Wohltäter und Opfer?

Wir hatten gestern Abend ein interessantes Gespräch in Berlin über die unterschiedlichen Aspekte der „Wiedervereinigung“ und die daraus bis heute resultierenden Spannungen. Irgendwann sagte Miroslav Volf dann, Deutschland und Frankreich seien ja ein Musterbeispiel für nationale Versöhnung, aber lasse sich eigentlich das klassische Muster von Versöhnung – das wir in Marburg zwei Tage lang diskutiert hatten – auf den Osten und Westen Deutschlands anwenden?

Und tatsächlich ist die Situation eine andere. Es gibt keine nahezu ebenbürtigen Feinde, die sich nach vielen Kriegen dauerhaft versöhnen, sondern einen großen Bruder, der dem deutlich kleineren irgendwie aus der Patsche helfen musste und sich nun wundert, das der daran auch noch etwas auszusetzen hat. Es geht nicht um eine Täter-Opfer Beziehung, sondern um eine Wohltäter-Opfer-Beziehung. Die ist ungleich schwerer zu klären, weil der Wohltäter ja subjektiv nur das Beste wollte oder das zumindest gern so sieht und zurückgespiegelt bekommen will.

Aber wir kennen ja alle diese Situationen, wo jemand nur das Beste für uns wollte und uns seine – keineswegs immer passenden – Lösungen für unsere wahren oder auch nur vermeintlichen Probleme übergestülpt hat. Wo es dann aber kaum möglich war, das anzusprechen, weil der Wohltäter dann empört oder zumindest mit Unverständnis reagierte auf diesen Undank. Fast jeder hat schon erlebt, dass jemand ihn mit den besten Absichten vereinnahmt hat. Solche Erfahrungen könnten als Schlüssel für ein Gespräch dienen, in dem die unguten Gefühle unverblümt benannt, die komplementären Rollen kritisch betrachtet werden – und wo man sich allmählich von beidem lösen kann.

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Das Glücksdilemma

DSC03040.jpgDie meisten Leute, die ich kenne, schenken gern. Dabei ist es zweitrangig, was man verschenkt. Wichtig ist, dass man es tut. Viele Geschenke weisen über sich hinaus und machen eine Aussage über die Beziehung zwischen den beteiligten Personen. Anders gesagt: sie sind kleine Zeichen der Liebe zwischen Menschen.

Der Zauber des Geschenks liegt in der Freiheit, aus der es kommt. Wenn jemand einen Anspruch oder gar eine Forderung erhebt, oder wenn Gewohnheit die Freiheit in Selbstverständlichkeit verwandelt, dann verliert ein Geschenk seinen Wert, dann wird aus dem Schenken ein Tausch, mit dem man eine Verstimmung zu verhindern hat oder Klagen zuvorkommen muss.

So weit die Theorie. In der Praxis gibt es sehr unterschiedliche Bedürfnisse zwischen Menschen. Und da wird es gar nicht so leicht, zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen und zugleich dem anderen den Raum für Geschenke zu lassen. Beziehungsweise auch das als Geschenk zu erkennen, was das eigene Bedürfnis nicht gleich schon übererfüllt (sofern das überhaupt möglich ist), sondern vielleicht nur ansatzweise deckt.

Ich finde mich selbst mal auf dieser und mal auf jeder Seite dieses Glücksdilemmas wieder. Aber wenn das Kunststück gelingt, so weit Distanz zu sich selbst zu gewinnen, dass man dem anderen den Raum zum Schenken lässt, erlebt er sich nicht mehr als minderbemittelter Tauschpartner, sondern als jemand, der kompetent ist in Sachen Liebe. Und die Lust zum Schenken nimmt zu mit diesem Erfolgserlebnis, während sie mit jedem ungeduldigen „endlich hast Du’s begriffen“ oder „wieder nicht genug“ schwindet. Umgekehrt muss ein Zutrauen da sein, dass der andere gerne schenken würde, um die Forderungen zurückzunehmen, die es ihm unmöglich machen.

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„Liebe den Sünder, hasse die Sünde“

… ich dachte, „liebe den Sünder, hasse die Sünde“ sei die perfekte Zusammenfassung christlicher Gnade inmitten von Uneinigkeit. Heute stößt es mir auf, wenn ich höre, wie Leute das sagen.

Im Grunde ist es ja wahr. Aber „liebe den Sünder, hasse die Sünde“ fühlt sich recht unterschiedlich an, je nachdem, auf welcher Seite des Tisches man sitzt. Für den, der „liebt“, klingt das großherzig: Obwohl dieser Mensch ein Sünder ist, werde ich ihn mit Liebe und Barmherzigkeit behandeln!“

Aber wenn das jemand über dich sagt, fühlt es sich nicht mehr so großzügig an. Ja, ich weiß, ich bin ein Sünder, wie wir alle, aber der Satz hat etwas Herablassendes und Entmenschlichendes, als wäre ich jetzt „der Sünder“ statt der Freund oder Nächste des anderen, und als wäre mich zu „lieben“ nun das neue Projekt, das er eher aus einem Pflichtgefühl Gott gegenüber auf sich nimmt als deswegen, weil ihm daran liegt, dass es mir gutgeht.

Justin Lee, Torn. Rescuing the Gospel from the Gays-vs.-Christians Debate, S. 227

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Weisheit der Woche: Geduld

Warten ist eine Form der Demut, während sich im Vorwärtsdrang unsere Selbstsucht und Arroganz ausdrückt. Der Rastlosigkeit unserer Seelen wird nicht abgeholfen dadurch, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Warten wenigstens als unnötige Zumutung erscheint, oder gar als Verletzung der Menschenrechte…

Wenn wir in der Lage sind, uns zu entspannen und unseren Zugriff auf die Zeit zu lockern, dann wird sie unser sanfter Begleiter sein statt unser ständiger Feind. Wir entdecken, dass wir die Zeit verstreichen lassen können ohne darunter zu leiden, dass wir sie „verloren“ haben.

Mike Riddell, The Sacred Journey

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Der Weg der Zerrissenheit

Barbara Bradley Hagerty fragt in ihrem spannenden Buch Fingerprints of God. What Science is Learning About the Brain and Spiritual Experience nach Gotteserfahrungen, die Menschen schlagartig und nachhaltig verändern. Im Kapitel 4 richtet sie den Blick auf Auslöser für solche Erfahrungen spiritueller Transformation. Ein Element sticht dabei hervor: Zerrissenheit (engl.: brokenness).

Zerrissenheit tritt ein, wenn dich das Leben – in der Gestalt von Sucht, Krebs, Alleinsein, Arbeitslosigkeit oder eines undefinierbaren Elends – zu Boden wirft. Sie geschieht, wenn du ans Ende deiner selbst kommst, wenn die eigenen Mittel erschöpft sind, die eigene Kraft und Widerstandsfähigkeit, mit der augenblicklichen Situation fertig zu werden. Du gibst auf, und in diesem Loslassen entdeckst du eine merkwürdige Ruhe. Es ist der einzige Weg, wie so manche störrische Seele Gott findet.

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Dreifaches A und O

Der amerikanische Psychiater Daniel Siegel hat mit „Mindsight“ ein kluges und spannendes Buch über das Zusammenspiel von Geist und Gehirn geschrieben, das sich wohltuend abhebt vom Determinismus mancher Neurobiologen wie auch vom allgegenwärtigen, marktkonformen Optimierungswahn. Wenn wir uns beim Denken beobachten, dann finden wir in kritischen Momenten auch die Freiheit, Kurzschlusshandlungen zu vermeiden und Entscheidungen zu treffen, die nicht nur für uns selbst gut sind, sondern auch für andere.

Drei Begriffe spielen in diesem Zusammenhang eine Rolle, sie fangen im Englischen alle mit einem „O“ an: Openness, Observation und Objectivity. Es geht also erstens um die Offenheit, sich mit dem zu befassen, was tatsächlich ist (statt mit dem, was sein sollte oder müsste), und zwar so, wie es ist. Zweitens gelingen uns Dinge besser, wenn wir eine gewisse Distanz zu uns selbst und den unwillkürlichen Impulsen finden, die sich als Reaktion auf das einstellen, was wir antreffen – wir stecken den Rahmen der Beobachtung weiter und schließen uns selbst mit ein. Drittens hilft (der Begriff ist freilich missverständlich) Objektivität dabei, die eigenen spontanen Empfindungen zu relativieren: Sie sind vorübergehende Phänomene (morgen könnte es schon anders sein), sie sind nur ein Teilaspekt von uns (ich gehe also in meinem Ärger oder Kummer nicht komplett auf), sie werden der komplexen Situation nicht immer gerecht.

Ganz ähnlich sind die drei deutschen Begriffe, mit denen Maria-Anne Gallen und Hans Neidhardt in Das Enneagramm unserer Beziehungen den „inneren Beobachter“ charakterisieren: Absichtslos statt zweckgerichtet und ergebnisfixiert, akzeptierend statt wertend und beurteilend – aufmerksam statt indifferent, zerstreut und abgestumpft – man kann es auch eine kontemplative Grundhaltung nennen, oder nicht-duales Denken.

Der mögliche Gewinn: Ich kann von der Bühne meines Lebens in den Zuschauerraum wechseln. Und mit dem, was ich von da aus sehe, bin ich nicht mehr nur Darsteller in diesem Stück, sondern ich werde zum Regisseur. So bekommt die Figur auf der Bühne neue Spielräume.

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Der andere Blick

Immer wieder mal überlege ich, inwiefern sich meine Lebensperspektive in den vergangenen Jahren verändert hat. Ich fand das bisher gar nicht leicht zu beschreiben, aber nun habe ich vielleicht doch eine Metapher gefunden, die es einigermaßen trifft:

Man kann das Leben durch ein Telezoom betrachten. Der Blick geht dabei in die Ferne und aufs Detail, einzelne Elemente eines Bildes treten scharf hervor und anderes rückt oft unscharf in den Hintergrund. Vieles wirkt näher, als es ist, und andere Dinge erscheinen nicht im Bild, obwohl sie zur direkten Umgebung gehören. Und man selbst kann dabei der Illusion erliegen, das Ziel sei eigentlich schon zum Greifen nahe.

Und dann gibt es die Weitwinkel-Perspektive. Da erscheint auf einmal ein größeres Panorama und es ist weniger vorsortiert. Neben dem, was in der direkten Blickrichtung liegt, treten auch die Dinge rechts und links davon ins Bild. Alles wirkt etwas kleiner, das Auge schweift von einem zum anderen Teil des weit geöffneten Feldes.

Manchmal stürzen in der Weitwinkelperspektive die Linien, und wer im Weitwinkel lebt, fühlt sich manchmal auch selbst klein und auf schwankendem Boden. Er sieht nicht nur die Gipfel, Türme und anderen Höhepunkte sondern hat auch ein Gespür für die schwindelerregenden Abgründe dazwischen und dahinter.

Zugleich wird im Weitwinkel klarer, wo man selbst steht, während man das bei den langen Brennweiten oft nur vermuten kann. Im Telemodus dominiert das Objekt ein Bild (freilich sorgsam in Szene gesetzt von einem unsichtbaren Subjekt), im Weitwinkel kann schon mal Hand und Fuß des Betrachters am Bildrand erscheinen.

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Der wache Blick

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„Religiöses Denken, Glauben, Fühlen gehört zu den trügerischsten Aktivitäten des menschlichen Geistes. Wir gehen oft davon aus, dass es Gott ist, an den wir glauben, aber in Wirklichkeit könnte es ein Symbol unserer persönlichen Interessen sein, mit dem wir uns beschäftigen. Wir gehen vielleicht davon aus, dass wir uns zu Gott hingezogen fühlen, aber in Wirklichkeit könnte es eine Kraft innerhalb dieser Welt sein, die Gegenstand unserer Anbetung ist. Wir gehen vielleicht davon aus, dass es uns um Gott geht, aber wir könnten mit unserem Ego beschäftigt sein. Unsere religiöse Existenz zu prüfen ist daher eine Aufgabe, der wir beständig nachkommen müssen.“

Abraham J. Heschel, God in Search of Man, S. 9

In diesem Sinne: Ein ganz großes Danke für Euer Interesse, die vielen Kommentare und auf ein Wiedersehen/-lesen im neuen Jahr!

(PS: Das Bild oben zeigt zwar eine Klippe, aber die wird dank Leuchtturm erfolgreich umschifft)

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Alles ist unterwegs

Andrea Schwarz vergleicht in Eigentlich ist Weihnachten ganz anders: Hoffnungstexte unsere vorweihnachtliche Eile mit dem biblischen Eilen der verschiedenen Akteure rund um Jesu Geburt (Weise, Hirten, Engel und natürlich Josef und Maria auf dem Weg, der Flucht, später dem Rückweg). Und schreibt dann:

Es gibt ein Unterwegs-Sein, damit das Fest so schön wird wie letztes Jahr, damit man allen Erwartungen gerecht wird, damit bloß kein Streit entsteht, damit alle zufrieden sind – oder anders gesagt: damit alles so bleibt, wie es ist.

Und es gibt ein Unterwegs-Sein, weil in mir etwas in Bewegung gekommen ist, weil da etwas Neues geschieht, weil es eine Verheißung gibt, eine Zusage, eine Hoffnung, ein Licht, einen Stern – oder anders gesagt: damit nichts so bleibt, wie es ist. […]

Die spannende Frage scheint zu sein:

Sind wir unterwegs um sitzen zu bleiben oder um neu aufzubrechen?

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Weisheit der Woche: Zwischen Determinismus und Menschlichkeit

Gestern Abend hatte ich das Vergnügen, Peter Jacksons „Hobbit“ im O-Ton zu genießen, mit einem großartigen Martin Freeman, einem überraschend witzigen Gollum und Gandalfs verräterischem, weil für den Film programmatischen Satz „a good story deserves embellishment“. Passend dazu lese ich heute:

Kinder brauchten Märchen, so hieß es bei Bruno Bettelheim; in der Aufklärung steckengebliebene Gesellschaften brauchen Fantasy.

… Hier tobt auch der Kampf zwischen Fundamentalisten und Mystikern, zwischen Determinismus und Menschlichkeit. Und ist ein Hobbit wirklich irrealer als ein Xetra-Dax? Er wurde jedenfalls mit etwas mehr Liebe erfunden.

Georg Seesslen in Der Freitag

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Anbetung als Parodie

In unserem Adventsgottesdienst heute stand die „Thronsaalvision“ aus der Offenbarung des Johannes (Kapitel 4-5) im Zentrum. Passend dazu haben wir etliche Lieder – als und neu – gesungen, die sich der Bilder und Symbole dieses Textes bedienten. Daniel Hufeisen wies dann in seiner Predigt darauf hin, dass neben vielen alttestamentlichen Bezügen vor allem auch die Thronbesteigungszeremonie der römischen Kaiser im Hintergrund dieser Schilderung steht.

Man kann das also so lesen: Da wechselt diese kleine religiöse Minderheit den erhabenen Kaiser in der ewigen Stadt Rom gegen ihren in Schmach und Schmutz gekreuzigten Messias. In den Augen des Systems eine ähnliche Persiflage auf die wahren Machtverhältnisse wie zwei Generationen zuvor der Einzug Jesu am Palmsonntag in Jerusalem auf einem königlichen Reittier, mit Jubelrufen, Palmen und Mänteln auf der Straße und aller messianischen Symbolik, die man ad hoc aufbieten konnte. Sein Gegenstück findet dieser Einzug dann in der Symbolik der Dornenkrone und des Titutlus am Kreuz.

Nicht nur wird mit dieser Schilderung des Johannes der Machtanspruch der Herrschenden ironisiert, es wird auch ein paradoxer Machtanspruch aufgerichtet, der allen sichtbaren Machtverhältnissen spottet.

Und jetzt meine Frage: Wenn das eine Parodie ist, müssten unsere Lieder das nicht irgendwie widerspiegeln? Wird man ihr gerecht, wenn man sie einfach so ungebrochen und aus dem Zusammenhang gerissen vertont und wiederholt, und dabei die antike Symbolik (die uns heute ganz fremd geworden ist) für bare Münze nimmt, ihr also die herrschaftskritische Spitze damit abbricht?

Ich habe immer ein mulmiges Gefühl bei diesen Liedern, in denen sich die königlichen Attribute und Unterwerfungsgesten so massiv häufen. Erstens sind solche Texte im Laufe der Geschichte immer wieder zur Legitimation „christlicher“ Herrschaft (sei es Papst oder Kaiser, ich habe gerade wieder drei Tage Kirchengeschichte des Mittelalters unterrichtet) herangezogen worden, als säße Gott an der Spitze einer Machtpyramide, auf deren mittleren Rängen dann Könige und Adel folgen und der Rest – wir – auf den untersten Etagen, ohne das Recht aufzumucken.

Gott so naiv als orientalischen Potentaten (der römische Kaiserkult kam ja aus dem Osten!) hinzustellen hat zudem auch etwas total Unwirkliches in unserer Welt, die so sehr ihren eigenen Gesetzen zu gehorchen scheint und in der ganz andere Mächte den Ton angeben. Vielleicht kommen wir viel näher hin, wenn wir (analog zur Johannesoffenbarung) den Kult unserer Zeit, seine Machtdemonstrationen und seine Heilsversprechen ironisch brechen und ihr die ganz andere Macht Gottes gegenüberstellen?

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Kleinlaut im Advent

Karl Rahner beschreibt die Stimmung im Spätherbst und wie man mit ihr umgehen kann:

Es ist , wie wenn die Welt kleinlaut geworden wäre und den Mut verloren hätte, sich selbst zu behaupten, von sich überzeugt zu sein und stolz auf ihre Macht und ihr Leben. Ihr Anlauf in der schwellenden Fülle des Frühlings und des Sommers ist missglückt; denn die Fülle ist wieder verloren gegangen.

Da ist es an der Zeit, die Melancholie dieser Zeit zu überwinden, sich selber leise und treu zu sagen, was der Glaube uns sagt, da ist eine Zeit, das Wort des Glaubens gläubig zu sprechen: Ich glaube an die Ewigkeit Gottes, die in unsere Zeit, in meine Zeit hineingekommen ist. Unter dem ermüdenden Auf und Ab der Zeit wächst schon heimlich das Leben, das keinen Tod mehr kennt.

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