Ereignisreiche Osterferien liegen hinter mir. Feiertage, Gemeindefreizeit,wenig Leerlauf also. Das Highlight war Gott im Berg. Zumal in visueller Hinsicht. Für alle, die nicht dabei sein konnten, oder sich gern nochmal erinnern, hier ein kleiner Clip:
Panoramata
Armer Zwingli
Samstag nachmittag, unsere Gruppe steht im Sonnenschein vor dem Zwingli-Denkmal an der Wasserkirche in Zürich. Während alle der Erklärung unserer Stadtführerin lauschen, steigt ein etwas derangiert wirkender Typ auf den Sockel, spuckt demonstrativ auf den Reformator und schickt lauthals eine wüste Beschimpfung hinterher. Dann dreht er sich der Gruppe zu, outet sich als Katholik und nennt die Reformierten „Kinder Satans“.
Der Mann war offensichtlich alkoholisiert. Aber der Fusel enthemmt ja lediglich. Den Hass auf Andersdenkende und die Sprüche hat er irgendwo her, das macht nicht der Suff allein (für die Ärzte sicher ein Schrei nach Liebe). Solche Töne hört man heute ja zum Glück sehr selten. Vielleicht ist es sinnvoller, sich über diese Tatsache zu freuen, als sich über dieses eine schlechte Beispiel lange zu ärgern.
Natürlich bereichert
Mit den hilfreichen Anregungen einiger Kommentatoren ausgestattet bin ich am Mittwoch beim Treffen der NGE-Berater in Fulda gewesen. Klaus Schönberg vom Paradies-Projekt und Stefan Lingott von Novavox waren ebenfalls mit Kurzreferaten am Start und Oliver Schippers moderierte das ganze souverän, locker und launig.
Im Vorfeld hatte ich mir ja noch über modernistische Aspekte im Naturverständnis Gedanken gemacht. In den Gesprächen und Begegnungen während dieses interaktiv gestalteten Tages bin ich einer bunten Vielfalt von sehr aufgeschlossenen Leuten begegnet, die so gar nicht an fertigen Konzepten zu kleben schienen, sondern sich bereitwillig und neugierig auf die verschiedenen Impulse einließen und engagiert mitdiskutierten. So engagiert und aufgeschlossen, wie ich es tatsächlich schon eine ganze Weile nicht erlebt habe.
Es ist ja nicht alltäglich, unter so vielen Menschen zu sein, die sich ernsthaft Gedanken über Zukunft und Veränderung manchen und dabei nicht in starren Schablonen, denken, sondern offene Fragen stellen, und die bereit sind, sich auf einen Weg zu machen, auch wenn die Route noch nicht vollständig berechnet ist. Das war hier der Fall, und zwar auf ziemlich hohem Niveau.
Eine neue Frage, die ich aus der Diskussion mitgenommen habe: Ist Matthäus 28,18-20 eigentlich die einzige (bzw. alles entscheidende) Formulierung des Auftrags der christlichen Kirche? Und wenn ja, ist sie dann vor allem so zu verstehen, dass es jedem einzelnen Christen aufgetragen ist, andere „zu Jüngern zu machen“, oder deutet die Plural-Formuiierung an, dass es sich hier um einen Mannschaftssport handelt?
Die Tricks der Bedenkenträger
Noch einmal zum Thema von vorgestern: In der Anleitung zum Unglücklichsein berichtet Paul Watzlawick vom Trick einer jüdischen Mutter. Sie schenkte ihrem Sohn zwei Pullis, einen grünen und einen gelben. Beim nächsten Treffen trug der Sohn den grünen. Die Mutter sah ihn an und sagte: „Schade, der gelbe hat dir also nicht gefallen?“
Wenn jemand eine neue Idee hat oder etwas Neues starten möchte, lassen ihn die Bedenkenträger gern in dieselbe Falle tappen. Die funktioniert in diesem Fall so:
„Du denkst also, dass das, was wir machen [oder wie wir es machen] schlecht [falsch, überholt, minderwertig] ist?“
„Äh nein, warum, ich wollte doch nur etwas Neues ausprobieren, es halt mal anders versuchen.“
„Wenn es nicht besser ist, warum sollten wir es dann machen?“
Schwupp – schon kann man wieder zur Tagesordnung übergehen, und alles wieder so machen, wie man es schon immer gemacht hat.
Es sei denn, jemand fragt sofort zurück, bevor die Falle zuschnappt, ob die Frage auf die Ansicht schließen lässt, dass der Status Quo schon das Ideal ist, oder ob der Fragesteller sagen möchte, dass es niemand besser machen kann als er. Denn in der Regel läuft genau diese Projektion ab: Wir machen es so, weil es nur so richtig ist. Wer etwas anderes will, denkt zwangsläufig, dass wir im Unrecht sind. Wenn jemand das Richtige für falsch erklären (d.h. etwas anders machen) darf, dann ist er eine Bedrohung. Es ist das öde Denkmuster von Konkurrenz und Ausschluss.
An den Karren fahren
Gestern endete inno2012 mit der Frage, wie versöhnt Innovatoren und „Bewahrer“ sein können, wie viel Konflikt nötig und konstruktiv ist (das ob war nicht die Frage) und wie Schaden (den ja nicht einfach nur die einen verursachen und die anderen erleiden) vielleicht auch wieder repariert und geheilt werden kann.
Mich hat das an einen anderen Kongress vor vielen Jahren erinnert. Ich hatte dort auf einem ähnlichen Podium eine Aussage in Frage gestellt, die einer der Hauptreferenten (damals schon eine Vaterfigur mit Baritonstimme und wallend silbernem Haupthaar) gemacht hatte.
Nach der Veranstaltung kam einer der Organisatoren, ein schwäbischer Unternehmer, ziemlich aufgebracht auf mich zu und stauchte mich zusammen, weil ich dem Patriarchen „an den Karren gefahren“ sei.
Ich ging beim Abschied also (obwohl ich meinen Kommentar immer noch richtig fand) auf den Patriarchen zu und erklärte zerknirscht, es habe mir völlig fern gelegen, ihm an den Karren zu fahren. Worauf der nur freundlich antwortete: „Du darfst mir jederzeit an den Karren fahren.“
Ich habe mich mehr als einmal daran erinnert, wenn ich anderen oder andere mir an den Karren gefahren sind. Gott sei Dank für solche Patriarchen…!
Ein schwarzes Jahr für die Bildung
In den letzten Wochen hat mich das Thema Bildung schwer beschäftigt. Einerseits stand ich als Dozent vor der Aufgabe, eine Gruppe Studenten in Zürich in drei Tagen an die alte Kirche und das frühe Mittelalter heranzuführen: Was kann man da voraussetzen und erwarten, was nicht? Andererseits bekomme ich als Vater einer Studentin (an einer Uni, an der auf Jahre hinaus Chaos herrschen wird durch Doppelabitur und das gleichzeitige, ebenfalls von einem CSU-Mann eingeleitete, Ende der Wehrpflicht) und zweier Schüler der G8-Oberstufe (demnächst dann vielleicht an einer Uni, an der weiter der Doppelwahnsinn tobt) auch genug von der anderen Seite mit. Und über die Verhältnisse an den Grundschulen informiert mich meine Frau.
Am Ende des Jahres 2011 bin ich zu dem Schluss gekommen, dass konservative Bildungspolitik knallharte Klientelpolitik ist – für ein bürgerliches Milieu, das den sozialen Abstieg fürchten muss und sich nach unten abschotten möchte. Da die Unterschicht ohnehin nicht wählen geht, kann man sich das in Bayern leisten. Wollte man wirklich etwas anderes, dann hätte man längst mehr Lehrer eingestellt, die Klassen verkleinert, die Stellen für Sozialarbeiter und Schulpsychologen aufgestockt und deutlich mehr Hilfen und Förderprogramme installiert, damit auch Kinder, die von den Eltern nicht gefördert werden (können?), eine Chance haben.
Aber die sollen sie nicht bekommen, sondern irgendwie von Billigjobs und Hartz IV leben und „Unterschichtenfernsehen“ gucken. Es ist wie im 19. Jahrhundert: das aufstiegsorientierte Bürgertum passt sich nach oben an (diesmal an den Geldadel) und macht nach unten dicht, statt sich zu solidarisieren und den egozentrischen Eliten einzuheizen. Daher fallen die Proteste so zaghaft aus, obwohl längst die OECD Deutschland nicht nur für die soziale Spaltung, sondern auch für die dürftigen Investitionen in die Zukunft unserer Kinder rügt. Wie schnell man, wenn man nur will, ein paar Milliarden locker macht, haben wir bei der Bayern-LB gesehen. Da nämlich hatten die schwarzen Eminenzen ein sehr lebhaftes Interesse an schneller Abhilfe…
Dieter Timmermann, der neue Präsident des Deutschen Studentenwerks, kommentierte die Lage jüngst so:
Wollte Deutschland in etwa den gleichen Anteil des Bruttoinlandsprodukts für die Finanzierung seines Hochschulsystems bereitstellen wie die skandinavischen Länder, müsste das Ausgabenniveau dauerhaft um mindestens 50 % steigen. Hinzu kommen die anstehenden Mehrausgaben für den Ausbau der Vorschulerziehung für die unter Dreijährigen und für den notwendigen flächendeckenden Ausbau der Halbtags- zu Ganztagsschulen. Außerdem hinkt Deutschland bei den Ausgaben für das lebenslange Lernen hinterher.
Wir brauchen ganz dringend einen echten Politikwechsel. Und am Thema Bildung werde ich 2012 dran bleiben.
Festtagslaune
Nicht der Standort, sondern die Richtung zählt
Die Sonne ging heute um 8:04 Uhr auf und wird um 16:15 Uhr wieder untergehen. Sie scheint heute (meist hinter der Wolkendecke) 8 Stunden und 11 Minuten, das sind nur noch drei weniger als das absolute (lokale) Minimum von 8:08 nächste Woche. Es sind die dunkelsten Tage des Jahres. Für viele ist es noch dunkel, wenn sie morgens das Haus verlassen und schon wieder dunkel, wenn sie zurückkommen.
Warum zähle ich die Zeiten hier so exakt auf? Weil es mich tröstet, dass die Wende in Sicht ist. Noch ist es lange dunkel und es bleibt auch noch eine ganze Weile bei kurzen Tagen und kalten Nächten. Aber ab nächster Woche kippt die Erdachse langsam wieder in die richtige Richtung. Und ich kann mich darauf freuen, dass es jeden Tag ein kleines bisschen heller wird.
Passend zur Jahreszeit haben auch unsere Gottesdienste sich (inspiriert von Brian McLarens neuem Buch) mit der Frage befasst, wie man im „Herbst des Glaubens“ geistlich überleben und irgendwie auch reifen kann. Die Wochen von der Zeitumstellung Ende Oktober bis jetzt ungefähr fühlen sich mehr so an, als würde es in den Tunnel hineingehen. Nun allmählich macht die Röhre einen Bogen und das Licht am Ende erscheint wie ein kleiner Punkt in der Ferne. Den Sonnenaufgang nach der längsten Nacht feiere ich immer mit einem Freund draußen bei einem Feuerchen. Wir sprechen über das alte Jahr und beten zusammen, bevor wir durchgefroren frühstücken gehen, wenn die Zeit noch reicht.
Apropos Freunde: Es gibt im Herrn der Ringe eine Szene, wo sich am Tag der Wintersonnwende Sam und Frodo von ihrem neuen Freund Faramir verabschieden und nach Mordor ziehen. Unvermittelt fällt ein Sonnenstrahl auf das zerstörte Standbild eines alten Königs des Westens und Frodo sagt: „Sie können nicht auf ewig siegen“. Egal womit jeder von uns gerade zu kämpfen hat: Hoffnung bedeutet, dass wir uns eine bessere Welt noch vorstellen können, und uns von dieser Vorstellung anspornen lassen. Die wenigsten von uns müssen ja eine Hölle wie Mordor durchqueren. Aber auch andere Durststrecken können lang werden.
Geht auf die Straße!
Es war eigentlich einen nette Geste vom Fahrer des grünen Sharan, der mir letzte Woche beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt genommen hatte, dass er, als es schon geschehen war, noch über die Schulter auf den Radweg schaute und bremste, um nun, endgültig unverrückbar mitten im Weg, ein Weilchen innezuhalten. Ich winkte ihn ungeduldig weg und war dankbar, dass meine Bremsten trotz der Nässe funktioniert und meine Ahnung mich nicht getrogen hatte. Vor ein paar Wochen hatte ich dasselbe mit einem pissgelben Fiat Panda erlebt, damals stürzte ich (glimpflich, aber schmerzhaft) und der Fahrer fuhr einfach weiter, vermutlich hatte er gar nichts gemerkt.
Neulich wurde öffentlich über die Helmpflicht für Radler debattiert. Da gibt es gute Argumente. Viel zu wenig wird aber darüber diskutiert, wie Unfälle verhindert werden können, so dass Helm und Airbag gar nicht nötig sind. Ich gewöhne mir gerade an, möglichst immer auf der Fahrbahn zu radeln. Das fühlt sich zwar nicht so an, ist aber deutlich sicherer. Solche – leider ja alltäglichen – Szenen, wo ein abbiegender PKW einen Radfahrer auf dem parallel verlaufenden Radweg über den Haufen fährt, passieren viel seltener, wen sich beide die Fahrbahn teilen müssen.
Die Stadt Erlangen hat an vielen Stellen schon reagiert und die blauen Radwegschilder (auf den ohnehin oft viel zu schmalen, farblich geteilten Bürgersteigen) abmontiert. Man darf da noch radeln, kann aber auch die Straße benutzen. Wenn Spurrillen aus Schnee und Eis dazukommen, wird die Wechsel auf die Fahrbahn ohnehin oft unausweichlich. Das Problem ist nur, dass viele Autofahrer noch gar nicht wissen, dass die Regeln geändert wurden. Aber einen Radfahrer, der ihnen sichtbar im Weg ist, fahren sie nicht so leicht um wie einen, der unsichtbar auf dem Radweg daherkommt.
Auf den „Bauch“ gehört
Neulich las ich einen Artikel, der die Rolle des Bauchgefühls oder der Intuition bei Entscheidungen beschrieb. Manchmal, hieß es dort, weiß unser Unterbewusstsein mehr als unser Verstand. Und wir tun dann auch gut daran, das zu beachten.
Vor längerer Zeit traf ich eine Person, die (und das passiert mir nicht so oft) unwillkürlich einen inneren Alarmzustand bei mir auslöste, ohne dass es irgendeinen äußeren Anlass dafür gegeben hätte. Es waren nur punktuelle Begegnungen in einer größeren Gruppe, aber ich war trotzdem ganz froh, dass wir keinen näheren Kontakt hatten. Ich hätte nicht sagen können, was genau das Gefühl auslöste, aber es war ziemlich ausgeprägt: Vorsicht, Machtmensch!
Inzwischen sind mir mehrere Leute begegnet, die von unschönen Auseinandersetzungen mit der/dem Betreffenden berichtet haben (NB: Ich bin sehr sicher, dass er/sie nicht zu den Lesern dieses Blogs gehört, also muss sich bitte, bitte auch niemand, der das liest, fragen, ob er selbst gemeint ist!!). Nun verstehe ich besser, was ich da empfunden hatte. Irgendeine Antenne hatte kleine, unterschwellige Signale aufgefangen – vielleicht Mimik, Ton oder Körpersprache – und mein Gefühl hatte darauf reagiert.
Freilich kann Intuition auch unscharf sein und ein emotionales Unwohlsein mehr über meine eigenen Ängste und Vorurteile aussagen als über den anderen. So oder so: Das mulmige Gefühl im Bauch lohnt einen zweiten, aufmerksamen Blick.
Tag 3: Der „ewige Reis“
Der andere Faktor ist die Monotonie. Unglaublich, wie viele verschiedene Sachen meine Familie in diesen beiden Tagen schon gefuttert hat! Wenn hier auch nur drei Tage dasselbe Essen auf den Tisch käme, gäbe es sehr lange Gesichter. Ich habe zur Abwechslung gegenüber dem Vortag ein paar Spritzer Sojasauce verwendet und mich bei dem Gedanken ertappt, ob nicht Jamie Oliver nicht mal ein peppiges Kochbuch mit tollen Ideen zu kleinen, einfachen Reisgerichten schreiben könnte. Aber im Ernst: Viele würden vielleicht sagen „ich kann den ewigen Reis nicht mehr sehen“, aber es gibt schlicht keine Alternative…
Die Legende vom iGod
Meinen ersten Mac kaufte ich 1990, als Steve Jobs bei Apple längst rausgeflogen war und sich um Pixar und Next kümmerte. Es war ein Macintosh LC, auf dem meine Dissertation dann Schritt für Schritt entstand – das legendäre Pizzaschachtel-Design. Der Bildschirm war noch farblos, aber scharf und man konnte Texte schon im echten WYSIWYG erstellen – das Kürzel kennen meine Kinder gar nicht mehr. Steve Jobs hat einen Kurs in Kalligrafie am Reed College als einen wesentlichen Anstoß bezeichnet, der bei der Entwicklung des ersten Macintosh 1984 zehn Jahre später stilbildend wurde. Und genau das war es, was mich für Apple einnahm. Jemand hatte mich verstanden und mein Bedürfnis nach schlichter, menschenfreundlicher und funktionaler Ästhetik begriffen.
Die Schachtel mit 40 MB Festplatte wurde dann ein paar Jahre später erst mit einem Farbmonitor versehen und dann von einem Performa 630 und später 6400 verdrängt, der inzwischen CDs lesen konnte und viel zu groß war für den Schreibtisch. Statt einem 68020-Chip rechnete eine PowerPC 603e CPU. Apple wurde in dieser Zeit in dem Medien ständig mit dem Attribut „angeschlagen“ versehen. Erinnert sich noch jemand an Gil Amelio? Niemand wusste, wie lange die Firma noch durchhält. Man wurde von den Windows-Benutzern mal bemitleidet, mal verspottet. Die pragmatische Navy schien die sentimentalen Piraten mit ihrem ästhetischen Spleen bald erledigt zu haben.
Ich hatte sogar einen Newton für eine Weile, der aber umständlich, schwer und damit unbrauchbar war – kein Vergleich zum iPad. Dann kam Steve Jobs zurück. Ich war mir erst gar nicht sicher, ob das eine gute Idee war. Doch innerhalb kurzer Zeit kamen iMacs (Schock: ohne Diskette!) und iBooks aus buntem Plastik heraus (hatte ich nie), dann der Schwenk ins Weiß zum Schreibtischlampen-iMac (hatte ich, steht heute noch im Haus) und den weißen Notebooks.
Wie die Produktgeschichte weiter lief, kann man überall nachlesen in diesen Tagen. Apple verdiente plötzlich Geld, es wurde immer mehr und seit 2004 wurde die Marke so hip, dass sie ernsthafte Marktanteile im Mainstream ergatterte. Meine Söhne brachten ihre Freunde mit und mit einem Mal entschuldigten sie sich nicht mehr dafür, dass bei uns ein Mac herumstand, es brachte ihnen Bewunderung und Respekt ein – und ich musste mir keine Klagen mehr anhören, wann wir endlich Windows kriegen.
Seither gibt es überall begeisterte Neu-Macianer oder iPodPhonePad-Nutzer. Für mich war Apple nie ein Hype. Freilich hat mich gefreut, dass sich der ästhetische und kreative Ansatz durchgesetzt hat gegen die übermächtige Mentalität der Schrauber und Zahlenkolonnen. Ich glaube, dass das mit dem Kult ein Missverständnis ist. Unsere Mediengesellschaft veranstaltet um alles Mögliche einen Kult, Elvis und Michael Jackson waren Kultfiguren, in Italien sogar zeitweise Diego Maradona. Steve Jobs nicht – der hat das Echo der Medien sicher auch genutzt, im Letzten denke ich aber, dass er „seine“ Produkte nicht primär als Waren, sondern als Kunstwerke und irgendwie auch Geschöpfe verstanden hat, so wie ein Regisseur oder Autor das mit den Protagonisten seiner Geschichten vielleicht auch tut. Er hat seine eigene Begeisterung für sie so unwiderstehlich versprüht, wie es selbst der cleverste Verkäufer nie könnte, der darin eben nicht einen Teil von sich selbst erkennt.
Wenn es eine wirklich legitime Rede vom quasi-mythischen, süffisant so genannten „iGod“ gibt, dann ist das vielleicht die Geschichte eines begeisterten, leidenschaftlich kreativen und kompromisslos auf Vollkommenheit zielenden Schöpfers, der sich an seinem Universum kindlich freuen kann – und nicht die des jähzornigen Autokraten, selbst wenn es solche Momente sicher auch gab. In diesem ersten Sinne zeichnen auch Walter Isaacson und Walt Mossberg den Menschen Steve Jobs. Ihre Berichte heben sich wohltuend ab vom Mainstream, der über grobe Klischees nicht hinauskommt. In diesem Sinne spiegelt er den wahren Schöpfer von unser aller Welt wider.
Steve Jobs war kein Messias. Gerettet hat er nur Apple, aber er hat vielleicht doch auch geahnt, dass „Schönheit die Welt retten wird“, wie Dostijewski sagte. Die Welt ist ein bisschen ärmer geworden ohne ihn. Aber wenn viele sein Vermächtnis nicht nur in Form von Geräten kaufen, sondern die Philosophie verstehen und die Haltung verinnerlichen, die Jobs an den Tag gelegt hat, und dabei ihrem Herzen folgen, dann könnte daraus auch weiter Gutes entstehen.
Gefahr am rechten Rand
Gestern bin ich im schönsten Sonnenschein ein Stück Landstraße geradelt und habe dabei eine interessante Beobachtung gemacht. Es gibt eine unmittelbare Korrelation zwischen dem Abstand eines Radfahrers zu rechten Fahrbahnrand und dem Abstand, mit dem er von Autofahrern passiert wird:
Fahre ich nag am Fahrbahnrand, sagen wir 30 cm neben der Linie, rasen die PKWs mit 30 cm Abstand an mir vorbei. Ich werde auch bei Gegenverkehr überholt, weil man ja die Mittellinie gar nicht überschreiten muss, um an mir vorbeizukommen. Bei solchen Manövern genügt ein kleiner Wackler mit dem Lenker, und ich bin Matsch.
Fahre ich dagegen einen guten Meter links von der Linie, dann werde ich mit einem Abstand von mindestens einem Meter überholt. Nun ist dem Autofahrer bewusst, dass er die Gegenfahrbahn nutzen und mich als vollwertigen Verkehrsteilnehmer behandeln muss, nicht etwa als Randerscheinung.
Wer also meint, er tue Autofahrern einen Gefallen, wenn er sich möglichst eng an den rechten Rand schmiegt, der irrt. Er verleitet sie vielmehr zu einem Verhalten, mit dem sie sich und andere gefährden (hier ließen sich nun nette politische Analogien ziehen…!) und vor allem gefährdet er sich selbst, weil er durch seine Ausnutzung des Raumes die Botschaft vermittelt, dass er sich selbst nicht ganz „für voll nimmt“.
Also, liebe Pedalritter: Nehmt Euch ernst, gönnt Euch den Raum, und seid Euch bewusst, dass es sogar denen dient, die Euretwegen (leise fluchend, aber das hört Ihr ja nicht) auf die Bremse treten müssen.
Unüberwindlich
Reinhard Mey hat in einem seiner legendären Songs einmal drüber philosophiert, dass sein Hund in vieler Hinsicht das bessere Leben hat, nur die Kühlschranktüre kriegt er nicht auf…
Man sagt ja, dass Hunde in etwa die Intelligenz eines Kleinkinds erreichen können. Den Kühlschrank bekommen meine Kinder in der Tat schon lange auf, aber eine andere Tür hat sich im Laufe der Jahre als unüberwindliches Hindernis herausgestellt: Die der Spülmaschine.
Benutztes Geschirr, wenn es nicht wider alle Gesetze der Physik trotz verzehrten Inhalts bleischwer auf der Tischplatte lastet, schafft es eigentlich immer nur dank elterlicher Hilfe in den Geschirrkorb. Und gespültes Geschirr wird auch erst wieder angetastet, wenn es jemand in den Schrank geräumt hat.
Ich werde das zu nutzen wissen: Demnächst bewahren wir die Süßigkeiten in einer Box im Geschirrspüler auf. Da sind sie vor allen nichtautorisierten Zugriffen absolut sicher.




