat. Ich erinnere mich trotzdem gern dran:

Altes Testament war nicht gerade mein Studienschwerpunkt. Vor der Examensklausur war ich entsprechend angespannt (es war auch noch die allererste) – ein guter Grund, am Nachmittag zuvor für einen guten Verlauf zu beten. So eine Prüfung fördert ja hin und wieder die Gottesfurcht. 😉

Kurz darauf sprach ich mit einer Freundin, die mit mir zusammen gelernt hatte. Sie erzählte, sie habe auch gebetet und dabei den Eindruck gehabt, sie solle das Thema “Landnahme” noch einmal anschauen. Ich sagte, bei mir sei es ähnlich gewesen, nur empfand ich, dass Hiob dran käme. Also lernte sie ihr Thema und ich meines. Am nächsten Tag standen dann zwei Themen zur Auswahl: Hiob und die Landnahme…

Der Rest der Prüfungen verlief dann recht unspektakulär. Soll heißen: Man kann das natürlich nicht zur Methode machen. Trotzdem – auch mal schön, wenn sich Dinge so bestätigen.

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Wie im Western

Eben komme ich nach Hause. Ein Sturm fegt über die Stadt hinweg. Die Straßen sind menschenleer. Ein Windstoß lässt ein Büschel Tumbleweed über den Weg tanzen. Ich halte meinen Hut fest, taste nach meinem Colt und sehe mich nach dem nächsten Saloon um, bis ich merke: Es war doch kein Tumbleweed, nur einer von den vielen Christbäumen, die morgen abgeholt werden wollen…

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Langsamkeit zelebrieren

Eine Übung in bewusstem Innehalten und Genießen ist der Kaffee. Vor ein paar Jahren habe ich meinen Jura-Vollautomaten wegen teurer Störfälle genervt ausgemustert und eine konventionelle Siebträger-Espressomaschine gekauft, die erstens schöner aussieht und kleiner ist, zweitens seltener streikt und drittens ohne alle Elektronik leicht und günstig zu reparieren ist. Eile kostet eben.

Seither nun dauert der Kaffee “von Hand” deutlich länger. Dafür trinke ich ihn auch bewusster. Ok, immer noch zügiger als die beste aller Ehefrauen 🙂 Aber es ist ein kleines, wohltuendes Ritual in meinem Alltag, mir meinen Cappuccino selbst zu machen statt nur ein Knöpfchen zu drücken und ungeduldig die Tasse hinzuhalten, um gleich darauf wieder loszusprinten.

Eine ähnliche Wirkung hat Jason Clark jüngst bei seinem Hund Charlie festgestellt. Wenn wir das Tempo variieren, dann entstehen Rhythmen in unserem Leben. Und wie bei jeder guten Musik sind die Pausen an der richtigen Stelle das eigentliche Kunststück.

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Herz auf Halbmast

Martina und ich sind eben aus München zurückgekommen. Vor ein paar Stunden verschwand unsere Tochter durch die Sicherheitskontrolle im Terminal 2. Die Rückfahrt war viel stiller als die Hinfahrt, und das lag nicht am größeren Verkehrsaufkommen auf der A9…

Ab heute ist (wenn auch nur für drei Monate) ein – aufgeräumtes! – Zimmer in diesem Haus leer, es stehen nur noch fünf Teller auf dem Tisch, das Telefon und unser betagter iMac kann sich etwas erholen, es wird seltener spontan nach Waffeln oder Muffins riechen, kein Skispringen wird in unser Wohnzimmer flimmern, unser kleines Bad wird seltener unter Dampf stehen, keine Tänzerin wird abends erhitzt heimkommen und vieles mehr.

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Forever Young?

Der liebe Dr. Strunz hätte seine helle Freude gehabt an meinem Lauferlebnis gestern beim Besuch in Ansbach. Ich schleppte den Festtagsbraten um den Block und traf unterwegs einen sehr netten Jogger. Wir kamen ins Gespräch über das Wetter und ich fragte ihn nach Tipps zu möglichen Laufrouten in der Gegend. Als er hörte, dass ich aus Erlangen komme, meinte er: “Was machst du – studierst du da?”

Hatte er vielleicht seine Brille zuhause gelassen? Egal – unversehens 20 Jahre verjüngt, lief ich die schwerfällig begonnene Runde dann ganz leichtfüßig zu Ende… 😉

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