Geschäftemacher

Es war ein sehr kurzes Telefonat. Die Mitarbeiterin eines mir bis dahin unbekannten Finanzdienstleisters aus der Oberpfalz erklärte mir, wie viel Steuern ich bezahle, und dass ich bis zu 80% davon zurückbekommen würde mit der Hilfe ihrer Firma.

Denn – so fuhr sie fort – das Geld ginge sowieso nur in den Bundeshaushalt und von da nach Griechenland oder nach Leipzig und Dresden. An dieser Stelle war das Gespräch auch schon wieder vorbei, ehe sie Luft holen und „Sozialschmarotzer“ oder „Hartz IV“ sagen konnte.

Gier und Vorurteile als Geschäftsmodell. Nicht neu, aber immer wieder widerlich. Vor allem, wenn man kurz zuvor dieses Interview gelesen hat.

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Was man so singt

Die Melodie ist so eingängig, dass ich die Zeilen auch schon x mal gesungen hatte, bis ich ins Stolpern kam. Sie lauten „Taking my sin, my cross, my shame, rising again I bless your name“ und handelt von Jesus.

Sünde und Schmach – geschenkt. Aber das Kreuz? Ich verstehe schon, was da wohl gemeint sein soll. Trotzdem mutet es bei genauerem Nachdenken seltsam an, dass Jesus „mein Kreuz“ getragen haben soll. Jesus hat sein Kreuz getragen (Joh 19,17) und seine Nachfolger auch noch ganz ausdrücklich aufgefordert, ihr Kreuz auf sich zu nehmen (Lukas 14,27). Daher ist es für Paulus auch weder sein eigenes noch unseres, sondern das Kreuz Christi, von dem er redet. Wenn ich davon singe, Jesus habe mein Kreuz auf sich genommen, dann muss ich es ja vielleicht gar nicht mehr tun…?

Allerdings sind die Bezüge in den beiden Textzeilen ohnehin unklar. Es könnte nämlich auch das „ich“ das Subjekt sein, das da alles nimmt und dann gleich wieder aufersteht. Auch etwas unorthodox.

Aber die Melodie ist ein echter Ohrwurm.

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Alarmierende Beruhigung

Es gibt Situationen, wo Dementis genau der falsche Schritt sind und eher das Gegenteil dessen bewirken, was vordergründig gesagt wird. Vor allem ungefragte Dementis sorgen eher für Unruhe als sie zur Beruhigung beitragen. Etwa wenn ein Fußballclub am Tabellenende erklärt, der Vorstand stehe voll und ganz zum Trainer – dann ist das in der Regel Alarmstufe rot.

Neulich ging es mir so mit der Website einer christlichen Gemeinde. Dort stand unter anderem, dass die Gemeinde nicht der Besitz des Leitungsgremiums sei. Das ist natürlich richtig. Nur fragt sich der unbedarfte Leser, warum man das an dieser Stelle extra betonen musste. Ist doch selbst verständlich… – oder etwa nicht???

Solche Einsichten (mag sein, dass die in diesem Fall noch relativ jung war) im Blick auf Führungskonzepte gilt es natürlich zu beherzigen. Wo und wie man sie öffentlich kundtut, muss man sich aber auch gut überlegen.

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Bewegter Rückblick

Ereignisreiche Osterferien liegen hinter mir. Feiertage, Gemeindefreizeit,wenig Leerlauf also. Das Highlight war Gott im Berg. Zumal in visueller Hinsicht. Für alle, die nicht dabei sein konnten, oder sich gern nochmal erinnern, hier ein kleiner Clip:

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Panoramata

… so müsste der Plural korrekt lauten. Oder Panoramen? Ich spare mir den Blick in den Duden und lasse die Bilder sprechen, die Sonys praktische Sweep-Panorama-Funktion liefert:

Rosenbach.jpg Langensendelbach.jpgPottenstein.jpg

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Armer Zwingli

Samstag nachmittag, unsere Gruppe steht im Sonnenschein vor dem Zwingli-Denkmal an der Wasserkirche in Zürich. Während alle der Erklärung unserer Stadtführerin lauschen, steigt ein etwas derangiert wirkender Typ auf den Sockel, spuckt demonstrativ auf den Reformator und schickt lauthals eine wüste Beschimpfung hinterher. Dann dreht er sich der Gruppe zu, outet sich als Katholik und nennt die Reformierten „Kinder Satans“.

Der Mann war offensichtlich alkoholisiert. Aber der Fusel enthemmt ja lediglich. Den Hass auf Andersdenkende und die Sprüche hat er irgendwo her, das macht nicht der Suff allein (für die Ärzte sicher ein Schrei nach Liebe). Solche Töne hört man heute ja zum Glück sehr selten. Vielleicht ist es sinnvoller, sich über diese Tatsache zu freuen, als sich über dieses eine schlechte Beispiel lange zu ärgern.

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Natürlich bereichert

Mit den hilfreichen Anregungen einiger Kommentatoren ausgestattet bin ich am Mittwoch beim Treffen der NGE-Berater in Fulda gewesen. Klaus Schönberg vom Paradies-Projekt und Stefan Lingott von Novavox waren ebenfalls mit Kurzreferaten am Start und Oliver Schippers moderierte das ganze souverän, locker und launig.

Im Vorfeld hatte ich mir ja noch über modernistische Aspekte im Naturverständnis Gedanken gemacht. In den Gesprächen und Begegnungen während dieses interaktiv gestalteten Tages bin ich einer bunten Vielfalt von sehr aufgeschlossenen Leuten begegnet, die so gar nicht an fertigen Konzepten zu kleben schienen, sondern sich bereitwillig und neugierig auf die verschiedenen Impulse einließen und engagiert mitdiskutierten. So engagiert und aufgeschlossen, wie ich es tatsächlich schon eine ganze Weile nicht erlebt habe.

Es ist ja nicht alltäglich, unter so vielen Menschen zu sein, die sich ernsthaft Gedanken über Zukunft und Veränderung manchen und dabei nicht in starren Schablonen, denken, sondern offene Fragen stellen, und die bereit sind, sich auf einen Weg zu machen, auch wenn die Route noch nicht vollständig berechnet ist. Das war hier der Fall, und zwar auf ziemlich hohem Niveau.

Eine neue Frage, die ich aus der Diskussion mitgenommen habe: Ist Matthäus 28,18-20 eigentlich die einzige (bzw. alles entscheidende) Formulierung des Auftrags der christlichen Kirche? Und wenn ja, ist sie dann vor allem so zu verstehen, dass es jedem einzelnen Christen aufgetragen ist, andere „zu Jüngern zu machen“, oder deutet die Plural-Formuiierung an, dass es sich hier um einen Mannschaftssport handelt?

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Die Tricks der Bedenkenträger

Noch einmal zum Thema von vorgestern: In der Anleitung zum Unglücklichsein berichtet Paul Watzlawick vom Trick einer jüdischen Mutter. Sie schenkte ihrem Sohn zwei Pullis, einen grünen und einen gelben. Beim nächsten Treffen trug der Sohn den grünen. Die Mutter sah ihn an und sagte: „Schade, der gelbe hat dir also nicht gefallen?“

Wenn jemand eine neue Idee hat oder etwas Neues starten möchte, lassen ihn die Bedenkenträger gern in dieselbe Falle tappen. Die funktioniert in diesem Fall so:

„Du denkst also, dass das, was wir machen [oder wie wir es machen] schlecht [falsch, überholt, minderwertig] ist?“

„Äh nein, warum, ich wollte doch nur etwas Neues ausprobieren, es halt mal anders versuchen.“

„Wenn es nicht besser ist, warum sollten wir es dann machen?“

Schwupp – schon kann man wieder zur Tagesordnung übergehen, und alles wieder so machen, wie man es schon immer gemacht hat.

Es sei denn, jemand fragt sofort zurück, bevor die Falle zuschnappt, ob die Frage auf die Ansicht schließen lässt, dass der Status Quo schon das Ideal ist, oder ob der Fragesteller sagen möchte, dass es niemand besser machen kann als er. Denn in der Regel läuft genau diese Projektion ab: Wir machen es so, weil es nur so richtig ist. Wer etwas anderes will, denkt zwangsläufig, dass wir im Unrecht sind. Wenn jemand das Richtige für falsch erklären (d.h. etwas anders machen) darf, dann ist er eine Bedrohung. Es ist das öde Denkmuster von Konkurrenz und Ausschluss.

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An den Karren fahren

Gestern endete inno2012 mit der Frage, wie versöhnt Innovatoren und „Bewahrer“ sein können, wie viel Konflikt nötig und konstruktiv ist (das ob war nicht die Frage) und wie Schaden (den ja nicht einfach nur die einen verursachen und die anderen erleiden) vielleicht auch wieder repariert und geheilt werden kann.

Mich hat das an einen anderen Kongress vor vielen Jahren erinnert. Ich hatte dort auf einem ähnlichen Podium eine Aussage in Frage gestellt, die einer der Hauptreferenten (damals schon eine Vaterfigur mit Baritonstimme und wallend silbernem Haupthaar) gemacht hatte.

Nach der Veranstaltung kam einer der Organisatoren, ein schwäbischer Unternehmer, ziemlich aufgebracht auf mich zu und stauchte mich zusammen, weil ich dem Patriarchen „an den Karren gefahren“ sei.

Ich ging beim Abschied also (obwohl ich meinen Kommentar immer noch richtig fand) auf den Patriarchen zu und erklärte zerknirscht, es habe mir völlig fern gelegen, ihm an den Karren zu fahren. Worauf der nur freundlich antwortete: „Du darfst mir jederzeit an den Karren fahren.“

Ich habe mich mehr als einmal daran erinnert, wenn ich anderen oder andere mir an den Karren gefahren sind. Gott sei Dank für solche Patriarchen…!

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Ein schwarzes Jahr für die Bildung

In den letzten Wochen hat mich das Thema Bildung schwer beschäftigt. Einerseits stand ich als Dozent vor der Aufgabe, eine Gruppe Studenten in Zürich in drei Tagen an die alte Kirche und das frühe Mittelalter heranzuführen: Was kann man da voraussetzen und erwarten, was nicht? Andererseits bekomme ich als Vater einer Studentin (an einer Uni, an der auf Jahre hinaus Chaos herrschen wird durch Doppelabitur und das gleichzeitige, ebenfalls von einem CSU-Mann eingeleitete, Ende der Wehrpflicht) und zweier Schüler der G8-Oberstufe (demnächst dann vielleicht an einer Uni, an der weiter der Doppelwahnsinn tobt) auch genug von der anderen Seite mit. Und über die Verhältnisse an den Grundschulen informiert mich meine Frau.

Am Ende des Jahres 2011 bin ich zu dem Schluss gekommen, dass konservative Bildungspolitik knallharte Klientelpolitik ist – für ein bürgerliches Milieu, das den sozialen Abstieg fürchten muss und sich nach unten abschotten möchte. Da die Unterschicht ohnehin nicht wählen geht, kann man sich das in Bayern leisten. Wollte man wirklich etwas anderes, dann hätte man längst mehr Lehrer eingestellt, die Klassen verkleinert, die Stellen für Sozialarbeiter und Schulpsychologen aufgestockt und deutlich mehr Hilfen und Förderprogramme installiert, damit auch Kinder, die von den Eltern nicht gefördert werden (können?), eine Chance haben.

Aber die sollen sie nicht bekommen, sondern irgendwie von Billigjobs und Hartz IV leben und „Unterschichtenfernsehen“ gucken. Es ist wie im 19. Jahrhundert: das aufstiegsorientierte Bürgertum passt sich nach oben an (diesmal an den Geldadel) und macht nach unten dicht, statt sich zu solidarisieren und den egozentrischen Eliten einzuheizen. Daher fallen die Proteste so zaghaft aus, obwohl längst die OECD Deutschland nicht nur für die soziale Spaltung, sondern auch für die dürftigen Investitionen in die Zukunft unserer Kinder rügt. Wie schnell man, wenn man nur will, ein paar Milliarden locker macht, haben wir bei der Bayern-LB gesehen. Da nämlich hatten die schwarzen Eminenzen ein sehr lebhaftes Interesse an schneller Abhilfe…

Dieter Timmermann, der neue Präsident des Deutschen Studentenwerks, kommentierte die Lage jüngst so:

Wollte Deutschland in etwa den gleichen Anteil des Bruttoinlandsprodukts für die Finanzierung seines Hochschulsystems bereitstellen wie die skandinavischen Länder, müsste das Ausgabenniveau dauerhaft um mindestens 50 % steigen. Hinzu kommen die anstehenden Mehrausgaben für den Ausbau der Vorschulerziehung für die unter Dreijährigen und für den notwendigen flächendeckenden Ausbau der Halbtags- zu Ganztagsschulen. Außerdem hinkt Deutschland bei den Ausgaben für das lebenslange Lernen hinterher.

Wir brauchen ganz dringend einen echten Politikwechsel. Und am Thema Bildung werde ich 2012 dran bleiben.

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Festtagslaune

Gestern im Restaurant las ich den folgenden bemerkenswerten Aushang:

An den Feiertagen haben wir wie folgt geöffnet:

24./25./26.12. und 31.12./1.1. geschlossen

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Nicht der Standort, sondern die Richtung zählt

Die Sonne ging heute um 8:04 Uhr auf und wird um 16:15 Uhr wieder untergehen. Sie scheint heute (meist hinter der Wolkendecke) 8 Stunden und 11 Minuten, das sind nur noch drei weniger als das absolute (lokale) Minimum von 8:08 nächste Woche. Es sind die dunkelsten Tage des Jahres. Für viele ist es noch dunkel, wenn sie morgens das Haus verlassen und schon wieder dunkel, wenn sie zurückkommen.

Warum zähle ich die Zeiten hier so exakt auf? Weil es mich tröstet, dass die Wende in Sicht ist. Noch ist es lange dunkel und es bleibt auch noch eine ganze Weile bei kurzen Tagen und kalten Nächten. Aber ab nächster Woche kippt die Erdachse langsam wieder in die richtige Richtung. Und ich kann mich darauf freuen, dass es jeden Tag ein kleines bisschen heller wird.

Passend zur Jahreszeit haben auch unsere Gottesdienste sich (inspiriert von Brian McLarens neuem Buch) mit der Frage befasst, wie man im „Herbst des Glaubensgeistlich überleben und irgendwie auch reifen kann. Die Wochen von der Zeitumstellung Ende Oktober bis jetzt ungefähr fühlen sich mehr so an, als würde es in den Tunnel hineingehen. Nun allmählich macht die Röhre einen Bogen und das Licht am Ende erscheint wie ein kleiner Punkt in der Ferne. Den Sonnenaufgang nach der längsten Nacht feiere ich immer mit einem Freund draußen bei einem Feuerchen. Wir sprechen über das alte Jahr und beten zusammen, bevor wir durchgefroren frühstücken gehen, wenn die Zeit noch reicht.

Apropos Freunde: Es gibt im Herrn der Ringe eine Szene, wo sich am Tag der Wintersonnwende Sam und Frodo von ihrem neuen Freund Faramir verabschieden und nach Mordor ziehen. Unvermittelt fällt ein Sonnenstrahl auf das zerstörte Standbild eines alten Königs des Westens und Frodo sagt: „Sie können nicht auf ewig siegen“. Egal womit jeder von uns gerade zu kämpfen hat: Hoffnung bedeutet, dass wir uns eine bessere Welt noch vorstellen können, und uns von dieser Vorstellung anspornen lassen. Die wenigsten von uns müssen ja eine Hölle wie Mordor durchqueren. Aber auch andere Durststrecken können lang werden.

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Geht auf die Straße!

Es war eigentlich einen nette Geste vom Fahrer des grünen Sharan, der mir letzte Woche beim Rechtsabbiegen die Vorfahrt genommen hatte, dass er, als es schon geschehen war, noch über die Schulter auf den Radweg schaute und bremste, um nun, endgültig unverrückbar mitten im Weg, ein Weilchen innezuhalten. Ich winkte ihn ungeduldig weg und war dankbar, dass meine Bremsten trotz der Nässe funktioniert und meine Ahnung mich nicht getrogen hatte. Vor ein paar Wochen hatte ich dasselbe mit einem pissgelben Fiat Panda erlebt, damals stürzte ich (glimpflich, aber schmerzhaft) und der Fahrer fuhr einfach weiter, vermutlich hatte er gar nichts gemerkt.

Neulich wurde öffentlich über die Helmpflicht für Radler debattiert. Da gibt es gute Argumente. Viel zu wenig wird aber darüber diskutiert, wie Unfälle verhindert werden können, so dass Helm und Airbag gar nicht nötig sind. Ich gewöhne mir gerade an, möglichst immer auf der Fahrbahn zu radeln. Das fühlt sich zwar nicht so an, ist aber deutlich sicherer. Solche – leider ja alltäglichen – Szenen, wo ein abbiegender PKW einen Radfahrer auf dem parallel verlaufenden Radweg über den Haufen fährt, passieren viel seltener, wen sich beide die Fahrbahn teilen müssen.

Die Stadt Erlangen hat an vielen Stellen schon reagiert und die blauen Radwegschilder (auf den ohnehin oft viel zu schmalen, farblich geteilten Bürgersteigen) abmontiert. Man darf da noch radeln, kann aber auch die Straße benutzen. Wenn Spurrillen aus Schnee und Eis dazukommen, wird die Wechsel auf die Fahrbahn ohnehin oft unausweichlich. Das Problem ist nur, dass viele Autofahrer noch gar nicht wissen, dass die Regeln geändert wurden. Aber einen Radfahrer, der ihnen sichtbar im Weg ist, fahren sie nicht so leicht um wie einen, der unsichtbar auf dem Radweg daherkommt.

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Auf den „Bauch“ gehört

Neulich las ich einen Artikel, der die Rolle des Bauchgefühls oder der Intuition bei Entscheidungen beschrieb. Manchmal, hieß es dort, weiß unser Unterbewusstsein mehr als unser Verstand. Und wir tun dann auch gut daran, das zu beachten.

Vor längerer Zeit traf ich eine Person, die (und das passiert mir nicht so oft) unwillkürlich einen inneren Alarmzustand bei mir auslöste, ohne dass es irgendeinen äußeren Anlass dafür gegeben hätte. Es waren nur punktuelle Begegnungen in einer größeren Gruppe, aber ich war trotzdem ganz froh, dass wir keinen näheren Kontakt hatten. Ich hätte nicht sagen können, was genau das Gefühl auslöste, aber es war ziemlich ausgeprägt: Vorsicht, Machtmensch!

Inzwischen sind mir mehrere Leute begegnet, die von unschönen Auseinandersetzungen mit der/dem Betreffenden berichtet haben (NB: Ich bin sehr sicher, dass er/sie nicht zu den Lesern dieses Blogs gehört, also muss sich bitte, bitte auch niemand, der das liest, fragen, ob er selbst gemeint ist!!). Nun verstehe ich besser, was ich da empfunden hatte. Irgendeine Antenne hatte kleine, unterschwellige Signale aufgefangen – vielleicht Mimik, Ton oder Körpersprache – und mein Gefühl hatte darauf reagiert.

Freilich kann Intuition auch unscharf sein und ein emotionales Unwohlsein mehr über meine eigenen Ängste und Vorurteile aussagen als über den anderen. So oder so: Das mulmige Gefühl im Bauch lohnt einen zweiten, aufmerksamen Blick.

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Tag 3: Der „ewige Reis“

Zwei Tage mit je einer Schale Reis liegen hinter mir. Körperlich geht es mir gut, ich schlafe weniger mit dem relativ leeren Magen, aber gestern habe ich mich 15 km aufs Rad gesetzt und das ging ohne Probleme. Manchmal meine ich zu merken, dass ein Pölsterchen hier und da schwindet, was für mich erst mal nett wäre, weil ich ja nicht wie über 2 Milliarden andere Menschen damit rechnen muss, dass dieses Essen nun mein täglich Brot auf Jahre hinaus sein wird. Dann wäre nämlich jeder Substanzverlust beunruhigend.
Der andere Faktor ist die Monotonie. Unglaublich, wie viele verschiedene Sachen meine Familie in diesen beiden Tagen schon gefuttert hat! Wenn hier auch nur drei Tage dasselbe Essen auf den Tisch käme, gäbe es sehr lange Gesichter. Ich habe zur Abwechslung gegenüber dem Vortag ein paar Spritzer Sojasauce verwendet und mich bei dem Gedanken ertappt, ob nicht Jamie Oliver nicht mal ein peppiges Kochbuch mit tollen Ideen zu kleinen, einfachen Reisgerichten schreiben könnte. Aber im Ernst: Viele würden vielleicht sagen „ich kann den ewigen Reis nicht mehr sehen“, aber es gibt schlicht keine Alternative…
Die Beiträge auf der Website zu „Eine Schale Reis“ fielen anders aus, als ich das erwartet hatte. Ich hätte mir ein paar eher meditative Impulse gewünscht, die mein Erleben vertiefen und erschließen helfen. Stattdessen stehen da längere Aufsätze, die sicher ganz gut sind, aber meinem Hirn fehlt derzeit vielleicht doch auch der nötige Zucker, um die textlastigen Erläuterungen zu „verdauen“.
Spannend fand ich dagegen, dass gerade der Welthungerindex 2011 erschienen ist. Vor allem die Weltkarte, auf der man verfolgen kann, wo die Lage prekär ist, wo schlecht, und wo sie akzeptabel bis gut ist wie bei uns. Wer will, kann einfach mal reinklicken:

PS: Heute Abend muss ich für Gäste kochen, das gemeinsame Essen unterbricht dann das Experiment für einen Moment.
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