Besinnlichkeitskoller

Wie wohl die meisten wurde ich in den letzten Tagen von nur noch säuselnden Radiomoderatoren beschallt und mit postalischen wie digitalen Weihnachtsgrüßen aller Art bedacht und habe dabei, wie mir scheint, eine Überdosis “Besinnlichkeit” abbekommen. Nach den frühlingshaften Temperaturen zu Monatsbeginn, wo noch keine in Stimmung war, kam es mit sinkendem Quecksilber nun geballt – quasi überbesinnlich.

Der Begriff “Besinnlichkeit” alleine schon löst bei mir Widerwillen aus (Jeder weiß, dass Weihnachten von allen Zeiten im Jahr die ist, wo man kaum zum Nachdenken kommt. Und wir tun ja auch alles dafür; es könnte ja die Weihnachtsstimmung trüben). Manchmal kommt es mir so vor, als meint “Besinnlichkeit” oft gar kein echtes, tiefes Nachdenken über unser Leben (oder gar die Welt), sondern eher eine Stimmung, so als ob man das unternähme. Vielleicht ist das jetzt ungerecht, aber manches Bemühen um Tiefsinniges wirkt aufgesetzt. Eine Pflichtübung, die man absolviert. Die kann wie jede Übung auch Ihr Gutes haben. Nur in der Masse wirkt es

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Wie geht’s?

Die Frage bekommt man ja häufig gestellt und meistens erwartet der Fragesteller eine kurze Antwort. Nicht ganz so wie in den USA (wo zumindest der extrovertierte Deutsche immer schon lossprudelt, ehe ihm einfällt, dass man am besten mit einem Wort, und zwar einem positiven oder höchstens neutralen, drauf antwortet: fine, good, ok, oder “hangin‘ in there”).

Aber zurück zu mir. Wie bewerte ich denn, wie es mir geht? Als das Leben einfacher und meine Gedanken dazu eindimensionaler waren, war das kein großes Problem. Jetzt aber ist es viel komplexer geworden, oder ich bin anspruchsvoller und kritischer. Dinge laufen vielleicht äußerlich gut, aber ich kann mich nicht immer richtig drüber freuen. Niemand außer mir selbst steht meinem Glück im Wege.

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Mit Engeln diskutiert man nicht…

Die Geschichte von Zacharias und Elisabeth liest sich wirklich amüsant. Zacharias absolviert seinen Dienst im Tempel und wird für ein Rauchopfer ausgelost. Im Heiligtum begegnet ihm ein Engel – Gabriel, wie sich dann herausstellt – und kündigt die Geburt seines Sohnes an.

Zacharias muss völlig perplex gewesen sein, anders lässt sich die blöde Frage nicht erklären, die er dann stellt, nämlich wie das gehen soll. Wenn man einen Engel vor sich hat (und dem Schrecken nach zu urteilen, den er bekam, sah der nicht so harmlos aus wie der Engel Dudley), dann ist doch wohl klar, dass hier von eine ungewöhnliche Sache läuft. Die Story von Abraham und Sara kannte ja nun wirklich jeder. Aber Sara hatte wenigstens nur leise gelacht, statt Gott zu erklären, er hätte da ein paar Schwierigkeiten übersehen.

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Stop the Traffik

Sklaverei und Menschenhandel sind keine Probleme der Vergangenheit, sondern ein wachsender globaler Wirtschaftszweig, der dringend bekämpft werden muss.

Hier könnt Ihr die Aktion unterstützen, indem Ihr eine Erklärung unterzeichnet. Auf der englischen Website finden sich Präsentationen und Anregungen für Gebetsstationen. Sicher freuen die Initiatoren sich, wenn jemand die Sachen ins Deutsche übersetzt.

Ein (unübersetzter) Videoclip fasst die wichtigsten Anliegen zusammen:


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“Gott ist ein Künstler”

Während bei uns der päpstlich oder vielleicht auch anderweitig induzierte Trend zur Religion noch die Schlagzeilen beherrscht, hat in England der Atheist vom Dienst Richard Dawkins sein Buch “The God Delusion” veröffentlicht und für viel Aufsehen in der Blogosphäre gesorgt. Wenn wir “Wessis” uns bewusst machen, dass der Anteil von Atheisten in Deutschland höher ist als in den meisten anderen Ländern der Erde, dann wird klar, diese Diskussion ist auch für uns interessant. Vor allem könnte sie schneller die Schlagzeilen beherrschen, als manch einer zurzeit vielleicht denkt.

Eine geistreiche Rezension von Dawkins‘ Opus hat nun der Literaturprofessor Terry Eagleton aus Manchester veröffentlicht. Und ganz nebenbei rückt er nicht nur Dawkins mannigfache Verzerrungen zurecht, sondern schreibt (wie Ben Myers feststellt) auch noch so schön über Theologie, dass das Lesen der Rezension auch dann noch Spaß macht, wenn man Dawkins nicht kennt und auch gar nicht zu lesen im Sinn hat. Wenigstens ein paar Kostproben, etwa zum Thema Schöpfung:

Zu sagen, dass er (Gott) sie (die Welt) ex nihilo geschaffen hat ist kein Maßstab dafür, wie schrecklich schlau er ist, sondern es soll sagen, dass er dies aus Liebe und getan hat, nicht weil er es nötig hatte. Die Welt war nicht die Folge einer unerschöpflichen Kette von Ursache und Wirkung. Wie ein modernistisches Kunstwerk gibt es in all dem gar keine Notwendigkeit und Gott hätte sein Werkstück sehr wohl auch vor ein paar Äonen schon bedauern können. Die Schöpfung ist der ursprüngliche acte gratuit. Gott ist ein Künstler, der es um der bloßen Liebe oder Hölle willen tat, kein Wissenschaftler, der an einem glänzend rationalen Entwurf arbeitet, der die Geldgeber seines Forschungsprojektes unendlich beeindruckt.

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Bei allem Respekt…

Ein ziemlich mulmiges Gefühl stellt sich ein, wenn man derzeit den Blick nach Russland richtet. Dass aber der lange Arm der Putin-Administration bis in die Redaktion von Sabine Christiansen reichen soll und dort zur Ausladung von Kritikern führte, ist – wenn es sich bewahrheitet – kein gutes Zeichen.

Auf einer etwas anderen Ebene liegt der Auftritt von Yusuf Islam alias Cat Stevens bei “Wetten Dass”. Peinlich aber war für mich auch dort, wie der Gastgeber (Aushängeschild seines Senders, ähnlich wie Christiansen bei der ARD) leicht verkrampft auf Harmonie machte und nicht einmal im Zusammenhang mit dem geänderten Namen das Wort “Islam” aussprechen konnte, sondern nur Umschreibungen oder Vermeidungen von sich gab.

Als sähe er bei einem falschen Wort schon die aus dem Karikaturenstreit bekannten Massen in Teheran, Islamabad oder Kairo sein Foto verbrennen. Man kann natürlich wie Harald Schmidt den Islam grundsätzlich aussparen, weil man nie weiß, wie man wiedergegeben und verstanden wird. Aber dann darf man – Samtstimmen-Nostalgie hin oder her – auch solche Gäste schlicht nicht einladen, sonst wird es grotesk.

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Neulich in London

Kürzlich habe ich das erste Foto bekommen, auf dem ich mit Brille drauf bin. Neben Nicky Gumbel himself übrigens. Muss mich trotzdem noch an die Optik gewöhnen.

Germanynftn1

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Wohlfühl-Evangelium

In Zeiten von Wellness-Oasen und selbst frommen Feelgood-Wochenenden sollten wir den alten Asketen Paulus vielleicht auch leicht auffrisieren. Ein Versprecher brachte mich gestern auf den Trichter:

Gott war in Christus und verwöhnte die Welt…

(vgl. 2.Korinther 5,19f)

Von Aroma redet Paulus in diesem Brief ja auch (2.Kor 2,14ff. Gut, das liest sich etwas zwiespältig…) – nur die Kristalle suche ich noch. Irgendwelche Tipps?

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Nachwuchs-Bloggerin

Unser ältestes Kind “hockt auf dem Nestrand und schlägt mit den Flügeln”, sagt Martina: Am 6. Januar geht Deborah für drei Monate nach Nordengland, genauer gesagt nach Cumbria an den Westrand des malerischen Lake District. Und damit alle im Bilde sind (und wir sie nicht zu sehr vermissen), hat sie schon mal ihr eigenes Blog gestartet.

Der Ort heißt Seascale (der auf Google Earth nachsieht, wird in unmittelbarer Nachbarschaft einen weltberühmten Ort finden, der früher mal Windscale hieß, und jetzt…). Deborah hat das jedenfalls nicht erschüttert, viel schwerer wiegt die Tatsache, dass in der Gastfamilie zwei Mädels, ein Hund und eine Katze leben und das Meer vor der Haustüre ist.

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Abschied von Mars und Venus

Die Zeit befasst sich mit den Unterschieden zwischen den Geschlechtern, und abgesehen von einer Reihe von Vorurteilen, die mit ziemlich wackligen Steinzeit-Hypothesen begründet werden sich durch bloße Widerholung ständig selbst reproduzieren, bleiben die echten Unterschiede überschaubar:

Frauen werfen nicht so gut. Sie sind weniger aufgeschlossen für One-Night-Stands, neigen nicht so stark zu körperlicher Aggression und masturbieren seltener. Die anderen Differenzen fallen, statistisch gesehen, kaum ins Gewicht.

Und sie werden obendrein zurzeit immer weniger – auch ein Hinweis darauf, dass sie nicht so sehr in den Genen stecken, eher in der Sozialisation durch Stereotype wie dem, dass Frauen in Mathematik schlecht seien. Die erheblichen Unterschiede von Mann zu Mann beziehungsweise von Frau zu Frau sind dagegen oft übersehen worden.

Ein Grund mehr, solche Argumente auch bei der Diskussion um Frauen in der Gemeindeleitung wieder zu begraben und stattdessen unserer veränderten Kultur Rechnung zu tragen, statt ausschließlich die einschlägigen Bibelstellen zu traktieren. Werfen muss man in der Gemeinde nicht, und die anderen Differenzen sprechen eher gegen die Männer…

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Spruch des Tages

Faltencremes sind Gottes Art, herauszufinden, wer wirklich dumm ist. Und wer will schon ein Gesicht, aus dem die Spuren der Erfahrungen gelöscht wurden?

Bodyshop-Gründerin Anita Roddick (64) im – auch sonst sehr lesenswerten! – Interview mit der Welt

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Plünderer

Ein eindeutiges Votum meiner Waage hat mich bewogen, meiner Lauffaulheit ein Ende zu setzen und wieder öfter meine Runden zu drehen – Ziel ist, mindestens 30 km in der Woche zu schaffen. Bei der frühen Dämmerung ein Projekt für die Mittagspausen – oder mit Stirnlampe, so lange noch kein Schnee liegt. Letzte Woche war ich – beflügelt von einem Rob-Bell-Podcast – so flott unterwegs, dass ich tags drauf nach Monaten mal wieder Muskelkater in den Beinen hatte.

Was mir die Freude an der Bewegung trotzdem vermiest, ist die Tatsache, dass der einst so schattige Wald mit weichen, federnden Wegen von der geschäftstüchtigen und daher “schlagkräftigen” (O-Ton Staatsregierung!) Holzindustrie inzwischen brutal ausgeplündert wird. Die Harvester schlagen schnurgerade Schneisen nach rechts und links und ihre Räder hinterlassen tiefe Spurrillen im Untergrund, aus denen nur noch hier und da tote Äste aufragen. Die meisten “meiner” Wege sind in diesem Jahr zu Rennstrecken für LKW-Gespanne umgebaut, auf das Doppelte verbreitert und knöcheltief geschottert worden. Einst malerische Ecken sind bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Unwillkürlich fühlt man sich an die Orks von Isengard erinnert und meint, auch ohne Ents das Seufzen der Kreatur hören zu können…

Hundehalter brauchen keine Sorge mehr zu haben, dass der unangeleinte Waldi wildert – es gibt außer Joggern nicht mehr viel zu jagen. Für diese ist es auch ohne Hund auf den Fersen mühsam, für Radfahrer sogar richtig gefährlich geworden auf dem losen Untergrund. Aber Freizeitsportler stören eh nur beim Bäumefällen und halten den Verkehr auf den neuen Waldpisten auf. Um so besser, wenn man sie auf diese Weise vergrault. Und wenn das gelungen ist, kann auch die überflüssige Südumgehung endlich ohne Proteste gebaut werden…

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Wusst‘ ich’s doch…

In der Post von heute ist ein Brief eines christlichen Werkes. Auf dem Umschlag steht neben dem Logo der Slogan “Wir wollen mehr”. Mehr wovon?

Ich habe schon so eine Vorahnung, als ich den Brief öffne. Und tatsächlich purzelt ein “Bettelbrief” mit Überweisungsträger heraus. Drüber steht: “Dankopfer” – soll heißen: der Absender ist dankbar und ich werde um das Opfer gebeten…

Ich beschließe, wer den originellsten Spendenbrief schickt, der bekommt was von mir. Dieser allerdings wandert in die “Rundablage”.

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