Was lange währt: Neulich musste ich unversehens die geplante Berlin-Reise abblasen. Morgen ist es nun so weit, wenn auch kürzer. Aber trotzdem immer schön 🙂
Der Feind als Weg zu Gott?
Ich bin beim nächsten Kapitel von New Monasticism angekommen und es geht um Frieden in einer gewalttätigen Welt. Für uns ganz aktuell – 100m entfernt wurde vor kurzem eine junge Mutter ermordet. Vorgestern hat die Polizei auf der Suche nach Beweismitteln die ganze Siedlung durchkämmt, ohne Erfolg, wie es heißt. Viele waren bestürzt, dass das alles plötzlich so nah war. Andere haben immer noch Angst. Der Friede ist gestört.
Aber zurück zum Buch:
Der Epheserbrief sagt nicht nur, dass Frieden mit unseren Feinden möglich ist. Er sagt, der Friede mit unseren Feinden ist der einzige Weg zum Frieden mit Gott. Glaubt mir, ich habe versucht, das anders zu lesen. Ich habe es im Griechischen betrachtet und alle hermeneutischen Klimmzüge gemacht, die mir einfielen. Ich wollte, dass der Epheserbrief etwas anderes sagt, aber ich fürchte er sagt nur dies. (…) Es gibt keine persönliche Beziehung zu Jesus ohne persönliche Beziehung zu deinen Feinden.
Familiensinn
Ich hatte ja versprochen, das eine oder andere Highlight aus New Monasticism zum besten zu geben. Gestern ging mir dieser Satz aus dem Kapitel „Tägliches Brot und vergebene Schulden“ noch lange nach:
Wenn wir in der Kirche wirklich zusammen Gottes Familie sind, dann wirkt sich die Entscheidung eines Paares, ein Ferienhaus zu kaufen, auf ihre Beziehung zu der alleinerziehenden Mutter in der Gemeinde aus, die in zwei Jobs arbeitet, um die Miete zu bezahlen und Essen auf den Tisch zu stellen. Es ist schwer vorstellbar, wie sie eine ehrliche Beziehung zu einander haben können, selbst wenn sie zu derselben Gemeinde gehören.
Tag eins nach LebensArt
Es war ein schöner Abschied gestern abend und ganz am Ende waren fast alle auch ein bißchen gerührt. Sieben Jahre lang galt „nach dem LebensArt ist vor dem LebensArt“: Themen mussten gefunden und festgelegt werden, Termine vereinbart, Flyer konzipiert und gedruckt, die Website aktualisiert, der Newsletter und die Presseinfo geschrieben und versandt.
Über 70 mal habe ich auf den ersten Sonntag des Monats hingefiebert, Bücher gelesen, im Internet recherchiert; wir haben Passanten interviewt, Theaterstücke gesucht und adaptiert oder gleich selbst geschrieben, Deko-Ideen gewälzt. Letzte Woche hat mich jemand gefragt, ob wir das ganze Material nicht irgendwie archivieren und zugänglich machen können. Ich weiß noch nicht, es ist eine Menge Arbeit. Erst mal feiern wir mit allen Mitwirkenden. Dann wird aufgeräumt.
Heute ahne ich, dass sich hier ein Stück Lebensrhythmus verändert. Wird interessant, wie sich das in ein paar Wochen anfühlt…
Sehnsucht
Und jetzt schwieg Legolas, während die anderen redeten, und er blickte hinaus gegen die Sonne, und als er schaute, sah er weiße Seevögel den Fluss herauffliegen.
»Schaut!« rief er. »Möwen! Sie fliegen land einwärts. Ein Wunder sind sie für mich und eine Beunruhigung für mein Herz. Nie in meinem ganzen Leben habe ich welche gesehen, bis wir nach Pelargir kamen, und dort hörte ich sie in der Luft kreischen, als wir zum Kampf um die Schiffe ritten. Da blieb ich stehen und vergaß den Krieg in Mittelerde; denn ihre klingenden Stimmen sprachen zu mir vom Meer. Das Meer! Ach, ich habe es noch nicht erblickt. Doch tief im Herzen unserer ganzen Sippe liegt die Meeressehnsucht, an die zu rühren gefährlich ist. Ach diese Unglücksmöwen! Keinen Frieden werde ich wiederfinden unter Buche oder Ulme.«
Gedanke für den Tag
Gemischte Gefühle
Der Springer-Verlag steigt komplett auf Macs um und wird größter Apple-Kunde nach Google. Hätte es nicht die Zeit, der Spiegel oder die SZ sein können? Darf man Macs benutzen, um damit die Bildzeitung zu machen? Gibt es von nun an auch eine dunkle Seite der Macs?
Strategen unter sich
Großbritannien hat zwei neue Flugzeugträger in Auftrag gegeben. Wer nun nach den Hintergründen fragt, ist hier an der richtigen Adresse. Britischer Humor vom Feinsten:
Schönes Schlagwort
In einem Vortrag von N.T. Wright bin ich auf den Begriff „collaborative eschatology“ gestoßen, den Wright von Dominic Crossan übernommen hat. Die Vorstellung gefällt mir gut, weil sie es erleichtert, Gottes und unser Handeln zusammenzudenken und keine falschen Alternativen aufzumachen: Weder fauler Fatalismus („wir können ja doch nichts ändern“) noch atemloser Aktionismus („alles liegt an uns“) sind angesagt. Wir müssen nicht alles tun, aber manches können wir. Die Zukunft ist in der Gegenwart schon angebrochen, die neue Welt mitten in der alten schon da. Also gibt es auch eine gewisse Kontinuität zwischen Gegenwart und Zukunft – eine schöne und motivierende Vorstellung…
Verheißungsvolles Wetter
Spruch des Tages
Ein Schuss frische Luft
Angesichts der momentanen Temperaturen schlafe ich relativ spät ein und war folglich zum Nachdenken und Abschalten noch eine Weile auf dem Bergrücken bei Kalchreuth spazieren, in der Hoffnung, dort einen lauen Windhauch abzubekommen. Als ich kurz vor Mitternacht den Weg langsam zurück lief, hörte ich ein paar Meter über mir ein merkwürdig flatterndes Zischen in der Luft, etwa so, als würde ein Lenkdrachen eine scharfe Kurve fliegen.
Nur war da kein Drachen, es war fast windstill und wolkenlos (also definitiv kein Gewitterphänomen). Weit und breit war niemand zu sehen, einen halben Kilometer entfernt saßen ein paar Hiphopper in ihrem Cabrio, ließen die Basskanone brummen und guckten nach Nürnberg hinunter. Die einzigen Vögel um diese Uhrzeit sind Eulen, aber die fliegen bekanntlich lautlos dahin.
Ein Feuerwerkskörper dürfte aus auch nicht gewesen sein. Bliebe als Erklärung (ich habe mich dann schnell entfernt) noch eine Kugel, die irgendwer in größerer Entfernung und vermutlich auch nicht gezielt abgefeuert hatte, vielleicht mit Schalldämpfer. Einen Schuss hatte ich nicht gehört.
Oder hat jemand eine bessere Erklärung?
Abgrenzungen
Letzte Woche bin ich (sinngemäß zumindest) gefragt worden, warum bei Emergent in den USA Leute wie Rob Bell oder Mark Driscoll hinaus gedrängt wurden. Nun treffe ich überall nur auf größte Hochachtung vor Rob Bell und nehme da keinerlei getrübte Beziehungen wahr. Doug Pagitt hat neulich dort gepredigt, Brian McLaren kommt angeblich bald, Steve Chalke war eben da.
Im zweiten Fall liegt die Sache anders, aber seit ich kürzlich diesen Post auf inhabitatio dei gelesen habe, frage ich mich, ob nicht auch für Anhänger einer weitherzigen Orthodoxie da mittlerweile theologische Welten dazwischen liegen, also nicht nur ein paar Stilfragen…



