„Missionale“ Kleingruppen – geht das?

In seinem Buch Missional Small Groups geht M. Scott Boren der Frage nach, welche Rolle Kleingruppen in einer Gemeinde spielen, die sich als missional versteht. Es ist weniger die große Theorie, sondern die vielen praxisnahen Ideen und Gedanken, die die Lektüre wertvoll machen. Und man muss etwas Übersetzungsarbeit leisten, nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell. Boren setzt mit einer Unterscheidung von vier „Typen“ ein. Wenn Menschen über ihre Kleingruppen berichten, dann hört er vier unterschiedliche Geschichten.

Man trifft erstens auf die Geschichte der persönlichen Verbesserung („personal improvenment“): Das Leben ist ein bisschen leichter, wenn man es mit ein paar Freunden bespricht. Man nimmt an der Gruppe teil, wenn es sich so einrichten lässt, dass alle anderen Lebensrhythmen (Arbeit, Familie, Freizeit) davon nicht betroffen sind. Es tut gut, anderen von sich erzählen zu können und miteinander zum Beispiel auch in der Bibel zu lesen.

Zweitens funktionieren Kleingruppen nach der Geschichte der Anpassung des Lebensstils („lifestyle adjustment“): Die einzelnen haben es zu einer Priorität gemacht, die Vorrang vor anderen Lebensrhythmen bekommt. Also werden Inhalte, Struktur und Verbindlichkeit ganz wichtige Themen, andere Aktivitäten der einzelnen stehen öfter hinten an, um an den Gruppentreffen teilnehmen zu können.

Drittens gibt es die Geschichte der gemeinschaftlichen Umorientierung („relational revision“). Hier ist nicht so sehr die Zeit im Blick, die man in den regelmäßigen Zusammenkünften miteinander verbringt, sondern die Frage, wie man einander unterstützt in der Gestaltung des Alltags, wie man Kontakt hält, für einander da ist und gemeinsam lernt, aus der ständigen Verbindung mit Gott heraus anders zu leben, als wenn man der Eigendynamik der einzelnen Lebensbereiche weitgehend freien Lauf lässt.

Und schließlich ist da noch die Geschichte der missionalen Neugestaltung („missional recreation“), die das Blickfeld noch mehr weitet. Die ist insofern schwierig zu beschreiben, als sich lauter einzigartige Gestalten entwickeln, denn die entscheidende Frage einer solchen Gruppe lautet, wie sie sich in ihrem Umfeld (sei es ein Dorf oder Stadtteil, eine bestimmte „Szene“ o.ä.) sinnvoll engagieren und auf vorhandene Nöte und Bedürfnisse eingehen kann. Je nach Umfeld und je nach Zusammensetzung der Gruppe kommt dann ein ganz anderer Rhythmus heraus.

Boren beschreibt auch gleich die unterschiedlichen Reaktionen auf seine Typologie. Da ist einerseits der verbreitete Wunsch nach „mehr“ und die Enttäuschung, dass sich das bisher so nicht umsetzen ließ. Andererseits ist da die Tendenz, besonders die beiden erstgenannten Selbstverständnisse einer Kleingruppe als defizitär abzulehnen. Drittens ist da das Gefühl der Überforderung: Wenn die Latte so hoch liegt, schaffen wir das nie. Die meisten werden gemischte Gefühle haben. Die gute Nachricht jedoch ist, dass das Umlernen, wenn es denn erwünscht ist, in kleinen Schritten vor sich gehen kann.

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Des Papstes neue Kleider…

Lieber Peter Rollins,

seit dem Apostel Paulus ist es keinem christlichen Theologen mehr gelungen, eine „Narrenrede“ im Stil von 2. Korinther 10 hinzulegen. Paulus, der den von obskuren „Superaposteln“ verwöhnten Korinthern nicht nur paradox den Spiegel vorhält, in dem sie ihre eigene Blasiertheit erkennen konnten, sondern der auch noch den Jargon und die Superlative seiner Kritiker ins Absurde zieht. Und der dreist genug ist, von der äußeren Armseligkeit seiner eigenen Existenz die Verbindung zu leidenden Christus zu ziehen.

Doch jetzt, das muss ich anerkennend sagen, hat Paulus in Dir einen kongenialen Nachfolger gefunden. Und ein paar Zeilen Werbetext reichen dazu aus:

the Idolatry of God event has been carefully curated to provide a stage upon which the most innovative and paradigm shifting evolution in Christian thought and practice can be presented. Calling into question the most basic assumptions concerning faith that are shared by theists and atheists alike a radical form of faith collective will be explored that has the potential of usurping the dying church in its currently existing form.

Einfach genial, wie Du hier die Superlative des frommen Marketing vorführst: Der „innovativste Ansatz überhaupt“, und zwar nicht nur Theologie, sondern auch Praxis. Hoch überlegen, egal ob man der „sterbenden Kirche“ angehört oder schon Atheist ist. Und dann wird auch noch eine feindliche Übernahme der Konkursmasse religiösen und areligiösen Denkens in Aussicht gestellt. Weltherrschaft!

Christen und Atheisten werden ihre Grabenkämpfe aussetzen und auf deine Provokation anspringen. Sie werden Dich als neuen gemeinsamen Feind entdecken, ihre Differenzen begraben und vereint gegen Dich antreten. Und damit wird Dir gelingen, was seit 200 Jahren oder mehr nicht möglich war, nämlich Frieden zu schaffen in einer ganz neuen Dimension.

Denn Dein Ziel ist es ja gar nicht, sie zu überwinden oder zu widerlegen – zumal Dein Cocktail aus zusammengewürfelten Paradoxien von Johannes vom Kreuz, Heidegger/Bultmann, frühem Barth und Zizek alles ja andere als bahnrechend neu ist – sondern sie mit der Aussicht auf einen leichten Sieg im theologischen Boxkampf zum Übermut zu verleiten und dazu zu bringen, am Ende über ihre eigenen Füße zu stolpern – Dekonstruktion im wahrsten Sinn des Wortes. Argumentativ ist den Taschenspielertricks, mit denen Du Glauben und Unglauben ständig vertauschst, ja gar nicht beizukommen. Wer es versucht, hat schon verloren, weil Du Dich im entscheidenden Moment in ein unscharfes „Kollektiv“ verwandelst, dessen Position unbestimmbar ist.

Und schließlich führt das Hypermarketing für Euren Event in Belfast die Superlativrhetorik des frommen Kommerzes und Konferenztourismus souverän vor. Wenn die ganz Unentwegten dann im April bei Euch auf der Matte stehen, werden sie nichts anderes sehen, als ein paar nachdenkliche Leute, die sich redlich mühen, das mit Jesus irgendwie zu kapieren und praktisch umgesetzt zu bekommen, und die dabei irren und scheitern. Sie werden sehen, dass sie das dort, wo sie sind und leben, auch ganz leicht schaffen, gern dahin zurückkehren und sich zusammen mit anderen unspektakulären Leuten fragen, was es wohl bedeutet, Gott und ihren Nächsten zu lieben. Denn wer genau hinsieht, erkennt in Dir trotz der theatralischen Pose des Besserzweiflers den weinenden Propheten, der die „sterbende Kirche“ liebt und ihre Auferweckung ersehnt.

Daher suggeriert das Projekt „Pyrotheology“ ein rauschendes Feuerwerk, das in Wirklichkeit aus einem einzigen Knallfrosch besteht – aber wir beide wissen ja auch: Schon ein Knallfrosch reicht aus, dass jemandem, der hoch zu Ross daherkommt, der theologische Gaul durchgeht. Und wenn darnach einem solchen schmerzhaften Sturz alle demütig und rechtschaffen ernüchtert über sich selbst begriffen haben, dass sie nur da stark sind, wo sie zu ihrer Schwäche stehen und sich gegen allen Augenschein an Gott halten, dann ist das Ziel erreicht und die Evolution 1950 Jahre nach Paulus ans Ziel gekommen. Gott sei Dank! Das neue Zeitalter ist angebrochen, Phönix emergiert aus der Asche toter Tradition und die widersprüchliche Widerspruchsfreiheit bisheriger Inkarnationen des Glaubens weicht einer widerspruchslosen Widersprüchlichkeit, der sich niemand mehr entziehen kann. Halleluja.

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Das Glücksdilemma

DSC03040.jpgDie meisten Leute, die ich kenne, schenken gern. Dabei ist es zweitrangig, was man verschenkt. Wichtig ist, dass man es tut. Viele Geschenke weisen über sich hinaus und machen eine Aussage über die Beziehung zwischen den beteiligten Personen. Anders gesagt: sie sind kleine Zeichen der Liebe zwischen Menschen.

Der Zauber des Geschenks liegt in der Freiheit, aus der es kommt. Wenn jemand einen Anspruch oder gar eine Forderung erhebt, oder wenn Gewohnheit die Freiheit in Selbstverständlichkeit verwandelt, dann verliert ein Geschenk seinen Wert, dann wird aus dem Schenken ein Tausch, mit dem man eine Verstimmung zu verhindern hat oder Klagen zuvorkommen muss.

So weit die Theorie. In der Praxis gibt es sehr unterschiedliche Bedürfnisse zwischen Menschen. Und da wird es gar nicht so leicht, zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen und zugleich dem anderen den Raum für Geschenke zu lassen. Beziehungsweise auch das als Geschenk zu erkennen, was das eigene Bedürfnis nicht gleich schon übererfüllt (sofern das überhaupt möglich ist), sondern vielleicht nur ansatzweise deckt.

Ich finde mich selbst mal auf dieser und mal auf jeder Seite dieses Glücksdilemmas wieder. Aber wenn das Kunststück gelingt, so weit Distanz zu sich selbst zu gewinnen, dass man dem anderen den Raum zum Schenken lässt, erlebt er sich nicht mehr als minderbemittelter Tauschpartner, sondern als jemand, der kompetent ist in Sachen Liebe. Und die Lust zum Schenken nimmt zu mit diesem Erfolgserlebnis, während sie mit jedem ungeduldigen „endlich hast Du’s begriffen“ oder „wieder nicht genug“ schwindet. Umgekehrt muss ein Zutrauen da sein, dass der andere gerne schenken würde, um die Forderungen zurückzunehmen, die es ihm unmöglich machen.

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„Liebe den Sünder, hasse die Sünde“

… ich dachte, „liebe den Sünder, hasse die Sünde“ sei die perfekte Zusammenfassung christlicher Gnade inmitten von Uneinigkeit. Heute stößt es mir auf, wenn ich höre, wie Leute das sagen.

Im Grunde ist es ja wahr. Aber „liebe den Sünder, hasse die Sünde“ fühlt sich recht unterschiedlich an, je nachdem, auf welcher Seite des Tisches man sitzt. Für den, der „liebt“, klingt das großherzig: Obwohl dieser Mensch ein Sünder ist, werde ich ihn mit Liebe und Barmherzigkeit behandeln!“

Aber wenn das jemand über dich sagt, fühlt es sich nicht mehr so großzügig an. Ja, ich weiß, ich bin ein Sünder, wie wir alle, aber der Satz hat etwas Herablassendes und Entmenschlichendes, als wäre ich jetzt „der Sünder“ statt der Freund oder Nächste des anderen, und als wäre mich zu „lieben“ nun das neue Projekt, das er eher aus einem Pflichtgefühl Gott gegenüber auf sich nimmt als deswegen, weil ihm daran liegt, dass es mir gutgeht.

Justin Lee, Torn. Rescuing the Gospel from the Gays-vs.-Christians Debate, S. 227

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Weisheit der Woche: Geduld

Warten ist eine Form der Demut, während sich im Vorwärtsdrang unsere Selbstsucht und Arroganz ausdrückt. Der Rastlosigkeit unserer Seelen wird nicht abgeholfen dadurch, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Warten wenigstens als unnötige Zumutung erscheint, oder gar als Verletzung der Menschenrechte…

Wenn wir in der Lage sind, uns zu entspannen und unseren Zugriff auf die Zeit zu lockern, dann wird sie unser sanfter Begleiter sein statt unser ständiger Feind. Wir entdecken, dass wir die Zeit verstreichen lassen können ohne darunter zu leiden, dass wir sie „verloren“ haben.

Mike Riddell, The Sacred Journey

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Torn (10): Wer A sagt, muss nicht B sagen

Justin Lee entschließt sich, Brücken zwischen seiner christlichen Studentengruppe und der homosexuellen Hochschulgruppe zu bauen. Beide Lager stehen einander recht ablehnend gegenüber. Auf einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung beider Gruppen erzählt er seine Geschichte und ist erstaunt, wie sehr das viele Zuhörer bewegt. Zum ersten Mal bekommt er Kontakt zu Menschen, denen es ganz ähnlich geht an der Schnittstelle beider „Welten“.

Nach seinem Studienabschluss startet Lee eine Internet Community, das „Gay Christian Network“. Binnen kurzer Zeit sind über 1.000 Leute angemeldet, die sich dort austauschen und einander tragen und begleiten. Die einen lebten zölibatär, die andere in festen Partnerschaften, die einen suchten Freundschaft, andere Liebe, wieder andere suchten Gott. Der gemeinsame Nenner ist die Leidenschaft für Gott und die Überzeugung, dass Christen besser auf Homosexuelle zu- und eingehen sollten. In allen anderen Fragen gibt es ganz unterschiedliche Standpunkte. 2005 findet die erste Konferenz des GCN statt.

Von Anfang an hatte sich Justin Lee an einer Initiative namens „Bridges Across“ orientiert. Deren Gründer waren im Blick auf homosexuelle Partnerschaften geteilter Meinung, aber sie arbeiteten daran, das Verständnis für den anderen zu fördern. Und dabei erschien es nicht hilfreich, die Standpunkte in „pro und contra Homosexuelle“ einzuteilen, ebenso wenig in „konservativ und liberal“. Schließlich sprachen sie von Side A und Side B. Seite A glaubt, homosexuelle Beziehungen sind ebenso gut und wertvoll wie heterosexuelle. Seite B glaubt, die Ehe von Mann und Frau ist Gottes Norm. Lee greift diesen Gedanken auf, er will vorleben, dass Christen auch mit solch unterschiedlichen Meinungen einander tief verbunden bleiben können.

Inzwischen ist das Netzwerk weiter gewachsen. Lee macht sich keine Illusionen, dass die Meinungsunterschiede demnächst passé sein könnten. Um so wichtiger ist es ihm, dass beide Seiten weiter auf einander zugehen, den anderen anhören und respektieren lernen und damit Zeichen setzen in einer Welt, die sich über solchen Fragen in der Regel zerstreitet.

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Ideen von Weiblichkeit und ihre Folgen

Augenzwinkernd fordern ja derzeit manche eine Päpstin, die natürlich irgendwie alles besser und richtig machen würde. Und über Sexismus wurde in den letzten Wochen engagiert diskutiert. Nun führt Elisabeth Raether auf Zeit Online die Debatte weiter – und widerspricht dem inzwischen verbreiteten Eindruck, Frauen seien generell die besseren Menschen. Dagegen hatte ja auch ihr Kollege Martenstein schon auf seine Art protestiert. Aber der ist ja auch ein Mann. Raether dagegen schreibt nicht über Witze und Humor, wenn sie anmerkt:

Früher ging es der Emanzipationsbewegung um das demokratische Prinzip der Gleichheit. Eine Gesellschaft, die Männer und Frauen gleich behandelt, ist gerechter als eine von Männern beherrschte: Das war die einfache wie geniale Idee, aus der manche den Schluss zogen, dass Frauen die besseren Menschen seien und ihnen das moderne Denken in den Genen liege. Dass das Ende der Männer gekommen sei, behauptet der Titel eines Buchs der amerikanischen Autorin Hanna Rosin, das gerade auf Deutsch erschienen ist. Der Grund dafür sei, dass es Männern an sozialer Intelligenz und „der Fähigkeit, stillzusitzen und sich zu konzentrieren“, mangele. Aus biologischen Geschlechterunterschieden Wesensmerkmale abzuleiten, vorgefertigte Meinungen zu haben über die eine Hälfte der Menschheit – das nannte man mal Sexismus.

Es gibt spannende Abrisse der Kultur- und Kriminalgeschichte zu lesen, die eben jene Umkehrung der Klischees in Frage stellen. Zum Beispiel diesen Absatz:

Das berühmte Milgram-Experiment zeigte schon 1961, dass Frauen nicht weniger grausam als Männer sind: Genau wie die meisten Männer hatten sie kein Problem damit, während des Versuchs anderen auf Anweisung einer Autoritätsperson elektrische Schläge zu versetzen. Denn weibliche und männliche Eigenschaften gibt es sehr wahrscheinlich gar nicht. Wohl aber gibt es eine Idee von Weiblichkeit und eine Idee von Männlichkeit, und diese Ideen ändern sich über die Epochen. Eine Zeit lang dachte man, bei Frauen wandere die Gebärmutter durch den Körper, bis sie sich im Gehirn festsetze, was Frauen zu dummen und reizbaren Wesen mache. Irgendwann dachte man, Frauen sollten nicht wählen dürfen, weil sie nichts von Politik verstünden. Heute denkt man, sie seien umsichtig und verantwortungsvoll und gute Chefs.

Und am Ende stellt sie die bohrende Frage, ob man (Mann? Frau?) dem „entfesselten Kapitalismus“ nur ein weibliches Gesicht geben will, damit er weniger bedrohlich wirkt, und damit man nicht das System an sich mühsam und unter großen Risiken ändern muss. So wie viele im Westen Baschar al Assad nicht viel Böses zutrauten, weil er so eine moderne Frau hat.

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Torn (9): Ein neues Dilemma

Der erneute Durchgang durch die Bibel hatte für Justin Lee ergeben: Überall da, wo Homosexualität ausdrücklich erwähnt wurde, wurde sie negativ bewertet. Andererseits war nicht eindeutig klar, dass sich diese ablehnenden Aussagen auch auf verbindliche und liebevolle gleichgeschlechtliche Partnerschaften bezogen. Justin Lee entschloss sich, im fortbestehenden Zweifelsfall lieber weiterhin allein zu bleiben, und die Texte nicht weiter hin und her zu drehen.

Zu seiner Überraschung stellt er fest, dass er den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen hatte. Die entscheidende Frage war nicht die nach dem Inhalt der einzelnen Textstellen, sondern aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet, die Frage nach (das sind jetzt meine Worte) der Mitte der Schrift. In früheren Streitfragen – ob die Bibel Sklaverei billigt oder Frauen von Gemeindeämtern ausschließt und ob man das Recht oder gar die Pflicht zu zivilem Ungehorsam hat – haben sich Christen durchaus auch über den ausdrücklichen Wortlaut einzelner Schriftstellen hinweggesetzt.

Lee findet den Schlüssel zur biblischen Ethik in Römer 13,8-10, wo Paulus die Liebe als die Erfüllung des ganzen Gesetzes bezeichnet, die bedingungslose, selbstlose, verletzliche Liebe, die den anderen so achtet und ihm so zugewandt ist, dass sie ihm nichts Böses zufügt. Wer aufrichtig liebt, tut automatisch das Richtige. Lee verfolgt den Gedanken durch das Corpus Paulinum und findet ihn immer wieder in unterschiedlichen Facetten: Der Weg der Freiheit liegt zwischen den beiden Polen der Gesetzlichkeit und des Hedonismus oder der Willkür.

Dieselbe Logik liegt auch bei Jesus zugrunde, wenn er sich über das Sabbatgebot hinwegsetzt. Für seine Zeitgenossen war das keine Kleinigkeit, sondern der unmissverständliche Beweis, dass Jesus kein echter Prophet sein konnte, sondern nur ein raffinierter Verführer. Zum Streit in Markus 3,4 merkt Lee an:

Aus der regelkonformen Perspektive ergibt das Argument Jesu keinen Sinn. Aber aus einer liebe-deinen-Nächsten-Persepektive ist der Sinn sonnenklar.

Jesus streitet also mit den Pharisäern gar nicht darum, ob das Verbot, am Sabbat bestimmte Dinge zu tun, in seinem Fall (Heilung, Ährenausraufen) zutrifft, er bestreitet also gar nicht, dass er das Sabbatgebot „bricht“. Stattdessen erklärt er, dass das Gebot „für den Menschen“ da ist, oder, um es mit Paulus zu sagen, um uns zu Christus zu führen, um dort dem Geist des Gesetzes zu begegnen, statt beim Buchstaben stehen zu bleiben.

Und so wie ein Arzt dem Patienten manchmal in einem konkreten Fall rät, den Beipackzettel mit seinen Warnungen und Dosierungsanleitungen zu ignorieren und das verschriebene Medikament anders einzunehmen, so kann der Geist Gottes Menschen in bestimmten Situationen dazu anleiten, den Buchstaben des Gesetzes zu missachten. Ob es tatsächlich Gottes Geist war, der diesen Weg gewiesen hatte, muss sich dann an der Frucht dieses Handelns erweisen.

Zweifellos gab es viele Arten homosexuellen Verhaltens, die von Selbstsucht angetrieben wurden und nicht von Agape-Liebe. Vergehen wie Vergewaltigung, Götzenkult, Prostitution, und der Missbrauch von Kindern sind klare Beispiele für die Resultate selbstsüchtiger, fleischlicher Motivation, die keine Liebe zu Gott und anderen ist.

… Aber angenommen, zwei Menschen lieben sich von ganzem Herzen, und sie wollen einander im Angesicht Gottes versprechen, sich zu lieben, zu ehren, wertzuschätzen; einander selbstlos zu dienen und zu ermutigen; gemeinsam Gott zu dienen; einander treu zu bleiben für den Rest ihres Lebens. Wären sie unterschiedlichen Geschlechts, würden wir das heilig nennen und schön und einen Grund zum Feiern. Aber wenn wir nur eine Sache ändern – das Geschlecht eines der beiden – während immer noch die gleiche Liebe, Selbstlosigkeit und Hingabe da wären, würden viele Christen es plötzlich als Gräuel bezeichnen, dem die Hölle droht.

Als ich Römer 13,8-10 wieder und wieder las, fand ich keinen anderen Weg, diese Sicht der Dinge mit dem in Einklang zu bringen, was Paulus uns über Sünde sagt. Wenn alle Gebote in der Regel zusammengefasst sind, dass wir einander lieben sollen, dann waren homosexuelle Paare entweder die einzige Ausnahme von dieser Regel, und Paulus hatte Unrecht – oder meine Kirche hatte einen schlimmen Fehler gemacht.

Mit Furcht und Zittern betritt Justin Lee Neuland, für das er noch keine Karten hat. Wenn er mit seiner Einschätzung falsch liegt, macht er sich schuldig und verleitet andere zur Sünde. Ein erschreckender Gedanke! Aber was, wenn er umgekehrt Recht und die kirchliche Tradition sich geirrt hatte? Was, wenn sie zahllose Menschen unnötigerweise vor den Kopf gestoßen und ihnen den Weg zum Glauben verbaut hatte? War es dann in Ordnung, einfach den Mund zu halten?

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Der Weg der Zerrissenheit

Barbara Bradley Hagerty fragt in ihrem spannenden Buch Fingerprints of God. What Science is Learning About the Brain and Spiritual Experience nach Gotteserfahrungen, die Menschen schlagartig und nachhaltig verändern. Im Kapitel 4 richtet sie den Blick auf Auslöser für solche Erfahrungen spiritueller Transformation. Ein Element sticht dabei hervor: Zerrissenheit (engl.: brokenness).

Zerrissenheit tritt ein, wenn dich das Leben – in der Gestalt von Sucht, Krebs, Alleinsein, Arbeitslosigkeit oder eines undefinierbaren Elends – zu Boden wirft. Sie geschieht, wenn du ans Ende deiner selbst kommst, wenn die eigenen Mittel erschöpft sind, die eigene Kraft und Widerstandsfähigkeit, mit der augenblicklichen Situation fertig zu werden. Du gibst auf, und in diesem Loslassen entdeckst du eine merkwürdige Ruhe. Es ist der einzige Weg, wie so manche störrische Seele Gott findet.

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Frommer Irrsinn

Wir sind sicher nicht die einzigen, die das betrifft, und es ist nicht das erste Mal, dass es mir auffällt. Da haben wir mit „Gott im Berg“ ein Projekt entwickelt, das gut läuft und auch bei Menschen auf Zuspruch stößt, die sonst kaum in kirchlichen Veranstaltungen auftauchen.

Kaum aber machen die ersten „Erfolgsmeldungen“ die Runde, setzt der fromme Tourismus ein. Diese Woche schrieb eine Gemeinde, sie wollten am Karfreitag mit einem ganzen Bus kommen, grob geschätzte Fahrzeit 45 Minuten einfach. Aber das sind nicht die Leute, für die wir uns die Arbeit machen, sondern es geht uns um unsere Nachbarn, Arbeitskollegen und Mitbürger, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommen können, Fahrzeit unter 15 Minuten.

Ich habe immer noch nicht begriffen, was für Christen so toll daran ist, die Veranstaltungen anderer Christen zu besuchen, selbst wenn die etwas origineller sein sollten als die eigenen. Da setzt man sich doch besser auf den Hosenboden und denkt sich selbst etwas aus. Wenn ich höre oder lese, dass anderen etwas gelingt, dann freut mich das und spornt mich an, aber ich organisiere doch keine Busreise! Wenn uns (gewiss: liebe und wohlmeinende) Mitchristen den Keller verstopfen, dann haben wir dadurch weniger Zeit und Ruhe für die Menschen, die uns wirklich am Herzen liegen.

Aber vielleicht hat sich das in einer gewissen Szene längst eingebürgert, weil viele Macher von „evangelistischen“ Veranstaltungen etwas zahlenverliebt sind und dabei vorsichtshalber schon gar nicht mehr fragen, wie das Verhältnis von alten Hasen und „Neuen“ überhaupt aussieht. Plakate und Flyer scheinen sogar bevorzugt an Mitchristen aller Art versandt zu werden, ohne zu vermerken, dass die es zwar gerne weitergeben dürfen (oder auch jemanden einladen und begleiten), aber ansonsten tunlichst daheim bleiben sollten und etwas Vernünftiges tun, statt hier zu konsumieren, oder aus Solidarität zu erscheinen, oder was auch immer sonst die Motivation sein mag.

Lässt sich dieser Irrsinn irgendwie abstellen? Wir haben in diesem Jahr einem christlichen Fernsehsender abgesagt, weil wir nicht ohne Grund fürchten, ein Bericht würde sich ungünstig auf die Besucherstruktur auswirken. Zum Glück sind wir dort auf Verständnis gestoßen. Das ist schon mal ein guter Anfang.

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Ungewisse Sicherheit

Wir hatten gestern in Kooperation von Evangelischer Allianz und Evangelischem Dekanat einen guten Abend zur Situation von Flüchtlingen in Erlangen. Im Vorfeld habe ich am Rande eines Deutschkurses für Flüchtlinge mit ein paar Teilnehmern sprechen können. Schon diese kurzen Begegnungen waren eindrücklich: Eine Kurdin aus dem Irak erzählte, dass – noch zu Saddams Zeiten – ein naher Verwandter von „Sicherheits“behörden verschleppt und zu Tode geprügelt wurde (heute droht dort Gefahr eher durch Terroranschläge), ein junger Iraner war mit seiner Familie zum christlichen Glauben konvertiert und musste deshalb fliehen, ein Mann aus Afghanistan verlor Frau und Kind bei einem Bombenanschlag auf einen Bus.

In fast jeder dieser Familien führten die traumatischen Erlebnisse vor und während der Flucht zu psychosomatischen Erkrankungen, die hier wegen der Sprachbarriere oft nicht oder nicht ausreichend behandelt werden. Und die meisten leiden unter dem ungeklärten Status, hier nur geduldet leben zu können, sie müssen also immer mit einer plötzlichen Abschiebung rechnen und können keine Zukunft planen.

Wir zeigten einen Videoclip mit den oben beschriebenen Interviews, dann entspann sich ein lebhaftes Gespräch zwischen den Besucher/innen und den Vertreter/innen der verschiedenen Initiativen, eine Mitarbeiterin der AWO-Flüchlingshilfe erläuterte die staatliche Asylpolitik von Sammelunterkünften, Taschengeld/Lebensmittelpaketen und Bewegungsfreiheit. Am Ende hatten wir uns gemeinsam einen groben Überblick verschafft über bestehende Hilfsangebote und ein paar neue Ideen schwirrten schon durch den Raum.

Freundlich begleitet wurde das Ganze von der Stadt Erlangen, die das ehrenamtliche Engagement unterstützt, während der Vertreter einer Umlandgemeinde die Veranstaltung unter leisem Protest verließ, weil sie ihm zu „politisch“ erschien. Aber dass es kein kulinarischer Abend sein würde, wenn der Titel „Ungewollte Nachbarschaft“ lautet, war ja eigentlich klar.

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Torn (8): Zurück zur Bibel

Der Kulturkampf zweier Lager und Lebenskonzepte, die nach eigener Überzeugung die jeweils andere ausschließen, stellt Justin Lee vor die Frage, auf welche Seite er sich schlägt. Die christliche Subkultur ist ihm bislang jede Antwort auf die Frage, wie er denn nun als (alleinstehender) mit seiner homosexuellen Orientierung leben solle, schuldig geblieben.

Bei seiner Suche in der Bibel beginnt er in Genesis 19, mit dem Untergang Sodoms. Und er stellt fest, dass Homosexualität dort keineswegs als das Hauptproblem oder die Kardinalsünde der Bewohner von Sodom erscheint. Dass diese geschlossen über Lots Gäste herfallen wollen, ist kaum sinnvoll als Folge gleichgeschlechtlichen Begehrens zu verstehen, sondern als ein Akt gewaltsamer Erniedrigung Fremder. Darauf deuten auch die auffälligen Parallelen zu Richter 19 hin. Über auf Liebe und gegenseitige Treue hin angelegte Beziehungen zwischen Partnern gleichen Geschlechts sagt die Geschichte nichts aus.

Ähnlich ist es in Levitikus 18,22. Lee erkennt schnell, dass die gern verwendete Unterscheidung zwischen Kultgesetzen und Moralgesetzen hier nur zu künstlichen und willkürlichen Resultaten führt, weil den Texten selbst ein solcher Unterschied völlig fremd ist. Selbst konservative Exegeten (er zitiert Robert Gagnon) sind hder Auffassung, es gehe bei diesem Verbot um Tempelprostitution. Damit wäre es erstens nachvollziehbar, zweitens aber auf einen Kontext bezogen, der heute kaum anzutreffen ist.

Der große gedankliche Bogen, den Paulus in Römer 1,18-32 schlägt, wirft eine Menge Fragen auf. Zum Beispiel, ob Homosexualität als Strafe Gottes gegenüber Menschen anzusehen ist, die sich von ihm abkehren. Wie aber könnte diese Strafe jemanden treffen, der im Glauben groß geworden war und ihn nie hinter sich gelassen hatte? Von wem spricht Paulus also da in der dritten Person Plural? In den Kommentaren zu dem Abschnitt wird immer wieder auf heidnische Kulte Bezug genommen. Und „Götzendienst“ war der pauschale Grundvorwurf des religiösen Judentums gegenüber der heidnischen Umwelt. Paulus greift diese relativ grobe Polemik, der die meisten Juden ohne Zögern zustimmen würden, in Römer 1 auf, um ihr negatives Urteil über die heidnischen Zeitgenossen in 2,1 dann gegen sie selbst zu wenden – mit demselben Überraschungseffekt, den Nathan gegenüber König David schon erfolgreich eingesetzt hatte.

Beim Verständnis von 1.Kor 6,9-11 hängt dagegen alles an einem in seiner Bedeutung strittigen Wort, dem griechischen Begriff arsenokoitai, der außer in 1.Tim 1,10 nirgends mehr auftaucht. Unter diesen Bedingungen ist seine Bedeutung schwer zu klären. Geht es wieder um Kultprostitution, geht es um die griechische „Knabenliebe“ (ein verheirateter, älterer Mann hält sich einen jugendlichen Liebhaber), oder werden tatsächlich auch Liebesbeziehungen auf Gegenseitigkeit und Augenhöhe, wie es sie heute gibt, damit abgelehnt? Vorschnelle Verallgemeinerungen sind problematisch. Es kommt ja auch niemand auf die Idee, das negative Urteil der Bibel über „Zöllner“ auf unsere heutigen Finanz- und Zollbeamten zu übertragen.

Hätte irgendeiner dieser Schriftstellen irgendetwas zu verantwortlichen und treuen homosexuellen Beziehungen gesagt, pro oder contra, oder über ernsthafte Christen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen, oder von der Notwendigkeit, dass Menschen wie ich allein bleiben, hätte ich das so hingenommen. Aber das taten sie nicht.

Andererseits war zumindest bei dem Begriff arsenokoitai nicht zweifelsfrei klar, dass er sich nicht auch auf homosexuelle Partnerschaften beziehen könnte. Eine Pattsituation: Man konnte es so herum betrachten oder andersherum. Lee fragt sich, ob er den Texten vielleicht voreingenommen begegnet sein könnte und stellt eine doppelte Tendenz bei sich fest: Den Wunsch nach einem Partner und zugleich die Angst, all das in Frage zu stellen, was ihm über die Bibel und Homosexualität beigebracht worden war. Kann man diesen inneren Knoten entwirren?

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Torn (7) Die Bombe im Gepäck

Je länger, je mehr hat Justin Lee den Eindruck, dass seine evangelikalen Mitchristen Fehlinformationen über Homosexualität aufgesessen sind, und dass aufgrund der Fehlinformationen nun wohlmeinende Menschen dazu beitrugen, dass die Fronten, zwischen denen er und andere sich wiederfanden, zunehmend härter und undurchlässiger wurden.

Er beschreibt eine Szene aus einem Actionfilm: Die Protagonisten verfolgen einen Lieferwagen, in dem Terroristen angeblich eine Bombe versteckt haben, quer durch einen belebte Stadt. Als sie den Wagen endlich einholen und nachsehen, stellen sie fest, dass er leer ist. Die Bombe befand sich schon die ganze Zeit in ihrem eigenen Auto, und nun haben sie selbst den Sprengsatz ans Ziel gebracht. Ein Bild für konservative Christen und ihren verbissenen, oft unbarmherzigen Kulturkampf, der viele vor den Kopf stößt:

Der Sauerteig der Fehlinformation über Homosexuelle hat sich in der ganzen Kirche ausgebreitet, und er hat die Kirche nicht nur zum mutmaßlichen Feind der Homosexuellen gemacht, sondern auch zu ihrem eigenen schlimmsten Feind.

Freilich betrifft das nicht alle Christen. Lee räumt ein, dass er den Begriff „Christen“ bis dahin für den Evangelikalismus als wichtigste Kraft im nordamerikanischen Protestantismus verwendet hat (was wiederum auch dem Sprachgebrauch vieler Evangelikaler entspricht). In theologisch liberalen Kreisen hat man als Homosexueller keine Probleme. Der Preis dieser Freiheit aber ist für ihn eine theologische Unverbindlichkeit und Schwammigkeit in ganz zentralen Glaubensfragen, etwa bei der Auferweckung Jesu von den Toten (theoretisch liegt zwischen diesen beiden Polen noch ein weites Feld, das kommt aber an dieser Stelle nicht in den Blick).

Er lernt parallel zu den christlichen Aktivitäten die Schwulen- und Lesbenszene kennen, die sich auch organisiert hat und sich zum Teil aggressiv gegen die „Christen“ positionierte. Dort wird er mit seinen eigenen Hemmungen und Verkrampfungen konfrontiert, der Fremdheit, die er aus seiner evangelikalen Kinderstube mitbringt. Zögernd begleitet er ein lesbisches Paar in eine Szenebar – es wird ein Kulturschock vor allem insofern, als er als braver Southern Baptist das Rauchen, den Alkohol und das Tanzen überhaupt nicht gewohnt und schon allein deshalb alles andere als entspannt war. Andererseits muss er sich dort keiner Avancen oder gar Übergriffe erwehren.

Die Spannung zwischen den beiden Welten, der verinnerlichte Kulturkampf, stürzt Justin Lee schließlich in eine tiefe Krise. Die Lösung findet er nicht in Medikamenten, sondern in dem Entschluss, sich nicht mehr zu fürchten und sich nicht mehr durch die bestehenden Konfrontationen definieren zu lassen. Um die Frage nach seinem weiteren Weg im Leben zu klären, greift er erneut zur Bibel.

(hier geht’s zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6)

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