Hamburg-Impressionen

Es ist Jahre her, dass ich zuletzt in Hamburg war. Das nächste Mal muss ich mir ein paar Tage Zeit nehmen. Die paar Handy-Schnappschüsse lassen ahnen, warum:
Ein Blick von St. Nicolai Richtung Rathaus und Alster, ein Werbebanner an St. Petri (nein, nicht wegen dem Model: Pilgrim fand ich sehr passend, wenn man schon Werbeflächen an der Kirche bzw. dem Baugerüst vermietet), und ein Foto vom Hafen, rechts am Rand die Landungsbrücken.

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Echte Romantik

Gestern hatte ich einen Termin bei BibelTV in Hamburg und auf dem Rückweg noch genug Zeit, die Kunsthalle zu besuchen, wo zurzeit unter dem postmodern formulierten Motto “die Erfindung der Romantik” Caspar David Friedrich ausgestellt wird.

Der Mann ist ein Meister des Zwielichts. Wenn man seine Werke so geballt sieht, fällt das erst richtig auf. Bei einer Skizze waren sich die Fachleute nicht sicher, ob es ein Sonnenunter- oder ein Mondaufgang sein sollte. Das sagt eigentlich alles. Irgendwo sind dann ein oder zwei Menschlein eingestreut, die dem Betrachter den Rücken kehren und selbst stumm die Szene betrachten, die Friedrich vor ihnen entfaltet. Und ab und zu trägt diese Stille sehr melancholische Züge. Religiöse Themen greift er indirekt auf: Er malt keine Kreuzigung, aber ein Kruzifix in den Bergen, hinter dem die Sonne aufgeht und unter dessen Sockel eine Quelle entspringt.

Ich fand nicht alles überragend, was da ausgestellt war. Aber es ging nicht spurlos an mir vorüber und ich habe wieder gemerkt, dass ich im Herzen ein Romantiker bin, wie Martina mir immer wieder mit einem hintergründigen Lächeln bestätigt. Meine persönliche Entdeckung bei diesem Besuch war übrigens der “Ostermorgen”:
 Kunst Caspar David Friedrich Ostermorgen

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anschaulich predigen

Unvergessliche Hilfen zur Veranschaulichung der christlichen Botschaft bietet der US-Hersteller pick-me.com in seinem Sortiment: Eine Bibel, aus der auf Kommando Flammen schlagen oder ein wabbelndes “Herz” bzw “Hirn” aus Gelatine (vgl. Bild). Es ist sogar essbar…

Den Stunt wird keiner vergessen. Ob sich aber noch jemand an die eigentliche Botschaft erinnert, bleibt abzuwarten. Am Ende geht es den Hörern (dann schon eher “Publikum”) so wie mir nach mancher Werbung: Toller Clip, aber was wollten die damit eigentlich verkaufen?

Und über Geschmack konnte man schon immer streiten – das heißt, hier muss man das sogar.

 Images Brainhrt

(Gefunden bei ysmarko)

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Komm zu Potte(r)

Ich fresse mich, um mit dem Rest der Familie mitreden zu können, seit geraumer Zeit durch Harry Potter and the Half Blood Prince. Inzwischen habe ich drei Viertel der gut 600 Seiten durch und der Funke ist noch immer nicht übergesprungen.

Schon den fünften Band fand ich zäh und viel zu dick. Zu wenig Handlung und zu viel Nebenschauplätze. Damals hatte ich gehofft, das sei nötig, um der Geschichte im weiteren Verlauf Schwung zu geben. Bis jetzt scheint es so, als ob Joanne Rowling nichts mehr zuzusetzen hatte. Schade, aber vielleicht kommt ja doch noch eine Entschädigung auf den letzten Seiten.

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Heftige Nachwuchssorgen bei den US-Evangelikalen

Vielleicht lässt sich so besser verstehen, mit welcher Vehemenz die Debatte über emerging church in den USA geführt wird. Es steht eine Menge auf dem Spiel, weil den Evangelikalen offenbar der Nachwuchs ausgeht, wie der Kosmoblog der Zeit schreibt. Der Traditionsabbruch erreicht auch sie, es drohen “europäische Verhältnisse”:

Schätzungen gehen davon aus, dass bei Fortsetzung der gegenwärtigen Trends nur vier Prozent der derzeitigen Teenager als Erwachsen “Bibel-gläubige Christen” sein werden, im Vergleich zu 35 Prozent in der Generation der Baby-Boomer und zu 65 Prozent in der Generation des Zweiten Weltkriegs.

Und es ist ja tatsächlich die Frage, ob die emerging church noch “richtig” evangelikal ist. Oder anders herum, ob man Evangelikale in der heutigen Form in Zukunft so noch braucht. Und bevor sich jetzt jemand zu früh freut, man kann die gleiche Frage auch auf andere “Geschmacksrichtungen” des organisierten Christentums anwenden. Wenn aber alle von einander lernen, ohne dabei uniformiert zu werden, könnte so ein “Remix” ja spannend werden.

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UnGlücksspieler

Deutschland im Jackpotfieber. Ein Irrsinn, wenn man sich vor Augen hält, wie oft Lottogewinner an ihrem vermeintlichen Glück zerbrechen. Heute las ich eine beeindruckende Zusammenstellung solcher Schicksale. Die Frau eines Rekordgewinners in den USA sagt heute, sie hätte den Schein damals zerreißen sollen. Viele Lottomillionäre leben nach einiger Zeit von Sozialhilfe. Alles nur bedauerliche Einzelfälle, schwache Charaktere, unfähige Berater?

Warum wird nicht mehr über die hässliche Seite der Spielerei geschrieben und gesprochen? Erstens weil viele, einschließlich Staat und Fernsehen, gut daran verdienen. Aber Lesslie Newbigin hat völlig Recht, wenn er Geld unter die “Mächte” rechnet, die wir normalerweise ignorieren oder völlig unterschätzen. Das ist nicht nur ein materielles, sondern auch ein spirituelles Problem. Sie versprechen scheinbar Glück und sorgenfreies Leben und bringen nur allzu oft (aber eben auch nicht zwangsläufig…) das exakte Gegenteil. Mit solchen Summen werden Kräfte entfesselt, die auch gefestigte Charaktere (in letzter Zeit frage ich mich immer mehr, was genau das eigentlich ist) ins Schleudern bringen.
Was würde ich mit 35 MIllionen Euro machen? Täte es mir gut, wenn ich meinen Lebensunterhalt nicht mehr selbst verdienen müsste? Was würde aus meinen Kindern, wenn wir uns plötzlich (fast) alles leisten könnten? Was würde aus meinem Freundeskreis, wenn ich nicht mehr sicher sagen könnte, ob Leute in Wahrheit mehr an meinem Geld interessiert sind als an mir als Person? Würde ich alte Freunde verlieren, weil ich plötzlich vom Lebensstandard her in einer anderen “Liga” spiele? Kann man einen solchen Gewinn geheim halten? Was wäre in meiner Bank los, wenn so eine Summe auf mein Konto einginge? Könnten die Mitarbeiter sich das Tuscheln verkneifen oder würde jemand RTL einen anonymen Tipp geben? Was ist mit der Angst vor Räubern und Erpressern, wie gut würde ich noch schlafen? Manchmal ist es wohl besser, gar nicht in die Nähe von so viel Geld zu kommen. Der Sog kann vernichtend sein. Ich habe nicht getippt – und damit schon gewonnen.

P.S.: Warum heißt es eigentlich Glückspilz und Unglücksrabe?

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Fünf Jahre…

Am letzten Sonntag haben wir 5 Jahre LebensArt gefeiert. Wir hatten Ende 2000 knapp 300 Leute interviewt, wie Kirche denn aussehen müsste, damit es für sie wieder interessant wird. Viele sind dann 2001 zur “Kirche in der Kneipe” gekommen, und wir mussten das Unicum in Erlangen am ersten Sonntagabend im Monat erst zweimal nutzen und schließlich auswandern, weil es zu klein war.

 Images Flyer 2006-10

Aber das ist nur die äußere Sache. Innerlich hat sich nicht nur bei den Gästen, sondern auch beim Team und vor allem bei mir selbst viel verändert. Themen kreativ aufzuarbeiten und sich dabei immer zu fragen, welchen Zugang Menschen brauchen, die nicht fromm sozialisiert sind, hat mir mächtig geholfen, Dinge mit anderen Augen zu sehen und vieles zu entdecken, was mir bis dahin nicht aufgefallen war. Insofern geht der Lernprozess keineswegs nur in eine Richtung. Mein Glauben ist gewachsen und hat sich verändert. Die Lektionen werde ich demnächst in einem extra Post zusammenstellen.
Wir haben auch ein paar Gäste über die letzten Jahre interviewt, und die Antworten findet Ihr hier. Nichts von dem wäre möglich gewesen ohne ein tolles Team, das sich trotz gelegentlicher personeller Engpässe immer ein Bein ausgerissen hat: Ideen zusammengetragen, Dekorationen und Installationen, schräge Videoclips, Spiele und Theaterszenen (die haben wir revue passieren lassen und uns selbst dabei noch einmal königlich amüsiert). Dazu unsere Band und die Helfer an der Theke, die wir nun in Eigenregie betreiben. Ich freue mich schon auf die nächsten Jahre.

Alle Flyer der letzten Jahre, in sich eine ganze Kunstgalerie und längst schon Kult- und Sammelobjekte, gibt es übrigens auf einem Poster. Wer möchte, kann im ELIA-Büro eines erstehen.

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Erster Podcast…

Auf Quer Gedacht habe ich mit Hilfe von Garage Band – endlich mal – den ersten Podcast angebracht, aus unserem Gottesdienst vom 24.09.

Wer Lust hat, kann mal rüberklicken. Es ist nur ein Anfang, wir werden da hoffentlich noch besser. Aber immerhin…

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Newbigin (16): Menschen, Mächte und Gewalten

Der Kontrast könnte nicht größer sein: Eben “flatterte” Rick Warrens (ziemlich plumpe – ich kann es leider nicht anders sagen) Abhandlung über “Spiritual Warfare” in meine Mailbox herein. Sie steckt voller Dualismen (Gedanken kommen entweder von Gott oder vom Teufel, es geht um den “Dienst” statt um das ganze Leben, …). Zudem dreht sich alles um das christliche Individuum (zur Einleitung wird auf das warnende Beispiel “gefallener” Leiter abgehoben) und dessen Überleben bzw. Wirksamkeit, statt um gesellschaftlichen und kulturellen Wandel. Newbigin dagegen setzt, wie schon in früheren Kapitel, gerade nicht beim Individuum an, sondern bei überindividuellen Kräften, die ambivalent – also weder einfach mit Gott noch mit dem Teufel zu identifizieren – sind, die uns aber gleichwohl kräftig und oft unbemerkt beeinflussen.

In der isolierten Betrachtung des einzelnen und in der Privatisierung ethischen Denkens drückt sich unser moderner Dualismus aus. Dabei ist menschliches Verhalten erwiesenermaßen hochgradig abhängig vom sozialen Kontext. Die Frage nach dem richtigen Verhalten stellt uns also vor die Frage, zu was für einer Gesellschaft wir gehören wollen. Folglich finden sich schon in der alttestamentlichen Torah Anweisungen für einzelne und Regelungen für das gesamte Volk. Der überindividuelle Aspekt findet sich im Neuen Testament wieder – als “Mächte und Gewalten”, auf die Paulus immer wieder zu sprechen kommt.

Er denkt dabei nicht an körperlose und prinzipiell böse Geistwesen, die durch die Lüfte rasen. Zugleich sind auch nicht einfach nur konkrete weltliche Machthaber gemeint, vielmehr auch die Institutionen, Strukturen und Bewegungen, die sie repräsentieren und verkörpern (etwa der Kaiser das Kaisertum, oder in der Apokalypse die “Engel” der angeschriebenen Gemeinden).

Wir alle wissen, dass alteingesessene Institutionen etwas haben, eine Innerlichkeit, die man den Angehörigen dieser Institution jederzeit anmerkt, die diese aber überdauert und transzendiert. Dieses “etwas” kann gut- oder böswillig sein. Eine gute Schule hat einen Geist, ein Ethos, der den Charakter der Schüler prägt. Er war da, bevor die Schüler kamen und ist noch da, wenn alle jetzigen Schüler gegangen sind. Ähnlich hat eine Nation etwas, das mehr ist als die Summe der Haltungen ihrer Bürger. Ein Mob kann etwas Böses verkörpern, so böse, dass es die einzelnen, aus denen er sich zusammensetzt, sich nie gewünscht hatten.

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Newbigin (15) Das Evangelium und die Kulturen

Nur indem wir treue Teilnehmer einer supranationalen, multikulturellen Familie von Kirchen sind, finden wir die Mittel, um unsere Kulturen treu zu erhalten und zu pflegen und ihnen zugleich treue Kritiker zu sein. (S. 197)

Religiöser und kultureller Pluralismus sind verschiedene Dinge, auch wenn sie gelegentlich verwechselt werden. Gunrdsätzlich können Religionen aber multikulturell sein. Das beginnt mit der Sprache. Im Unterschied zum Islam, der darauf besteht, dass der Koran offiziell auf Arabisch zu lesen ist, steht an der Wiege des Christentums das Sprachwunder von Pfingsten – mit weit reichenden theologischen Implikationen.

Doch das Bekenntnis zur kulturellen Pluralität führt sofort zu der Frage, ob alle Elemente einer Kultur damit gut geheißen werden, etwa das Kastensystem in Indien oder Polygamie in Afrika. Oft war die Kritik der Missionare an diesen Strukturen mehr in der europäisch-individualistischen Kultur begründet als im Evangelium. Das bedeutet andererseits nicht, dass keine Veränderung nötig wäre.

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Kaminer und der Qualm

Gestern abend las Wladimir Kaminer im E-Werk. Er schreibt gerade ein neues Buch über seine Erfahrungen in einer Berliner Schrebergartenkolonie. Die großen und kleinen Absurditäten des Lebens spießt er treffsicher auf, und wenn er selbst liest, klingt es einfach noch so viel besser als ohne den Akzent. Eine gute Art, den Tag der Deutschen Einheit zu begehen, wenn man so verschmitzt den Spiegel vorgehalten bekommt.

Einziger Minuspunkt war der Qualm im Saal. Wann gibt es im öko- und gesundheitsbewussten Deutschland endlich ein Rauchverbot wie in anderen Ländern? In Italien zeichnet sich schon ab, dass es weniger Herzinfarkte gibt. Dort und in Neuseeland stieg die Zustimmung nach der Einführung des Verbots übrigens noch kräftig an.

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Wunder gesucht

Die Redaktion der SZ sucht bei ihren Lesern nach wundersamen Erlebnissen. Inzwischen glauben (laut Allensbach-Umfrage) 56% unserer Landsleute, dass es Wunder gibt, nur 30% halten es für Zufall. Damit hat sich die Quote seit 2000 verdoppelt.

Was man als Wunder versteht, darf und muss man selbst bestimmen. Ich hoffe, es kommen auch viele Zuschriften von Christen, aber nur wenig fromme Platitüden. Eigentlich sollten wir im Erzählen wie im kritischen Nachdenken über Wunder einen kleinen Vorsprung haben.

Mir fällt sofort ein, dass einer unserer Jungs mit drei Jahren mal aus dem ersten Stock gefallen ist, direkt vor die Füße meiner Schwiegermutter, auf den Rasen. Er hat die Kellertreppe (und damit schwere Verletzungen) nur knapp verfehlt und nicht einmal einen Kratzer oder Prellungen gehabt. Irgendein Schutzengel hatte einen unsichtbaren Airbag unter ihm gezündet. O-Ton des Kleinen, als er aufgehoben wurde: “Oma, ich bin aus dem Fenster gefallen…”

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Newbigin (14): Das Evangelium und die Religionen

Newbigin legt in diesem Kapitel für mein Empfinden einen Zahn zu. Vermutlich, weil er sich nicht mehr primär mit Positionen anderer befasst, sondern seine eigene entfaltet. Für alle, die die letzten Kapitel etwas zäh fanden: es wird spannender.

Wer die Einzigartigkeit des christlichen Glaubens nicht aufgibt, muss seine Haltung gegenüber anderen Religionen bestimmen. Man kann zwischen historischen Religionen und anderen unterscheiden, oder mit Harold Turner sagen, dass man die Welt entweder nach dem Modell des Atoms (westlich-naturwissenschaftlich, materialistisch und individualistisch), des Ozeans (östlich: die Seele und das All sind identisch) oder der Beziehung (jüdisch-christlich, aber auch animistisch) verstehen kann. Religion ist also ein vielschichtiger Begriff, um so mehr, als sie in der Regel eng mit dem alltäglichen Leben von Menschen verflochten ist und sich nicht in einer besonderen Sphäre abspielt.

Eine exklusivistische Position (wer sich nicht zu Jesus als Retter bekennt ist in Ewigkeit verloren) führt dazu, dass man ständig darüber befinden muss, wer nun “drinnen” ist und wer nicht.

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Umfrage: Sollten Christen die Lokalzeitung lesen?

Manchmal ist der erste Schritt zu gesellschaftlichen Engagement der, dass man sich informiert. Christen sind da sehr unterschiedlich, vor allem, wenn es um die eigene Stadt geht. Während man in anderen Bereichen über Radio und Fernsehen Nachrichten bequem und mundgerecht geliefert bekommt, erfordert das Lokale in der Regel etwas mehr Einsatz.

Erstens muss man lesen statt hören und gucken. Zweitens bekommt man viel Nebensächliches geliefert (Kreisliga-Fußball, die sprichwörtlichen Kaninchenzüchtervereine…). Eine andere Kröte, die man dabei oft schluckt, ist schließlich die Tatsache, dass viele Lokalblätter nicht so ganz das literarische Niveau von Zeit oder SZ erreichen.

Ich bin gespannt, was Ihr dazu denkt. Hier kommt die Umfrage:

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