Mittsommersonntag

Tags über zog die warme Sommersonne süßen, schweren Duft aus den Wiesen und der Wind hauchte ihn über den Weg. Am Abend schob er dann von Westen taubenblaue Schäfchenwolken über den Himmel, der im Nordosten noch orange und lila funkelt und dem Abendstern seinen gewohnten Auftritt schwer machte. Der Mond steht halb voll und leicht benebelt im Süden und spiegelt sich im Rotweinglas.

Das Gras beginnt, nach Tau zu riechen. Aus den Gärten steigen tollpatschige braungepanzerte Flugkünstler auf, die trunken gegen Bäume und Hauswände brummen. Ein Geschwader Schwalben dreht schrill tönend Kreise über den Dächern und sinkt dabei allmählich tiefer herab. Die Straße hinter den Häusern wird ruhiger, die letzten Kinderstimmen sind verstummt. Der Horizont zieht meinen Blick an, die Gedankenzüge fahren nur noch Schrittempo. Im Hinterkopf der flüchtige Gedanke an kürzere Tage, ein bisschen Wehmut unter dem Gefühl von Heimat. Ich bin in einer Juninacht geboren – und nie so lebendig wie jetzt.

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Vorsicht vor Intellektuellen

… ist zumindest dann geboten, wenn man Ehrlichkeit erwartet. Dass dies laut Readers Digest Wertekanon in Deutschland nach wie vor der wichtigste Wert ist, geht auf das Konto der einfachen Leute:

Je höher der Bildungsgrad der Befragten ist, desto seltener wählten sie Ehrlichkeit als den wichtigsten Wert. So setzten 46 Prozent der Befragten mit Volksschulabschluss und 37 Prozent derjenigen mit einer Lehre die Ehrlichkeit auf Platz eins, aber nur 30 Prozent der Menschen mit Abitur oder Hochschulabschluss.

 Images Flyer 2007-07

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Die drei “R” in “Terror”

Die Politikwissenschaftlerin Louise Richardson, als Katholikin in Nordirland aufgewachsen und nun Harvard-Dozentin und Leiterin des Radcliffe Institute for Advanced Study, ist in Interviews und Planspielen der Logik von Terroristen verschiedenster Couleur auf den Grund gegangen, berichtet die FAZ. Sie unterscheiden sich praktisch kaum von normalen Menschen in Denken und Erscheinung: Sie sind weder verrückt noch amoralisch. Daher ist es auch nicht immer klug, das Gespräch mit ihnen kategorisch abzulehnen.

Im Gegensatz zu friedlichen Revolutionären äußern ihre Führer aber nur schwammige, unpräzise Zukunftsvisionen. So sind es schließlich drei Faktoren, die Terroristen kennzeichnen: Rache für ein vermeintliches oder tatsächlich erlittenes Unrecht zu nehmen, durch den unbeugsamen Kampf schließlich Ruhm zu erlangen, notfalls auch erst postum, und den Gegner zu einer Reaktion zu zwingen – irgendeiner Reaktion, möglichst drastisch natürlich. Wenn die USA oder “der Westen” ihnen wie im Fall von Al Qaida militärisch den Krieg erklärt, dann bekommen sie, was sie wollten.

Richardson hält weitere Anschläge vor allem in Europa für extrem wahrscheinlich. Aber sie ist auch überzeugt davon, dass wir die Kraft haben, den Terror zu überwinden. Christen können sicher einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Angst zu überwinden, gewaltfrei zu leben, und für Versöhnung zwischen Opfern und Tätern zu arbeiten. Und vor allem: Bessere Zukunftsvisionen zu entwickeln und zu verbreiten.

Ein Interview mit Richardson gibt es – auf Englisch – hier als mp3.

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