Ware Erleuchtung

Simon hat eine kritische Diskussion über diesen Artikel von Christian Nürnberger gestartet, der auf etlichen Blogs zitiert wurde, und angekündigt, einen Beitrag zur Verhältnisbestimmung von Kirche und Management zu schreiben.

Ich will dem nicht vorgreifen, fand aber beim Nachlesen, dass es Nürnberger vielleicht doch mehr um einen anderen Aspekt ging. Niemand hat etwas gegen gutes Management in der Kirche, d.h. den verantwortlichen Umgang mit Kräften und Ressourcen (altmodisch: Haushalterschaft). Probleme macht höchstens, dass modernes Management in der Regel am Kriterium der Effizienz gemessen wird, und die ist im Reich Gottes manchmal ganz schwer zu definieren. Phil Vischer etwa hat dazu ein paar gute Gedanken auf Out of Ur: The false gospel of impact.

Nürnberger aber kritisiert, dass die Kirchen das Christentum als Wohlfühl-Religion vermarkten. Und damit legt er seinen Finger in eine schmerzhafte Wunde. Hier ein paar Kernsätze:

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Zu lange Beine?

Das Verhalten der gegenwärtigen US-Regierung geht deutlich hinaus über das übliche Maß an Selbstbetrug in einer Gesellschaft. Das Verdrehen der Wahrheit scheint das einzig konstante Verhaltensmuster der Bush-Administration zu sein: Heute konnte man überall lesen, dass der UN-Klimabericht auf Druck der USA und Chinas so frisiert wurde, dass die beiden Länder in einem besseren Licht dastehen – und sich damit vormachen können, sie müssten nichts unternehmen.

So, wie man es mit der Propaganda zur Legitimierung des Irak-Kriegs zuvor schon getan hatte und wie man das nach wie vor wider besseres Wissen fortsetzt. Der Schaden durch den Krieg ist längst unabsehbar, und das Verdrängen der Klimakatastrophe wird nun ebenso schwer wiegende Folgen haben – nur leider nicht mehr für die Verantwortlichen von heute. Das Ärgerliche: Die Beine dieser Lügen sind leider nicht kurz genug…

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Das eigentliche Rätsel von Ostern

Warum gibt es das eigentlich so selten in unseren Zeitungen, was Gerard Baker in der Times zu Ostern schreibt. Statt ( wie unsere Jungs alle) über die Lage des Jesusgrabes zu grübeln, zeigt er, wo das eigentliche Rätsel liegt:

Es reicht also nicht, wenn man glaubt, dass Christus nur ein guter Mensch war, ein Lehrer der Moral, das klassische Opfer eines grausamen Unrechts? Es geht nicht. Wie man es dreht und wendet, die Geschichte von Karfreitag verändert die Welt kein bisschen ohne die Auferstehung. Nicht nur, weil Jesus ohne sie nur ein weiterer Mensch wäre, der in einer verdorbenen Welt ungerecht behandelt wurde. Sondern weil es erst der Schock des leeren Grabes am Sonntagmorgen ist, der uns hilft zu verstehen, was sich am Freitag abgespielt hat.

Es bringt uns dazu, zu verstehen, dass alles Leiden und Sterben nicht das Ergebnis einer grauenvollen Verfolgung eines Menschen durch isolierte Gruppen von Juden oder Römern oder ehemaliger Freunde und Anhänger war. Sondern dass das Opfer ein Mensch war, der für die ganze Menschheit stand. Dass wir in diesem erschütternden Augenblick irdischen Leidens mit dem Schöpfer aller Dinge völlig vereint worden sind (…). Die Vorstellung, dass Gott selbst mit uns litt, damit wir alle gerettet werden können, ist der geheimnisvolle Kern der Geschichte, an die wir uns dieses Wochenende erinnern.

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Erlösungsbedürftige Sprache

Da ich oft am Wortspielen und Kalauern bin, habe ich meine Frau heute rein um der Alliteration willen als “mütterliche Martina” bezeichnet (zu meiner Verteidigung: der erste Anlauf war “mutige Martina” und das stimmt auch). Jedenfalls: Sie hat ziemlich das Gesicht verzogen.

Ich habe es auch verstanden und mich (bzw. uns beide) gefragt, warum “mütterlich” so einen komischen Beigeschmack nach Glucke, Orangenhaut und Wollsocken hat. Hat es damit zu tun, dass (viele?, manche?, oder doch alle?) Männer oder inzwischen gar unsere ganze Gesellschaft Frauen in der zwiespältigen Perspektive Heilige/Hure sehen und Mütter in dieser Logik als gut, aber auch ziemlich langweilig erscheinen?

Wichtiger eigentlich noch – Sollte nicht jemand diesen Begriff mal erlösen? Und wie könnte das gehen?

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Bei der Northumbria Community (2): Worte, die mich tragen

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Ein besonderes Erlebnis während der Tage im Norden waren die liturgischen Gebete. Sie geben dem Tag eine Struktur und einen Rhythmus, den ich kurz erklären muss, bevor ich zu dem komme, was es bei mir bewirkt hat: Das Morgengebet um 9:30 Uhr, das kurze Gebet mittags um 12:00 Uhr, das Abendgebet um 19:15 Uhr und die Compline um 21:30 Uhr. Bis auf die Compline (oder deutsch Komplet) haben die Gebete jeden Tag dieselbe Liturgie, und die alten Hasen sprechen sie auswendig. Immer ein anderes Mitglied der Gemeinschaft hat die Leitung, es gibt also keine Hierarchie. Manchmal werden die Texte auch gesungen – und da war für mich die Zeit zu kurz, um die Melodien zu lernen. Morgen- und Abendgebet enthalten mehrere Schriftlesungen und Meditationen. Letztere wiederholen sich monatlich, die Lesungen sind für jeden Tag des Jahres ausgesucht. Die meisten der rund 300 Mitglieder der Gemeinschaft leben verstreut und sind durch diese Form des Gebets verbunden – auch deshalb, weil morgens und abends für jeweils drei “Companions” gebetet wird, deren Namen aus einem kleinen Korb mit Zetteln gezogen werden.


“Celtic Daily Prayer” (Northumbria Community)

Viele Protestanten argwöhnen ja, dass man Liturgien und Riten irgendwann hirn- oder herzlos herunterleiert (was von beiden schlimmer ist, bestimmt dann die jeweilige Tradition, aus der man kommt – außer beim Singen von frommen Liedern, da ist es plötzlich ganz ok) . So, als sei das Leiern und Abschalten erstens unvermeidlich und zweitens eine Katastrophe. Meine Erfahrung war eine andere:

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Ist er nicht süß?

Nein, ich meine nicht Knut (und der wird auch nicht versteigert, wie die SZ zum 1. April witzelte). In New York hat der Künstler Cosimo Cavallaro unter dem Titel “My Sweet Lord” einen 1,80m großen Jesus aus Milchschokolade gegossen und sich damit bitterer Kritik der katholischen Kirche ausgesetzt, weil er auch noch anatomisch detailgetreu erscheint – nackt also. Mit Mohammed, so die Kritiker, hätte man das nie gewagt, im Ramadan schon gleich dreimal nicht. Stimmt wohl, aber haben wir nicht auch andere Standards von Freiheit und Toleranz?

Der künstlerische Leiter der Galerie in Manhattan hat inzwischen seinen Rücktritt angeboten. Warum eigentlich? Ich finde, es gibt nicht nur im buchstäblichen Sinn geschmacklosere Sachen. Und die Frage, ob Jesus nicht hier und da tatsächlich pappsüß stilisiert worden ist, ist doch berechtigt – gerade unter Christen.

Am Ende klagen nun auch noch die Erben von George Harrison? Der hatte für den gleichnamigen Song seinerzeit ja auch einen Prozess am Hals, allerdings weil es wohl ein Plagiat war.

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Full House

Es ist so weit, wir sind als Familie wieder komplett. Gestern Abend haben wir Deborah in München vom Flieger abgeholt. Sie spricht nun fließend Cumbrian und ist darauf auch ungefähr so stolz wie Martina einst auf ihren dicken irischen Einschlag. Über Oxford-English rümpft sie nur die Nase.

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Jetzt packt sie ihren Koffer aus und versucht, hier auch innerlich wieder zu landen – aber nicht zu sehr, schließlich hat sich durch drei Monate Ausland viel verändert. Wir sind jedenfalls froh, sie wieder zu haben – auch wenn uns bewusst geworden ist, dass auch das eine befristete Sache ist. Heute ist nebenbei unser 18. Hochzeitstag. Alles ist voller Erinnerungen, Träume und Hoffnungen bei solch einem mehrfachen Anlass. Und voll Dankbarkeit.

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Welcher Wein zu Ostern?

Die Nachricht passt in die beginnende Karwoche: Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern hat einen Deal mit Jacques‘ Wein Depot abgeschlossen. Künftig wird die Kette den Abendmahlswein für die lutherischen Gemeinden in Bayern liefern (Preise sind nicht bekannt, sollen aber sehr günstig sein). Im Gegenzug dazu sind die Gemeinden angehalten, in den Abkündigungen oder im Gemeindebrief bekannt zu geben, welchen Wein man zum Abendmahl reicht, am Karfreitag etwa einen 2005er Cabernet Sauvignon aus dem chilenischen Colchagua Valley.

Kritik kam indessen vom fränkischen Winzerverband. Dessen Vorsitzender Karl F. von Löwenstein sprach sich für den regionalen Einkauf von Wein aus. Unterstützung kam vom Bund Naturschutz, der bezweifelte, dass die Weine aus dem Sortiment von Jacques den ökologischen Standards genügen, auf die die Kirche bisher immer großen Wert gelegt hatte. Das Landeskirchenamt äußerte in einer Pressemitteilung Verständnis für die Sorgen, verwies aber auf die strengen Auswahlkriterien, die man mit Jaques‘ vereinbart habe, und die erheblichen Einsparungen, die diese Zusammenarbeit ermögliche. Zudem seien die Weine aus unterschiedlichen Ländern und Regionen auch ein Ausdruck der Universalität des christlichen Glaubens.

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Bei der Northumbria Community (1): Einfach Leben

Ein Klopfen unterbricht das gesammelte Schweigen zwischen den liturgischen Blöcken des Mittagsgebets. Es ist laut und vor allem schnell wie ein Trommelfeuer. Ein Schmunzeln macht sich breit und die geschlossenen Augen der Anwesenden blicken amüsiert auf – aber nicht zur Tür, sondern nach oben zum Dach. Dort hat sich nämlich ganz offenbar der Specht, den wir tags zuvor noch im Garten gehört hatten, unserem Gotteslob angeschlossen und hämmert fröhlich vor sich hin. Die kleine Kapelle aus ein paar Balken und ungehobelten Brettern gibt einen großartigen Resonanzkörper ab.

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Kein ganz untypisches Erlebnis in Nether Springs, dem Zentrum der Northumbria Community, die sich seit gut dreißig Jahren dem Erbe des keltischen Christentums verpflichtet weiß. Also hat man eine ausgesprochen schlichte Kapelle gebaut, die im Winter kalt und zugig ist, aber dafür hört man die Vögel und den Wind beim Beten durch. Im Garten stehen zwei weitere kleine Hütten – eine aus Feldsteinen mit einem Strohdach, eine andere aus Holz. Dorthin kann man sich zurückziehen zu Gebet und Meditation, oder aber sich auf den Weg durch die einsame Weite der Hügel von Northumberland machen, wo man auf der Straße außer Schulbus und Postauto auch meistens die Stille genießt.

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Auch mal Vorbild sein

Axel Hacke hat in seiner unnachahmlichen Art beschrieben, wie es ist, wenn man im Vergleich gegen andere Männer schlecht abschneidet und vorgehalten bekommt, was dieser oder jener seiner Frau zuliebe so alles tut.

Letzte Woche ist mir das (zum ersten Mal seit langer, langer Zeit) auch mal anders herum passiert: Ich erzählte Freunden, dass ich Martina vorletztes Jahr einen Tanzkurs zu Weihnachten geschenkt habe. Und ein Jahr später (das hätte ich auch nicht gedacht) sind wir für den Gold-Kurs angemeldet. Steile Karriere vom Tanzmuffel zum Medaillisten also. Sie (die Frau meines Freundes) war begeistert von der Story – und den Rest muss man sich vielleicht so vorstellen wie bei Axel Hacke:

Und ich sah Interesse in den Augen Annas und in denen ihres Mannes erblickte ich etwas wie, nun ja, war es Angst? War es Hass? Jedenfalls wusste ich: In diesem Moment war ich Anderemänner für ihn und würde es noch eine Weile bleiben, und, wie soll ich sagen: Es war ganz schön, Freunde, es war ganz okay.

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Vollmacht

Am letzten Morgen in Nether Springs bin ich vor dem Frühstück die 4 km hinüber zu Cuthbert’s Cave gejoggt – zum Abschied sozusagen. Auf dem Rückweg musste ich eine Farm durchqueren und sah vor mir einen großen Schäferhund mitten auf dem Weg. Weit und breit kein Herrchen, das mir – wie in heimischen Gefilden – milde lächelnd versichert hätte “Der macht doch nix”.

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Aber offenbar hatte ich von dem Ort, den der Sarg des Heiligen auf dem Weg von Lindisfarne nach Durham passiert hatte, eine Ladung Autorität abbekommen. Der Hund jedenfalls drehte sich sofort um, als er mich kommen sah, und lief ins Haus. Sah er alt und müde aus, als er davon trottete? Nein, nein – es war ganz bestimmt meine tiefe Ausstrahlung…

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Weitblick

Ein Horizont begrenzt nur das, was sich dem Auge unmittelbar erschließt. Wir wissen alle aus Erfahrung, dass man nach einer gewissen Wegstrecke oder aus einer neuen Perspektive darüber hinaus blicken kann. Was früheren Generation vielleicht als der Rand der Welt erschien, das begreifen wir nun als die Grenze dessen, was wir verstehen.

Mike Riddell, Sacred Journey. Spiritual Wisdom for Times of Transition, S. 18f

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Pilgerreise

Spät abends bin ich gestern von meiner Pilgerreise zurückgekehrt. Am Montag morgen hatte ich sie in Durham begonnen, mit einem Gebet am Grab von St. Cuthbert. Montag bis Donnerstag war ich zu Gast bei der Northumbria Community in Hetton Hall.

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Das Haus liegt nur ein paar Kilometer landeinwärts von Holy Island, wo das Kloster Lindisfarne lag, dessen Abt Cuthbert lange Jahre war. Auf dem Weg zum Rückflug von Glasgow (fast wäre ich im Berufsverkehr stecken geblieben…) bin ich am Tweed entlang schließlich noch in Melrose vorbei gekommen, wo Cuthbert ins Kloster eingetreten war. Es gibt einen Pilgerweg von Melrose nach Lindisfarne, den man zu Fuß in ein paar Tagen laufen kann.

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Englisch zum Abgewöhnen: “To be honest with you…”

Meine Freunde Steve und Ann haben mich heute auf einen Wohnungsbesichtigungsmarathon (muss so lang sein, das Wort) mitgenommen. Nach acht Stationen habe ich mich am Ealing Broadway in die Coffee Rebublic (das darf es offenbar in einer Monarchie dann doch geben) abgeseilt.

Während bei den beiden sicher die Köpfe rauchen, geht mir noch nach, dass der erste Makler seine Kommentare ständig mit “to be honest with you” eingeleitet hat. Vielleicht ist das ja ein berufsspezifischer Textbaustein oder eine nichtssagende, blöde Angewohnheit. Trotzdem macht mich das immer misstrauisch. Sagt er auch dann noch die Wahrheit, wenn er es nicht ausdrücklich dazu sagt?

Ein Glück, dass wir im Deutschen keine solchen Redewendungen kennen…

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Viel zu sehen

Im Flieger habe ich den letzten Teil von Richard Sennets mehrfach erwähntem Buch zu Ende gelesen. Es hat mich wieder sehr nachdenklich gemacht und wird noch ein paar Posts abwerfen. Erst einmal aber muss ich die Fragen für mich selber durchdenken – ich habe mich allzu oft ertappt gefühlt von seinen Einsichten über unseren allgegenwärtigen Narzissmus.

Die Gespräche mit Freunden sind angenehm und inspirierend (manchmal etwas zu kurz) und lassen das eher trübe Wetter vergessen. Heute morgen kam für ein paar Stunden die Sonne heraus, aber ich hatte es eilig. Als ich dann auf dem Rückweg Zeit hatte und die Kamera auspacken wollte, nieselte es wieder. Mist aber auch…

Am Abend dann startete Amazing Grace hier im Kino.

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