Göttliches Improtheater

Das Thema hat mich am vergangenen Sonntag beschäftigt: Wie muss man sich Gottes Plan vorstellen? Der alte Slogan “Gott hat einen wunderbaren Plan für Dein (!) Leben” kann ja auch zu schweren Missverständnissen führen.

Auch hier sind es hilfreiche oder problematische Metaphern, die uns zum Stichwort “Plan” einfangen. Manche denken an einen Gratwanderung, die bei einem einzigen Fehltritt zum Absturz führt. Kein schöner Gedanke. Andere denken vielleicht eher an einen Reiseplan mit Zug- und Flugverbindungen. Aber wenn man einen Anschluss verpasst, wird es teuer, oder man erreicht sein Ziel womöglich nicht mehr in diesem Leben.

Wenn man sich das alles zu detailliert und zu individuell vorstellt wird es komplett verrückt. Wenn nämlich nur einer von uns den “falschen” Partner heiratet, müssen zwei andere Menschen umdisponieren auf Plan B, das wiederum führt dazu, dass nochmal zwei Leute ohne den Idealpartner dastehen und so setzt sich der Dominoeffekt dann fort. Und die Kinder, die geplant waren, gibt es in dieser Form dann gar nicht. Es sei denn, man setzt voraus, dass so oder so Gottes Wille geschieht (und dann ist eh alles egal).

Um also nicht bei solchem Nonsens zu landen, denke ich lieber an Improtheater. Es gibt ein großes Stück, in dem wir alle eine Rolle bekommen haben. Die Hauptrolle spielt Jesus und er hat uns die grobe Richtung angegeben. Ab und zu bekommt nun der eine oder andere (wie bei “Schillerstraße”) vom Heiligen Geist etwas eingeflüstert, und das muss er dann mit Mut zum Risiko umsetzen. Andere Akteure im Ensemble reagieren darauf und versuchen, den Richtungswechsel einer Person im Rahmen des Gesamtdramas zu interpretieren und gute Mitspieler zu sein.

Gottes Plan lässt eine Menge offen. Er räumt uns die Freiheit ein, Gottes Mitspieler zu werden. Und wir können um so beherzter improvisieren, weil wir wissen, dass das Stück gut ausgeht. Bis dahin aber wird es immer wieder mal so richtig spannend…

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Zufallsbuch

Nun hat es mich via DoSi auch getroffen. Hasos Vorgabe war

für diesen Post hast du
1. das nächste Buch in deiner Nähe mit mindestens 123 Seiten geschnappt,
2. es auf Seite 123 aufgeschlagen,
3. den fünften Satz auf der Seite gesucht,
4. die nächsten drei Sätze gepostet.

Also gibt es nun ein Schnipselchen aus Plutarch, Lebensbeschreibungen, über die Ehe in Sparta:

Jener erwiderte: “Wenn aber nun einer sich fände?” – “Da muss er”, sagte Geradas, “einen Stier zur Strafe geben, der so groß ist, dass er mit seinem Kopfe über den Taygetos hinwegreicht und aus dem Eurotas trinken kann.” Als nun der Fremde voller Verwunderung ausrief: “Wo ist in aller Welt ein so großer Stier zu finden?” da versetzte Geradas lachend: “Und wo ist in Sparta ein Ehebrecher zu finden?”

Und da sind die drei (großzügig definierten) Sätze auch schon vorbei. Leider habe ich keine Übersicht, wer schon dran war, und verzichte aufs Weiterwerfen.

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Wahre Tapferkeit

Ich weiß, dass ich Fan des meistgehassten Klubs Deutschlands bin. Aber hey, viel Feind, viel Ehr! Es prallt an mir ab, dieses Gelaber über die reichen Schnösel-Bayern, die den anderen die besten Spieler wegkaufen. Oder die Behauptung, dass Bayern-Fans nicht leidensfähig sind, weil sie nie einen Abstieg ihrer Mannschaft erleben mussten, denn wer so etwas sagt, wird nie die Dimension des 26. Mai 1999 begreifen.

Letzten Endes sind all diese Animositäten eh nur durch Neid motiviert. Wer ehrlich ist, wird sagen, dass der FC Bayern nicht als wohlhabender und erfolgreicher Verein auf die Welt gekommen ist. Sie mussten erst in die Bundesliga aufsteigen und haben sich alles, was danach kam, rechtschaffen und intelligent erarbeitet. Seit Jahren ist der FCB nahezu im Alleingang dafür verantwortlich, dass Deutschland in der UEFA-Fünfjahreswertung noch vor Rumänien und Portugal ist. Wahrscheinlich würde es auch den FC St. Pauli nicht mehr geben, wenn nicht ausgerechnet der Klassenfeind ein Benefiz-Spiel bestritten hätte, das 270.000 Euro in die leeren Kassen spülte.

Markus Kavka in der Zeit

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Schurkenstaat Liechtenstein?

Nach allem, was man schon immer wusste, nun aber offenbar belegen kann, ist der Zwergstaat tief verstrickt in betrügerische Geschäfte. Sein Rechts- und Bankensystem begünstigen ja offenbar nicht gerade zufällig, dass dort im Moment so die Post abgeht.

Wie wäre denn ein radikaler Wirtschaftsboykott der EU gegen das Fürstentum, und zwar so lange bis die Regeln geändert sind? Vermutlich wird der nie kommen, weil ein paar EU-Länder und natürlich die Schweiz auch an großzügigen Bankgeheimnissen verdienen und weil zu viele der Entscheidungsträger in unseren werdenden Bananenrepubliken – oder ihre Parteien – dort selbst Konten unterhalten.

Aber ab und zu sickert eben doch was durch…

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Zu spät, und viel zu wenig Einsicht…

Schnell klicken, bevor es kostenpflichtig wird: Spiegel Online berichtet vom Chef der Geheimpolizei der roten Khmer. Der Mann heißt Duch und steht nur wegen Mord in 17.000 Fällen vor Gericht. Wie die meisten KZ-Aufseher und Mauerschützen, sieht auch er sich als Opfer und Befehlsempfänger, der im Grunde gar keine Wahl hatte. Sogar seinen Cousin ließ er unschuldig hinrichten.

All das wäre nicht so interessant, wenn da nicht auch stünde, der Mann sei untergetaucht und zum Christentum übergetreten – weil er darin eine Macht sah, die den Kommunismus überwinden konnte. Wenn das einen aufrichtigen Wandel der eigenen Überzeugungen bewirkt hätte, dann wäre etwas mehr Schuld- und Verantwortungsbewusstsein hier zu erwarten gewesen. Aber so, wie sich der Bericht liest, hat der neue Glaube dazu nicht mehr gereicht. Deprimierend!

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Randnotizen beim Festakt

Vorgestern war ich zur Einführung unseres neuen Dekans in der proppenvollen Neustädter Kirche. Die wesentlichen Dinge zur Person standen ja schon alle in der Zeitung. Ich hatte eher das Gefühl, dass der “Neue” es sorgfältig vermied, in mit seiner Predigt über den Perikopentext große programmatische Hoffnungen oder Befürchtungen (in der Regel ist es ja immer beides) zu wecken oder sich theologisch und persönlich gleich nach irgendeiner Richtung aus dem Fenster zu lehnen. Aber vielleicht habe ich nur nicht genau genug hingehört und zwischen den Zeilen gelesen…

Also blieben meine Gedanken an den Kleinigkeiten des aufwändig gestalteten Gottesdienstes hängen. Zum Beispiel, dass mich Anfang und Ende unwillkürlich an die Reise der Pinguine erinnerten. Es hätte nur noch einer der Pfarrer im Zug ein Kind auf seinen beiden Füßen unter dem Saum des Talars balancieren müssen. 🙂

Oder dem Introitus, der aus Römer 1,16 zitierte, das Evangelium ist eine Kraft, “die selig macht”. Ein schöner Beleg dafür, dass Lutherdeutsch ein halbes Jahrtausend später nur noch für die Leute einen Sinn ergibt, die damit groß geworden sind. Alle anderen denken an Sprüche wie “Wer’s glaubt wird selig” und assoziieren damit Schönfärberei und Betrug. Oder sie stellen sich jemand mit einem verträumt-verklärten Lächeln auf dem Gesicht vor, der seiner unmittelbaren Wirklichkeit ein Stückchen entrückt ist. Dass es um eine dramatische Rettung geht (um mal die ebenfalls schwierige Übersetzungsalternative “Heil” beiseite zu lassen), darauf kommt man nicht ohne Weiteres.

Ähnlich falsche Assoziationen weckt für mein Empfinden der Begriff “Himmelreich”, der kam auch vor in einem der Choräle. Die Liste ließe sich jetzt mühelos erweitern. Das Ganze ist nun auch gar keine Kritik an diesem Gottesdienst. Ich frage mich nur, wie viel Insider-Code sich die Kirche – jede Kirche – leisten kann und vielleicht auch muss, und wo dieser Code nicht mal mehr für die Insider mehr verständlich ist, ganz zu schweigen von Menschen, die keine kirchliche Sozialisation mitbringen. Heute würde Luther vermutlich anders übersetzen.

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Schlecht beraten

Wenn es keine Radiomeldung gewesen wäre, hätte ich mir verwundert die Augen gerieben. Der türkische Ministerpräsident schlägt vor, die Integration seiner Landsleute in Deutschland durch türkischsprachige Schulen und Unis zu fördern. Statt Integration würde das Kolonien ergeben (oder befestigen).

Aber so sehr türkische Minderheiten in anderen europäischen Ländern existieren, so wenig Erfolge hat der türkische Staat bei den eigenen Minderheiten aufzuweisen, vorzugsweise Kurden und Armeniern. Wenn man Rat und Modelle braucht, sollte man also lieber anderswo suchen.

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Ins Auge gegangen

Wenn das “Sexblog” von Zeit Online einen Eintrag mit dem Titel “Jesus bringt das Licht” verzeichnet, dann ist das zumindest interessant. Wer dahinter gleich Gotteslästerliches vermutet, stößt auf die Abbildung von gut gemeintem (das nehme ich jetzt mal an…), frommem Kitsch.

Was wieder mal die Frage aufwirft, ob nicht manche dieser “Gottesbilder” schädlicher sind als alle Polemik von “außen” bzw. ob es letztere dann überhaupt so gäbe…

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Relativität

Seit ich neulich Rob Bells Präsentation gesehen habe, hat mich ein Gedanke beschäftigt: Er hat ein Rechteck und einen Kreis gezeichnet und festgestellt, dass diese Figuren zweidimensional betrachtet nicht vereinbar sind, dreidimensional aber sehr wohl – zum Beweis hielt er seinen Marker einmal längs und einmal quer in die Kamera.

Der Punkt war, dass manche Widersprüche sich auf einer höheren Ebene auflösen. Konkret nannte er dazu etwa die Frage von Prädestination und freiem Willen. Einerseits ist das sehr elegant. Andererseits frage ich mich, ob mit dieser Vermutung nicht auch aller möglicher Quatsch für plausibel im Sinne einer “höheren Logik” erklärt werden könnte. Wo ist sie also sinnvoll und angebracht und wo nicht?

Vorschläge, irgendwer?

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Fasten

Björn wirft schon vor der Fastenzeit mit einem Stöckchen zu eben diesem Thema um sich. Hier also mein Beitrag zur Sache:

1. Hast Du schon einmal bewusst gefastet?

Klar, mehr als einmal…

2. Was ist der Sinn von Fasten Deiner Meinung nach?

Erstens: Ich verstehe Fasten strikt als Verzicht auf Essen bzw. Nahrung. Zweitens: Man kann alles mögliche damit verbinden. Mir ging es darum, einen Gang herunterzuschalten und für Gott empfänglich zu werden.

3. Wirst Du in diesem Jahr in der Fastenzeit fasten?

Ich weiß es noch nicht. Ist gerade auch eine Frage der Arbeitsbelastung.

4. Ist Fasten ein Thema in der Gemeinschaft in der Du lebst?

Für einzelne auf jeden Fall.

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Der Zorn der Götter

Die Götter sind verschnupft. Vor den Kameras und in den Redaktionen rätselt die globale Priesterschaft, was ihren Zorn ausgelöst hat und wie man sie wieder besänftigt. Angst geht um: Früher waren es Missernten, heute sind es Kurseinbrüche. Die Bären haben die Bullen gefressen.

Man ist sich einig, die Schuldigen sitzen in Amerika. Der Präsident hat schon nationale Buße angekündigt über zu hohe Steuern. Aber wie das immer so ist mit den Göttern: Ihr Zorn trifft auch Unschuldige. Gewinne trocknen aus, Menschen werden aus ihren Jobs gespült, Ersparnisse schmelzen dahin. Das Klima an den Märkten ist schlecht.

Ich blickte umher, doch niemand war da,
keiner von diesen hier konnte mir raten und Antwort geben auf meine Fragen.
Seht her: Sie alle sind nichts, ihr Tun ist ein Nichts;
windig und wesenlos sind die Bilder der Götter.
(Jes 41,28-29)

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Hatte Jesus eine Freundin?

Es war letzte Woche das heimliche Gesprächsthema bei meinen Konfirmanden – das heißt, es waren wohl eher die Mädchen an dieser Frage interessiert. Und was wurde Jesus nicht alles schon angedichtet an Beziehungen, Affären, Kindern…

Aber die Frage verrät eventuell mehr über uns als über Jesus. Mag sein, dass er mal verliebt war, aber über alles andere schweigen sich die seriösen Quellen eben aus. Man kann nun spekulieren nach Herzenslust. Bevor man aber damit loslegt, sollte man sich bewusst machen, dass es nicht die Kultur der Soaps und Telenovelas war (die es für uns heute undenkbar erscheinen lässt, dass Jesus keine “Beziehung” hatte), sondern eher eine Kultur wie heute noch im Orient, in der Männer und Frauen kaum in Berührung kamen und man sich seine(n) Partner(in) nicht selbst suchte, sondern Ehen in der Regel arrangiert wurden.

Beziehungskisten unter Teenagern, wie sie bei uns an der Tagesordnung sind, und von denen ganze Industriezweige leben, waren damals kaum denkbar. Das mag uns fremd anmuten, aber vielleicht ist es ja auch ganz heilsam: Man kann “normal” sein (und glücklich!), auch wenn man Single ist und bleibt. Schon komisch, dass wir uns das heute fast nicht mehr vorstellen können und dann einen Jesus nach unserem Bild erschaffen wollen statt umgekehrt.

Aber wie gesagt – vielleicht war Jesus mal still und heimlich ein bisschen verliebt und kann auch die Teenager im 21. Jahrhundert verstehen? 😉

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Santa Cruise

Die SZ berichtet über das Tom Cruise Video, in dem der Filmstar für Scientology wirbt. Wer will, kann es sich über den Link dort auch ansehen. Es zeigt ein verblüffendes Sendungsbewusstsein.

Noch interessanter ist das Interview mit Andrew Morton in der ZDF Mediathek. Nachdem ich beides angesehen habe, frage ich mich mal wieder, wo genau die Grenze zum Fanatismus verläuft. Inhaltlich sind Scientology und christlicher Glaube in der Regel leicht zu unterscheiden. Christen halten sich nicht für höhere Wesen und sind sogar der Meinung, dass sich das einzig wahre höhere Wesen freiwillig auf unsere Ebene begibt. Andere Richtung also.

Aber dieses “die Welt braucht uns”, “nur wir können andere retten”, “entweder bist Du ganz dabei oder Du bist draußen” kam mir nur allzu bekannt vor. Aus dem Mund von Herrn Cruise klingt das dann noch einmal so richtig unheimlich. Wie kann man Verwechslungen aufgrund einer solchen Rhetorik vermeiden?

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Adieu DVD?

Wie Simon und Daniel konnte ich diesen Test nicht auslassen. Weiter ins obere Drittel schafft man es wohl erst mit einem iPhone, das gibt es aber bei meinem Provider (noch) nicht in Deutschland.

68%How Addicted to Apple Are You?

Nebenbei bin ich nach einigem Nachdenken ganz optimistisch, was die Keynote betrifft. Das MacBook Air ist (so lange das jüngst patentierte Dock im iMac Design fehlt) nichts für mich, aber der Filmverleih mit Beteiligung aller großen Studios ist langfristig ein großer Schritt, der auch das fehlende optische Laufwerk im MBA erklärt und an die ersten iMacs ohne Floppy (was war das nochmal?) erinnert. Wenn diese Rechnung aufgeht, dann könnte unsere Medienwelt bald ganz anders aussehen.

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