Heute gesehen:

Seit Gründonnerstag im Garten Gethsemane hat sich zwar die Situation Jesu deutlich gebessert, dachte ich diese Woche bei meinen Meditationsübungen, unsere dagegen kaum. Vielleicht ist ja nicht der Schlaf das Problem , sondern das Träumen – wenn meine Gedanken in die Vergangenheit abtauchen, in die Zukunft enteilen und bei allem Möglichen sind, außer im Hier und Jetzt.
Da erlebe ich mich meist als buchstäblich „gedankenverloren“ und staune, um was die Gedanken so alles kreisen. Und in welchem Tempo! Was die philosophische Frage aufwirft: Es ist zwar Realität, dass ich mit Gedanken mache. Aber wie „wirklich“ sind meine Gedanken – ist das ein eigener Bereich der Realität oder nur das unwirkliche Echo des wahrhaft Wirklichen, das in meinem Kopf entsteht?
Wir auch immer – ich bin dankbar dafür, dass ich lernen kann, diesen Kreislauf immer wieder anzuhalten oder zu verlassen. Heute habe ich mich an einen Gedanken aus dem Römerbrief erinnert, wo es auch um das Bleiben in der Nähe Gottes geht statt um heroische Unternehmungen, die sich meilenweit entfernt abspielen:
Sag nicht in deinem Herzen: Wer wird in den Himmel hinaufsteigen? Das hieße: Christus herabholen. Oder: Wer wird in den Abgrund hinabsteigen? Das hieße: Christus von den Toten heraufführen. … Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. (Röm 10,6-8)
Gestern sprach ich auf einer Veranstaltung über das Thema Hoffnung. Alles in allem war es sehr schön, viele nette Leute und ein liebevoll gestaltetes Programm. Nach dem Ende kam dann ein mit Traktaten bewaffneter Mann auf mich zu und fragte, ob ich denn Auferstehungshoffnung oder -gewissheit hätte.
Das war natürlich eine Fangfrage, und bei einer falschen Antwort hätte ich mir eine gönnerhafte Belehrung eingefangen. Dass ich so viel von Hoffnung geredet hatte, hatte ihm offenbar nicht gepasst. Erst wollte ich gar nicht antworten, dann dachte ich, dass ich ihn vermutlich schneller los werde, wenn ich sage, was er hören will und sagte „Gewissheit“.
Treffer. Er wollte mir dann noch ein Traktat zustecken. Ich lehnte ab. Dann erklärte er, er sei kein Sektierer und wollte er über mein (natürlich viel zu laxes und freundliches) Verhältnis zu Katholiken reden, es stünde schließlich in der Offenbarung – ich sagte ihm, dass nichts von Katholiken in der Offenbarung stehe und dass er sehr wohl ein Sektierer sei, dann ließ ich ihn stehen und ging meine Sachen packen. Wer andere so ungefragt belästigt, dem sollte man dabei so schnell wie möglich die Luft ablassen und ihm keine Aufmerksamkeit schenken, auch und vielleicht gerade dann, wenn er fromme Worte benutzt.
Aber zurück zur Fangfrage, da hatte ich nämlich gelogen: In Wirklichkeit ist der Begriff „Hoffnung“ viel angemessener vom Neuen Testament her. Hoffnung ist nichts, was der Gewissheit unterlegen ist, sondern sie richtet sich auf zukünftige Ereignisse. Also kann ich nur sagen, dass ich an die Auferstehung Jesu glaube und auf die Auferstehung von den Toten hoffe. Eine Gewissheit darüber hinaus zu fordern, ist Unsinn, und sie zu behaupten, heißt, den Mund zu voll zu nehmen.
Wenn man schon meint, andere ständig verbessern und bevormunden zu müssen, sollte man wenigstens seine Bibel gründlich lesen: dann würde man Hoffnung richtig verstehen. Und kapieren, dass auch Taktgefühl eine christliche Tugend ist. Glaube, Liebe, Hoffnung – Gewissheit kommt in dieser Aufzählung von 1.Kor 13 gar nicht vor. Gewiss, sagt Paulus, ist allerdings dies:
Gewiss, wir alle haben Erkenntnis. Doch die Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf.
Wir hatten mit rund 50 Leuten und einer guten Mischung aus bekannten und neuen Gesichtern eine gute Premiere von puls, unserem neuen Gottesdienst am Sonntag abend. Alle haben sich gut auf das Experiment eingelassen, dass man in diesem Gottesdienst nicht einfach drinsitzen kann. All das kann man nur schwer beschreiben und schon gar nicht so recht mitschneiden.
Auf die nächsten Teile haben gestern auch die EN hingewiesen. Wer sich schon mal auf das nächste Mal einstimmen möchte, kann auf der Puls Website die Kerngedanken vom Sonntag nachlesen.
Gestern habe ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit ein Buch weggeworfen. Jemand fand es offenbar bemerkenswert und steckte es mir in einem Moment der Verlegenheit zu, zweifellos in der Hoffnung, mir damit etwas Gutes zu tun. Nur: Ich fand die ersten beiden Seiten, die irgendwie lustig sein wollten, schon so peinlich, dass ich nun selbst in der Verlegenheit war – wohin mit dem guten Stück?
Ich habe daheim ein für Besucher das Hauses gut verstecktes Regal für Bücher, die die Welt nicht braucht, aber das ist inzwischen fast voll, in der Regel mit mieser Theologie. Dennoch hatte Wegwerfen immer noch den unwillkürlichen Beigeschmack von Bücherverbrennungen im Dritten Reich, von Vandalen und Inquisition, dass ich extrem gehemmt war, einen solch barbarischen Frevel zu begehen. Verkaufen kann man sowas aber auch nicht guten Gewissens – ich hätte dabei doch gern das Gefühl, dem anderen einen Gefallen zu tun, wenn er mir schon Geld bezahlt.
Das soll jetzt kein Forum werden, wo jeder Bücher als peinlich denunziert, daher verrate ich weder Autor noch Titel. Ich fand es schließlich weniger peinlich, zur blauen Tonne zu gehen, als das Buch zu behalten. So gesehen ist der Begriff „Entsorgung“ hier doppelt angebracht. Vielleicht wird ja im nächsten Bücherleben was besseres draus. Meine ehernen Prinzipien sind etwas aufgeweicht, und es fühlt sich gut an.
Heute ging eine kleine Ära meines Lebens ihrem Ende entgegen. Nach 13 Jahren als Vorsitzender – immerhin fast ein Drittel meines Lebens – habe ich die Leitung des Alpha Deutschland e.V. heute abgegeben.
Eigentlich hatte ich schon viel eher vor, diesen Schritt zu gehen. Vor zwei Jahren jedoch kamen wir ins Gespräch über die Frage, ob es eine kontextualisierte Fassung des Kursmaterials für deutsche Verhältnisse (kirchlich wie kulturell) geben könnte. Da ich eher ein Entwicklertyp als ein Vertriebsmensch bin, stieg ich mit 20% meiner Zeit ein und wir arbeiteten mit einem kleinen, aber feinen Team an einer Neufassung. Zugleich hatten wir mit unserer Büromannschaft unter Anleitung von Paul Donders (xpand) eine sehr motivierende Neuausrichtung begonnen.
Im Winter dann kam unerwartet das „Aus“ für unser Projekt aus London. Die Vorstellungen ließen sich wider Erwarten doch nicht unter einen Hut bringen, zumal auch die Schweiz nolens volens noch mit im Boot saß. In gewisser Weise ist das eine typische Konfliktlage in einer Organisation mit klarer Zentrale und internationalen Zweigstellen, und das ist Alpha eben doch mehr als ein dezentrales Open-Source-Netzwerk. Dazu kam, dass unsere finanzielle Situation im Verein nicht rosig aussah und unsere ehrenamtlichen „Fundraiser“ nur schleppend voran kamen. Es ist aber eben doppelt belastend, wenn man einerseits als Vorstand in der Haftung ist für mögliche Defizite und zugleich als Angestellter Einschnitte unausweichlich kommen sieht.
Alpha International hat Neuwahlen des Vorstands angeregt und ich bin dankbar für die Gelegenheit, aus diesem Zwiespalt von Vorsitz und Anstellung ausscheiden zu können. Nun werde ich als (geringfügig) Angestellter in den nächsten Monaten dem neuen Vorstand noch helfen, die Weichen für eine Zukunft zu stellen, von der noch niemand genau sagen kann, wie sie aussehen wird. Aber ich kann das fröhlichen Herzens und versöhnt tun – auch deswegen, weil ich den Kopf dann wieder frei bekomme für meine Familie, Freunde und Gemeinde, für die ich im letzten Jahr nicht so viel Zeit und Aufmerksamkeit aufbringen konnte, wie ich mir das gewünscht hatte, und die mich geduldig getragen haben in dieser Zeit.
Steve Turner hat mal lakonisch gedichtet „History repeats itself. Has to. No one listens„. Ich habe mich daran erinnert, als ich kürzlich von jemandem hörte, in dessen Gemeinde ein Ehepaar wechselte, das nicht so ganz im Frieden aus der alten Gemeinde gegangen war. Er kümmerte sich nicht darum, bis eines Tages der ganz offenbar unverarbeitete Konflikt, den sie quasi im Gepäck hatten, ihn selbst betraf.
Als ich das hörte, fiel mir sofort ein ganz ähnliches Erlebnis ein, wo ich mir im Rückblick gewünscht habe, auch die andere Seite des Konflikts gehört zu haben, der zwei Leute in unsere Gemeinde führte, und sich hier binnen einiger Monate dann maßstabsgetreu reproduzierte.
Wenn sich die Geschichte nicht wiederholen soll, dann müssen wir uns in solchen Situationen eben doch die nicht unerhebliche Mühe machen, wirklich beide Seiten zu hören und darauf zu achten, dass Dinge nicht ungeklärt und Menschen nicht unversöhnt bleiben. Das ist zwar keine Garantie für Frieden, aber wenigstens bleiben die Selbstvorwürfe aus, wenn doch etwas schief geht.
Sonntag vor einer Woche war Nadja Bolz-Weber bei uns. Wir haben einen eindrücklichen Gottesdienst mit deutsch-amerikanisch lutherischer Liturgie gefeiert und auch Nadjas Predigt (einige hatten schon danach gefragt) hat das typisch lutherische Verständnis von der Gnade Gottes, die wir so allesamt nötig haben, aber uns nicht selbst zusprechen können, ins Zentrum der Gedanken gestellt.
Gestern ging es im Rückblick darauf und aus Anlass einer Kindersegnung um die Frage der Rechtfertigung aus Glauben (missional verstanden, um mal dieses Schlagwort zu verwenden), kräftig inspiriert durch Tom Wright und seine neue Paulusperspektive – zumindest so weit, wie ich diese begriffen habe 🙂
Beides gibts im ELIA Podcast
Nur noch knapp drei Wochen, dann geht unser neuer Gottesdienst „puls“ an den Start. Ab dem 4. Oktober sind wir alle zwei Wochen am Sonntag abend im Museumswinkel. Die erste Staffel trägt den Titel „Rhythmus des Lebens“.
Im Unterschied zu LebensArt, das wir vor über einem Jahr abgesetzt hatten, wird puls ruhiger verlaufen. Es wird meditative Elemente geben, eine rudimentäre Liturgie, keine Band und kein Theater, aber Stationen und Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Weitere Infos und unseren Flyer zum Download gibt es hier.
Die Wanderexerzitien liegen hinter mir und ich bin dabei, meine Eindrücke zu sortieren. Die knapp fünf Tage des Betens, Schweigens und Wanderns haben mir sehr gut getan. Zu Beginn lief das innere Schwungrad meiner Gedanken und Gefühle auf Hochtouren, was mir im normalen Rhythmus von Arbeit und Leben nicht so richtig bewusst war, nach einer Weile aber stellte sich auch innen nicht nur Ruhe, sondern allmählich auch ein Frieden ein.
Das „Wandern“ in der Gruppe (aber eben still) war ein sportlich wenig anspruchsvoller, ausgedehnter Spaziergang. Dass ich dennoch Muskelkater in den Waden bekam, lag daran, dass ich das Tempo bergab mächtig drosseln musste. Das Wetter war ideal: die 34 Grad Hitze im Tal konnte man 1.000 m höher ganz gut ertragen. Aus der Distanz konnten wir Unwetter über der Steiermark als phänomenales Wetterleuchten sehen, im Lavanttal dagegen blieb es trocken, bis zur Abreise am Samstag früh.
Als einziger Evangelischer (knapp die Hälfte der TeilnehmerInnen waren Priester und Ordensleute) durfte ich jeden Abend die Messe mitfeiern und habe mich wieder an die katholische Liturgie gewöhnt – auch wenn ich gelegentlich ganz froh war, ein paar Passagen nicht auswendig mitsprechen zu können. Aber ich hatte noch die Woche zuvor von George Lindbeck gelernt, dass man Unterschiede in Lehre und Bekenntnis nicht zwingend als Widersprüche verstehen muss, sondern dass hier eine andere „Grammatik des Glaubens“ gilt und ich auch deswegen nicht immer ganz mitkomme.
Zudem sprach Pater Josef Kazda, der Exerzitienleiter, in seinen abendlichen, stets völlig frei gehaltenen Predigten und den Anleitungen zur Meditation am Morgen und Nachmittag durchaus „meine“ Sprache. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand die Aufforderung, seine eigenen inneren Monologe und Zustände gütig zu betrachten und dann auch gleich wieder loszulassen, besser verkörpern könnte als dieser freundliche, weise und sanfte Jesuit. Es durfte wirklich jeder sein, wie er eben war.
Hätte kein Schweigegebot gegolten, wären in der 16-köpfigen Gruppe sicher auch viele spannende Gespräche entstanden. Beim ersten Teil der Rückfahrt habe ich mich wenigstens zum Teil noch mit zwei anderen sehr angeregt unterhalten können. Aber man lernt Leute auch kennen, wenn sie still sind: wie sie sich bewegen, wie (und ob) sie einander ansehen und andere Signale der Körpersprache. Und es gibt eine andere, interessante Dynamik in der Gruppe, denn im Schweigen bilden sich keine Untergrüppchen, aus denen sich einzelne womöglich ausgeschlossen fühlen.
Die Übungen selbst empfand ich zu Beginn fast wie eine Art spirituelles Stretching lange vernachlässigter Partien der Seele und Erproben ungewohnter Bewegungsabläufe, aber mit der Zeit wurde der Kraftaufwand geringer und die positiven Wirkungen spürbarer. Ich habe mir fest vorgenommen, diese Schätze in der Form zu hüten, dass ich sie fest in meinen geistlichen Tages- und Wochenrhythmus integriere. Dass man das Jesusgebet auch in Bewegung beten kann, hilft mir dabei ungemein.
Keine Sorge, hier geht es nicht um die Tour der France, Doping oder Ähnliches: Neulich war ich mit meinem Sohn Radfahren. Wir flogen nur so dahin und ich war begeistert über das ansehnliche Tempo. Was mir gar nicht richtig auffiel, war der leichte Rückenwind, der uns auf dem ebenen Gelände anschob. Dann bogen wir ab und es ging erstens bergauf, zweitens bremste uns nun der Wind. Und schon war unser Tempo (und mit ihm unsere Selbsteinschätzung) ganz anders.
Ich habe den Verdacht, dass es im Leben manchmal ähnlich läuft: Die Strecke ist leicht abschüssig, der Wind kommt von hinten (soll heißen: die Umstände sind günstig und tragen einen großen Teil zu Erfolg bei) und ich erliege der Illusion, ich könne Bäume ausreißen oder ewig so weitermachen. Dann dreht sich der Wind, die äußeren Bedingungen werden härter. Und ich sehe plötzlich, wie es um meine Kondition tatsächlich bestellt ist.
Darin liegt der Sinn geistlicher Übungen – dass wir in den angenehmen Lebensphasen für die Zeiten trainieren, wo es plötzlich mal hart auf hart geht. So lange alles flutscht, scheine ich das gar nicht zu brauchen. Wenn es aber mal anders kommt (und das ist nur eine Frage der Zeit), dann zahlt sich das vielfach aus.
Vor ein paar Monaten hatte ich eine etwas heftigere Auseinandersetzung mit jemandem. Am Ende des Gesprächs, in dem mir einige Drohungen um die Ohren geflogen waren, entschuldigte sich mein Gegenüber: „Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt habe“. Hatte er, und ich hatte das auch gesagt, nur die drohenden Worte wurden in dem Zusammenhang weder erwähnt noch zurückgenommen. Ich hatte das Gefühl, die unbestimmte Entschuldigung war eher als ein Anreiz an mich gedacht, mich meinerseits zu entschuldigen und dabei hoffentlich auch von meiner Position (von der ich nach dem Gespräch überzeugter denn je war) abzurücken.
Es gibt solche Entschuldigungen, die nur allzu deutlich verraten, dass der, der sie äußert, noch gar nicht verstanden hat, womit er andere verletzt oder ungerecht behandelt hat. Etwa die von Günter Oettinger, der sich nicht für seine missglückte Grabrede für Hans Filbinger, sondern lediglich deren Wirkung entschuldigt hat. Wenn ich dem anderen zu verstehen gebe, dass das eigentliche Problem aus meiner Sicht nicht mein Handeln, sondern seine Reaktion war (und das kann, wenngleich sicher nicht bei Oettinger, ja auch in dem einen oder anderen Fall zutreffen), dann sollte ich mich dafür nicht entschuldigen. Ein „tut mir leid, dass du dich so aufregst“ ist dann nur eine weitere Beleidigung.
Wirklich entschuldigen und um Vergebung bitten kann ich erst dann, wenn ich verstanden habe, was den anderen verletzt hat und meinen Fehler in der Angelegenheit sehen kann – selbst wenn es nur eine Teilschuld ist. Dass jemand etwas an mir auszusetzen hat und sich über eine Entschuldigung freuen würde, ist allein noch kein Grund. So verständlich das Bemühen im einen oder anderen Fall sein mag, Spannungen, deren Ursache man noch nicht durchschaut, durch eine „Entschuldigung“ zu vermindern: Wirklich auf dem Weg der Besserung ist eine Beziehung erst dann, wenn zu dem Bedauern über den Konflikt die Einsicht und der Wille zur Veränderung dazu kommt. Geduldiges Nachfragen hilft da im Zweifelsfall mehr.
Ich habe mir beim Nachdenken darüber vorgenommen, mich vielleicht in Zukunft seltener zu entschuldigen, aber dann richtig.
„Mein“ Wald war schon immer ein mystischer Ort. Wenn ich auf der Suche nach Stille und Inspiration war, fand ich sie dort oft genug. Die Bäume entlang meiner Laufstrecke kennen vermutlich mehr von meinen intimsten Sorgen als der eine oder andere Freund. Natürlich rede ich nicht mit den Bäumen. Aber manchmal denke ich, sie hören mit.
Seit heute hat das Mysterium Wald eine neue Dimension. Ich ging bei immer noch über 25 Grad und gefühlten 3000% Luftfeuchtigkeit auf die Laufrunde und kurz vor der Hälfte begegnete mir ein Geist. Er trug einen schwarz-roten Trainingsanzug mit langen Hosen und langärmliger Jacke und auf dem Kopf eine Schirmmütze. Und trotz der dicken Kleidung lief ihm anscheinend kein Tröpfchen Schweiß über das Gesicht. Was beweist, dass es ein Geist gewesen sein muss. Hätte ich einen Spiegel dabei gehabt, er wäre darin nicht aufgetaucht.
Wer nun meint, ich hätte ein getrübtes Bewusstsein aufgrund der Hitze oder einer FSME-Infektion in Folge eines Zeckenbisses – mein Pulsmesser zeigte keine Auffälligkeiten an. Ich hatte wohl auch das eine oder andere Flugobjekt ins Auge bekommen, aber mein Blick war immer noch klar. Außer Erdbeerkuchen vom Nachmittag hatte ich auch nichts im Magen.
Es muss also ein geist gewesen sein. Denn ich glaube nicht an Aliens, das ist unbiblisch. Und nicht daran (obwohl viele das vermuten), dass Siemens schon längst Roboter erfunden hat, die von echten Menschen nicht zu unterscheiden sind. So weit ich weiß, haben sie in Stepford keine Niederlassung…