Transatlantischer Austausch

Gestern habe ich das Vergnügen, ein paar Takte mit Alan Roxburgh zu sprechen. Sein Buch Missional Leadership ist übrigens inzwischen auf Deutsch erschienen, ein weiteres folgt im März.

Wer in der Zwischenzeit Lust auf ein paar anregende Vorträge von Alan hat, kann die Referate von der IGW-Konferenz 2011 in Rotkreuz/CH als Podcasts hören – sie stehen hier im Netz und die gelungenen (fast hätte ich gesagt: roxfrechen) Visualisierungen von Cla Geiser gleich mit.

Ich jedenfalls möchte 2012 an dem Thema „Missionale Gemeinde“ dran bleiben. Neben guten Büchern brauchen wir Gesprächsforen (besser noch: Lern- und Reflexionsgruppen) und gut strukturierte, sinnvoll begleitete Veränderungsprozesse für Gemeinden und Verantwortliche. Das Interesse wächst, aber die eher punktuellen Angebote halten noch nicht mit.

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Denken ist Glaubenssache

Ich arbeite mich derzeit durch das ungemein interessante Buch The Master and His Emissary von Iain McGilchrist. Er geht den Grundlagen menschlichen Denkens, Erkennens und Verhaltens nach und verbindet Neurowissenschaften mit Kulturtheorie.

Denken beruht im Wesentlichen auf dem Sprachvermögen, und hier geht es neben Wortschatz und Grammatik auch um die Frage von metaphorischem Reden und Denken. Aller Erfahrung, sagt McGilchrist, ist Erfahrung von Differenz, und alles Wissen (da verweist er auf Gregory Bateson) beruht auf Unterscheidung. Bei Wissen und Wahrnehmung geht es also immer um Beziehungen zwischen Dingen, und vielleicht gilt dies für jegliche Form von Existenz, wie manche Aspekte der Quantenphysik nahelegen.

Jedes Ding ändert sich daher, wenn sich sein Kontext ändert. Wenn wir etwas betrachten, dann geschieht dies im Blick auf Ähnlichkeiten und Unterschiede zu anderen Dingen. Je nachdem, womit man etwas nun vergleicht, treten bestimmte Aspekte hervor und andere zurück. Das Modell, das unserer Auffassung zugrunde liegt, bestimmt, was uns auffällt. McGilchrist schreibt:

Wenn es der Fall ist, dass unser Verstehen eine Wirkung der Metaphern ist, die wir verwenden, dann gilt ebenso, dass es ihre Ursache ist: unser Verstehen bestimmt die Auswahl einer Metapher, anhand derer wir es verstehen. Die gewählte Metapher ist sowohl Ursache als auch Wirkung der Beziehung. Daher offenbart sich, wie wir über uns selbst und unser Verhältnis zur Welt denken, schon in den Metaphern, die wir unbewusst wählen, um darüber zu sprechen. Diese Entscheidung verfestigt unsere Teilansicht des Themas weiter. Paradoxerweise scheinen wir genötigt, etwas – einschließlich unserer Selbst – gut genug zu verstehen, um das angemessene Modell zu wählen, bevor wir es verstehen können. Unser erster Sprung bestimmt, wo wir landen.

Jedem Erkennen geht also ein mehr oder weniger geglückter intuitiver Sprung voraus, der sich nicht umgehen lässt. Als besonders fatal erweist sich dies im (Wissenschafts-)Positivismus, der in seinem Beharren auf „Tatsachen“ stets mechanistische Metaphern verwendet und auch gar keine anderen versteht. Freilich gibt es auch analoge Engführungen in der Theologie und anderen Wissenschaften. McGilchrist hält diese Verarmung für schwerwiegend.

Dieser Mangel macht übrigens einen guten Teil der Frustration aus, die man erlebt, wenn man zum Beispiel die spannende und unterhaltsame Diskussion in Gott – wo steckst Du? zwischen Harald Lesch, Manfred Spitzer und Gunkl verfolgt, wo letzterer immer wieder deutlich hinter dem Einfallsreichtum seiner Gesprächspartner zurückbleibt und sich auf Karikaturen und Polemik beschränken muss.

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Ein menschlicher Präsident, mit Fehlern und Schwächen, der nicht an Rücktritt denkt…

… der unbequem sein kann, Klartext redet und sich wann immer nötig auch unerschrocken mit der Medienmeute anlegt, der seiner Aufgabe mit Leidenschaft nachkommt, sich auch seiner Tränen nicht schämt, der im Stillen großzügig sein kann und ohne den hier definitiv etwas fehlen würde

… feiert heute seinen 60. Geburtstag.

Herzlichen Glückwunsch, Uli Hoeneß!

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Auf Abrahams Spuren

William Ury ist Anthropologe und Experte in Sachen Frieden und Versöhnung. In diesem TED-Video beschreibt er neben ein paar wichtigen Grundsätzen zur Konfliktbewältigung vor allem ein konkretes Projekt: The Abraham Path, eine Art Pilgerreise auf Abrahams Spuren, bei der sich Menschen verschiedener Ethnien und Religionen begegnen, Gastfreundschaft erfahren und Seite an Seite gehen.

Der syrische Teil der Route dürfte momentan nicht zugänglich sein, aber es bleiben ja noch viele andere Abschnitte auf der Route von Ur nach Be’er Sheva.

William Ury on TED from Ting Wu on Vimeo.

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Vorerst gescheiter

Passend zu den Themen dieses Tages las ich heute bei Miroslav Volf in Exclusion and Embrace:

„»Das habe ich getan«, sagt mein Gedächtnis. »Das kann ich nicht getan haben« – sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich – gibt das Gedächtnis nach.“ (Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, 4. Hauptstück, 68).

In der Frage nach der Wahrheit steht jedoch nicht nur unser Stolz auf dem Spiel, sondern unsere Macht. Indem wir uns die Vergangenheit in Erinnerung rufen, rangeln wir um eine Position. Je verbissener der Kampf, desto weniger werden wir bereit sein, irgendeine Aussage zu akzeptieren, die unsere Macht in Frage stellt.

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Saulus/Paulus

Zugegeben, das ist eben so eine Redeweise im Deutschen. Heute las ich sie in den Vorgaben zum Auftakt der Allianz-Gebetswoche, da lautete das so:

Ein Saulus wurde durch die Begegnung mit dem Auferstandenen zu einem Paulus, zu einer radikal veränderten und verwandelten Person.

Tatsächlich (und das weiß natürlich auch der Herausgeberkreis dieser Arbeitshilfe) ist Paulus zum neuen Anfangsbuchstaben nicht durch seine dramatische Bekehrung gekommen, sondern dadurch, dass seine Mission ihn weg aus dem hebräisch-aramäischen Sprachraum in die Welt der griechischen Oikumene führte.

Also muss man entweder sagen, dass der „neue Name“ nichts mit der Veränderung der Person zu tun hat (oder nur mittelbar). Nicht das Damaskuserlebnis, sondern die Aussendung aus Antiochia zur Mission (Apg 13,9) unter den „Heiden“ markiert die Wende. Pointiert gesagt: Nicht Gott macht den Saulus zum Paulus, sondern Lukas.

Man könnte aber auch darüber nachdenken, ob nicht eine „Bekehrung“ im Sinne eines (so wird der Begriff heute oft verwendet) Wechsels bestimmter religiöser Überzeugungen der entscheidende Wandel war, sondern ob das konkrete sich-in-Bewegung-setzen und die folgenreiche Begegnung mit der damaligen Weltkultur das eigentlich Interessante darstellt.

Anders gefragt: Wäre Paulus ein (gewiss christlich-frommer, aber unbeweglicher) Saulus geblieben, wo wären wir heute?

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Bildung neu denken

Sir Ken Robinson analysiert die (geschichtlich bedingten) Schwächen unserer Bildungssysteme und wirft einige sehr grundsätzliche und gute Fragen zum Thema Bildung auf. Antworten deutet er hier leider nur an, aber dennoch ist es sehr anregend, was er zu sagen hat.

Warum das Thema sich wichtig ist, zeigt aktuell auch dieses Interview aus Zeit Online über jugendliche „Bildungsverlierer“…

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Ein schwarzes Jahr für die Bildung

In den letzten Wochen hat mich das Thema Bildung schwer beschäftigt. Einerseits stand ich als Dozent vor der Aufgabe, eine Gruppe Studenten in Zürich in drei Tagen an die alte Kirche und das frühe Mittelalter heranzuführen: Was kann man da voraussetzen und erwarten, was nicht? Andererseits bekomme ich als Vater einer Studentin (an einer Uni, an der auf Jahre hinaus Chaos herrschen wird durch Doppelabitur und das gleichzeitige, ebenfalls von einem CSU-Mann eingeleitete, Ende der Wehrpflicht) und zweier Schüler der G8-Oberstufe (demnächst dann vielleicht an einer Uni, an der weiter der Doppelwahnsinn tobt) auch genug von der anderen Seite mit. Und über die Verhältnisse an den Grundschulen informiert mich meine Frau.

Am Ende des Jahres 2011 bin ich zu dem Schluss gekommen, dass konservative Bildungspolitik knallharte Klientelpolitik ist – für ein bürgerliches Milieu, das den sozialen Abstieg fürchten muss und sich nach unten abschotten möchte. Da die Unterschicht ohnehin nicht wählen geht, kann man sich das in Bayern leisten. Wollte man wirklich etwas anderes, dann hätte man längst mehr Lehrer eingestellt, die Klassen verkleinert, die Stellen für Sozialarbeiter und Schulpsychologen aufgestockt und deutlich mehr Hilfen und Förderprogramme installiert, damit auch Kinder, die von den Eltern nicht gefördert werden (können?), eine Chance haben.

Aber die sollen sie nicht bekommen, sondern irgendwie von Billigjobs und Hartz IV leben und „Unterschichtenfernsehen“ gucken. Es ist wie im 19. Jahrhundert: das aufstiegsorientierte Bürgertum passt sich nach oben an (diesmal an den Geldadel) und macht nach unten dicht, statt sich zu solidarisieren und den egozentrischen Eliten einzuheizen. Daher fallen die Proteste so zaghaft aus, obwohl längst die OECD Deutschland nicht nur für die soziale Spaltung, sondern auch für die dürftigen Investitionen in die Zukunft unserer Kinder rügt. Wie schnell man, wenn man nur will, ein paar Milliarden locker macht, haben wir bei der Bayern-LB gesehen. Da nämlich hatten die schwarzen Eminenzen ein sehr lebhaftes Interesse an schneller Abhilfe…

Dieter Timmermann, der neue Präsident des Deutschen Studentenwerks, kommentierte die Lage jüngst so:

Wollte Deutschland in etwa den gleichen Anteil des Bruttoinlandsprodukts für die Finanzierung seines Hochschulsystems bereitstellen wie die skandinavischen Länder, müsste das Ausgabenniveau dauerhaft um mindestens 50 % steigen. Hinzu kommen die anstehenden Mehrausgaben für den Ausbau der Vorschulerziehung für die unter Dreijährigen und für den notwendigen flächendeckenden Ausbau der Halbtags- zu Ganztagsschulen. Außerdem hinkt Deutschland bei den Ausgaben für das lebenslange Lernen hinterher.

Wir brauchen ganz dringend einen echten Politikwechsel. Und am Thema Bildung werde ich 2012 dran bleiben.

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Festtagslaune

Gestern im Restaurant las ich den folgenden bemerkenswerten Aushang:

An den Feiertagen haben wir wie folgt geöffnet:

24./25./26.12. und 31.12./1.1. geschlossen

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Verwirrter Engel

Da war er, wie alle Jahre, wieder: dieser unsägliche Spruch des Angelus Silesius, diesmal in einer Facebook-Statuszeile, „und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du wärst doch ewiglich verloren“. Gewiss gut gemeint, vielleicht ein etwas missglücktes Echo auf Johannes 1,12 im Jargon der Mystik, da redet man eben von der Geburt des Erlösers auf dem Grund der eigenen „Seele“. Was mich trotzdem daran stört?

Erstens die implizite Drohung der ewigen Verlorenheit – die fehlt in der Weihnachtsgeschichte komplett (und selbst die Liedzeile „Welt ging verloren“ meint noch etwas anderes als das). Der Engel spricht vom „ganzen Volk“, dem die Freude gilt, nicht nur denen, die sich das Ereignis in einem noch ausstehenden zweiten Schritt irgendwie aneignen oder eine mystische Erleuchtung erfahren.

Zweitens das Ausspielen äußerer (sozialer und geschichtlicher) Wirklichkeit, auf das die Texte der Weihnachtsgeschichten ja so großen Wert legen, gegen eine innere, die in einem Verhältnis von mehr als 1000:1 im Sinne der inneren Realität steht. Ist es denn wirklich völlig egal, was außen passiert ist, so lange das innen keine Entsprechung findet? Mag sein, dass so ein Satz den Zeitgenossen der schlesischen Engels noch etwas zu sagen hatte, heute in einem zunehmend narzisstischen und geschichtsvergessenen Umfeld, von dem Richard Sennett schon vor Jahren sagte, alles Äußere und Soziale werde ausgehöhlt und nur das zähle, was man als „relevant“ empfinde, ist es schwerlich noch sinnvoll, so zu reden. Warum soll ein Ereignis vor 2000 Jahren für mich heute irgendetwas bedeuten? In der Logik des Angelus Silesius lässt sich das jedenfalls kaum darstellen.

Drittens fehlt die Vorstellung von der „Herzensgeburt“ des Retters aus gutem Grund in den biblischen Schriften. Das Äußere, Geschichtliche und damit eben auch das Soziale – in dem Sinn, dass ich mir diese Botschaft nicht selbst sagen kann, sondern sie von einem, meist ja sogar mehreren Mitmenschen hören muss, und dass sie mich wiederum meinen Mitmenschen gegenüber verpflichtet – ist das Primäre, und eben nicht das Nachgeordnete: Wäre Christus tausendmal in meiner Seele geboren und nicht in Bethlehem, dann hätte das keinerlei Bedeutung für irgendwen auf diesem Planeten. Ich wäre allenfalls ein Freund gnostisch-eskapistischer Spekulationen. Und ich bräuchte niemand anderen außer mich selbst dafür!

Lesslie Newbigin hat all das an Silesius‘ in The Gospel in a Pluralist Society schon vor gut zwei Jahrzehnten kritisiert. Der „Pietist“ würde wie jeder Hindu „die lebendige Beziehung zu Gott“ (im Sinne einer gegenwärtigen, inneren Angelegenheit) als das Eigentliche betrachten und sie vom Geschichtlichen (bzw. dessen mühsamer Erörterung und Interpretation) abkoppeln. Man zieht die mystische Unmittelbarkeit Gott gegenüber der geschichtlichen Vermittlung vor – und gibt dabei den Bezug des Glaubens zur Welt der Geschichte, der Kulturen, der Politik und damit auch unseres konkreten Alltags insgeheim preis.

Ich finde, wer nächstes Weihnachten wieder Silesius zitiert, sollte 1.001 Euro ins Phrasenschwein zahlen oder – besser noch – Newbigins Buch auswendig lernen müssen.

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Wie sich „christliche“ Politik unglaubwürdig macht

Alexander Jungkunz hat heute in einem Kommentar der Nürnberger Nachrichten anlässlich des Anschlags in Nigeria auf das Problem der verfolgten Christen hingewiesen. In über 50 Staaten weltweit müssen Christen mit Unterdrückung und Gewalt rechnen. Aus ökonomischen Erwägungen fällt der politische Protest an dieser Stelle oft aus, schreibt Jungkunz und kritisiert dann vor allem die rigide Asylpolitik ausgerechnet der C-Parteien, die Glaubensflüchtlingen bei uns das Leben schwer bis unmöglich macht. Wenn man an den Zuständen anderswo schon nicht direkt etwas ändern kann, dann muss man wenigstens hier sein Möglichstes tun.

In die gleich Kerbe schlägt heute Diakoniepräsident Bammessel, der ebenfalls die Flüchtlingspolitik der schwarz(gelb)en Staatsregierung kritisiert, die zu unhaltbaren Zuständen führt. Die Stadt Erlangen passt so gesehen leider bestens ins düstere Bild, weil hier seit Jahren die ohnehin schon die harten Vorgaben des Landespolitik konsequent zu Ungunsten Betroffener ausgelegt werden. Das Thema wird im neuen Jahr den Stadtrat weiter beschäftigen. Für eine Kommune, die sich als „offen aus Tradition“ bezeichnet, ist das kein Glanzstück, zumal die Stadtverwaltung auf die Kritik der Verbände bislang sehr defensiv reagiert.

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Schicke Schichten

Die meisten haben ihre Geschenke inzwischen wohl ausgepackt, aber für das nächste Weihnachten gibt es Geschenkpapier, das man sich – zumal in der richtigen Stapelung – gern noch einen Augenblick anschaut, und das unter Sternchen, Zweiglein, Engelchen und Flöckchen mal etwas Abwechslung in den weihnachtlichen Papierkrieg bringt:

Gift Couture from Gift Couture on Vimeo.

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Alles von vorn?

Die Düsternis am Ende des Jahres hat Sybille Berg auf Spiegel Online ganz treffend eingefangen. Wo von Weihnachten nicht mehr übrig geblieben ist als Zimtgeruch, dann kann man sich dieser Stimmung wirklich nur schwer entziehen:

Das ist diese Festzeit, die Jahresendzeit, wo die Welt starr ist vor Angst, weil wieder alles vorbei ist, sich nichts geändert hat. So sitzen sie in ihren Wohnungen, die dunklen Höhlen gleichen, nach Nahrung riechen, nach Zimtzeug riechen, alles riecht wie eine schwere Wolke aus Mensch und Trägheit, weht nicht mal, steht in den Höhlen, und draußen ist alles tot. Draußen ist nichts, außer Stillstand und dem Warten, dass diese furchtbare Zeit vorübergehen möge, und alles von vorne beginnt.

Sie geht der Frage nach, ob eine neue Liebe das Leben verändern könnte. Und verneint sie. Hat der ganze Weihnachtsrummel das schon so verdeckt, dass sich tatsächlich eine neue Liebe finden ließe, die auch gar nicht in direkter Konkurrenz zum jetzigen Partner steht? Dass man tatsächlich von vorn anfangen kann, ohne am ebenso trüben Ende des nächsten Jahres, vom Stillstand erdrückt unbedingt wieder alles auf Null setzen zu wollen?

Ein Charakteristikum biblischen Glaubens ist, dass er sich vom „ewigen Rad“ der Geschichte gelöst hat und es tatsächlich wagt, Hoffnung auf eine bessere Welt und ein erfülltes Leben zu verbreiten. Hier ist noch einmal einer der alten Verheißungen (Jesaja 60,1-6) für die äußerlich dunkelsten Tage des Jahres. Frohe Weihnachten an alle, die es lesen!

Auf, werde licht denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir.

Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker,

doch über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz.

Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu dir.

Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter trägt man auf den Armen herbei.

Du wirst es sehen und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit.

Denn der Reichtum des Meeres strömt dir zu, die Schätze der Völker kommen zu dir.

Zahllose Kamele bedecken dein Land, Dromedare aus Midian und Efa.

Alle kommen von Saba, bringen Weihrauch und Gold und verkünden die ruhmreichen Taten des Herrn.

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Steuerfreier Gewinn

Die Welt (danke an Frank Heinze für den Tipp!) schreibt über evangelische Gemeinden, die ihre Pfarrer selbst finanzieren. Der Artikel stellt ein paar gelungene Beispiele vor und beleuchtet dann auch den kirchenpolitisch-institutionellen Hintergrund:

Er beschreibt das Zögern evangelischer Kirchenleitungen (doch etwas weit hergeholt dabei das Argument, man wolle keine besser dotierten Stellen aus Spendenmitteln – in der Regel sind die ja aus guten Grund bescheidener ausgestattet!) wie auch das bislang bestenfalls theoretische Abrücken der katholischen Kirche von der Kirchensteuer – auch wenn der Papst seine Bischöfe mit der Idee einer Angleichung an die übliche Praxis der Weltkirche neulich schon verschreckt hat.

Wichtig sind aber vor allem die Hinweise auf den größeren Nutzen und Sinn solcher Modelle:

  • Gemeinden kommen “aus der Defensive“ und setzen ein Zeichen nach innen wie nach außen, dass mit ihnen zu rechnen ist, statt sich in der „passiven Betrachtung des Niedergangs“ zu ergehen.
  • Gemeinden, die sich ihre Pfarrstellen etwas kosten lassen, werten damit den Berufsstand insgesamt auf, und das in einer Zeit schwindenden Nachwuchses (und so mancher überlasteter, ausgebrannter Amtsträger).

Freilich macht eine Pfarrstelle noch keine blühende Gemeinde, und auch der Pfarrer schafft das nicht allein. Wohl aber fördert die gemeinsame Anstrengung die oft nur mäßige Identifikation evangelischer Christen mit ihrer Gemeinde. Der emeritierte Berliner Superintendent Wolfgang Barthen bringt es auf den Punkt (und redet gewiss von mehr als nur Geld), wenn er sagt:

Es ist eine Form der Mission, wenn wir die Leute ermuntern können, dazu beizutragen, dass die Gemeinde attraktiv bleibt und attraktiver wird.

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