Helfen oder schaden wir Afrika?

Spiegel Online wirft einen kritischen Blick auf Afrikas Despoten, die mit westlicher Hilfe und Unterstützung regieren, morden und ihre Länder plündern. Nachdem wir als Gemeinde eine Arztfamilie unterstützen, die im Tschad arbeitet und dort nicht nur gegen Krankheiten, sondern leider auch gegen Willkür und Korruption ankämpft, habe ich das Ganze mit einem besonderen Interesse gelesen. Am Ende heißt es lapidar und treffend:

Für die desolaten Zustände kommen also mehrere Faktoren zusammen: ein bestenfalls vordemokratisches Bewusstsein; Stammestraditionen, die extrem auf starke Führer ausgerichtet sind; Rentenstaaten, die fast nur von Rohstoffeinkünften leben und eine internationale Gemeinschaft, die sich benimmt, als sei es das normalste von der Welt, seinen Staat auszuplündern und Minderheiten auszurotten. (…)

Der Rest der Welt trägt aber wirklich eine Mitverantwortung für das Desaster. Dass afrikanische Führer viel Geld für Waffen, Luxuskarossen und teuren Schnickschnack haben, liegt auch daran, dass sie sich um das Gesundheitswesen, die Infrastruktur oder die Bildung nicht mehr zu kümmern brauchen, weil in Afrika praktisch alles, was unter die Fürsorgepflicht des modernen Staats fällt, von ausländischen Helfern übernommen wird.

Und wenn wir schon beim Thema Kulturen sind: Ein ehemaliger Kritiker gibt Samuel Huntington für sein oft verrissenes (und wohl auch nicht immer ganz richtig verstandenes) Buch vom Zusammenprall der Kulturen nachträglich Recht. Schöne Geste, aber eben auch sehr ernüchternde Einsichten.

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Relativität

Seit ich neulich Rob Bells Präsentation gesehen habe, hat mich ein Gedanke beschäftigt: Er hat ein Rechteck und einen Kreis gezeichnet und festgestellt, dass diese Figuren zweidimensional betrachtet nicht vereinbar sind, dreidimensional aber sehr wohl – zum Beweis hielt er seinen Marker einmal längs und einmal quer in die Kamera.

Der Punkt war, dass manche Widersprüche sich auf einer höheren Ebene auflösen. Konkret nannte er dazu etwa die Frage von Prädestination und freiem Willen. Einerseits ist das sehr elegant. Andererseits frage ich mich, ob mit dieser Vermutung nicht auch aller möglicher Quatsch für plausibel im Sinne einer “höheren Logik” erklärt werden könnte. Wo ist sie also sinnvoll und angebracht und wo nicht?

Vorschläge, irgendwer?

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Fasten

Björn wirft schon vor der Fastenzeit mit einem Stöckchen zu eben diesem Thema um sich. Hier also mein Beitrag zur Sache:

1. Hast Du schon einmal bewusst gefastet?

Klar, mehr als einmal…

2. Was ist der Sinn von Fasten Deiner Meinung nach?

Erstens: Ich verstehe Fasten strikt als Verzicht auf Essen bzw. Nahrung. Zweitens: Man kann alles mögliche damit verbinden. Mir ging es darum, einen Gang herunterzuschalten und für Gott empfänglich zu werden.

3. Wirst Du in diesem Jahr in der Fastenzeit fasten?

Ich weiß es noch nicht. Ist gerade auch eine Frage der Arbeitsbelastung.

4. Ist Fasten ein Thema in der Gemeinschaft in der Du lebst?

Für einzelne auf jeden Fall.

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Wie jetzt?

Heute las ich auf der Website einer Missionsgesellschaft:

Deutschland, Österreich und die Schweiz sind die Missionsländer Nr. 1 (Dies trifft auch auf die übrigen westeuropäischen Staaten zu)

Mit Lothar Matthäus müsste man nun in 1a, 1b und so weiter differenzieren 🙂

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gePISAckt

Ab und zu hört man ja mal von Schülern den Kommentar, die eine oder andere Lehrkraft habe ihren Beruf verfehlt. Eltern wischen das oft als Ausflucht vom Tisch, aber eine Studie der Uni Frankfurt weist nun nach, dass das erstaunlich häufig der Fall ist. Als Vater fängt man da an, sich plötzlich wieder Gedanken zu machen, mit dem der Nachwuchs es da so alles zu tun bekommt.

Die hohen Burnout-Quoten unter Lehrern haben demnach weniger mit dem Stress im Job, sondern mit fehlender Motivation zu tun. Die engagierten Lehrer haben ein erheblich geringeres Risiko – und, dachte ich beim Lesen, gäbe es die unmotivierten Kollegen nicht, würde diese Zahl vielleicht noch weiter sinken…

Die Frankfurter Forscher plädieren unter anderem dafür, den Beamtenstatus von Lehrern abzuschaffen. So werden berufliche Fehlentscheidungen revidierbar und manch fragwürdige Motivation (“sicherer Job”…) entfällt. Hoffnung dagegen vermittelt der Bericht von Spiegel Online über ein katholisches Gymnasium in der Nähe von Köln, in dem Glaube und Kreativität auf sich aufmerksam macht und wo sich 80% der Lehrer regelmäßig fortbilden. Ob so etwas auch in der Stadt möglich wäre?

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Training, Training, Training…

Bei meinem Besuch in London bin ich kurz Tim Hughes begegnet. Er erzählte von Worship Central und einem Event am 15. März, zu dem Matt Redman, Mike Pilavachi, Brenton Brown und – jetzt kommt! – N.T. Wright in die Westminster Hall kommen. Das wäre sicher einen Wochenendtrip wert. Hier geht’s zum Podcast.

 Files Wc Images Ben


Kurz darauf traf ich Graham Tomlin, der in Wycliffe Hall in Oxford unterrichtet hat und nun das St. Paul’s Theological Centre in London leitet. Dort gibt es auch ein Ausbildungsprogramm, das in drei Jahren zur Ordination führt und mit einer Teilzeitanstellung in einer Gemeinde verbunden wird, also praxisbegleitend funktioniert. So etwas würde ich mir hier in Deutschland auch wünschen.

Ach ja: Grahams Buch “Luther und seine Welt” ist letztes Jahr im Herder-Verlag erschienen. So weit sind wir schon: Ein Anglikaner schreibt in einem katholischen Verlag über Luther 😉

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Der Zorn der Götter

Die Götter sind verschnupft. Vor den Kameras und in den Redaktionen rätselt die globale Priesterschaft, was ihren Zorn ausgelöst hat und wie man sie wieder besänftigt. Angst geht um: Früher waren es Missernten, heute sind es Kurseinbrüche. Die Bären haben die Bullen gefressen.

Man ist sich einig, die Schuldigen sitzen in Amerika. Der Präsident hat schon nationale Buße angekündigt über zu hohe Steuern. Aber wie das immer so ist mit den Göttern: Ihr Zorn trifft auch Unschuldige. Gewinne trocknen aus, Menschen werden aus ihren Jobs gespült, Ersparnisse schmelzen dahin. Das Klima an den Märkten ist schlecht.

Ich blickte umher, doch niemand war da,
keiner von diesen hier konnte mir raten und Antwort geben auf meine Fragen.
Seht her: Sie alle sind nichts, ihr Tun ist ein Nichts;
windig und wesenlos sind die Bilder der Götter.
(Jes 41,28-29)

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Hatte Jesus eine Freundin?

Es war letzte Woche das heimliche Gesprächsthema bei meinen Konfirmanden – das heißt, es waren wohl eher die Mädchen an dieser Frage interessiert. Und was wurde Jesus nicht alles schon angedichtet an Beziehungen, Affären, Kindern…

Aber die Frage verrät eventuell mehr über uns als über Jesus. Mag sein, dass er mal verliebt war, aber über alles andere schweigen sich die seriösen Quellen eben aus. Man kann nun spekulieren nach Herzenslust. Bevor man aber damit loslegt, sollte man sich bewusst machen, dass es nicht die Kultur der Soaps und Telenovelas war (die es für uns heute undenkbar erscheinen lässt, dass Jesus keine “Beziehung” hatte), sondern eher eine Kultur wie heute noch im Orient, in der Männer und Frauen kaum in Berührung kamen und man sich seine(n) Partner(in) nicht selbst suchte, sondern Ehen in der Regel arrangiert wurden.

Beziehungskisten unter Teenagern, wie sie bei uns an der Tagesordnung sind, und von denen ganze Industriezweige leben, waren damals kaum denkbar. Das mag uns fremd anmuten, aber vielleicht ist es ja auch ganz heilsam: Man kann “normal” sein (und glücklich!), auch wenn man Single ist und bleibt. Schon komisch, dass wir uns das heute fast nicht mehr vorstellen können und dann einen Jesus nach unserem Bild erschaffen wollen statt umgekehrt.

Aber wie gesagt – vielleicht war Jesus mal still und heimlich ein bisschen verliebt und kann auch die Teenager im 21. Jahrhundert verstehen? 😉

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Santa Cruise

Die SZ berichtet über das Tom Cruise Video, in dem der Filmstar für Scientology wirbt. Wer will, kann es sich über den Link dort auch ansehen. Es zeigt ein verblüffendes Sendungsbewusstsein.

Noch interessanter ist das Interview mit Andrew Morton in der ZDF Mediathek. Nachdem ich beides angesehen habe, frage ich mich mal wieder, wo genau die Grenze zum Fanatismus verläuft. Inhaltlich sind Scientology und christlicher Glaube in der Regel leicht zu unterscheiden. Christen halten sich nicht für höhere Wesen und sind sogar der Meinung, dass sich das einzig wahre höhere Wesen freiwillig auf unsere Ebene begibt. Andere Richtung also.

Aber dieses “die Welt braucht uns”, “nur wir können andere retten”, “entweder bist Du ganz dabei oder Du bist draußen” kam mir nur allzu bekannt vor. Aus dem Mund von Herrn Cruise klingt das dann noch einmal so richtig unheimlich. Wie kann man Verwechslungen aufgrund einer solchen Rhetorik vermeiden?

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Adieu DVD?

Wie Simon und Daniel konnte ich diesen Test nicht auslassen. Weiter ins obere Drittel schafft man es wohl erst mit einem iPhone, das gibt es aber bei meinem Provider (noch) nicht in Deutschland.

68%How Addicted to Apple Are You?

Nebenbei bin ich nach einigem Nachdenken ganz optimistisch, was die Keynote betrifft. Das MacBook Air ist (so lange das jüngst patentierte Dock im iMac Design fehlt) nichts für mich, aber der Filmverleih mit Beteiligung aller großen Studios ist langfristig ein großer Schritt, der auch das fehlende optische Laufwerk im MBA erklärt und an die ersten iMacs ohne Floppy (was war das nochmal?) erinnert. Wenn diese Rechnung aufgeht, dann könnte unsere Medienwelt bald ganz anders aussehen.

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Kaffee-Erlebnisse

Die letzten Wochen litt meine Espressomaschine an einem Defekt und die Werkstatt ließ sich (auch wegen der Feiertage, es ist ein Familienbetrieb) reichlich Zeit. Also habe ich einige neue Entdeckungen gemacht in dieser Zeit. Zum Beispiel dies: Lavazza hat einen wirklich passablen Espresso im Programm, der öko und fair ist: ¡Tierra!. Der Coffeeshop in meiner Nachbarschaft verkauft das Kilo Bohnen zum Supermarktpreis. Wenn mein Maschinchen es wieder tut, wird das wohl Standard bei uns im Haus.

Ab und zu war ich mit geliebten Menschen bei Starbucks (in Nürnberg gibt es nun vier) und bin etwas erschrocken über die saftigen Preise, ebenso wie die inzwischen automatischen Maschinen, den faden Kaffee und den gebührenpflichtigen Hotspot. Dagegen haben sich die McCafés nun bis nach Erlangen verbreitet – und werden bundesweit in Kürze wohl Tchibo überrunden. Das wiederum ist kein Wunder: Der Kaffee (auch aus dem Automaten) ist deutlich besser als der des US-Konkurrenten (von Tchibo ganz zu schweigen) und auch noch preiswerter. Mit Stempelkärtchen ist jede fünfte (!) Tasse umsonst. Und man kann gratis eine Stunde surfen.

Das einzige, was dort stört, sind die Leute, die von der Burger- und Frittentheke mit ihren roten Tabletts kommen, die netten Sessel sehen und sich mit ihrem fettigen Futter lautstark neben einem niederlassen. Vielleicht könnten man sie mit klassischer Musik vergraulen?

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Everything is Spiritual

Martina und ich haben heute abend Rob Bells DVD “Everything is spiritual” angesehen. Unglaublich, wie der Mann ohne einen Zettel frei sprechend erst die Schöpfungsgeschichte als poetischen Text minutiös analysiert, dann in die Astro- und Quantenphysik eintaucht, ständig mit Zahlen und Fachbegriffen um sich wirft, nebenher auf ein Whiteboard kritzelt und hier und da einen Witz reißt, um sich schließlich aus der elften Dimension wieder zurück zu schwingen und das Schöpfungsgedicht im Kontrast mit konkurrierenden Mythen ganz neu zum Sprechen zu bringen: über den Menschen als geistleibliches Wesen und den Sinn des Staunens bzw. Glaubens, weil das ganze Leben geistlich ist, wenn man nur bereit ist, die Augen dafür zu öffnen

Null special effects, aber irgendwie doch “großes Kino”.

Rob Bell - Everything is Spiritual - Now Available on DVD at www.EverythingIsSpiritual.com

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Eins Z

Der ob des Klinsmann-Coups heftig verschnupfte Lothar Matthäus trampelt wieder verbal durch den Porzellanladen und liefert den Beweis dafür, dass er als Bayern Trainer denkbar ungeeignet ist: Weder 1a noch 1b.

Der Brüller ist aber dieser Satz:

Ich könnte auch auf Englisch oder Italienisch mit den Spielern reden. Zudem habe ich ebenfalls im Ausland gearbeitet und eigentlich auch ohne Sprachkenntnisse (…) guten Kontakt zu den Spielern und auch die entsprechenden Ergebnisse gehabt.

Let’s hope you have a little lucky next time, Lothar…

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