Zurück aus dem Norden

Die beiden Studientage liegen hinter mir mit vielen Eindrücken, die ich noch gar nicht sortieren konnte. Es gab zwei Pole in den Reaktionen: Die einen wünschten sich möglichst griffige, detaillierte und strukturierte Information, um das Phänomen emerging church einzuordnen. Ein legitimes Bedürfnis, das aber schwer zu erfüllen ist, weil es eine ganz erhebliche Bandbreite gibt, die auch so gewollt ist.

Auf den anderen Seite dann meist jüngere, die ab und zu auch ein bisschen ungeduldig drängen, und sich mit vielem, was schon besteht, schwer tun, weil es ihnen die Freiheit zu experimentieren und Risiken einzugehen nimmt.

Und dazwischen tummeln sich alle möglichen Leute, viele davon froh, einen Ort und Menschen gefunden zu haben, mit denen sie über die Fragen sprechen können, die ihnen auf den Nägeln brennen.

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Totensonntag

Gestern beim Alpha-Tag in Eschenbach hatten wir noch strahlendes Wetter, aber passend zum Kirchenjahr hat sich alles eingetrübt: Der Schnee, der heute morgen noch fiel, ging in Regen über und wurde am Boden zu Matsch.

Ein düsterer und müder Ausklang, aber er weckt die Sehnsucht nach neuem Leben und Veränderung. Noch vier Wochen, und die Tage werden wieder länger. Das ist doch eine Perspektive.

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Das dicke Aber

Gestern bekam ich einen Verriss zum Thema Emerging Church geschickt. Ich finde diese Texte spannend, zumal sie in der Regel über die Autoren mindestens so viel aussagen wie über das jeweilige Objekt der Kritik. Dieser etwa begann mit dem Satz: “Es macht uns keine Freude, andere Christen zu kritisieren.” Und dann folgte prompt das dicke “Aber” und die Kritik setzte ein: McManus, McLaren und die finsteren McHintergründe 😉

Jungs, macht Euch das wirklich keine Freude, empfindet Ihr kein bisschen klammheimlichen Stolz, die letzten aufrechten Christen im Lande zu sein, Wahrheit und Lüge noch klar unterscheiden zu können? Ich nehme Euch das nicht ab. Es wäre auch gar nicht so schlimm, nur abstreiten solltet Ihr es nicht. Und die Tatsache, dass Ihr es tut, spricht allein schon Bände.

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Kapstadt 2010

Gestern habe ich Doug Birdsall kennen gelernt. Er stellte beim deutschen Leitungskreis der Lausanner Bewegung die Planungen für Lausanne III (nach Lausanne 1974 und Manila 1989) in Kapstadt 2010 vor. Mit der Fußball-WM hat das nichts zu tun, aber es ist der Versuch, den historischen Impuls der Weltmissionskonferenz von Edinburgh 1910 aufzunehmen und für das 21. Jahrhundert weiter zu führen. dazu werden 4.000 Delegierte aus der ganzen Welt erwartet, die die Weltchristenheit soziologisch und theologisch repräsentieren sollen und zehn Tage lang beten, diskutieren und feiern und die Weichen für die Zukunft der Weltchristenheit stellen, für das Jahr 2030 und danach.

Doug hat es bei seinem kurzen Besuch geschafft, mit seinem Enthusiasmus alle anzustecken. Die sieben Themenkreise des Kongresses wurden in einem komplexen Verfahren bestimmt. Wir haben uns gefreut, dass unter dem Stichwort “eine robuste Theologie des Leidens” nicht nur die verfolgte Kirche in den Blick kommt, sondern auch eine Auseinandersetzung mit dem Wohlstandsevangelium stattfindet. Aber auch der Einsatz verschiedenster Formen von Kunst und die Kooperation zwischen den verschiedenen Nationen und Kulturen soll neue Maßstäbe setzen. Und wer nicht live dabei sein kann, wird den Kongress von hier aus verfolgen können.

Und wenn sich auch doch Dougs Traum erfüllt, dass jeder Delegierte am Flughafen ein iPhone (oder einen PDA, aber wer will das schon?) bekommt, dass ihm hilft, sein Hotel zu finden, das seine Arbeitsmaterialien enthält und mit dem er e-mails lesen und schreiben kann (ach ja, und telefonieren…), dann wollen meine Kinder sicher auch alle hin. 😉

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Stürmische Tagung

Am Freitag und Samstag war ich bei einer Tagung für Älteste und leitende Mitarbeiter(innen) der Freien Evangelischen Gemeinden auf dem Dünenhof. Die weite Reise nach Cuxhaven hat sich schon wegen des Wetters gelohnt. Muss man normalerweise eine Viertelstunde laufen, um ans Wasser zu kommen, stand es dank der Sturmflut gleich am Deich hinter dem Haus. Und der Orkan hätte mich zweimal fast umgepustet.

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Inhaltlich gab es vor allem auf meine letzte Einheit lebhafte Resonanz. Das Thema Frauen in Leitungsfunktionen wird im Bund der FeG sehr lebhaft diskutiert. In den Landeskirchen ist das über 30 Jahre her und so konnte ich vielleicht etwas unbefangener reden als ein Insider. Aber ist es nicht einfach seltsam, wenn auf Dauer in einem Land, das von einer Bundeskanzlerin geführt (ok, da streiten sich die Kommentatoren momentan) wird, Frauen in Gemeinden nichts zu sagen haben sollten, zumindest nicht öffentlich von der Kanzel mancher Kirchen?

Ich musste zwischendurch mal an “My Big Fat Greek Wedding” denken. Dort durften die Männer auch das Haupt sein, aber die Frauen, so erfuhr man, seien der Hals. Und der dreht das Haupt da hin, wo er will. Auch das freundlichste Patriarchat wird auf Dauer eine Kuriosität werden. Und biblisch gesehen gibt es wirklich keinen zwingenden Grund, sich das anzutun.

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Berufskrankheiten

Mein Sohn war sauer, weil sein Lehrer sich ihm gegenüber einer – sagen wir: etwas rustikalen – Sprache bedient hatte. Schon zum zweiten Mal. Ich ging also in die Sprechstunde, um der Sache nachzuspüren und die andere Seite zu hören. Und noch ehe ich einen Satz zum Grund meines Kommens sagen konnte, legte der sympathisch-dynamische Pädagoge auch schon los: “Ihr Kind macht uns (!) große Sorgen”. “Interessant”, dachte ich, “Angriff ist immer noch die beste Verteidigung. Hat er ein schlechtes Gewissen?”

Als er schließlich eine Pause machte in der Beschreibung der vielfältigen, mir leidlich bekannten Spannungsfelder, sprach ich den konkreten Anlass meines Kommens an und erfuhr, dass es sich um einen Hörfehler auf der Seite des Schülers handelte. Klar, kann ja mal vorkommen. Aber warum holte er sofort wieder so weit aus und erklärte mir auch noch alle möglichen Dinge, nach denen ich gar nicht gefragt hatte?

Lehrer (sie sind da sicher nicht die einzigen!) scheinen mir allgemein im Reden besser zu sein als im Zuhören. Aber am Ende hatten wir dann doch einen Lösungsansatz für den Konflikt.

Es war etwas zäh. Genau wie manche Gespräche mit meinem Sohn… 🙂

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Etikettenschwindel

Mein Auto wurde angerempelt und wird nun repariert. Der Leihwagen, ein für Peugeot-verwöhnte Ohren recht rustikal brummender Polo Diesel, hat allerdings ein Forchheimer Kennzeichen.

Schon ein eigenartiges Gefühl, so etikettiert die Stadt zu fahren. Andererseits kann ich jetzt auch mal die Einbahnstraße falsch herum fahren und alle das, was die Freunde vom Land sonst so anstellen hier, und die Erlanger werden nur den Kopf schütteln und seufzen…

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Fremde: Wen der Bürger nicht kennt

Auch wenn der Saal nach dem Mitarbeiterwochenende auf dem Hesselberg nicht so gut gefüllt war wie sonst, wir hatten am letzten Sonntag einen guten Abend zum Thema “Fremde”.

Eine Frau, die vor 20 Jahren aus Asien eingewandert ist, hat uns im Interview gesagt, ihr habe damals dieser Rat geholfen: “Die Deutschen sind wie eine Kokosnuss. Es ist schwer, hineinzukommen. Aber wenn man mal drinnen ist, schwimmt man mit ihnen.”

Wer es verpasst hat oder sich aus der Ferne ein Bild machen möchte, hat hier die Möglichkeit, das mp3 herunterzuladen. Das andere Highlight des Abends, die Band Ebenbild, findet Ihr hier.

Lebensart Nov07

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Gassi fahren

Heute bin ich mit dem Auto hinter einem Traktor hängen geblieben, der ungewöhnlich langsam fuhr, weil die alte Bäuerin ihren auch nicht mehr ganz jungen Hund an der Leine nebenher laufen ließ. Das sind die Momente, wo man für ein Fotohandy dankbar ist:

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Von sich auf andere schließen

Während der Stillen Tage in Nether Springs bekam ich von meiner Begleiterin ein Bild in die Hand gedrückt, das ich den Tag über betrachten sollte. Ein Kind saß auf dem Arm und legte seine Arme um den Hals eines Erwachsenen. Die Gesichter der beiden waren nicht zu sehen, nur diese Umarmung.

Im ersten Augenblick dachte ich, ich muss mich jetzt korrekterweise als das Kind und Gott als den Vater sehen. Aber es ging irgendwie nicht. Stattdessen dachte ich unwillkürlich an das anhänglichste meiner Kinder, und wie gut es mir tut, es im Arm zu halten. Seit mehreren Tagen weit weg von zuhause fehlte mir das noch mehr. Ich erinnerte mich an die tiefen Gefühle, die in mir aufsteigen, wenn ich von einem kleineren, zerbrechlichen Wesen so schweigend umarmt und gedrückt werde.

In so einem Moment erscheint die Frage, wer hier für wen da ist und wer wem etwas Gutes tut, als völlig absurd. Ich begann zu ahnen, dass es Gott mit mir genauso geht: Ich kann vielleicht nicht viel für ihn tun, das er nicht selber besser tun könnte. Und so richtig beeindrucken kann ich ihn schon gar nicht. Aber wenn ich mich in seine Arme fallen lasse, ob fröhlich oder traurig, müde oder munter, dann tut ihm das auch gut. In dieser Hinsicht denke ich, ist es vielleicht doch erlaubt und angebracht, ausnahmsweise einmal von mir selbst auf Gott zu schließen.

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Drei Schritte zum Genie…

An so trüben Tagen scheint alles langsamer zu gehen, auch im Kopf. Also habe ich eine Runde Gehirnjogging eingelegt und mir diese Knobelfragen vorgenommen, um drohender Verkalkung entgegen zu wirken. Der Reiz ist, dass es auch noch auf Englisch sein muss.

Wenn ich 19 Richtige habe, bin ich ein Genie. Angeblich. Derzeit bin ich bei 16 Treffern (“intelligent”) und mein Ehrgeiz ist erwacht…

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Nicht nett gesagt

Eben nach dem Gottesdienst drückt mir eine Mitarbeiterin die Papierhülle einer CD in die Hand, auf der ein anonymer “Mann Gottes” (so viel verriet er dann doch) sich in ein paar Sätzen vom Inhalt her schwammig, vom Ton her aber eindeutig verurteilend über den Gottesdienst und die Gemeinde ausließ.

Am Ende kündigte er an, nun den Staub von seinen Füßen zu schütteln. Den haben wir aber inzwischen weggesaugt. 🙂

Das Thema heute war Gastfreundschaft. Nach diesem Erlebnis frage ich mich, ob man Christen nicht nur in der Frage, wie sie gute Gastgeber sein können, etwas Hilfestellung geben sollte, sondern vielleicht auch erklären, wie man bei anderen ein guter Gast ist? Denn das Staubschütteln war bei Jesus erst der letzte Tipp, und von Zettelchen, die man verschämt und heimlich zurück lässt, war da gar nicht die Rede.

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Lied für den Tag

Letzte Nacht habe ich recht unruhig geschlafen. Ein paar Gesprächsfetzen gingen mir immer wieder durch den Kopf; als ich am Morgen aufstand, hatte ich das Gefühl, zwar körperlich müde zu sein, aber viel klarer in meinen Gedanken.

Am Nachmittag dann endlich mal wieder eine Stunde Luft zum Laufen im vorwinterlich-menschenleeren Wald, der still und kalt war wie eine Kathedrale. Mit jedem Schritt wurde das Gedankenpuzzle geschüttelt, bis die Teile schließlich an ihrem Platz gelandet waren und das Gefühlsknäuel ein ganzes Stück entwirrt.

Als wäre der Schleier einer Täuschung zerrissen und mein Wunschdenken (oder Selbstbetrug) in der Wirklichkeit gelandet. Es fühlte sich zuerst eher schmerzhaft an, und doch war ich erleichtert, wieder klar zu wissen, was zählt. Dankbar für alles, was mir geschenkt ist und etwas beschämt über mich selber.

Das Lied für diesen Tag ist 30 Jahre alt und immer noch wunderschön:

Your Love Broke Through von Keith Green

Like a foolish dreamer, trying to build a highway to the sky,
All my hopes would come tumbling down, and I never knew just why,
Until today, when you pulled away the clouds that hung like curtains on my eyes,
Well I’ve been blind all these wasted years and I though I was so wise,
But then you took me by surprise.

Like waking up from the longest dream, how real it seemed,
until your love broke through,
I’ve been lost in a fantasy, that blinded me,
Until your love broke through.

200710231554

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Plötzliche Begegnung mit dem Tod

Am Samstag morgen gingen DoSi und ich in der Pause des Symposiums einen Cappuccino trinken und wollten über den Platz hinter dem Dom zurück gehen. Doch ein Absperrband der Polizei hinderte uns daran; hinter einer Skulptur konnte man eine abgedeckte Leiche auf dem Pflaster liegen sehen, die Füße ragten noch unter dem Tuch hervor. Hinter uns die geschäftige Fußgängerzone, vor uns Totenstille und ernste Mienen – ein harter Kontrast ohne Vorwarnung.

Heute lese ich, dass der Mann seine Frau ermordet und sich dann selbst vom Dom gestürzt hatte. In einem anderen Artikel stand – auch heute – dass in diesem Land alle 4 Minuten ein Suizidversuch unternommen wird und alle 47 Minuten bringt sich ein Mensch um. Wir liegen damit in Europa an dritter Stelle. Hier sterben “mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Mord, Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen”.

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