Gewonnene Schlacht

Wir haben einen wunderschönen Apfelbaum im Garten, der seit ein paar Jahren tatsächlich auch Äpfel trägt. Leider wird er jedes Frühjahr von Ameisen kolonisiert, die dort Blattläuse züchten. Mit dem Erfolg, dass die ersten Blätter zerfressen und unansehnlich verkrüppelt sind. Als Gegenmaßnahme binden wir einen grünen Klebstreifen um den Stamm, den die Ameisen nicht überqueren können, ohne festzupappen.

In diesem Frühjahr war es besonders schlimm mit den Läusen. Mehrere Pflanzen waren befallen. Sogar auf dem spröden, robusten Sanddorn sah ich eifrig Ameisen marschieren. Beim genaueren Hinsehen entdeckte ich jedoch keine Läuse auf dem Sanddorn. Vielmehr führte die Ameisenbrücke – auf den Apfelbaum. Denn an einer Stelle berührten sich die Zweige, und die Ameisen hatten den Verkehr einfach umgeleitet. Auf der anderen Seite des Baumes gab es noch eine Brücke von Nachbars Felsenbirne.

Ein Schnitt mit der Gartenschere unterbrach die Verbindung. Die Ameisen liefen den Sanddorn noch ein paar Tage auf und ab – vergeblich. Regen beugte die Apfelzweige und ich musste nachschneiden. Inzwischen ist Ruhe und der Baum kann sich erholen. Ich fühle mich wie ein General, der Brücken gesprengt und so die Nachschublinien der (bösen!) Invasoren unterbrochen hat. Und grüble darüber nach, ob das nicht ein schönes Bild wäre für … ?

Vielleicht wird so ein Schuh draus – frei nach Luther: Du kannst nicht verhindern, dass Ameisen durch deinen Garten laufen. Aber du kannst verhindern, dass sie auf deinem Apfelbaum Läuse züchten.

Share

Achtung, bitte!

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einer Bekannten und das Gespräch kam – ich weiß gar nicht mehr wie – auf eine andere Person. Ich hatte die beiden ein paar Monate zuvor scheinbar einträchtig ins Gespräch vertieft lange zusammen sitzen sehen. Um so überraschter war ich über die Verachtung, die da in ein, zwei kurzen Sätzen rüberkam. Es war gar nicht das, was sie sagte, sondern viel mehr wie sie redete und vor allem die Tonart, in der sie den Namen aussprach.

Die gefühlte Gesprächstemperatur sank sofort ein paar Grad ab. Ich fragte mich reflexartig, ob sie sich über mich ähnlich äußert, wenn ich nicht dabei bin. Eigentlich will ich es lieber gar nicht wissen. Ich bin kein Sensibelchen – meistens jedenfalls – aber das Gespräch hat mich verstört: Man muss nicht alle Menschen mögen. Man darf auch ein kritischer Zeitgenosse sein und muss nicht jeden Mist schönreden. Aber irgendwie denke ich trotzdem, dass jeder ein gewisses Maß an Achtung verdient hat. Und die beginnt mit der Art, wie wir über jemanden reden.

Stößt mir das deswegen so auf, weil die meisten Leute um mich herum zu gute Manieren haben oder nicht aggressiv genug sind? Mag sein, dass ich in einer heilen Welt lebe. Aber ist das an diesem Punkt ein Nachteil? Man muss sich ja vielleicht nicht an alles gewöhnen.

Share

Ein Hauch von Ewigkeit

Ich bin normal keiner, der behauptet, Glaube sei Privatsache. Seit gestern habe ich für diese Ansicht aber etwas mehr Verständnis. Und das kam so: Ich saß im ICE nach Berlin und ein paar Reihen weiter bemerkte ich eine Gruppe grauer Häupter. Stimmen drangen an mein Ohr, die sich mit erkenbar österreichischem Einschlag über Paulus und Kulturgeschichte, das Patriarchat, die Sünde und einen frühen Bischof von Passau unterhielten. Kommt nicht oft vor. Meistens bekommt man nur einseitige Telefonate über den Krause vom Controlling und das vergessene Exposé für den Kunden in Düsseldorf mit.

Hinter Jena, der Zug schlängelte sich das Saaletal hinab, wurde aus der alpenländischen Konversation plötzlich ein Sprechchor. Die Gruppe hatte an zwei benachbarten Vierertischen Platz genommen und begann ein liturgisches Gebet – nun sehr deutlich zu vernehmen. Die anderen Gespräche im Abteil kamen zum Erliegen (viele waren es eh nicht), meine Mitreisenden verstöpselten flugs die freien Ohren.

Ich konzentrierte mich auf mein Buch über positive Psychologie und dachte in meinem frisch angelesenen Optimismus, das geht bestimmt schnell vorbei. Man war ja auch schon über das Sündenbekenntnis hinaus bis zum Vaterunser vorgedrungen, was der Hoffnung auf ein nahes Ende Auftrieb gab. Aber dann kam ein Art Endlosschleife aus Ave Marias und anderen Elementen (bestimmt kann uns ein Katholik hier mit Erklärungen zur Liturgie weiterhelfen?). Wir anderen rutschten noch etwas tiefer in unsere Sitze, während die liebe Gottesmutter zum x-ten Male daran erinnert wurde, uns in der Todesstunde ja nicht zu vergessen.

Ich weiß nicht, wie das auf Maria wirkte – für meinen Teil werde ich ihre Fans so schnell nicht vergessen. Kurz überlegte ich, ob ich mich in diesem Fall vergessen und die Litanei unterbrechen dürfte, entschloss mich dann aber, das wie alle anderen mit buddhistischer Gleichmut zu erdulden und den allmählich aufkeimenden Wunsch auf eine Vorverlegung der erwähnten Todesstunde entschieden zurückzuweisen. Es ging schätzungsweise noch so ein Viertelstündchen dahin, gefühlte Ewigkeiten (aber ist das nicht der Clou am Beten, dass wir ans Ewige rühren?). Kurz vor Leipzig (das war offenbar geplant) erklang das finale, erlösende Amen.

Ich habe für die Rückfahrt eine Platzreservierung im Ruhebereich. Während ich dies niederschreibe, hält mein Zug in Wittenberg. Und ich weiß wieder ein bisschen besser, was ich an Luther mag: Sein Abendsegen ist so herrlich kurz. Und er gilt auch, wenn man ihn ganz leise sagt…

Share

„Nützliche“ Gottesdienste

Vor einer Weile haben wir uns entschieden, mehrmals im Jahr statt des „normalen“ Gottesdienstes eine gemeinsame Aktion zu machen, bei der nicht unsere eigenen Themen und Bedürfnisse an erster Stelle stehen. Wir nennen das dann etwas holprig den „Out-Sonntag“ – beim nächsten Mal wird es allerdings ein Samstag werden.

Doch die Sache hat ihre Tücken: Für die einen ist das schlicht „kein Gottesdienst“ – denn der besteht, wie ja jeder weiß, darin, irgendwo in einem geweihten Raum sitzen, singen und zuhören zu dürfen. Also bleiben sie daheim, fahren ins Grüne, besuchen die Oma oder gehen in eine andere Gemeinde, statt zu einer etwas anderen Zeit an einen ungewohnten Ort zu müssen. Dem Pastor der FeG fiel das immer auf, wenn bei uns so ein Sonntag war. Das ist natürlich ziemlich schlechte Theologie, wenn man an den „vernünftigen Gottesdienst“ denkt, von dem Paulus in Römer 12,1ff spricht. Wenn Sitzen, Singen und Predigt das Kriterium wäre, dann würde das meiste, was Jesus mit seinen Jüngern veranstaltet hat, auch nicht in die Kategorie „Gottesdienst“ fallen. Wenn unser ganzes Leben ein Gottesdienst sein kann, dann kann es sehr wohl auch mal einer sein, gemeinsam etwas zu tun, das anderen nützt. Und sei es, dass wir im Wald und auf Kinderspielplätzen den Müll einsammeln.

Nun kommt der nächste Einwand, und der lautet: „Ich bin die ganze Woche dabei, zu geben. Ich gebe mein Bestes im Beruf, und dann ist da auch noch die Familie, der Elternbeirat und was nicht alles. Am Wochenende brauche ich einen Punkt, wo ich geistlich auftanke. Wo ich mal nichts tun muss, einfach sein.“

Darauf gibt es gleich mehrere Antworten:

Erstens: Ja, du brauchst so einen Punkt – und zwar jeden Tag, mehrmals in der Woche. Finde eine Form des Gebets oder der Meditation, die dir gut tut. Stundengebete, Kontemplation, Bibelmeditation, geh mit Gott spazieren und nimm den Hund mit, lies die Losungen zu einer Tasse Kaffee oder deine Bibel bei einem Glas Wein, was auch immer – aber tu’s bitte, und tu’s regelmäßig! Einmal in der Woche einen Gottesdienst zu konsumieren und zu hoffen, dass einem dabei der Geist wie eine gebratene Taube in den Mund fliegt, das kann gar nicht reichen. Und wo wir schon dabei sind: Mach Pausen, bewege dich ausreichend und schlafe genug und finde eine Beschäftigung, die besser entspannt als Fernsehen. Das ist die beste Form von „einfach sein“. Du brauchst mehr davon als du denkst. Aber dafür, dass du es bekommst, bist du letztlich ganz allein verantwortlich. Kein Gottesdienst der Welt kann das ersetzen. Erwachsener Glaube besteht darin, dass wir genau das lernen.

Zweitens liegt der Einwand einfach verdammt nah am allgegenwärtigen Mantra des Konsumkults: „Was bringt’s mir?“ Der Fehler liegt ja nicht darin, Bedürfnisse zu haben, sondern ihre Erfüllung zum Maß aller Dinge zu machen. Vielleicht besteht der größte Dienst, den meine Gemeinde mir tun kann, darin, dass ich erlebe: Ich bin wichtig, aber eben nicht der Nabel der Welt. Wenn dann der Druck weg ist, etwas ganz Bestimmtes aus einem Gottesdienst mitnehmen zu müssen, dann werden wir wirklich offen für das, was Gottes Geist tun kann und will.

Drittens hat die Psychologie längst entdeckt, dass man vom Sektschlürfen und Ferrarifahren nicht nachhaltig glücklich wird. Stattdessen machen uns Dinge glücklich, die wir für andere tun und bei denen wir unsere Stärken und Fähigkeiten einsetzen. Der Psychologe Martin Seligman schreibt in seinem Buch Der Glücks-Faktor davon, wie er mit seinen Studenten verschiedene Aktivitäten verglich und dabei feststellte:

Die spaßigen Aktivitäten (mit Freunden einen draufmachen, einen Film ansehen oder einen Eisbecher schlemmen) verblassten im Vergleich zu den Auswirkungen menschenfreundlicher Unternehmungen. Waren unsere philantropischen Aktivitäten spontan entstanden und unsere menschlichen Stärken herausgefordert worden, verlief der gesamte Tag besser. … Tätige Menschenfreundlichkeit ist – im Unterschied zu Vergnügungen – eine Belohnung an sich.

Auf „Gottesdienste“ angewandt gilt dasselbe: je engagierter ich dabei bin, desto mehr „nehme ich mit“. Gottesdienstformate erlauben ein unterschiedliches Maß an aktiver Mitwirkung und (brrr…!) „Partizipation“. Manches davon wirkt ehrlich gesagt auch ab und zu wie Beschäftigungstherapie oder Trockenübungen. Aber gemeinsam irgendwo hin gehen, wo man andere Menschen trifft, und einfach einmal vorbereitet und zugleich offen zu sein, sich auf sie einzulassen und zu sehen, was sich – nein: was Gott! – dort tut, da wird jeder zum Mitspieler. Wer fröhlich gibt, ist schon beschenkt.

Freilich muss man dafür ein paar Hürden überwinden: Ein zu enges Verständnis von Gottesdienst, die Unsicherheit der offenen Situation, die Angst vor Fremden, die eigene Trägheit und eingefahrene Gewohnheiten. Das sind aber ganz zufällig die Dinge, die Jesus mit seinen Jüngern täglich trainiert hat. Ich hoffe also, dass wir als ganze Gemeinde diese Lektion noch richtig lernen.

Share

Anarchische Zweiradgesellschaft

Hinter mir liegen ein paar Tage in Amsterdam bei strahlendem Wetter. Es ist ewig her, dass ich das letzte Mal dort war, und so war es eine Mischung aus Neuem und Vertrautem. Manche Fahrräder, die überall (aber wirklich überall – die Erlanger Stadtverwaltung würde sich die Haare ausraufen!) an Brückengeländern, Laternen und Zäunen angekettet sind, waren ganz offenbar damals schon in Gebrauch. Die meisten sind angerostet, ramponiert und fast platt. Sie sind schwer, und die zwei bis drei Schlösser mit massiver Stahlkette, die sie vor Dieben schützen sollen, verdoppeln das Gewicht noch einmal locker. Es scheint in Amsterdam dreimal so viel Räder wie Menschen zu geben. Da fühle ich mich sofort wie zuhause.

DSC05767

Der Straßenverkehr hat überhaupt etwas Anarchisches: Mit dem Auto kommt man schlecht voran, und die Zweiradgesellschaft wirkt enorm egalitär – alle fahren Cabrio. Klassenunterschiede (die es natürlich gibt) sind nicht mehr erkennbar. Kinder werden nicht in Anhängern transportiert wie bei uns, sondern in großen Kisten und Körben, die vorne am Rad montiert sind. Bis zu drei Kids habe ich samt Elternteil auf einem Rad gesehen, keineswegs immer sicher angeschnallt. Hunde fahren auch viele mit. Niemand trägt einen Helm. Und Autofahrer, die in Erlangen verzweifeln, sollten mal eine Woche in Amsterdam üben.

Es gibt entlang der Grachten und in den kleinen Gassen unendlich viele kleine und originelle Läden und Restaurants. Die Amsterdamer, wenn man unter den vielen Touristen welche trifft, sind ungefähr so nett wie die Berliner – ethnisch eine extrem bunte Mischung, selbst schrille Typen fallen kaum auf. Das muss mit der Geschichte zu tun haben: Im Van Gogh Museum kann man verfolgen, wie der geniale Maler und gescheiterte Evangelist sich vom Graubraun der Anfangszeit zu einem immer leuchtenderen Bunt hin entwickelt hat. So bunt und unorthodox wie sein Malstil damals, so ist diese Stadt heute. Man bekommt wirklich Lust, auch zu den Undutchables zu gehören!

Share

In den letzten Zügen

Heute kam der Prospekt, und jetzt darf ich es verraten: Ich sitze an den letzten Seiten meines neuen Buchs, das unter dem Titel „Kaum zu fassen – eine kleine Reise durch die große Welt des Glaubens“ im Herbst beim adeo-Verlag erscheinen wird.

In den letzten fünf Jahren habe ich meine Vorstellungen von Gott, Glaube, Christsein und allem drum herum noch einmal komplett neu durchbuchstabiert. Und endlich in eine strukturierte und lesbare Form gebracht – sagt zumindest mein 16-jähriger Sohn, dessen Leidenschaft zurzeit eher der Fußball als der akademische Diskurs ist.

Wer selber am Buchstabieren ist und nach ein paar Anregungen sucht, wird hoffentlich seinen Spaß daran haben. Und wer nach einem Buch sucht, das man einem nichtchristlichen Freund schenken kann, ohne damit die Beziehung zu gefährden, kann auch mal einen Blick hinein werfen, wenn es im September erscheint. Wer regelmäßig diesen Blog liest, dem könnte die eine oder andere Stelle eh bekannt vorkommen.

An Pfingsten hat Inspiration ja quasi Saison. Ich werde mich also dahinterklemmen, dass das letzte Kapitel noch einmal richtig gut wird. Nächste Woche will ich fertig sein. Gegen Gebetsunterstützung habe ich keine Einwände, falls jemand von Euch…

201005191707.jpg
Share

Auf offener Straße

Der ökumenische Kirchentag letzte Woche war eine veritable Großveranstaltung. Unter so vielen Leuten kann man sich auch mal verloren fühlen. Zum Beispiel, wenn man verspätet durch die Straßen der Isarvorstadt irrt und die Frauenlobstraße sucht. Ich stand an einer Ecke über meinen Stadtplan gebeugt, als hinter mir eine Frauenstimme im breiten oberbayerisch fragte: „Sind Sie aus Erlangen?“ Es stellte sich heraus, dass die Frau vor ein paar Jahren einen Alpha-Kurs in unserer Gemeinde mitgemacht und mich nach all der Zeit wiedererkannt hatte.

Fast habe ich mich wie der Mann von der Humbug-Mülleimer gefühlt…

Abends dann fuhr ich mit dem ICE nach Erlangen und mit dem Stadtbus weiter. Ein Ehepaar stiegt mit mir zusammen aus und die Frau sagte plötzlich zu mir: „Sie waren auch auf dem Kirchentag“. Ich nickte und überlegte, ob ich noch mein Kärtchen oder ein anderes sichtbares Zeichen meiner Teilnahme umhängen hatte – Fehlanzeige. Wir kamen kurz ins Gespräch und stellten fest, dass wir nur etwas 200m von einander entfernt wohnen, dass sie in eine Gemeinde am Ort geht, aber auch schon einmal unseren Gottesdienst besucht hatte. Jetzt wissen wir von einander.

Share

Bayernhasser

Die Szene hatte etwas derart typisches, dass die Akteure keine Rolle spielen: Das Gespräch kam auf Fußball und es fiel ein (in diesem Fall sogar nur leicht) schadenfroher Kommentar zum „Stolpern“ der Bayern in Mönchengladbach und der Möglichkeit, noch alle drei Wettbewerbe zu verlieren. Trotzdem hat es mich wieder an die zahlreichen Bayernhasser erinnert. Ich glaube, das Maß an Häme gibt es bei keiner anderen Mannschaft in diesem Land und ich kann es einfach nicht verstehen.

Was ich verstehe ist, dass man sich für eine Mannschaft begeistert. Dass es die Bayern sind, war in dieser Saison nachvollziehbar wie schon lange nicht mehr. Was mich also betrifft: Ich freue mich jede Saison genau zweimal, wenn Dortmund, Hamburg, Stuttgart oder wer sonst noch verlieren. Einmal in der Hin- und einmal in der Rückrunde. Nein, eigentlich freue ich mich, weil Bayern diese Spiele hoffentlich gewinnt. Den Rest der Saison sollen alle anderen meinetwegen gewinnen. Verdient, hoffentlich. Wenn’s sein muss, dann auch mit Dusel, wie das international spielfreie und trotzdem schlappe Schalke in Berlin.

Hätte sich also ein Fan der Gazprom-gesponserten Knappen über das Glück (und etwas anderes war das ja kaum dieses Wochenende) gefreut, könnte ich das auch verstehen. Aber all jenen, deren Verein auf Platz 3 oder drunter steht und keine Chance auf die Meisterschaft mehr hat, sollte das doch egal sein können. Alles andere wäre eine reichlich verquere Form von Selbstwertgefühl.

Bayern-Fans stecken das in der Regel so weg, dass sie den Neid als verdecktes Kompliment und die Häme als Anerkennung der Tatsache werten, dass die Bayern nicht der Buhmann, sondern das Aushängeschild des deutschen Fußballs sind – und nach innen nicht der Bodensatz oder die Unterkante, sondern das Maß der Dinge. Ob sie bei den nächsten Triple-Schritten noch stolpern oder nicht, sie können schon jetzt stolz sein auf diese Saison. Ich mag diese Truppe wegen ihres Charakters.

Share

Man kann nie wissen…

Heute vormittag habe ich über das Geheimnis der Gastfreundschaft gepredigt. Nach dem Gottesdienst kam ein Paar auf mich zu. Die beiden haben sich vor gut dreieinhalb Jahren kennengelernt, als ich schon einmal über Gastfreundschaft gesprochen habe. Sie war ganz neu in der Stadt und wurde von einer Gruppe Studenten als Reaktion auf die Predigt zum Mittagessen eingeladen. Bei dem Mittagessen lernte sie einen jungen Mann kennen und heute sind die beiden glücklich verheiratet.

Das ist das Schöne – man weiß nie, was bei solchen Begegnungen alles herauskommt. Und man sollte damit natürlich auch nicht aufhören, wenn man schon in festen Händen ist. Gott hat viele Möglichkeiten, uns zu überraschen.

Share

Freiheit (1)

DSC01938.JPG

Nach sechs Wochen bin ich heute den ersten Tag ohne Gips respektive Schiene unterwegs. Heute morgen bekam ich meinen „Freispruch“, auf dem Röntgenbild ist nichts mehr zu sehen, sagte der Arzt. Manche Bewegungen gehen noch nicht wieder im alten Umfang, manches tut auch noch weh, aber hey – was soll’s?

Ich freue mich über lauter scheinbare Banalitäten: Ich habe es heute mittag geschafft, mit links den Löffel bis zum Mund zu bugsieren, ich bin das erste Mal wieder Rad gefahren, ich kann andere wieder richtig in den Arm nehmen, mit beiden Händen einen Text schreiben, endlich wieder alle meine Pullis und Jacken anziehen und morgen oder übermorgen geht’s wieder joggen – 6 Wochen Pause hat es da in den letzten zehn Jahren auch nie gegeben – mir ist noch etwas mulmig vor dem ersten Lauf.

Ach ja, Auto fahren geht dann wohl auch wieder. Manches hatte ich gar nicht mehr vermisst am Ende, so sehr hatte ich mich schon an die Einschränkung gewöhnt. Jetzt gibt es wieder viele neue alte (oder alte neue?) Dinge zu entdecken.

Und am Sonntag bin ich für den Besuch des Regionabischofs zu meiner Beauftragung als Prädikant (für Taufe und Abendmahl) wieder voll einsatzfähig. Darauf haben wir zwei Jahre hin gearbeitet und gemeinsam einige institutionelle Klippen überwunden. Da ist es schön, beide Hände zum Abendmahl frei zu haben.

Share

Noch mehr Berg-Bilder

Die Erlanger Nachrichten haben sehr positiv über den Kreuzweg berichtet. Eine ganz ähnliche Sache gibt es übrigens in Kolumbien, schreibt der Spiegel. Aber wer will schon so weit reisen müssen?

Hier steckt eine kleine Diashow mit noch mehr Bildern vom Karfreitag  – kleiner aufgelöst und daher nicht ganz so schön anzusehen findet Ihr unten die Youtube-Version. Viel Spass beim Ansehen!

Share

„Gott im Berg“: kleiner Rückblick

An die 800 Leute fanden heute in den Henninger-Keller und legten den Weg um die 14+1 Stationen zurück. Die Resonanz war überwältigend positiv. Hier ein paar optische Eindrücke – als Andenken und für alle, die nicht dabei sein konnten:

DSC05121.jpg DSC05147.jpg

DSC05168.jpg DSC05244.jpg

DSC05229.jpg DSC05234.jpg

DSC05263.jpg DSC05174.jpg

Danke an die vielen großartigen Mitarbeiter und Helfer, die stundenlang auf- und abgebaut haben. Ganz besonders an Arno und Mischa, die extra aus der Schweiz gekommen sind, um alles ins rechte Licht zu rücken!

Share

Entschleunigt

Seit 4 Wochen bin ich fast überallhin zu Fuß unterwegs – auch eine Form von Entschleunigung. Nicht nur wegen der niedrigeren Geschwindigkeit gegenüber Rad und Auto, sondern auch, weil ich viel mehr Leute treffe und mit ihnen ins Gespräch komme. Fast auf jedem Weg in die Stadt spreche ich mit irgendwem, das ist eine schöne Erfahrung. Und ein Indiz dafür, wie beziehungsfeindlich unser Tempo werden kann.

Es hat mich zudem an den großen Aidan von Lindisfarne erinnert:

Aidan war trotz seiner hohen Position als Bischof und Abt ein sehr zugänglicher Mensch. König Oswin … hatte ihm zur Erleichterung seiner Missionsreisen ein edles Pferd geschenkt, das ihn schneller ans Ziel bringen und die Durchque- rung von Flüssen und anderen Hindernissen erleichtern sollte. Aber schon wenig später war Aidan wieder zu Fuß unterwegs. Er hatte das Tier samt der königlichen Ausrüstung an einen Bettler verschenkt und wollte lieber wieder auf Augenhöhe mit seinen Mitmenschen sein, wenn er reiste. Der brüskierte König stelle Aidan zur Rede: „Warum hast du das königliche Pferd weggegeben, das du für den eigenen Gebrauch nötig hattest? Haben wir keine weniger kostbaren Pferde und andere Besitztümer, die gut genug für einen Bettler wären, ohne ein Pferd zu verschenken, das ich eigens für dich ausgewählt habe?“ Aidan entgegnete: „Was sagt ihr da, Majestät? Ist dieses Kind einer Stute wertvoller als dieses Kind Gottes?“ Mit diesen Worten gingen die beiden auseinander. Später beim Essen – der König war gerade von der Jagd gekommen – stand Oswin nachdenklich am Feuer. Plötzlich wandte er sich Aidan zu, kniete vor ihm nieder und sagte: „Ich werde den Vorfall nie wieder erwähnen noch je wieder fragen, wie viel du von unserem Reichtum an Gottes Kinder verschenkst.“ Der gerührte Bischof half dem König sofort wieder auf die Beine und beide aßen mit einander. Aidan war (wenn er sich nicht in die Einsamkeit zurückzog) ständig im Gespräch mit Menschen, aber eben als einer der ihren, nicht vom hohen Ross herab. Im Gegensatz zum kolonialen Missionsstil der römischen Christen und der überwiegenden Mehrheit neuzeitlicher Mission außerhalb Europas (oder zur gewaltsamen „Mission“ der christlichen Machthaber von Karl dem Großen bis zu den Kreuzzügen) finden wir hier tatsächlich eine Bewegung, die den Spuren Jesu und der Apostel folgt.

DSCF2294.JPG

Share