Vorsicht vor Intellektuellen

… ist zumindest dann geboten, wenn man Ehrlichkeit erwartet. Dass dies laut Readers Digest Wertekanon in Deutschland nach wie vor der wichtigste Wert ist, geht auf das Konto der einfachen Leute:

Je höher der Bildungsgrad der Befragten ist, desto seltener wählten sie Ehrlichkeit als den wichtigsten Wert. So setzten 46 Prozent der Befragten mit Volksschulabschluss und 37 Prozent derjenigen mit einer Lehre die Ehrlichkeit auf Platz eins, aber nur 30 Prozent der Menschen mit Abitur oder Hochschulabschluss.

 Images Flyer 2007-07

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Wieder ein Problembär

Alle reden von George Bush, aber einen anderen “Problembären” sollten wir in diesen Tagen des Gipfels in Heiligendamm (und danach) auch im Blick behalten:

Der Radius der Einschüchterungen erweitert sich nicht täglich, sondern stündlich. Als Begleitmusik zu Ihrem Schweigen hat Putin alle unabhängigen Fernsehsender geschlossen, eine rigide Zensur eingeführt, hat der demokratischen Opposition den Zugang zu den Medien abgeschnitten, Menschenrechtler der Spionage für den Westen beschuldigt, und er hat – mit Hilfe einer folgsamen Staatsanwaltschaft und Marionetten-Gerichten – die gewaltsame Neuverteilung des Eigentums auf den Weg gebracht wie im Falle des Yukos-Konzerns.

Die russische Bürgerrechtlerin Elena Tregubova in der Süddeutschen Zeitung: Ein offener Brief an die Regierungschefs der G8-Nationen.

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FunDstücke der Woche

Tony Campolos homiletische Visitenkarte als mp3: It’s Friday, but Sunday’s coming. Muss man sich geben…

Ok, ich mag ja auch ab und zu Sonnenuntergänge und Leuchttürme. Wer aber mal ein paar andere Motive mit einer denk-würdigen Botschaft sucht, wird bei Godcards fündig – als e-card wie auch gedruckt.

Dan Kimball – Fan von Pompadour-Frisuren wie Götz Alsmann – gibt ein gutes Interview auf Out of Ur zum Thema Glaube und Konsumkultur. Hier ein kleiner Auszug:

So what are you guys doing at Vintage Faith to question those underlying assumptions of consumer faith?
We are asking God to transform us into a worshiping community of missional theologians.
Whoa. Whoa. Whoa. Say that again.
We’re asking God to transform us (because it can’t be done through human effort); into a worshiping community (because we want to be worshipers first); of missional theologians (because if we’re on a mission in our culture we have to be thinkers).

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Seltene Toleranz

Ich hatte schon davon gehört, aber spät am Abend bei einem Glas Wein sind Martina und ich mit Peggy und Tony Campolo noch über dieses und jenes ins Gespräch gekommen und schließlich auch beim Thema Umgang mit Homosexualität in der Kirche gelandet. Martina hat die Geschichte aus Peggys Sicht erzählt bekommen, ich von Tonys Seite.

200705301412Tony vertritt die konservative Position, wie die meisten Evangelikalen. Er hält Homosexualität bestenfalls in Ausnahmefälllen für “therapierbar” und rät daher zur Enthaltsamkeit – wohl wissend, dass dies für die Betroffenen eine große Zumutung darstellt. Peggy dagegen vertritt die liberalere Position und wünscht sich, dass die Kirchen auch ernsthafte, monogame gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften unterstützen. Manchmal sind die beiden gemeinsam irgendwo eingeladen und diskutieren das strittige Thema vor Publikum.

Das Interessanteste an dem ganzen Gespräch war für mich, mit welchem Respekt Tony die Argumente seiner Frau dargestellt hat: völlig frei von jeglicher Polemik, die ja fast nicht totzukriegen ist, wenn es um Homosexualität geht.

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Pfingsten am Dünenhof III: Hirten und Propheten

Gordon MacDonald und Tony Campolo sind sehr ungleiche Freunde. Gordon hat es so gesagt: Er ist der “Hirte” und Tony der “Prophet”. Gordon ist ein behutsamer und sorgfältiger Mensch, er gleicht Gegensätze aus und verbindet. Wenn er spricht, dann bringt er seine Lebensweisheit unaufdringlich an den Mann, und auch im Umgang von Mensch zu Mensch ist er bescheidener, stiller und leiser, zum Understatement neigend. Kritik nimmt er sich sehr zu Herzen. Gordon ist ein sehr reflektierter Mensch, der viel und kritisch über sich nachdenkt. Immer wieder bekommt man von ihm Checklisten zu den unterschiedlichsten Themen. Da kommt zum Hirten auch noch der Lehrer hinzu.

Tony dagegen, das soziale Gewissen und eine Art enfant terrible der Rechtsevangelikalen, liebt die Provokation um der Sache willen.

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Das machen doch alle…

Es ist schon erstaunlich und auch bewegend, diese Welle der Selbstoffenbarungen im deutschen Radsport mit zu erleben. Ich hatte letzte Woche fast aus Versehen in das Interview von Bert Dietz bei Beckmann reingezappt und blieb erstaunt dabei. Nun ist der Dominoeffekt in vollem Gang.

Schon etwas länger purzelten die Dominosteinchen bei Siemens, und heute äußert sich der Siemens Aufsichtsrat und Deutsche Bank Chef Josef Ackermann in einem Interview gegenüber der Zeit wie folgt:

ZEITmagazin LEBEN: Ist es mit der Korruption und der Wirtschaft nicht ein bisschen wie mit der Tour de France und dem Doping: Wer in der globalisierten Welt mithalten will, muss mitmachen?

Ackermann: Lassen Sie mich das auf die Deutsche Bank beziehen. Es gibt kein Geschäft, das es wert ist, den eigenen Ruf zu ruinieren. Da gibt es überhaupt keine Grauzone, da gilt: null Toleranz. (…) Wenn wir nur ansatzweise Grauzonen zulassen, ist das nicht mehr kontrollierbar.

In den letzten Wochen war dieses Statement, man müsse mitmachen, wenn man mithalten wolle, auch hier von vielen Leuten im Siemens-Umfeld zu hören. Und je öfter man den Satz hört, desto leichter glaubt man ihn. Nur: Wer das glaubt, der hat seine Integrität wohl schon so gut wie verloren. Diese Lektion scheint nicht nur für Siemens und Team Telekom zu gelten, sondern universal übertragbar.

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Sinnvolle Gemeinschaft

Jason hat einen interessanten Post zum Buch “Utopian Dreams” von Tobias Jones geschrieben. Jones befasst sich mit dem Thema Gemeinschaft, vor dem Hintergrund verschiedener Besuche und den damit verbundenen Erfahrungen.

Jason greift acht Punkte auf, die ich hier nicht alle darstellen kann. Aber schon der erste hat es in sich, wenn er schreibt, dass Gemeinschaft ein “Abfallprodukt” davon ist, dass man gemeinsam etwas Sinnvolles unternimmt. Es gibt also keine Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen. Von daher wäre bei einer Krise in den Beziehungen auch immer zu fragen, ob man den Blick über den Tellerrand hinaus denn noch konsequent pflegt. Und es wäre keine clevere Strategie, wenn es hart auf hart kommt alle Aufmerksamkeit nach innen zu richten.

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Du musst dich entscheiden, Harald…

Schock beim Zeitunglesen: Oliver Pocher findet, dass sein Einstieg als Juniorpartner bei Harald Schmidt im Herbst Manuel Andrack als Sidekick überflüssig macht. Madame Natalie hat er (noch) nicht erwähnt.

Ist das der Anfang vom Ende, oder gar schon das fortgeschrittene Endstadium des TV-Klassikers? Bevor die ARD entscheidet – hier die Chance, Eure Meinung kund zu tun. Ich schicke das Resultat dann an den WDR:

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Wer nicht für uns ist…

Christsein in einem zunehmend pluralistischen Umfeld stellt einzelne und Gemeinden vor die Aufgabe, sich ständig zu erklären, zu definieren und zu positionieren. Ein paar Freunde haben von Begegnungen bei Miteinander für Europa berichtet, die sie als bereichernd, aber auch als herausfordernd und (freilich eher in Kleinigkeiten) auch verunsichernd empfanden.

Man kann nun den Ansatz wählen, dass man jeden, der sich nicht ausdrücklich distanziert, als potenziellen Partner betrachtet oder aber jeden, der sich nicht ausdrücklich zum eigenen Anliegen bekennt, als Konkurrenten. Je nach Prägung und Persönlichkeitstyp fällt der eine eher auf der inklusiven und der andere eher auf der exklusiven Seite vom Pferd. Im Lukasevangelium finden wir die beiden Pole ganz nah beisammen:

Lukas 9,50: Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch
Lukas 11,23 Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich

Ich muss gestehen, im Kontext habe ich keine situative Aufschlüsselung gefunden. Wenn Lukas geahnt hätte, für welche Verwirrung das noch sorgen würde, hätte er vielleicht noch ein paar Notizen eingefügt. So müssen wir uns nun den Kopf zerbrechen:

  • Ist das also eine unauflösliche Grundspannung? Und wie werden wir dem dann praktisch gerecht?
  • Können wir zum Beispiel Bono und Grönemeyer im Kampf gegen globale Armut folgen oder brauchen wir eine eigene, “fromme” Initiative? Brauchen wir vielleicht beides und vernetzen es dann irgendwie?
  • Ist nur der Christ, der die entsprechenden rituellen Stationen absolviert hat und das “richtige” Bekenntnis aufsagt? Oder ist Glaube so eine mystische, undefinierbare und Herzenssache, dass man das nie genau wissen kann und schon gar nicht beurteilen darf?

Kleine aktuelle Fußnote: Die französischen Sozialisten fanden es gar nicht lustig, dass Präsident Sarkozy einen der ihren zum Außenminister machte und streben nun den Parteiausschluss von Bernard Kouchner an. Ein Glück, dass es solche Engstirnigkeit nur in der Politik gibt…

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Stoff fürs Wochenende

 Typo3Temp Pics 49B43Ac4F6Scot McKnight analysiert die vielfältigen Ängste in der Diskussion um Frauen in Leitungsämtern. Die freiwillige Feuerwehr hat ihre eigene Art, das “Frauenthema” offensiv anzugehen und erregt damit erhebliches Aufsehen, wie das freche Plakatmotiv hier zeigt.

Traurige Nachrichten aus Hannover: Bischöfin Margot Käßmann reicht die Scheidung ein – und das erstmalig unter deutschen Bischöf(inn)en während der Amtszeit. Wer jetzt überlegt, daraus ein Argument für Männer in diesen Positionen zu stricken, muss allerdings auch die Frage beantworten, warum er sich beim Wirbel um Ted Haggard (und den vielen anderen ähnlichen “Fällen”) nie gegen Männer in Leitungsämtern ausgesprochen hat. Oder gleich für den garantiert scheidungsfreien Zölibat – aber auch der hat so seine Tücken.

Die beste Antwort auf Markus Söders Kritik an Köhler gibt Zippert in der Welt.

Bevor es zu bissig wird: Über einen Verweis bei Marlin bin ich bei Experimental Theology gelandet und habe dort eine schöne Serie über die Theologie des Humors gefunden.

Gar nicht zum Lachen fanden einige Evangelikale, dass Francis Beckwith, Präsident der Evangelical Theological Society, zurückgetreten und von der reformierten zur zur katholischen Kirche übergetreten, beziehungsweise dahin zurückgekehrt, ist. Seine Erklärung steht hier und die Kommentare dort sprechen für sich.

Die Nürnberger Nachrichten widmen dem Thema Volkskirche einen Artikel und bestätigen mit den üblichen Statistiken Michael Herbsts These vom siebten (und damit letzten) fetten Jahr der Institution in unserer Region. Kronzeuge ist der neue Bischof von Eichstätt, der klarer als manch protestantischer Kollege feststellt:

Die Volkskirche ist nicht mehr existent. Was wir jetzt haben, ist nur noch ein Nachhall der Volkskirche.

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Soziale Wunder

Neulich abends nach dem Tanzen saßen wir in einem Straßencafe. Ein älterer Mann mit einem einzelnen schmutzigen Wollhandschuh sprach die Kellnerin, die unsere Bestellung aufnehmen wollte, in gebrochenem Deutsch an. Es stellte sich heraus, dass er auf einem Mülleimer gegenüber ein paar belegte Brote gefunden hatte und sie gerne mitnehmen wollte, was er dann auch tat.

Wir gerieten darüber in ein Gespräch über unseren Umgang mit Bettlern in der Stadt. Die einen geben manchmal Geld, andere nie und eine Person in der Gruppe meistens. Wir alle waren am Zweifeln, wie arm manche dieser Leute tatsächlich sind, die da mit Leidensmiene knien und ihren Pappbecher in die Luft halten oder mit gesenktem Haupt auf einer schmutzigen Decke sitzen. Jeder schien mit dem Verdacht zu ringen, das könnte nur Theater sein. Einige kannten auch Beispiele dafür.

Schließlich meinte jemand, das seien doch die Leute, zu denen Jesus gehen würde.

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Und noch’n Stock…

Ich hatte so eine dumpfe Ahnung, dass da noch jemand nach mir geworfen hatte. Tobi, der Schlingel…

Jobs, die du in deinem Leben gerne getan hättest: Rennfahrer (aber ohne langweiliges Training…), Reiseschriftsteller, Weinhändler

Filme, die du immer wieder anschauen kannst: Ich bin eigentlich mehr dabei, die Filme zu sehen, die ich noch nicht gesehen habe. Bis ich zu Wiederholungen greife, vergeht viel Zeit. Also denke ich aus den 80ern Blues Brothers, Top Gun und Mission.

Städte, in denen du gerne leben möchtest: Wenn nicht Erlangen, dann Berlin. Vancouver würde mich global gesehen noch reizen. Oxford oder Cambridge würde ich auch nicht verschmähen. Und Prag!

Plätze, an denen du im Urlaub warst: Norwegen (am coolsten war Geiranger), Berner Oberland, Bretagne, Devon/Cornwall.

Deine Lieblingsserien: Dr. House. Der Tatort aus Münster, Leipzig und Köln. Alte Charlie Chan Filme…

Plätze, wo du gern gerade wärst: Sind hier Orte gemeint oder ein Platz wie der “rote Platz”? Momentan wäre ich gern irgendwo in den Bergen – den Geruch einer Alm in der Nase, ein Bach plätschert im Hintergrund, ganz oben sieht man noch etwas Schnee, später das Alpenglühen. Ein Adler noch dazu, das wäre perfekt.

Bücher, die du immer wieder lesen kannst oder gerne gelesen hast: Ha! Tolkiens Herr der Ringe natürlich, fast alles von N.T. Wright, die Powers-Trilogie von Walter Wink, Divine Conspiracy von Dallas Willard, die gesamte Cadfael-Serie von Ellis Peters, alles von G.K. Chesterton und Dorothy Sayers

CDs, die du immer wieder hören kannst: Eric Clapton, Unplugged • Paul Simon, Graceland • Jethro Tull, Heavy Horses • Dire Straits, Brothers in Arms • Sting, Ten Summoners‘ Tales • Ray Charles, Genius loves Company • Jars of Clay, Who we are instead • Rich Mullins, A Liturgy, A Legacy And A Ragamuffin Band • Van Morrison, Avalon Sunset. Das sollte jetzt aber reichen…

Blogger, denen du das Stöckchen weitergibst: Hufi, Ute & Christian, Thomas (musste sein…), Walter

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Theologisches Gruselkabinett

Ben Myers lässt über die dämlichste theologische Erfindung abstimmen. Die Auswahl unter all den Grausamkeiten fällt nicht ganz leicht, daher die Stichworte auf Deutsch, bevor ihr hier mit entscheiden – oder protestieren – könnt 🙂

  • Irrtumslosigkeit der Bibel
  • Doppelte Prädestination
  • Die “Entrückung”
  • Unfehlbarkeit des Papstes
  • Arianismus
  • Christentum als Imperium
  • die Lehre von gerechten Krieg

Ich werde für die Entrückung stimmen. Wer hat die nochmal erfunden?

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Brief aus Smyrna

Bei Floyd und Sally McClung kann man einen offenen Brief türkischer Christen zum Massaker in Malatya letzte Woche lesen.

Man braucht gute Nerven bei manchen Details, aber ich habe noch keine ausführlichere Beschreibung der Ereignisse und ihres Hintergrunds gefunden. Die nachdenklich machende Perspektive der Gemeinde sollte man wenigstens zur Kenntnis nehmen.

Nachtrag: Hier gibt es das Ganze auch auf Deutsch.

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