Fremde: Wen der Bürger nicht kennt

Auch wenn der Saal nach dem Mitarbeiterwochenende auf dem Hesselberg nicht so gut gefüllt war wie sonst, wir hatten am letzten Sonntag einen guten Abend zum Thema “Fremde”.

Eine Frau, die vor 20 Jahren aus Asien eingewandert ist, hat uns im Interview gesagt, ihr habe damals dieser Rat geholfen: “Die Deutschen sind wie eine Kokosnuss. Es ist schwer, hineinzukommen. Aber wenn man mal drinnen ist, schwimmt man mit ihnen.”

Wer es verpasst hat oder sich aus der Ferne ein Bild machen möchte, hat hier die Möglichkeit, das mp3 herunterzuladen. Das andere Highlight des Abends, die Band Ebenbild, findet Ihr hier.

Lebensart Nov07

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Politikversagen?

Gestern haben mich zwei Nachrichten nachdenklich gemacht: Die Reichen werden auch bei uns unaufhaltsam reicher. Die wohlhabendsten zehn Prozent besitzen zwei Drittel des Volksvermögens. Tendenz steigend. Viele Normalverdiener haben (zumal bei steigenden Preisen für Lebensmittel und Sprit) gar keinen Spielraum, um zu sparen und Vermögen zu bilden. Das ist einerseits eine Folge der Globalisierung, die nicht nur uns betrifft. Andererseits spiegelt es aber auch das Versagen der Politik wider. So treibt man die Wähler der Linkspartei in die Arme.

Der zweite Punkt ist die Gier unserer Stromriesen, deren Fusion unsere Volksvertreter betrieben und gefördert haben. Nun haben wir offenbar ein Kartell, das die Preise hoch hält: Zu Gunsten seiner Aktionäre (die oberen 10%) und zu Lasten seiner Kunden (die restlichen 90%) und die immer weiter dreist an der Preisschraube drehen, obwohl Strom bei uns schon teurer ist als anderswo.

91,6% der tagesschau.de-Leser würden die Stromkonzerne zerschlagen. Die Aussicht auf ein bisschen Populismus zu Lasten der Strom-Lobby kann man sich doch nicht entgehen lassen, oder?

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Naive Postmoderne?

Depone hat jüngst die Frage Leitungsverständnisses zwischen Rebellion und Unterwürfigkeit aufgegriffen – ein Spannungsfeld, in dem wir uns wohl alle irgendwie bewegen. Ich bin gespannt auf die Kommentare.

Beim Lesen habe ich mich an eine Grafik erinnert, die ich in The Truth about the Truth: De-confusing and Re-constructing the Postmodern World von Walter Truett Anderson gefunden habe. Die Diskussion, ob die Postmoderne schon vorbei sei, erübrigt sich, wenn man versteht, dass hier nicht nur ein Schritt linear hinter den vorhergehenden (Moderne) gesetzt wird, sondern dass die Krise der Moderne ein ganzes Bündel von Reaktionen ausgelöst hat, die nun alle gleichzeitig ablaufen:

Postmodern

Von daher überrascht es auch nicht, dass Menschen (manchmal ein und dieselbe Person) hin und hergerissen sind zwischen vormoderner Naivität und radikaler Skepsis.

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Gassi fahren

Heute bin ich mit dem Auto hinter einem Traktor hängen geblieben, der ungewöhnlich langsam fuhr, weil die alte Bäuerin ihren auch nicht mehr ganz jungen Hund an der Leine nebenher laufen ließ. Das sind die Momente, wo man für ein Fotohandy dankbar ist:

Dsc00682B

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Wachstums-Logik

LeRon Shults und Steven Sandage haben das Modell des Schmelztiegels (engl.: crucible) von David Schnarch für geistliche Wachstumsprozesse adaptiert und mit den drei Wegen der Mystik (Läuterung, Erleuchtung, Einswerden) verbunden. Damit sind sie der Gefahr entronnen, plump Phasen und Stufen an einander zu reihen, und sie haben die Dynamik des Konflikts positiv einbezogen.


Ich habe für unser Mitarbeiterwochenende die Grafik aus “Transforming Spirituality: Integrating Theology and Psychology” übersetzt. Hier könnt Ihr sie ansehen. Sie eignen sich gut zur Beschreibung individueller Entwicklungen. Für ganze Gruppen gibt es vielleicht Analogien, aber die Gefahr ist groß, mehr in die Situation hineinzulesen, als sie hergibt.

Hier ist das Schema für alle, die es interessiert:

Schmelztiegel

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Von sich auf andere schließen

Während der Stillen Tage in Nether Springs bekam ich von meiner Begleiterin ein Bild in die Hand gedrückt, das ich den Tag über betrachten sollte. Ein Kind saß auf dem Arm und legte seine Arme um den Hals eines Erwachsenen. Die Gesichter der beiden waren nicht zu sehen, nur diese Umarmung.

Im ersten Augenblick dachte ich, ich muss mich jetzt korrekterweise als das Kind und Gott als den Vater sehen. Aber es ging irgendwie nicht. Stattdessen dachte ich unwillkürlich an das anhänglichste meiner Kinder, und wie gut es mir tut, es im Arm zu halten. Seit mehreren Tagen weit weg von zuhause fehlte mir das noch mehr. Ich erinnerte mich an die tiefen Gefühle, die in mir aufsteigen, wenn ich von einem kleineren, zerbrechlichen Wesen so schweigend umarmt und gedrückt werde.

In so einem Moment erscheint die Frage, wer hier für wen da ist und wer wem etwas Gutes tut, als völlig absurd. Ich begann zu ahnen, dass es Gott mit mir genauso geht: Ich kann vielleicht nicht viel für ihn tun, das er nicht selber besser tun könnte. Und so richtig beeindrucken kann ich ihn schon gar nicht. Aber wenn ich mich in seine Arme fallen lasse, ob fröhlich oder traurig, müde oder munter, dann tut ihm das auch gut. In dieser Hinsicht denke ich, ist es vielleicht doch erlaubt und angebracht, ausnahmsweise einmal von mir selbst auf Gott zu schließen.

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Spiegel-verkehrt?

Seit gestern nachmittag sind völlig unvermutet die Zugriffe auf dieses Blog rasant angestiegen. Spiegel Online hat mich als nölenden Apple-Fan verlinkt, dem das iPhone zu teuer ist, um dann nachzurechnen, dass die Preise von T-Mobile eigentlich ganz fair und konkurrenzfähig sind.

Schön, ich lasse mich ja gern belehren. Ich war auch gar nicht sauer auf Apple, aber meine Investitionen werden trotzdem erst mal in einen neuen iMac gehen. Mit dem kann ich dann weiter bloggen – über wichtigere Dinge als das iPhone.

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Alpha ReImagined?

In den letzten Wochen habe ich – nicht zum ersten Mal – einiges an konstruktiver Kritik zu Alpha-Kursen gehört, vor allem an den schriftlichen Materialien. Und weil vor zwei Wochen unser Kurs begonnen hat, lese ich die in die Jahre gekommenen Unterlagen mit ganz anderen Augen und halte auch meine Vorträge mit veränderten Akzenten.

An alle von Euch, die mit Alpha schon mal zu tun hatten: Wo seht ihr die Stärken, wo die Schwächen, und wie könnte eine bessere Kontextualisierung für Deutschland aussehen, das zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Gegensatz zu Großbritannien

  • im Westen eine viel höhere traditionelle, distanzierte Kirchlichkeit aufweist (Darrel Guder nannte es in Greifswald “Kulturchristentum” und fand, davon gebe es in den USA auch mehr, als man denkt; vgl. dazu auch diesen Post von Scot McKnight) und
  • im Osten deutlich atheistischer und unreligiöser ist als fast alle anderen Gegenden dieser Welt?

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Dramatische, bunte Gottesbilder

Bei der Frage nach Sünde und Kreuz in der Postmoderne bin ich auf den schwedischen Theologen Gustaf Aulén gestoßen, dessen Werk “Christus Victor” im Englischen immer wieder genannt wird.

Hier ein Stück aus einem anderen Buch, “Das Drama und die Symbole”, das ich heute bekommen habe. Dort heißt es im Vorwort:

Die biblischen Gottessymbole sind vielfältig und vielfarbig, ja man möchte sagen, sie leuchten in allen Farben des Spektrums. Diese vielfachen Lichtfarben treffen sich in einem Brennpunkt, in dem das Licht mit gesammelter und voller Kraft leuchtet, eben in dem Christus, von dem es in der Bibel heißt, er sei der “Widerschein von Gottes Herrlichkeit”. Das bedeutet nicht, dass der Gott, der hier “gesehen”, “geschaut” wird, nicht mehr der “Unsichtbare”, der “im Verborgenen Wohnende” wäre. Wohl aber bedeutet es, dass das Gottesbild hier eine Darstellung erhalten hat, die nicht überboten oder wegretuschiert werden kann. Dasselbe lässt sich auch so ausdrücken: Das christliche Gottesbild spiegelt sich in dem Christus-Drama wider, in dem Gott den Nahkampf gegen die zersetzenden Mächte des Daseins aufnimmt.

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Drei Schritte zum Genie…

An so trüben Tagen scheint alles langsamer zu gehen, auch im Kopf. Also habe ich eine Runde Gehirnjogging eingelegt und mir diese Knobelfragen vorgenommen, um drohender Verkalkung entgegen zu wirken. Der Reiz ist, dass es auch noch auf Englisch sein muss.

Wenn ich 19 Richtige habe, bin ich ein Genie. Angeblich. Derzeit bin ich bei 16 Treffern (“intelligent”) und mein Ehrgeiz ist erwacht…

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Vorerst kein iPhone

Ein Wechsel zu T-Mobile und, wie heute endgültig publik wurde, ein happig teurer Tarif – so viel Wert ist mir ein iPhone dann doch nicht. Ein Glück, dass man sich mit dem Mac nicht an einen DSL-Provider bindet.

Aber wer weiß – vielleicht wird die nächste Generation der iPhones in entsprechenden Stückzahlen gebaut, so dass sie auch auf den freien Markt kommen. Ich habe Zeit 🙂

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Nicht nett gesagt

Eben nach dem Gottesdienst drückt mir eine Mitarbeiterin die Papierhülle einer CD in die Hand, auf der ein anonymer “Mann Gottes” (so viel verriet er dann doch) sich in ein paar Sätzen vom Inhalt her schwammig, vom Ton her aber eindeutig verurteilend über den Gottesdienst und die Gemeinde ausließ.

Am Ende kündigte er an, nun den Staub von seinen Füßen zu schütteln. Den haben wir aber inzwischen weggesaugt. 🙂

Das Thema heute war Gastfreundschaft. Nach diesem Erlebnis frage ich mich, ob man Christen nicht nur in der Frage, wie sie gute Gastgeber sein können, etwas Hilfestellung geben sollte, sondern vielleicht auch erklären, wie man bei anderen ein guter Gast ist? Denn das Staubschütteln war bei Jesus erst der letzte Tipp, und von Zettelchen, die man verschämt und heimlich zurück lässt, war da gar nicht die Rede.

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Nett gesagt

Es ist eine heikle Sache, jemanden auf sein Körpergewicht anzusprechen und als Christ soll man seine Worte ja gut wählen. Mein Vorschlag für missionale Theologen wäre: “Da bist Du vielleicht etwas überinkarniert.”

😉

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Ist das Erfolg?

Ein christliches Ratgeber-Magazin lag im Briefkasten, Thema dieser Ausgabe ist Erfolg. Im Inhaltsverzeichnis stoße ich auf einen Autor von Erfolgsbüchern, ein Unternehmerehepaar, eine Profi-Musikerin und einen frommen Selfmade-Millionär, der erst Millionär war und dann fromm wurde.

Kein Zweifel, die haben sicher interessante Dinge zu erzählen. Und doch habe ich gar keine Lust, weiter zu lesen, weil ich mich plötzlich frage: Ist das denn Erfolg?

Müssten wir als Christen den nicht ganz anders definieren und andere Leute dazu interviewen? Wie wären Eltern, die ein Kind mit Down-Syndrom mit Hingabe gefördert haben, weit hinaus über die wenig ermutigenden Prognosen der Ärzte für die Entwicklung des Kindes? Jemand, der an einem scheinbar aussichtslosen Ort für Versöhnung arbeitet und sich nicht entmutigen lässt?

Ist Jesus erfolgreich, weil er der Gründer der größten Religion der Welt ist – spiritueller Weltmarktführer, Superheld? Oder gibt es andere Kriterien bei ihm und wir sind, wenn wir die Maßstäbe unserer Gesellschaft jabezmäßig unkritisch übernehmen (den Begriff habe ich aus Greifswald mitgenommen) überkontextualisiert? Vielleicht gibt das Ratgeber-Magazin ja auch darüber Auskunft – mal sehen.

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