Wolken
türmen sich
Grauschwarz
verdrängt weißblau
Blitze
zucken hin und her
Donner
hallt von den Wänden
Windstöße
biegen die Bäume
Ein Tropfen fällt
ein zweiter
und ein dritter
Stille
Sonne
Himmel
weißblau
Hier habe ich eben die folgende Information über einen „gläubigen“ Politiker gefunden:
Der 63-Jährige hat inzwischen in seiner Belgrader Gefängniszelle vom serbisch-orthodoxen Bischof Amfilohije die heilige Kommunion erhalten. Karadzic habe gebeichtet und dem Bischof versichert, dass er schon 30 Jahre lang sein persönliches und professionelles Leben nach den „Geboten von Jesus Christus“ führe, gab die serbische Kirche am Samstag bekannt.
Das stellt so ziemlich jede böswillige Karikatur fieser Frommer in den Schatten, oder?
… und es findet wieder bei uns statt! Diesmal mit noch mehr Austausch und weniger eingeflogenen Zugpferden.
Die Details werden in den nächsten Wochen veröffentlicht – einfach hier klicken.

Obama auf allen Titelseiten und Deutschland zwischen Wogen der Sympathie und dem Eisregen der Skepsis. Der Verdacht der Verführung gehört zur Rolle des Messias untrennbar dazu, ebenso wie die unausrottbare Hoffnung der meisten Menschen auf eine bessere Welt.
Dieses Video auf Zeit Online fand ich in seiner freundlichen Nüchternheit eine sehr willkommene Abwechslung: Die Begeisterung für Obama zeigt, dass die Kritik an Bush nicht das war, als was seine Anhänger und die Vertreter des arroganten Amerika sie immer einstufen wollten: Antiamerikanismus.
Und natürlich lohnt sich auch ein Blick zu Haso, der live dabei war, und auch freundlich-nüchtern berichtet von der gestrigen Rede.
Weder freundlich noch nüchtern dagegen: Martin Walser redet nach der historischen Schuld des Nationalsozialismus nun auch noch die Korruptionsexzesse der Wirtschaftseliten schön und findet die Kritik an den Verantwortlichen bzw. ihre Strafverfolgung „Deutsch bis in Mark“. Die FAZ hat dazu das passende Walser-Zitat gefunden: „Im Alter nimmt Verschiedenes ab. Auch die Kraft, moralisch zu sein. Oder sich so zu geben.„
Wenn es eine Hölle im klassischen Sinn gibt, dann sieht sie vielleicht aus wie das Untersuchungsgefängnis für Kriegsverbrecher in Den Haag, in das Radovan Karadzic demnächst eingeliefert wird. Es sitzen da noch einige andere ein wegen kalt lächelnd begangener „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.
Sie dagegen werden sagen, sie haben sich nicht das Geringste vorzuwerfen. Und wiederholen dort in alle Ewigkeit ihr Mantra, dass sie stolz sind auf das, was sie getan haben, weil es das einzig Richtige war, und dass alle Vorwürfe nur Lügen und Intrigen sind. Sie werden wie damals Milosevic sagen, dass das Gericht nicht für sie zuständig ist und dass in Wahrheit andere schuld sind an den Gräueln.
Vielleicht wird es auch einige geben, die Einsicht zeigen und gestehen. Und vielleicht gibt es dann auch noch eine späte Gnade, wer weiß. So oder so bleibt es eine schaurige Vorstellung.
Das Epo der dritten Generation war vom Hersteller mit einem geheimen Molekül getürkt, so dass der Nachweis im Blut der Radprofis gelingen konnte. Ganz neu ist die Idee nicht – die Nachricht hat mich sehr an Asterix bei den Olympischen Spielen erinnert.
Trotzdem – ein kluger Schachzug der WADA. Im Blick auf Olympia werden schon einige Doper jetzt anfangen zu zittern und sich fragen, wie sie die Moleküle wieder loswerden. 🙂
Jason Clark hat unter dem Titel „Hands down, we’re British“ ein paar lesenswerte Gedanken zum Abklingen charismatischer Praxis, die wohl nicht nur die Situation auf der Insel beschreiben. Im Anschluss an eine Umfrage der Zeitschrift „Christianity“ lässt sich Folgendes sagen:
Jason sieht darin eine Gegenreaktion auf die Machtspiele charismatischer Leiter und Gruppen und eine Bewegung hin zu einem breiteren und gesünderen Verständnis des Geistes. Das Charismatische muss auch in der emerging culture erneuert und darf nicht aufgegeben werden. Er markiert aber ein paar kritische Punkte:
Gott wird in der Moderne vom Subjekt allen Lebens zum Objekt menschlicher Betrachtung und zum Unterstützer menschlicher Selbstverwirklichung (autopoiesis). Oder, mal ohne Fremdwörter, vom Herrn zum Helfer. Charismatische Erfahrung konnte sich also um meine Erlebnisse drehen und das Leben, das ich mir wünsche. Anbetung wurde zu einem privaten ästhetischen Erleben. Dies führte zu einem therapeutischen Schwerpunkt vieler Gemeinden, der sich dann in einen Rückzug aus der Öffentlichkeit ins Private äußert, wo man (etwa in der post-church-Bewegung) die Bedingungen des eigenen geistlichen Lebens frei bestimmen kann.
Anders gesagt: Bestimmte Akzente (etwa die ziemlich ungebremste Subjektivität dieses Frömmigkeitstypus) waren und sind sehr anfällig für den Zeitgeist der Konsumgesellschaft, der die soziale und öffentliche Dimension des Glaubens unterhöhlt. Wenn man an Pfingsten und die Apostelgeschichte denkt, dann kann gerade das Wirken des Geistes auch in eine ganz andere Richtung führen. Wir müssten nur verstehen, was die Christen damals anders gemacht haben…
Ich habe Thomas Mertons Autobiografie „Der Berg der sieben Stufen“ seit ein paar Tagen in der Mache. Ich hatte mich darauf gefreut, weil ich mir einen Hintergrund zu seinen anderen Schriften wünschte. Nun stelle ich bei der Hälfte ungefähr fest, dass es gar keine leichte Lektüre ist.
Merton hat das Buch im für Memoiren doch recht zarten Alter von 33 Jahren geschrieben und man spürt auf jeder Seite, dass es keine Lebens- sondern eine astreine Bekehrungsgeschichte ist. Vom Kommunisten zum Gläubigen, vom Wischi-Waschi-Protestanten zum (hundertfünfzigprozentigen?) Katholiken, vom narzisstischen Einzelgänger zum Mönch. Und das alles eingebettet in die Zeit zweier Weltkriege, dem frühen Tod beider Eltern und schließlich der Großeltern. Kein Wunder, dass es etwas extrem ausfällt.
Was das Lesen mühsam macht (ich hoffe, es wird noch anders) ist die Eigenart des Autors, mit seinem Urteil über bestimmte Situationen, Denkweisen und Zustände nicht hinter dem Berg zu halten. Alles wird bewertet, und wie es sich bei Bekehrungsgeschichten gehört, wird die Vergangenheit überwiegend negativ – nur die Linien werden freundlicher beleuchtet, in denen sich die Position schon abzeichnet, die Merton bei der Abfassung des Buches bezogen hatte (mag sein, dass er die Dinge 20 Jahre später wieder anders sah). Die rückblickenden Kommentare machen es nicht immer leicht zu verstehen, wie sich die Situation zu der jeweiligen Zeit dargestellt haben muss. Er distanziert sich so vehement, dass ich mich manchmal frage, ob ihm die Distanz fehlte…
Ich werde das Buch auf jeden Fall zu Ende lesen – mit korrigierten Erwartung klappt es besser. Interessant ist es allemal!
Heute lese ich über den Parteitag der CSU:
Beckstein … kündigte an, im Falle eines Wahlsiegs in der kommenden Legislaturperiode Schulklassen zu verkleinern und die vorschulischen Angebote deutlich auszubauen.
Und frage mich beim Lesen: Warum erst nach dem Wahlsieg? Warum eigentlich nicht sofort, zum neuen Schuljahr – die CSU regiert doch zur Zeit in Bayern?
Vor ein paar Wochen saß ich in einer Gesprächsrunde. Zwei der Anwesenden hatten bis vor ein paar Jahren hauptamtlich eine Gemeinde geleitet. Der eine arbeitet nun in einem christlichen Werk, der andere in der Wirtschaft. Übereinstimmend erzählten beide, wie froh sie über die Veränderung sind, wie gut ihnen (und ihren Familien) das neue Umfeld tut, und dass sie auf keinen Fall wieder zurück möchten – nicht in diese Gemeinde und auch in keine andere.
Ich kann nicht genau sagen, was es war, aber dieses Gespräch hat mich noch lange beschäftigt. Erst nahm ich die Sache fast persönlich, weil ich den Eindruck hatte, dass hier Gemeindearbeit (intuitiv identifizierte ich mich damit) abschätzig bewertet wird. Später wurde mir klar, dass es so wohl gar nicht gemeint war. Ein Unternehmer sagte mir, er würde sich so einen Job nie zutrauen. An seiner Sozial- und Führungskompetenz konnte das sicher nicht liegen und mit einem laschen Glauben hatte es auch nichts zu tun. Ich begann, mich zu fragen, was eigentlich schief läuft in vielen Gemeinden, wenn Leute, die dort über viele Jahre überdurchschnittlich engagiert und auch nicht unbedingt erfolglos gewirkt haben, so abgelöscht sind. Oder waren sie einfach nur nicht am richtigen Platz?
Diese Woche traf ich dann einen evangelischen Pfarrer. Ich erzählte ihm von dem anderen Gespräch und vermutete, dass so eine Entwicklung vielleicht mit den Eigenarten charismatischer Gemeinden und deren (oft wenigstens) freierer Struktur zusammenhinge. Er meinte, er sehe keine großen Unterschiede. Viele seiner Kollegen bewerben sich derzeit auf irgendwelche Referentenposten ohne Gemeindebezug. Und oft sind es die guten und begabten Leute, die solche Entscheidungen treffen.
Ich denke nicht, dass es hier simple Antworten gibt. Trotzdem sollten wir uns fragen, wo die Probleme liegen, und warum viele Gemeinden nicht einmal für ihre Führungskräfte „safe places“ sind. Denn auf Dauer können wir uns solche Verluste kaum leisten . Es geht also nicht um Schuldzuweisungen, schon gar keine einseitigen. Aber was muss eigentlich passieren, damit junge Theologen und Leiter, die jetzt am Anfang ihres Dienstes stehen, auch in 15 oder 20 Jahren noch fröhlich und motiviert dabei sind, und weniger „auf der Strecke bleiben“ als es in meiner Generation den Anschein hat? Wo müssen Rollen überdacht und korrigiert werden? Was müssen die (Nachwuchs-)Leiter lernen, und was müssen die Gemeinden lernen? Und von wem eigentlich?
In der Mediathek des ZDF kann man noch die Dokumentation „Liberias eiserne Ladies“ von heute Nacht ansehen. Sie berichtet vom Wiederaufbau des von Diktatur und Bürgerkrieg zerstörten westafrikanischen Landes unter Ellen Johnson-Sirleaf, der ersten Präsidentin des Kontinents, und einer Regierung mit vielen Frauen in Schlüsselpositionen.
Durchschnittlich zwei von drei liberianischen Frauen sind in den Wirren der letzten Jahre Opfer von Vergewaltigungen geworden, es gab eine Viertelmillion Tote. Ein Jahr nach der Wahl wächst die Hoffnung auf nachhaltige Verbesserung im Land.
Christian Wulff will nicht noch mehr „Verantwortung übernehmen“ (wie das immer so selbstlos heißt, wenn man an die Macht will), sondern bleibt wo er ist, akzeptiert seine Grenzen und will sich an seinen Kindern freuen. Einige werden sich bestimmt fragen, ob seine Frau dahinter steckt und andere werden vielleicht ein besonders cleveres politisches Manöver wittern.
Ich finde es einfach mutig und gut. Hoffentlich zieht er das auch ganz gelassen durch und wird glücklich dabei.
… so zitiert Spiegel Online heute eine Sozialberaterin aus dem Berliner Süden. Vor allem Geringverdiener und kinderreiche Familien leiden unter dem gewaltigen Anstieg der Energie- und Lebenshaltungskosten in den letzten Monaten. Leider wird in den Modellrechnungen der meisten Medien immer nur mit zwei Kindern gerechnet. Und schon da wird für viele Obst inzwischen schon zu teuer, Zitronen haben um 80% zugelegt.
Aus eigener Erfahrung kann ich diese Auswirkungen der Nahrungsmittel-, Energie- und Finanzkrise nur bestätigen. Neulich saßen wir ziemlich fassungslos vor dem Loch, das sich auf unserem Konto auftat, ohne dass wir irgend eine größere Anschaffung getätigt hatten. Schwer vorstellbar, was das bedeutet, wenn man mehrere Kinder und ein bescheidenes Einkommen hat. Aber mit einer großen Familie spürt man das schon als Normalverdiener offenbar schneller und drastischer, als wir dachten. Und die Strom- und Heizkostenabrechnungen für die letzten Monate kommen erst im Herbst. Vor dieser Nachzahlungswelle warnen die Schuldnerberater inzwischen schon. Da wird dann faires Einkaufen zum echten Opfer…
Apple gegen die katholische Kirche, jetzt.de verrät, wer die Nase vorn hat.
Die Bertelsmann-Stiftung hat anlässlich des Weltjugendtags in Sydney eine spannende Umfrage zur Religiosität unter jungen Erwachsenen vorgestellt (hier). Dazu eröffnet sie die Diskussion über die Zukunft des Christentums, mit einem Beitrag über Riten und Rituale der Postmoderne. Ich habe mir mal alles ausgedruckt und werde es gründlich studieren, bin aber auch gespannt, was Ihr dazu denkt.