Mulmiges Gefühl

Emma ist eine Woche her, also ging ich gestern erstmals wieder in den inzwischen sicheren Wald joggen. Auf den ersten Metern überholte ich ein Paar, dessen Schäferhund offenbar mein höheres Tempo interessant genug fand, um ein Stück neben mit her zu laufen.

Ich war eigentlich gar nicht nervös, weil mir noch nie etwas passiert ist (ich kenne aber auch Jogger, die immer ein Pfefferspray dabei haben). Nervös wurde ich erst, als das Herrchen rief: “Brutus, komm zurück!”. Die nächsten 200m erhöhte ich vorsichtshalber das Tempo ein bißchen…

Share

Erstens kommt es schlimmer…

Nasse Füße könnte man relativ bald in Küstennähe bekommen, und zwar dauerhaft. Neueste Untersuchungen zeigen, dass an beiden (!) Polen das Eis deutlich schneller schmilzt als die meisten Forscher bisher angenommen hatten.

Grönland-Forscher rechnen mit einem Anstieg des Meeresspiegels, der doppelt so hoch ausfallen könnte wie vom Weltklimarat prognostiziert, bis zu 118 cm im Jahr 2100. Und in der Antarktis hat sich nach aktuellsten Studien nun auch der Gletscherschwund drastisch beschleunigt. Das war in dieser Rechnung wohl noch gar nicht enthalten.

Gut, dass wenigstens die spritfressenden Luxusautos immer mehr in Rechtfertigungsnöte geraten. Wie wäre es eigentlich, wenn sich unsere Zeitungen weigern würden, noch Artikel über Luxusschlitten und Supersportwagen zu publizieren? Dann müssten sich die Konzerne andere Flaggschiffe suchen, mit denen sie imagetechnisch punkten in der Öffentlichkeit, wie die SZ zu berichten weiß:

“Die neuen CO2-Steuern in Spanien und Schweden führen zu einer dramatischen Verschiebung des Käuferverhaltens. Dort entscheiden sich jetzt fünfmal so viel Kunden für einen Kleinwagen”, sagt Alain Visser, “mit den angedrohten CO2-Sanktionen der Europäischen Union wird sich dieser Trend in den nächsten Jahren noch verstärken.”

Ich bin stolz, Europäer zu sein – stolzer, als ich es in dieser Sache auf Deutschland bin…

Technorati Tags: , ,

Share

Wir sind drin…

Ein kleiner Traum wird wahr: Am Karfreitag führt unser Kreuzweg ins Herz des Erlanger Burgbergs. Es liegt noch jede Menge Arbeit vor uns in den nächsten beiden Wochen, aber die “Location”, wie man neudeutsch sagt, ist für den Anlass ideal.

Ich hoffe, dass es noch mehr als in den vergangenen Jahren für viele zu einem eindrücklichen geistlichen Erlebnis wird. Diesmal machen wir auch ein bisschen Werbung in der Stadt. Immerhin wird man ja nicht angepredigt und belehrt, sondern kann den Weg in aller Ruhe und Konzentration (dafür sorgt schon der dunkle Gang und die gute Kellerluft) zurücklegen.

Karfreitag.Psd

Share

Betreutes Computing

Heute auf Spiegel Online ein Nachwort zu Steve Ballmers Auftritt in den Tagesthemen:

Im Grunde sind Macs Rentnerrechner, betreutes Computing gewissermaßen. Keine Viren, kaum Systemcrashs, automatische Festplattenbereinigung – mit einem Apple zu arbeiten, ist wie Nordic Walking. Eine Idee langsamer als sonst und mit teuren Krücken, die dafür sorgen, dass man nicht umfällt.
Ein Arbeitstag an einem Windows-Rechner ist dagegen ein Tanz auf dem Vulkan, ein Ritt auf einem wilden, ungezähmten Bullen, mit der Wut des bösen Steve im Bauch.
Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit Linux. Freie Betriebssysteme dürfen bei diesem Spiel nicht mitmachen. Was kein Geld kostet und von irgendwelchen Langhaarigen in ihrer Freizeit erarbeitet wird, ist zum Stock-Car-Rennen der Giganten nicht zugelassen.

Man kann es auch so sehen: In einer Gesellschaft, die immer älter wird, werden die Macs die Nase vorn haben. Warum nur so viele jüngere sie kaufen, bleibt rätselhaft. Aber vielleicht sterben die echten Männer ja auch langsam aus…

Share

Aus dem Archiv: So weit die Träume tragen

Für den LebensArt Gottesdienst letzten Sonntag haben wir einen kleinen Stummfilm produziert. Leider muss für die online-Version der Soundtrack wegbleiben. Es sei denn, jemand von Euch hat Tipps, wo wir gute lizenzfreie Aufnahmen von Ragtimes und sonstiger stummfilmtauglicher Klaviermusik finden – dann werde ich es nachvertonen und neu einstellen.

Aber jetzt viel Spaß beim Zuschauen:

Share

N.T. gut, alles gut

Viele von den Fragen, die wir Gott stellen, können nicht direkt beantwortet werden – nicht, weil Gott die Antwort nicht wüsste, sondern weil unsere Fragen keinen Sinn ergeben. Wie C.S. Lewis einmal bemerkte, sind viele unserer Fragen aus Gottes Sicht so, als würde jemand fragen: “Ist Gelb eckig oder rund?” oder “wie viele Stunden hat eine Meile?”

N.T. Wright, Simply Christian, S. 104f.

Technorati Tags:

Share

Es lohnt sich, genau hinzusehen

Gestern traf sich der Leitungskreis der Koalition für Evangelisation in Kassel. Der Tag zuvor war hektisch gewesen, die Nacht unruhig, und so taumelte ich etwas verschlafen am Morgen zum Bahnhof. Spät am Abend hatte ich noch nach der Zugverbindung gesucht. Ich war sogar früh genug da, um einen Zug eher zu starten und den Anschluss ungefährdet zu erreichen. Einer entspannten Reise schien nichts im Weg zu stehen.

Doch ich lernte an diesem Morgen, dass es früh eine Zugverbindung nach Kassel gibt, bei der man statt in Nürnberg in Fürth umsteigen muss. Leider fiel es mir erst in Nürnberg auf, und ich konnte anderthalb Stunden Kaffee trinken und eine Runde durch die Fußgängerzone bummeln, freilich bei geschlossenen Läden. Aber trotz all des Koffeins wurde ich nicht richtig wach, wie sich zeigen sollte.

Im Zug nahm ich mir dann die Tagesordnung und beigefügten Protokolle vor und wollte, wenn schon zu spät, dann wenigstens gut vorbereitet auflaufen. Am Bahnhof in Kassel fuhr mir die erste Straßenbahn vor der Nase weg. Ich nahm die nächste eine Viertelstunde später zur Tagungsstätte des CVJM. Dort tagte aber der Wissenschaftsrat, nicht die Koalition.

Richtig. Ich hatte mich noch gewundert, warum der Einladung eine Wegbeschreibung beigefügt war, wo doch alle den Weg kannten. Die hatte ich als einziges nicht richtig gelesen. Ich kramte die Mail hervor, überflog sie und erinnerte mich daran, dass ich früher schon mal bei einem Treffen in Bahnhofsnähe war. Das musste es sein. Ich fuhr zurück und fand – nichts. Also kramte ich die Mail nochmal heraus und las sie zum ersten Mal genau, Wort für Wort. Und stellte fest, dass ich nur 100m weiter in die alte CVJM-Tagungsstätte hätte gehen müssen. Hmpf…

Ich kam zwei Stunden zu spät – gerade noch rechtzeitig zum Mittagessen und zur zweiten Hälfte der Sitzung. Und nahm mir vor, in Zukunft nach Möglichkeit solche Termine nicht nach Stresstagen anzunehmen. Oder wenigstens Wegbeschreibungen genau zu lesen und mir bei den Zugverbindungen auch die Umsteigeorte anzeigen zu lassen. Einfach wacher durchs Leben zu gehen. Das spart manchmal Zeit…

Share

Dumme Angler

Heute kam eine Mail mit diesem Betreff:

Leider muessen wir Ihnen zur Kenntnis bringen , dass eurer Kreditkartenkonto gesperrt wurde

Liebe Phisher: lernt wenigstens richtig Deutsch, bevor Ihr andere übers Ohr haut.

Share

Spruch des Tages

Ein verängstigter Mann ist niemandem gegenüber loyal – außer dem, den er im Augenblick am meisten fürchtet.

David Schnarch, Passionate Marriage, S. 61

Share

Progressive Hermeneutik

Wie etliche andere habe ich das Hermeneutics Quiz ausgefüllt, auch wenn mir die Entscheidung nicht immer leicht gefallen ist, weil Nuancen den Ausschlag geben: Mein Score beträgt 79 und ich bin damit in der Kategorie “progressive” gelandet. Da fühle ich mich ganz wohl, auch mit der Beschreibung dieser Position:

… the progressive tends to see the Bible as historically shaped and culturally conditioned, and yet most still consider it the Word of God for today. Following a progressive hermeneutic, for the Word to speak in our day, one must interpret what the Bible said in its day and discern its pattern for revelation in order to apply it to our world.

Technorati Tags:

Share

pragmatisches Utopia

Ich sitze im Zug, vor mir das Magazin “mobil” der Bahn mit einem Artikel über die Gründerin von Utopia.de, einem Webportal für nachhaltiges Leben und strategischen Konsum. Das pragmatische Motto lautet: “wir fangen dann schon mal an”.

Ich finde den Spruch gut. Wenn Gottes Reich kommt, wenn wir darum beten und drauf hoffen, dass er seine Welt heilt und neu macht, dann fangen wir heute schon mal an: Versöhnung zu schaffen, Schäden aller Art zu heilen, so weit es in unserer Macht steht, neue Gewohnheiten einzuüben – und das alles als Teil einer Community, die auch ohne Internet immer online ist…

Share

Kein Kindergeburtstag mehr

Unsere “Große” ist letzte Woche volljährig geworden. Ein denkwürdiger Tag mit Post vom OB (Erstwähler…) und vielen neuen Freiheiten, zumindest auf dem Papier. Erleichternd ist das Gefühl, dass die Beziehungen sich nicht so schlagartig ändern wie die Rechtslage.

Im tiefsten Inneren finde ich es schön, eine erwachsene Tochter zu haben, die ihren Weg geht. Man arbeitet als Eltern ja zumindest theoretisch darauf hin, Fürsorge und Autorität immer mehr durch Freundschaft und Vertrauen (das hoffentlich immer da war, nun aber beiderseits und irgendwie eben auf Augenhöhe funktionieren muss) zu ersetzen. Wenn dann aber der Stichtag kommt – und irgendwie kommt er dann doch plötzlich – kriegt man doch einen kleinen Kloß im Hals. Gehört wohl einfach dazu…

Technorati Tags:

Share

Alle wollen Schwarz-Grün

Das wäre ja wirklich mal was Neues. Ich bin auch dafür: Es würde beiden Parteien mal zumuten, die üblichen Fronten und Grabenkriege radikal in Frage zu stellen.

Vielleicht entsteht dabei ja auch wieder ein kreativer Spielraum für Politik jenseits der ausgetretenen Pfade? Und eine rot-rote Opposition stelle ich mir auch interessant vor, die muss sich auch Neues einfallen lassen, um die Regierungskoalition zu spalten.

Ganz nebenbei war es der Tag der Unentschieden – in der Bundesliga wie bei der Wahl.

Technorati Tags: ,

Share

Göttliches Improtheater

Das Thema hat mich am vergangenen Sonntag beschäftigt: Wie muss man sich Gottes Plan vorstellen? Der alte Slogan “Gott hat einen wunderbaren Plan für Dein (!) Leben” kann ja auch zu schweren Missverständnissen führen.

Auch hier sind es hilfreiche oder problematische Metaphern, die uns zum Stichwort “Plan” einfangen. Manche denken an einen Gratwanderung, die bei einem einzigen Fehltritt zum Absturz führt. Kein schöner Gedanke. Andere denken vielleicht eher an einen Reiseplan mit Zug- und Flugverbindungen. Aber wenn man einen Anschluss verpasst, wird es teuer, oder man erreicht sein Ziel womöglich nicht mehr in diesem Leben.

Wenn man sich das alles zu detailliert und zu individuell vorstellt wird es komplett verrückt. Wenn nämlich nur einer von uns den “falschen” Partner heiratet, müssen zwei andere Menschen umdisponieren auf Plan B, das wiederum führt dazu, dass nochmal zwei Leute ohne den Idealpartner dastehen und so setzt sich der Dominoeffekt dann fort. Und die Kinder, die geplant waren, gibt es in dieser Form dann gar nicht. Es sei denn, man setzt voraus, dass so oder so Gottes Wille geschieht (und dann ist eh alles egal).

Um also nicht bei solchem Nonsens zu landen, denke ich lieber an Improtheater. Es gibt ein großes Stück, in dem wir alle eine Rolle bekommen haben. Die Hauptrolle spielt Jesus und er hat uns die grobe Richtung angegeben. Ab und zu bekommt nun der eine oder andere (wie bei “Schillerstraße”) vom Heiligen Geist etwas eingeflüstert, und das muss er dann mit Mut zum Risiko umsetzen. Andere Akteure im Ensemble reagieren darauf und versuchen, den Richtungswechsel einer Person im Rahmen des Gesamtdramas zu interpretieren und gute Mitspieler zu sein.

Gottes Plan lässt eine Menge offen. Er räumt uns die Freiheit ein, Gottes Mitspieler zu werden. Und wir können um so beherzter improvisieren, weil wir wissen, dass das Stück gut ausgeht. Bis dahin aber wird es immer wieder mal so richtig spannend…

Technorati Tags: , , ,

Share

seltsame Wertehierarchien

Gestern las ich von einer psychologischen Studie über Geldgier. Als man Testpersonen befragte, ob sie lieber 100.000 Euro verdienen wollen, wenn alle anderen 50.000 haben, oder aber 200.000, wenn die anderen 300.000 bekommen, entschieden sich die meisten für die in absoluten Zahlen niedrigere, aber relativ gesehen eben die “höhere” Summe.

Beim Geld geht es also vor allem darum, mehr zu haben als die anderen. Egal, ab es nun an sich schon viel ist. Anders sah die Sache beim Urlaub aus. Da entschieden sich die Leute für den Job mit absolut gesehen mehr Urlaubstagen. Freizeit ist kein Statussymbol, um das man konkurriert. Das erklärt eine Menge darüber, wie wir ticken (oder zumindest, in welcher Richtung die großen Versuchungen liegen).

Technorati Tags:

Share