Mission und die Machtfrage

Orientierungslosigkeit ist heute der Exportschlager der westlichen Gesellschaften. Für mich ist das Grund genug, weiterhin Mission zu betreiben. Das hat nichts mit Seelenabspenstig-Machen zu tun. Für mich ist das Christentum der Weg zum Heil. Dieser Weg ist von Jesus Christus vorgezeichnet, und dieser Weg stellt meines Erachtens die Antwort auf die Menschheitsfragen dar. Zum einen, weil uns das Christentum ein schöpfungsgerechtes, realistisches Menschenbild liefert. Und zum anderen, weil wir als Christen eine Autorität anerkennen, die jede Macht der Welt infrage stellt, auch die Macht des Zeitgeistes. Ich glaube, dass nur ein solcher Glaube den Menschen vor sich selbst zu schützen vermag.

Notker Wolf

Technorati Tags: , , ,

Share

Sex & Crime – mal ganz anders

Ein paar resolute Kolumbianerinnen haben dem organisierten Verbrechen einen empfindlichen Schlag versetzt, berichtet die Times süffisant: “Colombian sex strike forces gangsters to sheathe weapons”.

Die Freundinnen der Gang-Mitglieder traten in den Sex-Streik, weil sie lieber den Zorn der Männer ertragen wollten als zu deren Beerdigung gehen zu müssen. Nach etwa 10 Tagen finden die schweren Jungs an, klein beizugeben und der Gewalt abzuschwören, um nicht mehr von der Bettkante geschubst zu werden.

Das ganze fand statt in der Stadt Pereira, wo im vergangenen Jahr 488 der 500.000 Einwohner gewaltsam ums Leben kamen, 90% davon waren Bandenmitglieder zwischen 14 und 25 Jahren. Die Strategie hatten die Frauen sich von den Athenerinnen abgeguckt, die angeblich im peloponnesischen Krieg (411 v.Chr.) damit erfolgreich waren.

Da sieht man, wer im Macho-Land die Hosen tatsächlich an hat 🙂 Nebenbei: Wäre das nicht auch ein Rezept gegen korrupte Bosse und Politiker, gnadenlose Chefs, Terroristen oder Mafiosi?

Technorati Tags: , , , ,

Share

Bücher, Bücher und nochmal Bücher

Simon hat es mir eingebrockt und es hat mich ein Weilchen beschäftigt, aber hier ist nun meine Liste:

|1| Ein Buch, das dein Leben verändert hat:
First Things First von Steven Covey

|2| Ein Buch, das du mehr als einmal gelesen hast:
How the Irish Saved Civilization von Thomas Cahill

|3| Ein Buch, das du auf einer einsamen Insel gern bei dir hättest:
Divine Conspiracy von Dallas Willard

|4| Ein Buch, das dich zum Lachen gebracht hat:
How to be good von Nick Hornby

|5| Ein Buch, das dich zum Weinen gebracht hat:
Christianity Rediscovered, von Vincent Donovan

|6| Ein Buch, das hätte geschrieben werden sollen:
Autobiografie des Apostels Paulus, aber bitte vollständig… 🙂

|7| Ein Buch, das nie hätte geschrieben werden sollen:
Alles von Alexander Seibel

|8| Ein Buch, das du gerade liest:
Worauf warten wir? von Notker Wolf

|9| Ein Buch, das du schon immer mal lesen wolltest:
Dantes göttliche Komödie

|10| Lade fünf andere Blogger ein, mitzumachen:
Thomas, Stephan, Tobias, Björn, Alex

Technorati Tags:

Share

ora et labora

Unsere Tradition der Freiheit hängt eng mit der Grundidee des benediktinischen Mönchtums zusammen. Auf die kürzeste Formel gebracht, lautet sie “ora et labora!” und zielt auf eine doppelte Freiheit ab: Aus dem Gebet, also der Beziehung zu Gott, schöpfen wir die Kraft, den Verlockungen der wechselnden Heilsversprechen von politischen Ideologien oder utopischen Verheißungen zu widerstehen – das Gebet steht also für die geistige Unabhängigkeit. Und die Arbeit sichert jedem Kloster die finanzielle Unabhängigkeit eines eigenständigen Wirtschaftsbetriebs – sie bewahrt unsere Gemeinschaften davor, sich dem Willen einflussreicher “Sponsoren” beugen zu müssen. Für mich ist diese Aufforderung zu Arbeit und Gebet deshalb eine Freiheitsdevise von zeitloser Gültigkeit.

Abtprimas Notker Wolf, “Worauf warten wir? Ketzerische Gedanken zu Deutschland”, S. 47f.

Technorati Tags: , , , , ,

Share

Schein und Sein

Eben kam ich, halb seekrank ob der ungewohnten Aussichten, mit meiner neuen Brille (Nr. 3, für alle, die mitüberlegt haben) auf den Nase aus der Stadt zurück. Gehen und Radfahren sind plötzlich zum Abenteuer geworden, so lange die Umstellung dauert.

Martina fand, endlich sähe ich so aus, wie ich wirklich bin. Zum Glück meinte sie nicht alt, sondern intellektuell. Aber sie hat ja selbst so eine Schlaumeier-Brille. Inzwischen haben das etliche andere wiederholt, so dass ich schon befürchte, sie könnten sich zu meinem Trost abgesprochen haben. 😉

Hoffentlich zementiert das mein Image nicht in der Richtung, dass es noch mehr Leute einschüchtert oder mich als gefühlslahmen Kopfmenschen erscheinen lässt…?

Technorati Tags:

Share

Rosa Monitor oder echter Mutmacher?

Zumindest der Christian Science Monitor sieht die Lage schon rosiger als die meisten Christen und unsere deutschen Medien: Germans Reconsider Religion – Die Deutschen geben der Religion wieder eine Chance.

Die angeführten Punkte stimmen. Aber es fehlen natürlich ein paar andere, vor allem der Hinweis auf die ungünstige Altersstruktur der Kirchen und die Tatsache, dass weite Teile Ostdeutschlands völlig entkirchlicht sind.

Aber Ermutigung können wir gebrauchen, Warum also nicht mal die positiven Seiten dankbar würdigen. Und das Habermas-Zitat ist lesenswert – ich muss mal sehen, wo das auf Deutsch steht…

Technorati Tags: , ,

Share

Soziales Kapital

Eine Passage aus dem Vortrag von Michael Herbst gestern geht mir noch nach. Er passt zum Votum des Leipziger OBs, der den Kongressteilnehmern sagte, wie wichtig es sei, daran zu erinnern, dass der Mensch nicht vom Brot allein lebt. Hier der Auszug:

In soziologischer Sprache hat es Robert Putnam so ausgedrückt: Es gibt nicht nur materielles Kapital, sondern auch soziales Kapital. Soziales Kapital besteht aus den Netzwerken von – natürlich! – Beziehungen, gegenseitiger Hilfe, Verlässlichkeit.
Menschen bleiben miteinander verbunden. Ohne soziales Kapital geht eine Gesellschaft unter. Negativ formuliert: “If you don’t go to somebody’s funeral, they won’t come to yours.” Oder positiv formuliert, wie in der Einladung zu einem Fundraising-Fest der Feuerwehr: „Come to our breakfast, we’ll come to your fire“.

Putnam unterscheidet dabei „bonding capital” von „bridging capital“. Bonding capital schafft eine hohe Loyalität zur eigenen Gemeinschaft, ein starkes Gruppenbewusstsein, freilich oft auch in massive Abgrenzung von ”denen da draußen“, den anderen, dem Fremden. Bridging capital sucht den Brückenschlag zum Fremden und will Gemeinschaft nicht nur in den eigenen engen Grenzen. Das soziale Kapital, so Putnam, sinkt in den Vereinigten Staaten, und zwar heftig, etwa seit 1960. Eine Ausnahme bilden evangelikale Gemeinden, aber deren starkes soziales Kapital ist fast ausschließlich „bonding” und nicht „bridging“. Aber es ginge in einer missionarischen Kirche genau darum: um bridging capital.

Wenn ich unsere Sorge und Ängstlichkeit beschreibe, dann sehe ich diese Sorge um uns selbst, um uns als Gemeinde, ich sehe sie übrigens in allen „Typen” von Frömmigkeit. Ich sehe, nicht überall, aber häufig, eine Binnenzentrierung, die gar nicht wahrnimmt, was da draußen passiert, sondern voll und ganz mit sich beschäftigt ist, wenn sie nicht sogar dezidiert, mal verschämt, mal offen sagt: Die da draußen wollen wir gar nicht hier drinnen haben.

Technorati Tags: , , , ,

Share

Nichts wie raus aus Legoland

Ökonomen sind Künstler. Sie reduzieren die Wirklichkeit. Der Künstler sieht ein Gesicht, einen Baum und reduziert es auf das Wesentliche, er verfremdet, verwirft, gestaltet um, bis etwas Neues entsteht. Wie der Ökonom. Er reduziert die Welt und blendet vieles aus.

… Es ist ein Legoland mit vielen Klötzen. Alles ist übersichtlich. Doch etwas unterscheidet den Ökonomen vom Künstler: Der Maler weiß, dass er Kunst macht. Der Ökonom nicht. Pablo Picasso dachte nie, dass sein Guernica ein Foto des spanischen Bürgerkrieges ist. Der Ökonom aber schaut auf die Lego-Welt und sagt: “So ist das Leben.”

… Keine einzige der fünf Rezessionen hierzulande hat ein Forscher vorhergesagt, den Internetboom in den Neunzigern auch nicht. Im Herbst 2002 erwarteten die Institute für 2003 ein Wachstum von 1,4 Prozent, tatsächlich schrumpfte die Wirtschaft um 0,2 Prozent und derzeit rätseln alle, warum hierzulande Jobs entstehen. Das Öl ist zu teuer, und Angela Merkel vergeigt die Reformen.

Andreas Hoffmann in der SZ

Technorati Tags: , , ,

Share

Leipzig: der zweite Tag

Ich war das letzte Mal vor neun Jahren in der Stadt und der Unterschied ist gewaltig. Die Innenstadt scheint bei dem schönen Wetter vor Leben zu bersten. Leider lässt der Kongress zu wenig Zeit, um das auszukosten.

Heute morgen war ich bei einem Forum mit Bischof Cotrell aus Reading (GB) und Bischof Fischer aus Karlsruhe. Kein Ort der radikalen Querdenker, sondern der behutsamen und diplomatischen Umsetzer. Aber es ist ja auch schön zu hören, dass die Ideen einiger “Radikaler” zu Fragen von Evangelisation und neuen Gemeindeformen in den letzten 10-15 Jahren in den anglikanischen Mainstream eingewandert sind. Und in Baden soll nun an der Kirchenverfassung gearbeitet werden, um andere Gemeindeformen möglich zu machen.

Dsc00288 Dsc00292 Dsc00299

Das alles macht Hoffnung – auch für die Pioniere, die sich damals einiges haben anhören müssen für das, was heute Bischöfe und Kirchenpapiere als normal darstellen. Das Territorium ist allmählich an die Siedler übergegangen. Noch sind es eher die mobilen und flexiblen, die hier siedeln, doch andere werden folgen. Viele Dinge, die wir über Alpha oft lange erklären müssen, konnten wir heute im Workshop (Bild Mitte) nur mal so antippen und es war genug.

Natürlich ist das kein Grund, mit der Erkundung neuer Territorien innezuhalten. Irgendwo müssen sich ja auch in 20 Jahren wieder Leute ansiedeln können. Wir müssen also weiter Querdenken, experimentieren und dann damit leben, dass andere es aufgreifen, weiterverbreiten (und es scheint, als sei es deren Idee gewesen).

Technorati Tags: ,

Share

Auszüge aus Bischof Hubers “Zeitansage”

Angesichts der schwierigen, aber nicht hoffnungslosen demographischen und finanziellen Entwicklung rät der Ratsvorsitzende der EKD unter anderem dies:

… Gerade in einer solchen Situation sind neue Initiativen nötig. Wenn wir unserem Auftrag gerecht werden und bisher Kirchenferne mit unserer Botschaft erreichen wollen, brauchen wir dafür neue Ansätze und Impulse. Ohne den Mut, bisher Vertrautes aufzugeben, wird das nicht gehen. Manche Arbeitsfelder werden an Bedeutung verlieren; andere werden stärker betont werden. Manches wird nicht mehr im gewohnten Umfang durch berufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrgenommen werden; die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements wird steigen. Manches am immobilen Besitz der Kirche werden wir abgeben oder umnutzen.

… Die Geschichte der Kirche zeigt: jeder Aufbruch der Kirche war und ist verbunden mit der Rückbesinnung auf die Grundlagen unseres Glaubens. Er ist damit verbunden, dass die Veränderung nicht resignativ erduldet, sondern zuversichtlich gestaltet wird. Er hat damit zu tun, dass veränderte Bedingungen als Herausforderung zu einem Mentalitätswandel verstanden werden. Mentalitätswandel – das ist ja genau betrachtet nur ein anderes Wort für metanoia, Wandel des Sinns, Umkehr.

„Auszüge aus Bischof Hubers “Zeitansage”“ weiterlesen

Share

AMD Theologenkongress in Leipzig: Die Kirchengestalt der Zukunft

Die Eröffnung und Bischof Hubers Zeitansage habe ich verpasst, aber inzwischen via USB Stick auf meiner Festplatte. Aber als ich heute den Hauptbahnhof verließ, flimmerte mir von der Multimediawand schon Pfarrer Führer von der Nicolaikirche und ein Hinweis auf den Kongress entgegen.

In St. Nicolai findet auch das erste Forum statt, an dem ich teilnehme, bevor ich weiter zur Peterskirche pilgere, wo unser Stand von Alpha aufgebaut ist. Morgen nachmittag werde ich mit Swen Schönheit aus Berlin und Armin Beck aus Kassel einen Workshop über Alpha machen. Noch mehr aber freue ich mich auf die Begegnung mit alten Bekannten und hoffentlich auf vielen neuen interessanten Leuten, die Hoffnung auf eine wachsende Kirche (so das Kongressmotto) haben und ausstrahlen.

Dsc00280
Kunstbeflissene Seniorengruppen wandern durch den historischen Kirchenraum. Der Titel des Forums – im Kontrast zu so viel Vergangenheit und Alter – ist “Phantasie für eine Kirchengestalt der Zukunft” mit Rainer Knieling aus Wuppertal, Burghart Krause aus Göttingen, Paul Michael Zulehner aus Wien (den wollte ich schon lange einmal hören). Hier ein paar der wichtigsten Aussagen von Zulehner, den ich jetzt – als Nicht-Pfarrer – am Interessantesten fand, am Ende noch eine Prise Burghart Krause:

Technorati Tags: , , ,


„AMD Theologenkongress in Leipzig: Die Kirchengestalt der Zukunft“ weiterlesen

Share