Sinnvolle Gemeinschaft

Jason hat einen interessanten Post zum Buch “Utopian Dreams” von Tobias Jones geschrieben. Jones befasst sich mit dem Thema Gemeinschaft, vor dem Hintergrund verschiedener Besuche und den damit verbundenen Erfahrungen.

Jason greift acht Punkte auf, die ich hier nicht alle darstellen kann. Aber schon der erste hat es in sich, wenn er schreibt, dass Gemeinschaft ein “Abfallprodukt” davon ist, dass man gemeinsam etwas Sinnvolles unternimmt. Es gibt also keine Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen. Von daher wäre bei einer Krise in den Beziehungen auch immer zu fragen, ob man den Blick über den Tellerrand hinaus denn noch konsequent pflegt. Und es wäre keine clevere Strategie, wenn es hart auf hart kommt alle Aufmerksamkeit nach innen zu richten.

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Ein anderer guter Aspekt ist der, dass man keine echte Gemeinschaft erleben wird, so lange man in einer abwartenden Haltung daran teilnimmt und alles als Vorläufig ansieht. Eine riesige Herausforderung, wenn man mal die Mobilität in Rechnung stellt, bei der wir inzwischen angelangt sind. Ist das eine Frage des Zeithorizontes, den man überschauen kann, oder doch nur der Einstellung?

Schließlich hält Jason auch fest, dass Gemeinschaft klare Regeln und eine Leitung beziehungsweise Hierarchie (!) braucht. Man kann davon zu viel haben, aber eben auch zu wenig. Beides ist gleich problematisch.

Und diesen Satz fand ich einfach nett:

Community is doing life together in all it’s mess.

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4 Antworten auf „Sinnvolle Gemeinschaft“

  1. Jasons Beitrag ist wirklich lesenswert und enthält viele gute Punkte; mir scheint, dass persönliche Zustimmung/Widerspruch zu seiner (bzw. Jones’) Auflistung davon abhängt, was der/die Einzelne unter „authentischer Gemeinschaft“ versteht. Insofern habe ich ihn in dem Folgenden möglicherweise nicht korrekt verstanden. Aber speziell ein Punkt in seinem Blog-Beitrag reizt mich zum Widerspruch, da er für mich „symptomatisch“ für die momentane Diskussion ist:
    So treffend und nachdenkenswert viele Punkte sind, so entschieden würde ich Jason gerade bei seinem ersten Punkt widersprechen; dass „Gemeinschaft ein Abfallprodukt davon ist, dass man gemeinsam etwas unternimmt“. Dieses Statement halte ich für absolut abwegig, denn …

    • … es widerspricht komplett meinen alltäglichen Erfahrungen: Keine Ehe wird dadurch gesund, dass Beide gemeinsam sich um Dritte/Projekte kümmern; oftmals ist das in diesem Kontext sogar eher besorgniserregend. Wer in „weltlichen“ (-blöder Ausdruck, hab keinen Anderen-) Vereinen aktiv ist, weiß nur zu gut, wie wenig Gemeinschaft da sein kann, trotz einer sinnvollen Aufgabe. Gemeinschaft ohne ein sinnvolles Ziel läuft Gefahr krank zu werden, das ist richtig (-und das meint er wohl auch-); etwas gemeinsam zu unternehmen stiftet jedoch notwendigerweise Gemeinschaft im gefüllten Sinne des Wortes sondern allenfalls Gruppen/Teams/Vereine etz.

    • … es lässt sich für mich überhaupt nicht durch das begründen, was das Neue Testament zu koinonia zu sagen hat (-es sei denn, man definiert Gemeinschaft anders-), sondern ist allenfalls als überschießende Reaktion auf einen Misstand, der in der Tat viele unsere Gemeinden befallen hat, verstehbar. Man kann sich als Gemeinde in der Tat nicht selbstkritisch genug fragen, ob man auch von dieser „fromm-selbstbezogenen Weltvergessenheit“ befallen ist, in der sich Christen nur um sich selbst drehen. Aber eine zutreffende Diagnose lässt sich eben nicht gleich als Monotherapie umformulieren, ohne dabei Gefahr zu laufen, viele Aspekte zu übersehen und zu einer „church of the lost detail“ (Brian McLaren) zu führen, bei der jetzt genau das soziale/politische Engagement und der noch konsequentere Blick über den eigenen Tellerrand zum einzigen und entscheidenden Schlüssel zu unserer Gesundung wird, der uns bisher gefehlt hat. Was für mein Empfinden in der gegenwärtigen Diskussion zu wenig berücksichtigt wird ist die Tatsache, dass das Neue Testament (Paulusbriefe!) sehr viel Konkretes dazu sagt, wie sich Gott unser Miteinander vorstellt, damit wir die Art von neuer Gemeinschaft sind, die sich Gott mit seiner Kirche vorgestellt hat. Das hat viel mit Liebe, Demut, Einander (!) dienen, Ansehen von Personen, den Gebrauch von Worten etz zu tun, den „Blick nach Außen“ kann ich als Gemeinschaft-stiftenden Faktor gerade nicht wider finden. Wenn ich das Neue Testament und die Kirchengeschichte richtig verstehe, dann war es von den Anfängen der Gemeinde an so, dass bereits das gelebte Miteinander von Anderen als „positiv anders und heilsam wahrgenommen“ wurde; unabhängig davon, ob damit der Schritt nach außen verbunden war oder nicht.

    Um nicht missverstanden zu werden: das ändert nichts an der Notwendigkeit für den Blick nach außen, aber für mich relativiert es den gerade kursierenden Anspruch erheblich, dass programmatische Projekte Gemeinschaft stiften könnten.
    Auf Jason’s Blog melden sich viele zu Wort, die auf Kurzzeitmissionseinsätzen eine intensivere Gemeinschaft erlebt haben, als in ihrer Gemeinde. Für mich hat dies einerseits mit der Aufgabe zu tun (sic!), aber (-und auch das ist eine Erfahrung die wir alle gemacht haben, und sie gehört für mich zum Kern des neuen Testamentes-) vor allem mit dem EINEN Herrn, der über alle Denominationen und theologischen Gräben hinweg als die verbindende Mitte erlebt wurde. Dieser Punkt fehlt mir bei Jason (-und bei fast allem, was ich zur Zeit lesen kann-) völlig! Wo Gemeinschaft nicht bewusst christozentrisch (und damit eben NICHT zweckgebunden) ist, fehlt ihr Entscheidendes; Gemeinschaft ohne das Bewusstsein um Jesus als Gemeinschaft-stiftende Kraft wird langfristig nicht lebensfähig sein. Da werden auch noch so sinnvolle Projekte nichts daran ändern. Ich bin mir sicher, dass Jason das so sieht, aber er schreibt es eben nicht und mit ihm viele Andere auch nicht (schämen wir uns dafür? ist das zu „altbacken“ und nicht trendig genug?). Weil es aber eben nicht erwähnt wird entsteht für mich in dieser Diskussion ein sehr einseitiger Eindruck und ich sehe die sehr konkrete Gefahr, dabei die gesunde Mitte zu verlieren.
    Persönliches Fazit: Lasst uns aus den Fehlern der letzten Jahrzehnte lernen und den Auftrag Jesu Licht dieser Welt zu sein ganzheitlich, kreativ und risikofreudig leben. Diese Welt braucht uns! Aber lasst uns all das in einer biblischen Ausgewogenheit leben und nicht das Kind mit dem Bade ausschütten indem Bewährtes und Wahres nicht mehr gelehrt wird sondern stattdessen von dem „Blick nach außen“ erwartet wird, dass er lebensfähige Gemeinschaft begründen kann.

  2. Michael, ich glaube Du hast Jason und das Buch falsch verstanden. es geht hier doch nicht um Vereinsmeierei. Klar kann man sich kaputt machen damit. Hier aber sind ja großteils Lebensgemeinschaften beschrieben, und die brauchen eben den Blick über sich selbst hinaus. Nicht umsonst findet der sich in allen großen Mönchregeln wieder.

    Das widerspricht sich kein bisschen mit Deinem Anliegen, christozentrisch zu sein. Denn wenn Du das bist, geht es Dir nicht um dich selbst und andere sind ganz automatisch im Blick, so wie Jesus sie im Blick hat. Oder anders gesagt, Du merkst, dass Dir Jesus in den Menschen begegnet, denen Du dienst. Das geht auch in die Richtung dessen, was Alan Hirsch mit „Communitas“ beschrieben hat, denke ich.

    Gemeinschaft bildet sich um einen Sinn herum – und ganz nebenbei ist für viele Menschen ihr Sportverein ihre Großfamilie, das würde ich nicht so abwerten wie Du es tust. Die Alternative ist Fernsehen allein zuhause. Und da kommt der andere Punkt bei Jason ins Spiel: Wir brauchen einander nicht. Und das stimmt, so lange es um das grundlegende persönliche Wohlbefinden geht, brauche ich keine intensive Gemeinschaft. Die brauche ich nur dann, wenn ich etwas anpacke, was zu groß ist für mich als einzelnen.

  3. Ich habe kürzlich einen Satz bei Nouwen gelesen, dem ich was abgewinnen konnte. Ich kann den gerade nicht genau wiedergeben und so schön wie Nouwen formulieren, aber es ging irgendwie so: „Demjenigen, der Gemeinschaft schaffen möchte, wird dies nicht gelingen. Derjenige, der die Menschen liebt, wird Gemeinschaft schaffen.“ Finde ich gut.

  4. Kann mich der Meinung und dem Empfinden von Michael voll anschließen. Nicht über den Beitrag von Jason, den habe ich selbst nicht gelesen, sondern, dass bei all dem wirklich notwendigen und richtigen „Blick nach außen“ die Gefahr besteht, das Innere zu vernachlässigen. „Talking about Jesus just the same“ wie mein Rockopa Larry Norman zu sagen/singen pflegt.

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