Ein rauflustiger Jesus

Wir haben uns bei ELIA für die Passionszeit vorgenommen (und schon etwas eher damit begonnen), einigen Streitereien nachzugehen, in die Jesus im Laufe seines Wirkens verwickelt wurde. Es sind erstaunlich viele, man könnte fast ein ganzes Jahr darüber predigen; aber so viel Streit hält ja keine Gemeinde aus.

In meinem Bekanntenkreis kursieren zwei unterschiedliche Klischees über Jesus. Das eine könnte man als „Empathie um fast jeden Preis“ bezeichnen, weil es einseitig den Versöhner herausstellt, was im Grunde sehr sympathisch ist, hin und wieder aber dazu führen kann, dass man selbst etwas konfliktscheu wird und sich lieber einmal zu oft selbst in Frage stellt, als anderen direkt zu widersprechen.

Das andere ist das Klischee des für seine „klare“ und „aufrechte“ Gerichtsbotschaft verfolgten Propheten, das nicht zur Flucht vor Konflikten Anlass gibt, aber meist zu kleinkariertem Dogmatismus und häufig zu Selbstgerechtigkeit. Motto: „Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns.“ Dann spaltet man lieber, als zu versöhnen. Zum Beispiel durch grobe und unfaire Attacken auf interreligiösen Dialog in jeglicher Form, weil die Anerkennung der Wahrheiten des anderen als Verrat an der eigenen Wahrheit interpretiert wird.

In Wirklichkeit müssen gerade die Versöhner ein dickes Fell haben und viel einstecken können, während alle, die sich mit ihren Getreuen gegenüber „feindlichem Beschuss“ verbarrikadiert haben, dort relativ sicher sitzen können, so lange der Druck von außen alle Konflikte im Inneren erstickt. Sie können aus jeder Opposition öffentlichkeitswirksam Kapital schlagen und sich als Opfer „der anderen“ inszenieren. Der Versöhner hingegen kann es sich gar nicht leisten, jene anderen zu diffamieren und zu verurteilen, die er gewinnen möchte, während er zugleich befürchten muss, dass ihm die Eiferer im eigenen Lager (oft noch radikalisiert durch die „Spalter“) in den Rücken fallen.

Lukas 11 ist ein wunderbares Kapitel, wenn man den streitbaren Jesus kennenlernen will. Der Ärger beginnt, als Jesus von seinen Gegnern verdächtigt wird, mit dem Teufel im Bunde zu stehen und antwortet „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ Hier also ist das Motto der heutigen Spalter im Munde dessen, der damals „sammelt“ zu finden.

Wenig später bombardiert Jesus die Pharisäer mit Vorwürfen wegen ihrer Habgier und Härte gegenüber den Armen, die sich hinter penibler Abgabenpraxis an den Tempel versteckt und von Riten verdeckt wird, die soziale Distanzierung forcieren. Als würde das Geben des Zehnten die Frage überflüssig machen, ob man seinen Reichtum auf Kosten anderer erzielt hat.

Daraufhin gibt ein Schriftgelehrter Jesus zu bedenken, „Meister, damit beleidigst du auch uns“. Jesus hält einen Augenblick inne, denkt nach und entschuldigt sich dann zerknirscht für seinen harschen Tonfall…

Quatsch! – Jesus dreht erst richtig auf und stimmt eine Serie von Weherufen gegen die Schriftgelehrten an, die sich genauso gewaschen hat wie die, mit denen er die Pharisäer auf die Hörner genommen hatte. Tenor: Sie erfinden immer neue, komplizierte Lasten für die einfachen Leute, von denen nur sie selbst als „Fachleute“ profitieren. Sie werden unentbehrlich, weil keiner mehr durchblickt bei den vielen Paragraphen und ihren Ausnahmen.

Jesus attackiert die Nutznießer von dogmatischem Stacheldraht und ideologischem Mauerbau, deren materielles und ideelles Interesse an harten Grenzziehungen offensichtlich ist, und die über all ihrem Eigennutz nicht mehr erkennen, dass Gott selbst ihnen gerade durch Jesu Handeln in die Quere gekommen ist. Jene, die zerstreuen, um herrschen zu können, und die darin nicht anders handeln als es die römische Staatsmacht auch tut.

Das Unrecht und die Ungleichheit darf nicht übertüncht, sondern es muss angesprochen und sichtbar gemacht werden, damit sich etwas ändern kann. Das stellt die Privilegierten in kein gutes Licht, ähnlich wie 2012 die Aktion des Zentrum für politische Schönheit gegen die Eigentümer der Rüstungsfirma Krauss, Maffei, Wegmann. Aber ohne diese Art von Konfrontation, wird sich wenig ändern.

„Don’t tiptoe through life just so you can arrive at death safely“ (gestern bei Tony Campolo gelesen) – das war definitiv nicht die Maxime für Jesus.

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Das Bollwerk im Kopf

Gestern habe ich mit ein paar klugen Leuten über Zygmunt Baumans Buch „Collateral Damage“ diskutiert. Bauman erneuert und verschärft darin seine Kritik an der „flüchtigen Moderne“ des Konsumzeitalters, dessen Wesen darin besteht, immer neue Bedürfnisse zu erzeugen. Die Konsequenz ist nicht mehr (nur) die Ausbeutung von Arbeitskraft wie in der Frühphase der Industrialisierung, sondern die Ausbeutung der Konsumenten, die sich wiederum in deren „freiwilliger“ Selbstausbeutung äußert. Man muss sich möglichst gut anbieten und „verkaufen“. Der Rückzug des Sozialstaates (Seit Reagan und Thatcher im angelsächsischen Raum, seit den Neunzigern dann auch bei uns) hat zu vielerlei sozialen Verwerfungen geführt und Risiken produziert, denen der einzelne weithin schutzlos ausgeliefert ist, während die Macht und der Reichtum einer kleinen globalen Elite, die im Unterschied zu den einfachen Leuten nicht an einen Ort gebunden ist, exponential wächst.

Bauman beschreibt das als Aufgabe, ohne einen Lösungsweg vorzugeben. Und dann nahm die Diskussion jene Wendung, die ich schon hundertfach erlebt habe. Jemand sagte: Aber der Kommunismus sei ja gescheitert [stimmt, und Bauman erklärt auch einleuchtend warum], und „der Kapitalismus“ sei doch immer noch „das beste“ System, das wir haben. Wobei sich niemand Illusionen über die katastrophalen sozialen und ökologischen Begleiterscheinungen machte. Eine gewisse Betretenheit machte sich breit in der Runde.

Die Resignation und das Verstummen an genau diesem Punkt ist bezeichnend: Wenn wir uns schon gar nicht mehr vorstellen können, dass wir uns Alternativen vorstellen und entwickeln könnten (vom zähen Ringen um eine politische Durchsetzung ganz zu schweigen), wird sich natürlich nie etwas ändern, bis alles von allein zusammenbricht – und das hätte dann apokalyptische Ausmaße. Es geht also zuallererst um Einfälle, Ideen und Phantasie. Eben jede Dinge, zu denen Jesus Menschen mit seinen Gleichnissen anregte und die Propheten mit ihren Bildern. Die Frage nach der „Machbarkeit“ ist erst einmal zweitrangig. Und es ist auch völlig in Ordnung, wenn wir statt ein paar Wochen Jahrzehnte brauchen, um eine praktische Alternative zu entwickeln. Um so wichtiger, jetzt das Gespräch anzustoßen, die Fragen auf den Tisch zu packen und möglichst viele Leute zum Denken zu verführen. Es lohnt sich auch dann, wenn wir noch 20 Jahre brauchen. Bauman dagegen hat von Günther Anders gelernt:

Die moralische Katastrophe unserer Zeit ‚erwächst nicht aus unserer Sinnlichkeit oder Durchtriebenheit, Unehrlichkeit oder Lässigkeit, nicht einmal aus der Ausbeutung, sondern aus einem Mangel an Vorstellungsvermögen‘; wobei das Vorstellungsvermögen, wie Anders beharrlich behauptet, mehr wahrnimmt von der Wahrheit […] als, das, wozu unsere maschinengetriebene empirische Wahrnehmung in der Lage ist. Ich würde hinzufügen: Das Vorstellungsvermögen erfasst auch viel mehr von der moralischen Wahrheit, der gegenüber unsere empirische Betrachtung besonders blind ist.

Freilich ist es nicht möglich, am Schreibtisch oder Reißbrett ein neues System zu entwerfen. Aber immerhin ist es im 20. Jahrhundert schon einmal gelungen, eine menschlichere Form des Wirtschaftens zu etablieren und damit die Härten und Ungleichheiten des Systems Kapitalismus leidlich auszugleichen – bei uns hieß das „Soziale Marktwirtschaft“. Es muss also kein „großer Wurf“ sein, es dürfen auch viele kleine Schritte und Maßnahmen werden.

Was dagegen keine Alternative ist, wäre so resigniert weiterzuwursteln wie immer. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (der Name täuscht über die Absicht hinweg) und andere neoliberale Think Tanks würden uns die Arbeit nur zu gerne abnehmen.

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Dreimal nein

Steine, Staub, Sand und Dornen,
Flirrende Hitze und nagende Kälte,
Totenstille, dann hallen Geräusche –
Bröckeln, Flattern, Säuseln und Knirschen.

Ins Wasser und wieder heraus
und dann gehen, suchen, und warten, was sich zeigt.
Vierzig Tage, die sich wie Jahre anfühlen,
Und kein Busch, der brennt und spricht.

Um so mehr brennt das Herz,
der glühende Hauch hat es angefacht.
Hunger schwillt an und ebbt ab
– Leere in mir und umher.

Stille – darin eine Stimme
Berge von Stein werden Brot
und füllen die Leere im Bauch
– doch vollgestopft sein macht träge.

Stumm bliebe da das Wort
aus Busch und Berg und Himmel.
Ich suchte die Leere, um davon zu zehren,
denn sein Nachhall ist leise…

TipTop, schnarrt die andre,
das bist du dir schuldig
dein Einstieg ist oben
durch Boardroom und Penthouse

Da unten herrscht Druck
und für den musst du sorgen
Vergiss Empathie, Mann,
denn Schwäche ist teuer.

Aber unten am Wasser
am Tiefpunkt der Erde
da war ich wie alle… geliebt…
doch hör’ ich schon wieder:

Und droht dir ein Sturz
nimm den goldenen Fallschirm
spring mutig ins Leere
was soll schon passieren?

Du wirst zur Legende
sie fliegen auf Drama
die Schwachheit der vielen
braucht dich unzerstörbar.

Wer bin ich? Wer will ich sein?
Nun, das ganz bestimmt nicht:
„Nein, nein und nochmal nein“
platzt es aus mir heraus.
„Hörst du das?“ –
Aber die Antwort bleibt aus.
Die Stille wird freundlich.
Als ginge lächelnd ein Engel vorüber.

 

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Sinn und Sinnes Sinn

Der Philosoph Volker Gerhardt unternimmt in seinem kürzlich erschienenen Werk Der Sinn des Sinns: Versuch über das Göttliche den spannenden Versuch, eine philosophische Perspektive auf Denken und Glauben, Gott und die Welt zu entfalten. Ich habe mit dem Lesen erst begonnen und doch schon aus der Einleitung viele gute Denkanstöße mitgenommen. Zum Beispiel diesen Kommentar zum Horizont der Sinnfrage:

Der schwer erkrankte, inzwischen verstorbene Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ließ sich mit einem Zettel fotografieren, auf dem zu lesen steht: „Weltformel nicht in Sicht. Vielleicht ist alles sinnlos?“ Das „Vielleicht“ hätte sich der tapfere Autor ebenso sparen können wie das Fragezeichen. Wenn „alles“ nur das ist, was es in aufzählbaren Sachverhalten gibt, ist nichts sinnloser, als nach dem Sinn der Welt zu fahnden.

Doch die Lage ändert sich augenblicklich, sobald wir, anstatt von einer „Weltformel“ objektive Auskunft zu erwarten, von uns selbst ausgehen und die „Selbstformel“ als das Paradigma ernst nehmen, an das alles Suchen nach Sinn gebunden ist. Für die „Selbstformel“ ist der Sinn bereits konstitutiv. … Die Sinndimension ist die Voraussetzung dafür, in der Welt überhaupt nach einem Sinn suchen zu können. Man müsste schon das Fragen verbieten, wenn man die Suche ausschließen will.

Mit dem Verlust der Sinndimension (Nietzsche beschreibt das mit dem Schlagwort vom „Tod Gottes“) ginge, wie Gerhardt schreibt, jede Möglichkeit der Selbsterkenntnis verloren und damit auch die Selbstüberwindung des Menschen, die Nietzsche anstrebte. Ein paar Absätze später fasst Gerhardt sein Anliegen so zusammen:

Von diesem Sinn, in dem wir durchschnittlich leben, als sei er uns bekannt, und der uns verzweifeln lässt, sobald er fehlt, (und dennoch die Verzweiflung trägt), handelt das vorliegende Buch. Es sucht zu zeigen, dass alles, was wir mit einer über den Augenblick hinausgehenden Sinnerwartung tun, auf einen tragenden Sinn des Daseins vertraut, in dem wir mit dem Ganzen verbunden sind. Unter dem Eindruck dieses uns stützenden und fördernden Sinns gewinnen wir die rationale Zuversicht, der zu sein, der wir sind oder sein möchten, um dort, wo es uns wichtig erscheint, über uns selbst hinauszugehen.

Unabhängig davon, ob man Gerhardt in allen Dingen folgt, scheint mir sein Buch für alle Theolog_innen schon deshalb eine gewinnbringende Lektüre, weil es außerhalb vieler üblicher theologischer Sprachspiele und Zirkelschlüsse steht und die Begründung der bestehenden philosophisch-theologischen Grenzziehungen in Frage stellt. Anders gesagt: Wer sich fragt, wie man verständlich und „unfromm“ von Gott und Glauben reden kann, der wird hier ein weites Lernfeld entdecken.

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Zur Klarheit finden

Um Missverständnissen dessen, was ich gleich schreibe, wenigstens halbwegs vorzubeugen: Ich habe in den letzten Jahren viel von anderen gelernt, viele gute Impulse und Ideen bekommen, viele gute Fragen, die mich zum Denken brachten und immer wieder guten Rat. Ich schätze das und bin dankbar dafür. Ohne das alles wäre ich heute nicht der, der ich bin.

Die Frage, die ich stelle, liegt auf einer etwas anderen Ebene, sie hat aber auch mit dem zu tun, der ich bin: Wenn ich zurückdenke über die letzten drei, fünf oder zehn Jahre, fallen mir dann mehr Situationen ein, in denen ich es bedauert habe, nicht auf eine der Stimmen von außen gehört zu haben, oder überwiegen die Momente, in denen ich nach heutigem Stand meiner Einschätzung besser auf die innere Stimme hätte hören sollen?

Ist das vielleicht eine Typfrage (der Unabhängige muss lernen auf andere zu hören, der Schüchterne sich selbst) oder eine Lernaufgabe, die man im Lauf seines Lebens zu bewältigen hat (vom Außen- zum Innengesteuerten)? Und vor allem: wie verhalte ich mich im Konfliktfall?

Die Quäker haben ein schönes Ritual gefunden, das beides zusammenbringt: Die tiefe Achtung vor dem „Inneren Licht“ in jedem einzelnen und die Einsicht, dass in unterschiedlichen Perspektiven große Weisheit steckt. Parker Palmer erzählt von einem Clearness Committee, das drei Stunden zusammensitzt und jemandem in einer Entscheidungssituation hilft, seine innere Wahrheit zu finden. Die Runde darf dabei nur Fragen stellen, die Betroffenen antworten darauf und es werden neue Fragen gestellt, aber es werden keine Ratschläge und Empfehlungen erteilt. So helfen die äußeren Stimmen unter den vielen inneren Stimmen die Wahrheit zu entdecken.

Safe Space from Center for Courage & Renewal on Vimeo.

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Väter, Freunde, Wohltäter – und was das mit „Glauben“ zu tun hat

Vergleichspunkte zwischen der Welt der Evangelien und der heutigen Gesellschaft sind ein wichtiges Thema, wenn es um das Verstehen der Bibel geht und vor allem die Frage, was christlicher Glaube in der Gegenwart bedeutet und welche Konsequenzen das hat. Richard Horsley hat die Machtverhältnisse im römischen Reich, also den gesellschaftlichen Hintergrund der neutestamentlichen Texte, dazu genauer analysiert. Fangen wir also mit dem Damals an und kommen dann zum Heute.

Rom war ein expansives Imperium, das sich unter dem Vorwand, sich schützen zu müssen, aller Konkurrenz (Karthago, Korinth, etc.) entledigt hatte. Weil die Truppenstärke im Riesenreich begrenzt war, setzte man auf Einschüchterung durch kalkulierte Brutalität. Wie westliche Kolonialherren der Neuzeit war man der Auffassung, Barbaren verstünden nur die Sprache der Gewalt. Und man glaubte, von den Göttern bevorzugt und mit der Weltherrschaft belohnt worden zu sein – die religiöse Dimension war also immer präsent, wenn andere unterworfen und „zivilisiert“ wurden.

Zu Religion und Militär gehörte auch die Ökonomie. Reichtum war in vorindustrieller Zeit praktisch nur über Grundbesitz zu erwirtschaften und zu sichern. Weil die Römer ursprünglich eine Volksarmee waren, und weil im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. durchgehend jeweils rund 10% der Männer beim Militär waren, verarmten viele Familien während der Monate und Jahre dauernden Eroberungskriege. Sie mussten sich bei den Patriziern verschulden (aus deren Reihen die Offiziere stammten!), schließlich wurde ihr Land gepfändet, sie wurden zu Tagelöhnern oder ganz aus der Heimat vertrieben. Sie zogen zu Hunderttausenden in die Städte, während die immer reicher werdenden Großgrundbesitzer Sklaven aus den eroberten Gebieten als Landarbeiter auf ihren Gütern einsetzten. Horsley nennt das den „militärisch-agrarischen Komplex“. Kriege machten die Reichen reicher und die Armen ärmer.

In den Städten entwickelte sich daraufhin ein Sozialsystem aus reichen Patriziern und armer Unterschicht. Die Terminologie war dabei familiär gewählt – der „Patron“ sorgte für seine Leute wie ein Vater. Damit war nicht ein Verhältnis von Liebe und Nähe beschrieben, sondern eines der Abhängigkeit, des sozialen Gefälles und undurchlässiger Barrieren zwischen den Ständen, das die Spirale der Verarmung, Landflucht und prekären Existenz verstetigte. Die berühmte Formel „Brot und Spiele“ charakterisiert das Verhältnis beider Seiten insofern treffend, als sich etwa die Hälfte der römischen Plebs von den Patronen „durchfüttern“ ließ – dazu wurde tonnenweise Getreide in die Stadt geschafft. Für die Provinzen bedeutete das eine immense Abgabenlast. In Judäa etwa mussten die Bauern den Römern, ihrem Vasallenkönig Herodes und den geldgierigen Tempelpriestern in Jerusalem große Anteile ihrer Ernte abtreten. Die Spiele (rund 4 Monate im Jahr wurde gefeiert!) wiederum waren zugleich religiöse Feste, das Opferfleisch war für viele Armen die einzige Möglichkeit, Fleisch zu essen. Die Magnaten verteilten einen Teil ihrer Beute aus Feldzügen, Steuerpacht und Grundbesitz wieder im Volk.

Augustus und seine Nachfolger setzten sich an die Spitze der Pyramide als „Patrone der Patrone“. Hohe Ämter in Militär und Verwaltung der Provinzen wurden nach Loyalität und Nähe zur kaiserlichen Familie vergeben, und das System setze sich nach unten fort. Lokale Eliten konnten sich als Freunde der Freunde des (Gott-)Kaisers fühlen. Horsley erläutert:

Die Pyramiden persönlich-ökonomischer Machtverhältnisse hatten auch politisch eine einigende Wirkung, zumindest an der Spitze unter den Reichen und Mächtigen, die in ihren Städten, Provinzen und Möchtegern-Königreichen den Ton angaben. Viele jener Inschriften, die Prominente aus der Provinz ihrem imperialen Patron widmeten brachten die imperiale Ideologie zum Ausdruck: die Römer erwiesen ihre fides (griech.: pistis), Loyalität im Sinne von Schutz, währen die Freunde Roms ihre fides zeigten, das heißt, ihre Loyalität Rom gegenüber. Viele werden diese Sprache in den Paulusbriefen wiederfinden, wo pistis in der Regel als „Glaube“ übersetzt wird, was nur auf die Dominanz des imperialen Kontext hindeutet, in dem Paulus arbeitete.

Paternalistische „Vaterschaft“ als Ausdruck der sozialen Spaltung würde erklären, warum Jesus sich in der Pharisäerrede des Matthäusevangeliums so vehement gegen den Titel „Vater“ wendet. Konservative Theologien jedoch neigen bis heute mehrheitlich dazu, ein autoritäres Machtverständnis in dem Sinne zu transportieren, dass sie Gott als himmlischen Souverän eine Etage über den jeweilgen Machtpyramiden platzieren, deren Struktur indes weithin unverändert bleibt.

Und „Glaube“ in der unterwürfigen Form des Klienten, das ist etwas, was unter veränderten Bedingungen (aber, anders als im Mittelalter, ähnlich freiwillig) heute wieder entwickelt. Letzte Woche sagte der Berliner Philosoph Byung-Chul Han in der Zeit im Blick auf „Big Data“ und die digitale Überwachungsgesellschaft:

… von der Struktur unterscheidet sich diese Gesellschaft nicht vom Feudalismus des Mittelalters. Wir befinden uns in einer Leibeigenschaft. Die digitalen Feudalherren wie Facebook geben uns Land, sagen: Beackert es, ihr bekommt es kostenlos. Und wir beackern es wie verrückt, dieses Land. Am Ende kommen die Lehnsherren und holen die Ernte. Das ist eine Ausbeutung der Kommunikation. Wir kommunizieren miteinander, und wir fühlen uns dabei frei. Die Lehnsherren schlagen Kapital aus dieser Kommunikation. Und Geheimdienste überwachen sie. Dieses System ist extrem effizient. Es gibt keinen Protest dagegen, weil wir in einem System leben, das die Freiheit ausbeutet.

Wohltäter und Abhängige in einem System, das den Wohlstand der Wohltäter und die Ohnmacht der Abhängigen fördert, Heilsversprechen (im Sinne einer Perfektionierung der Welt) und gesponsertes Entertainment, Freunde und „Amigos“ – hier liegen die Parallelen. Das römische Imperium hat die junge Kirche als Bedrohung verstanden, und auch wenn an der Begründung vieles falsch war, war diese Ahnung goldrichtig. Heute ist es der Bundesinnenminister, der politische Exponent des Sicherheitsapparats, der in den Christen Gegner dieser Ordnung erkennt. Keine Staatsfeinde, die das Gemeinwesen zerstören, aber Menschen, die Gesellschaft, Regierung und Behörden daran erinnern, welche Verantwortung sie tragen – nämlich auch für die Menschen, die zu uns kommen.

Das ist doch wenigstens schon mal ein guter Anfang, dass wir den „Glauben“ an Staat und Konzerne verlieren. Und zwar nicht im Sinne einer dümmlichen „Pseudoskepsis“, die an allem zweifelt außer an sich selbst, wie Sascha Lobo schreibt, sondern weil uns die Jesustradition immer wieder aus unserer Trägheit herausreißt, indem sie uns auf den leidenden Nächsten verweist.

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Hilfreiche Aufklärung

In der aktuellen Debatte um den Islam gibt es viele Verkürzungen, Verzerrungen und Fehlschlüsse. Der Religionswissenschaftler Michael Blume (hier sein äußerst lesenswerter Blog) hat kürzlich einige davon in einem Vortrag sehr sachlich aufgegriffen und dabei mit manchen Mythen und Missverständnissen aufgeräumt. Nebenbei lernt man auch noch so interessante Dinge wie die Herkunft der Zauberworte Abrakadabra, Hokuspokus und Simsalabim und den neurologischen Zusammenhang zwischen Bilderverbot, rechtsläufiger Vokal- und linksläufiger Konsonantenschrift.

Viel wichtiger aber sind seine Hinweise am Ende über das Verhältnis von Islam und Demokratie, die Misere vieler arabischer Staaten, den Einfluss des Internets auf religiösen Fundamentalismus und die Furcht vor dem Islam in Deutschland bzw. deren Bewältigung. Die knapp 80 Minuten sind gut investiert.

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Der Wein des Islam, oder: Kein Kaffee für PegIdea?

Das Verhältnis zwischen Evangelikalen und Pegida war in den letzen Wochen offenkundig recht komplex. Michael Diener als Vorsitzender der Evangelischen Allianz äußerte sich sehr deutlich, als er kürzlich sagte, Christen sollten sich bei Pegida nicht engagieren. Die (im evangelikalen Lager ja gelegentlich als lahm und schwammig kritisierte) EKD hatte noch etwas schneller eine klare Position bezogen. Letzte Woche dann distanzierte sich die Evangelische Allianz in Frankfurt öffentlich von einer christlichen Islamkritikerin und Pegida-Aktivistin.

Das war gut, denn eine Verbindung zwischen dem alles andere als homogenen Spektrum evangelikaler Christen und den ausländerfeindlichen Demonstranten wurde in den letzten Wochen wiederholt hergestellt. Und ein Blick auf die aktuelle Rückseite von „Idea“, wo als „Wort der Woche“ brachiale Sätze von Matthias Matussek nachgedruckt sind, der nicht zum ersten Mal eine islamfeindliche Breitseite abgefeuert hat, lässt erkennen, dass dieser innerevangelikale Klärungsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Ohne jeden Kommentar der Idea-Redaktion, die das ja auf dem Heftumschlag platziert hat, steht da nämlich, das Christentum sei ja eine Religion der Liebe und der Würde des Menschen, „der Islam ist da einfacher: Er steinigt oder tötet die Feinde.“

Ein evangelikaler Pfarrer aus Bremen steht seit Sonntag in der Kritik für eine Predigt, die einen Rundumschlag gegen so ziemlich alles enthält, was von seiner Linie abweicht, einschließlich der eigenen Kirche, die sich im interreligiösen Dialog engagiert. Dass nun die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, hat ihm in den Kommentaren auf der Facebook-Seite von (Peg-)Idea anscheinend Märtyrerstatus verschafft, da werden Vergleiche zu Luther und Bonhoeffer gezogen (so funktioniert Heiligenkult da, wo er verpönt ist). Und ein führender Kopf der charismatischen Bewegung postet in dieser Woche auf Facebook die Polemik eines Autors der  „Jungen Freiheit“ (Sprachrohr der neuen Rechten), der Pegida-Ideologie in Reinkultur enthält und bekommt dafür emphatische Zustimmung von einem anderen prominenten Vertreter seines Lagers. Wie entsteht so eine fragwürdige Verbindung von Theologie und Politik?

Ich frage mich derweil, ob denn all die unterschiedlichen Abendlandretter noch guten Gewissens Kaffee trinken können. Der Kaffee kam nämlich (gewiss doch als Vorhut der heutigen “Islamisierung“?), aus dem islamischen Kulturkreis zu uns. Auf Kaffee.org heißt es, so weit ich sehe, religiös und politisch neutral:

Wahrscheinlich gelangte der Kaffee bei äthiopischen Überfällen zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert in den Jemen, wo die Kaffeepflanzen an Hängen des Roten Meeres angebaut und Kaffeebohnen auf Steinplatten geröstet wurden. Mekkapilger sorgten dann innerhalb der islamischen Welt für die Kaffeeverbreitung. So könnte das Wort „Kaffee“ auch vom altarabischen „qahwah“ („Wein“) abstammen. Wein allerdings war den Muslimen verboten, so dass der Kaffee als „Wein des Islam“ den Rebensaft ersetzte.

Ich trinke heute einen Arabica auf Michael Diener, die Allianz in Frankfurt, auf Heinrich Bedford-Strohm und die vielen, vielen anderen, die sich an der Basis für ein friedliches und partnerschaftliches Miteinander einsetzen.

 

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Für sich selbst sorgen

Für sich selbst zu sorgen ist nie etwas Selbstsüchtiges – es ist schlicht gutes Haushalten mit dem einzigen Geschenk, das ich habe, dessentwegen ich auf der Welt bin, um es mit anderen zu teilen. Jedes Mal, wenn wir auf unser wahres Selbst hören und ihm die Fürsorge angedeihen lassen, deren es bedarf, tun wir das nicht nur für uns selbst, sondern auch für die vielen anderen, deren Leben wir berühren.

Parker Palmer

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Die Freiheit des Zweifels

Ein Jahr vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges, des letzten und verheerendsten Religionskrieges auf dem europäischen Kontinent, schrieb der Kroate Marko Gospodnetić, besser bekannt als Markantun de Dominis, damals Erzbischof von Split den Satz „Omnesque mutuam amplecteremur unitatem in necessariis, in non necessariis libertatem, in omnibus caritatem.“

Der zur griffigen Formel Satz ist als „In necessariis unitas, in dubiis libertas, in omnibus caritas“ in die Kirchengeschichte eingegangen: „Im Notwendigen herrsche Einmütigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in allem aber Nächstenliebe“. Sein jesuitischer Autor legte das Bischofsamt im Streit nieder, lehrte zwischendurch in Oxford und Cambridge, bis er nach seiner Rückkehr von der Insel von der Inquisition verhaftet und bis zu seinem Lebensende in der Engelsburg eingesperrt wurde. Seine Bücher wurden nach seinem Tod 1624 verbrannt.

Das Schicksal ihres weisen Autors zeigt schon, dass eine solche Haltung keineswegs immer populär war. Vielmehr hat es zu allen Zeiten die Versuchung gegeben, die notwendige Einheit zu erzwingen und die Liebe dabei zu vergessen, beziehungsweise den Zwang als eine besonders „toughe“ Form der Liebe auszugeben. Wie der dreigliedrige Spruch auch schön zeigt, ist der Ausschluss jeglichen Zweifels (oder psychologisch ausgedrückt: aller Ambivalenz) dabei oft das entscheidende Motiv: Es hat in möglichst allen Bereichen maximale Eindeutigkeit zu herrschen. Also im Zweifel lieber doch keine Freiheit.

Doubt by Beshef, on Flickr
Doubt“ (CC BY 2.0) by Beshef

Funktionieren konnte als dies nur da, wo christliche Kirchen und Gemeinschaften entweder über äußere oder innere Druckmittel verfügten, mit denen sie ihre „Schäfchen“ bei der Stange halten konnten. Heute gelingt das nur noch über psychische Manipulation: Indem man Feindbilder errichtet, Ängste und Vorurteile schürt, das Vertrauen der Menschen in das eigene Urteil schwächt und aus dieser Wagenburg-Mentalität heraus blinde Loyalität beschwört.

Folglich sehen wir heute eben jene ambivalente Entwicklung: homogene Gruppen mit einem sehr „klaren“ Profil (dazu zählen neben chronisch und zwanghaft Ambivalenz-aversen Fundamentalismen unter anderem auch manche Gründungen in der aufregenden Pionierphase) wirken oft ungemein anziehend auf Menschen in einer verwirrend widersprüchlichen, komplexen Welt. Dietrich Bonhoeffer warnte einmal in einem etwas anderen Zusammenhang: „Es ist nun aber die Gefahr in aller starken Liebe, dass man über ihr – ich möchte sagen: die Polyphonie des Lebens verliert.“

Folglich fliehen viele spätestens dann aus der Enge, die anfangs so viel Geborgenheit vermittelte, wenn sie die „Klarheit“ in einen Konflikt stürzt, der nicht mehr aufzulösen ist. Auch hier spielen der Umgang mit Ambivalenzen (eben der „Polyphonie des Lebens“) eine Rolle. Das Scheitern einer Ehe zum Beispiel ist immer schlimm, aber wenn ein Pfarrer den Eindruck erweckt, „richtigen“ Christen könne so etwas ja nicht passieren, ist es eine doppelte Katastrophe für die Betroffenen. Es stellt die Echtheit des eigenen Glaubens und die Beziehungen zur Gemeinde automatisch mit in Frage und schneidet Menschen von der Hilfe ab, die sie dringend brauchen.

Der weise Parker Palmer hat die Alternative so beschrieben:

Authentische Spiritualität will uns öffnen für die Wahrheit – was auch immer die Wahrheit ist, wohin auch immer die Wahrheit uns führt. Eine solche Spiritualität diktiert nicht, wohin wir gehen müssen, sondern vertraut darauf, dass jeder Weg, den wir mit Integrität gehen, uns zur einem Ort der Erkenntnis führt. Eine solche Spiritualität macht uns Mut, Vielfalt und Konflikt zu begrüßen, Ambivalenz auszuhalten und das Paradoxe anzunehmen.

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Der „Rudelschalter“

Jaron Lanier hat im November 2014 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen. In seiner Rede übt er Kritik an „gegen die utopische Aufladung, gegen die Erlösungsversprechen, gegen die Heilslehre einer neuen, technologisch inthronisierten Hypermoderne“ (Zeit Online). Das Internet und Big Data werden die elementaren Probleme nicht lösen, sondern sie scheinen einige davon eher verstärken. Dazu gehört unter anderem die Tendenz, sich mit einer Gruppe zu identifizieren und (so hätte Miroslav Volf das jetzt gesagt) dabei alles andere auszuschließen, indem man es als feindlich einstuft. Lanier wählt ein drastisches Bild, nämlich eine aktualisierte Form des „homo homini lupus“ (Hobbes/Plautus):

Die dunkelste meiner digitalen Ängste betrifft das, was ich den ‚Rudelschalter‘ nenne. Es ist die These von einem hartnäckigen Zug des menschlichen Charakters, der sich dem Frieden widersetzt. Nach dieser Theorie sind die Menschen Wölfe; wir gehören zu einer Spezies, die als Individuum oder als Rudel funktionieren kann. In uns ist ein Schalter. Und wir neigen dazu, uns immer wieder plötzlich in Rudel zu verwandeln, ohne dass wir es selbst bemerken.

Rudelbildung wird, um es mit Bauman zu sagen, aufgrund der Verflüssigung und Schwächung traditioneller Identitäten derzeit immer attraktiver. Den Hintergrund dieser Sorge beschreibt Lanier so:

Die traditionelle Definition von „Frieden“ bezieht sich auf den Frieden zwischen Rudeln oder Klans, und so ist „Stammesgefühl“ vielleicht die gefährlichste unserer Sünden. Es zersetzt uns tief im Wesen. Trotzdem wird Schwarmidentität fast überall als Tugend angesehen. Das Buch der Sprüche im Alten Testament enthält eine Liste von Sünden, darunter Lügen, Mord, Hochmut, aber auch „Hader zwischen Brüdern säen“. Ähnliche Gebote gibt es in allen Kulturen, allen politischen Systemen, allen Religionen, die ich studiert habe. Ich will damit nicht sagen, dass alle Kulturen und Glaubensbekenntnisse gleich sind, sondern dass es eine Gefahr gibt, die uns gemein ist, weil sie in unserer Natur liegt, und die wir abzuwehren lernen müssen. Die Loyalität gegenüber dem Rudel wird immer wieder mit Tugend verwechselt, obwohl – besonders wenn! – Menschen sich selbst als Rebellen sehen. Es tritt immer Rudel gegen Rudel an.“

 

Die Verbindung von Rudelbildung und rebellischem Pathos ist besonders scharf beobachtet. Pegida, im November noch kein großes Thema, wäre dafür sicher kein schlechtes Beispiel. Das nämlich ist die Logik, die „wir sind das Volk“ mit Affekten der Fremdenfeindlichkeit und der Wut auf das Establishment verknüpft. Walter Wink hat den Mob einmal als Beispiel dafür verwendet, dass Gruppen von Menschen (vor allem negative) Dinge tun, die der einzelne vermutlich unterlassen würde. In beide Fällen sorgt die Identifikation mit einer durch Feindbilder bestimmten Gruppe für eine Radikalisierung der Personen und Situationen. Das Kollektiv ist eine eigene Form von Macht.

Lanier sieht als Gegenmittel eine komplexere Form von Identität, die nicht mehr über die Zuordnung zu einem einzigen „Clan“ funktionieren darf:

Das Beste wäre vielleicht, wenn jedes Individuum vielen verschiedenen Gruppen angehörte, so dass kaum klare Klans erkennbar wären, die gegeneinander antreten könnten. Während der digitalen Anfänge vor ein paar Jahrzehnten war genau das meine Hoffnung für digitale Netzwerke. Wenn sich in einer besser verbundenen Welt jeder Mensch zu einer verwirrenden Vielfalt von „Teams“ zugehörig fühlen würde, wären die Loyalitäten vielleicht zu komplex, als dass traditionelle Rivalitäten eskalieren könnten. Das ist auch der Grund, warum mir der Trend sozialer Netzwerke Sorgen bereitet, die Leute in Gruppen zusammenzutreiben […] Die Welt kommt mir jedes Mal vor wie ein besserer Ort, wenn mir jemand begegnet, der sich mehreren Sportmannschaften verbunden fühlt und sich bei einem Spiel nicht entscheiden kann, zu wem er hält. Dieser Mensch ist begeistert, aber er ist auch verwirrt; plötzlich ist er ein Individuum und kein Teil eines Rudels mehr. Der Schalter wird zurückgesetzt.

Volf plädierte schon vor ein paar Jahren in Von der Ausgrenzung zur Umarmung ganz analog für eine hybride Identität, die sich mehr über die Beziehung als den Ausschluss. Wer das Buch noch nicht Gelsen hat, sollte spätestens jetzt einen tiefen Blick hinein werfen. Er schreibt im Blick auf ein christliches Selbstverständnis:

Die Distanz zu unserer eigenen Kultur, die aus dem Geist der neuen Schöpfung geboren ist, sollte uns aus dem Griff unserer Kultur lösen und uns fähig machen, mit ihrer Fluidität zu leben und ihre Hybridität zu bejahen. Andere Kulturen sind keine Bedrohung für die Reinheit unserer unverdorbenen kulturellen Identität, sondern eine mögliche Quelle für ihre Bereicherung. Sich überschneidende und überlagernde Kulturen können, wenn in ihnen Menschen leben, die mutig genug sind, nicht einfach nur dazuzugehören, einander zu einer dynamischen Vitalität verhelfen.

Mutig genug… da liegt die Herausforderung.

Bei aller nötigen Opposition gegen Pegida und ähnliche Bewegungen hilft es daher auch nicht, bloß „zurückzurudeln“. In der Tatortfolge „Hydra“ über den Mord an einem Neonazi sagte der Dortmunder Kommissar Faber neulich „Deutscher, Grieche, Türke, Holländer – Nazi kann jeder … Vergessen sie den Nazi. Fischer war ein Mensch.“ Wink spricht davon, dass es darum geht, zu erkennen, wie ähnlich mein Feind mir sein kann – weil wir beide Menschen sind.

Rudel kann jeder. Es tut unterm Strich niemandem gut.

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Joseph – der fromme Ausbeuter

Joseph kam in meiner Kinderbibel vor als Träumer, als leicht verzogenes Kind, als Opfer seiner Brüder, als weiser und frommer Mann, der am Ende vom Pharao (im Grunde freilich von Gott) mit großem Einfluss belohnt wird.

Die hässliche Seite fiel mir erst durch die Lektüre von Richard Horsleys Buch Jesus and the Powers: Conflict, Covenant, and the Hope of the Poor auf. Nachdem Joseph Karriere gemacht hat und die Lagerhäuser durch sieben fette Jahre gefüllt sind, spielt sich folgendes Drama ab, das nicht ohne aktuelle Parallelen ist. Allerdings eben mit Joseph diesmal auf der dunklen Seite der Macht, denn er nutzt die Krise geschickt zur Bereicherung der Aristokratie auf Kosten der Bauern und Handwerker:

Was nun folgte, könnte man als Erpressung im großen Stil bezeichnen, wäre sie uns nicht so vertraut aus den Praktiken heutiger Großkonzerne, die Angebot und Nachfrage manipulieren, während sie nach Auen hin unter dem heiligen, unpersönlichen Gesetz von Angebot und Nachfrage verfahren. Als die Hungersnot ernst wurde und die Menschen nach Getreide riefen, verlangte Joseph im Gegenzug all ihr Hab und Gut, vermutlich also (da Geld noch nicht erfunden war) Edelmetalle, Schmuck und andere bewegliche Wertgegenstände. Als die hungernden Menschen erneut um Korn baten, forderte Joseph von ihnen ihr Vieh (Zugtiere, Herden). Als die verzweifelten Menschen schließlich erneut um Linderung der Not baten, hatten sie keinen anderen Gegenwert mehr anzubieten für das, was sie bekamen, als ihr Land und ihre Arbeitskraft. (S. 21)

In der Bibel lesen wir, wie es weiterging:

Warum sollen wir vor deinen Augen umkommen, wir selbst und auch unser Ackerland? Kauf uns und unsere Äcker um Brot! Wir und unser Ackerland wollen dem Pharao dienstbar sein. Stell Saatgut zur Verfügung, so werden wir am Leben bleiben, wir müssen dann nicht sterben und das Ackerland braucht nicht zu verkommen.

Josef kaufte also das ganze Ackerland der Ägypter für den Pharao auf; denn die Ägypter verkauften alle ihr Feld, weil sie der Hunger dazu zwang. So wurde das Land Eigentum des Pharao. Das Volk aber machte er ihm Leibeigen von einem Ende Ägyptens bis zum andern.

… Nun sprach Josef zum Volk: Seht, heute habe ich euch und euer Ackerland für den Pharao gekauft. Hier habt ihr Saatgut; bestellt nun die Äcker! Vom Ertrag liefert ihr dann ein Fünftel dem Pharao ab, vier Teile aber gehören euch als Saatgut für das Feld sowie als Nahrung für euch, für die Leute in euren Häusern und für eure Kinder.

Da antworteten sie: Du hast uns am Leben erhalten. Wenn wir das Wohlwollen unseres Herrn finden, wollen wir gern dem Pharao als Knechte dienen. So verfügte Josef als gültiges Recht bis auf den heutigen Tag, dass das Ackerland Ägyptens zugunsten des Pharao mit einem Fünftel zu besteuern ist. (Gen 47:19-26)

Freie werden zu Leibeigenen, Steuern werden eingeführt oder erhöht, die freilich auch nach dem Ende der Krise fortbestehen, Ausnahmen gibt es nur für die Eliten, zu denen auch (da versteckt sich die religiöse Dimension) die Priester gehören. reiche werden reicher und Arme ärmer. Die Josephsgeschichte beschreibt hier eine Entwicklung, die im gesamten alten Orient ähnlich verlief. Sie ist insofern brandaktuell, als Oxfam diese Woche meldete, dass ab 2016 das eine Prozent der Reichen auf der Welt mehr haben wird, als die restlichen 99% zusammen.

Die innerbiblische Pointe: Das Sklavensystem, aus dem Mose Israel später mühsam befreit, geht – nach dieser Darstellung im Buch Genesis – unter anderem auch auf Joseph zurück. Also – mein Bild des biblischen Joseph ist nun erst einmal erschüttert.

(Bild: With Famine Crisis, Thousands of Somalis Flee to Ethiopia Refugee Camps, United Nations Photo, Lizenz: creative commons 2.0)

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Danach

Danach hörte ich etwas wie eine große Stimme einer großen Schar im Himmel, die sprach: Halleluja! Das Heil und die Herrlichkeit und die Kraft sind unseres Gottes! (Offenbarung 19,1)

Danach

Nach den Schalen der Zorns,
nach dem siebenfachen Ton der Posaune,
nach dem Öffnen der Siegel

Nach Krieg, Zerstörung, Feuer und Gericht
Nach dem Sturz der Stadt, die den Erdkreis tyrannisiert hat
Nachdem die Geschäftemacher und Geldwäscher sich die Augen ausgeweint haben

Nach Verfolgungsjagden vom Himmel auf die Erde und wieder zurück
Nach Dramen mit Drachen und Monstern
Nach Flucht und Vertreibung
Nach Angst und Verblendung

Nach Charlie Hebdo und Boko Haram
nach Genoziden in Afrika und dem Nahen Osten, an Juden, Muslimen und Christen
nach brennenden Textilfabriken ohne Notausgang
nach Kindersoldaten und Genitalverstümmelung
nach verseuchtem Nigerdelta, verstrahltem Fukushima und verqualmtem Amazonasbecken

Nach Jahrhunderten von Krieg, Ausbeutung und Sklaverei
nach Zwangsbekehrungen zum jeweils rechtesten Glauben
nach Zensur der Wahrheit und Mord an den Propheten
nach Korruption, Opportunismus und Gleichgültigkeit derer, die etwas hätten ändern können
nach Jahrhunderten der Unterdrückung von Frauen, Arbeitern und Dissidenten
nach einer Ewigkeit von Egoismus und Verrat, Zerwürfnissen und bösen Worten
nach Lügen, Feigheit und Verzweiflung

Danach:

Ein Flashmob aus Märtyrern und Engeln, halbseidenen Heiligen und himmlischem Hofstaat
tanzt auf den Straßen, denn die Grenze zwischen Himmel und Erde wird gerade abgebaut
heute ist Berlin überall, die Checkpoint Charlies öffnen die Schranken,
die Invasion des Heils hat begonnen.
„Das tritt nach meiner Kenntnis… ist das sofort, unverzüglich“,
stottert ein überrumpelter Politiker
und der Versprecher des einen erfüllt das Versprechen des Dreieinen.

Ein großer Chor erhebt seine Stimme – eine Stimme – und stimmt das Lob des einen an.

Des einen, der jeden Schrei seiner Geschöpfe gehört, jeden Schmerz geteilt,
jedes Unrecht gehasst, jede Bosheit ertragen hat
dem jede beschmutzte Ehre und verletzte Würde heilig sind
Der sich an jede Grausamkeit erinnert, die die Welt verdrängt und vergessen hat
Der jeden vergessenen Namen noch weiß,
Der sich eine Fortsetzung ausgedacht hat
für jedes Leben, das zu früh zu Ende ging
der jede verschlagene Heimlichkeit
von den Dächern rufen lässt

Alle Lieder, die je gesungen wurden, münden in ein einziges großes Brausen
ein kosmisches Crescendo aus donnerndem Gewitter und rauschenden Sturzbächen
– vielleicht wie 1928 in Paris die tumultartige Uraufführung von Ravels berühmten Bolero
als eine Frau im überwältigten Publikum schockiert ausrief „Hilfe ein Verrückter!“
und der Komponist zur Antwort gab: „Die hat’s kapiert.“

Und nun gibt es, nach all dem Leid und all den düsteren Jahren
kein Halten mehr
für alle, die verrückt genug waren, an diese Verheißung zu glauben,
für alle, die kapiert haben,
dass es mit dem Heil der Welt ganz leise beginnt
dass ein Instrument zum anderen kommt
bis der Saal schließlich so voll Musik ist
dass du Herzrasen bekommst.

Und wir – sind dabei!

Das Brot wird endlich gerecht geteilt
der Wein fließt reichlich
die Tränen sind abgewischt
Die Versuchung hat jeden Reiz verloren
und der Kampf mit dem Bösen jeden Schrecken
der Tod sucht verzweifelt seinen Stachel.

Aus dem unscheinbaren Senfkorn,
dessen zarte Triebe tausendmal niedergetreten wurden,
ist ein großer Baum geworden
Die winzige Portion Sauerteig hat den ganzen Teig durchdrungen
Der Schatz ist ausgegraben
Die unbezahlbare Perle funkelt in allen Farben des Regenbogens
Das Netz ist eingeholt, den Fischern gehen die Augen über
und das Boot fast unter über der Menge des Fangs.

Und bis dahin?

Das Reich, von dessen Kommen Jesus in so vielen Bildern spricht,
ist unterwegs, aber noch nicht da
so lange Menschen aus Angst, Hass, Gier und Mutwillen aufeinander losgehen
so lange Trennungen und Spaltungen unsere Welt – und mit ihr die Kirche – zerreißen

Der Seher Johannes schaut zurück auf die Auferstehung
und sieht die Zukunft der Welt in ihrem Licht
Sein Ruf gilt der Märtyrerkirche, nicht dem Wohlstandschristentum:
Gott will, dass wir durchhalten statt zu resignieren oder faul und gleichgültig zu werden

Er ist Trost für die Pilger und Warnung an die Sesshaften und Etablierten
Er ist eine Einladung auf den Platz zwischen den Stühlen
nicht die „goldene Mitte“ perfekter Balance und kluger Vermessung
Sondern der Abgrund, über den die Geschosse fliegen und in dem Verwundete liegen.

Es ist ein Weckruf an alle Gemeinschaften, die dem Zeitgeist folgen, der sagt
„Die Welt ist mir zuviel, und ich selbst bin mir genug“.
An die Hobbit-Mentalität, die sich im behaglichen Beutelsend einrichtet
die dort Gleichgesinnte willkommen heißt und Fremden misstraut
und sich nicht zuständig fühlt für die Welt „da draußen“

Gott hat andere Interessen
als rein privates Glück.
Sein Reich
ist mehr als mein Reich und dein Reich
und sein Reich und ihr Reich.

Er wurde arm, damit wir reich werden
schreibt Paulus  – nicht ohne Ironie – ins reiche Korinth
Er wurde schwach, um die Starken bloßzustellen
und wen er erwählt, den macht er auch schwach.

Denn sein Reich gehört den Ohnmächtigen
den Armen
den Sanftmütigen
den Trauernden
den Hungrigen und Durstigen
den Versöhnern und Friedensstiftern

* * *
Es war die Woche vor Pfingsten
Ich verbringe ein paar stille Tage im Frankenwald
Beim Morgengebet in einer Kapelle sprechen alle das Vaterunser
und während ich die letzte Zeile mitspreche
scheinen die Worte in mir zu explodieren
Die Luft vibriert und die Farben erscheinen in funkelndem Glanz
Als hätte jemand den Grauschleier über den Dingen weggezogen

Ein Rhythmus formt sich in meiner Seele
Denn Dein – ist das Reich – und die Kraft – und die Herrlichkeit
mit jeder Wiederholung wird er intensiver
(erging es ihnen beim Komponieren auch so, Maurice Ravel?)
Der Wind in den Bäumen und die Stimmen der Vögel
ist voller Harmonien zu dieser Melodie in meinem Kopf.

Eine unbändige Energie strömt durch meinen Leib
ich möchte aufstehen, tanzen, losrennen
„blindlings und absichtslos“ auf Gott zu.
Ein Panzer aus Jahrzehnten von Melancholie,
der sich so eng um meine Brust gelegt hatte, dass ich ihn für einen Teil von mir hielt,
wird von dieser Freude gesprengt.

Ich gehe hinaus in den singenden Wald, der Boden federt unter jedem Schritt
Sorgen, Traurigkeit, Ängste und Konflikte schrumpfen auf Normalmaß

Alles ist noch da:
Das Schöne und das Schmerzhafte,
heile und angespannte Beziehungen,
Bewältigtes und Unbewältigtes
aber nichts überwältigt mich mehr.

Ein Tisch ist mir gedeckt im Angesicht der Feinde.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen
Lebenslänglich.
Ich kann an diesen Platz
immer zurückkehren

Manchmal wird die Ahnung vom glücklichen Ende schon so stark, dass wir mutig werden
Dann stimmen wir das Lied der Erlösten an,
weil die Heimkehr in das Verheißene schon begonnen hat
weil Babylon, ob es am Hudson, der Themse, dem Jangtse oder am persischen Golf liegt
mit seinen Hotel- und Bankentürmen, Wellnessoasen und Nobelkarossen, Stars und Glamour
weniger Herrlichkeit hat als eine Lilie auf dem Feld.

Ohne Vorfreude geht nichts im geistlichen Leben.
Verbissen werden wir die Welt nicht verändern.
Das Danach verändert das Jetzt.
Es beginnt ganz leise.

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Trouble im Treppenhaus?

Seit Oktober haben wir neue Gemeinderäume, die alten waren zwar wunderschön gelegen und stilvoll in einem Altbau, aber schon seit geraumer Zeit eigentlich zu klein. Nun haben wir endlich ausreichend Platz, dafür in einem sehr nüchternen Gebäude und ohne Blick in den Park.

Wir teilen uns den Treppenaufgang mit einer Thai-Massagepraxis. Die Damen, die dort arbeiten, sind sehr freundlich. So weit ich das verstanden habe, sind einige von ihnen Christinnen, und sie haben sich große Mühe gegeben, den reichlich schmucklosen Treppenaufgang zu verschönern. Eine Zeit lang standen dort Bambuspflanzen, jetzt sind es kegelförmige, glitzernde Deko-Elemente mit Teelichtern auf der Spitze und zwei Statuen in asiatischem Stil mit knienden Frauen, die eine Blumenkette tragen.

Nachdem man in praktisch keinen deutschen Friseursalon gehen kann, ohne eine Buddhafigur dort anzutreffen, die wohl vor allem die Illusion wecken soll, beim Waschen, Schneiden und Färben sei neben der schon reichlich genutzten auch eine Art höhere Chemie am Wirken, es gehe also irgendwie auch spirituell und ganzheitlich zu, finde ich die Frauen mit der Blumenkette schon einen Gewinn.

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Sei’s drum: Neulich kam uns ein Mitchrist (aus einer anderen Gemeinde) besuchen und fragte schon bei der Begrüßung süffisant, warum wir denn „die Buddhas da draußen“ noch nicht „weggebetet“ hätten. Ich biss mir kurz auf die Zunge und fragte dann zurück

  • ob er sich die Statuen genau angesehen habe und sich sicher sei, dass es sich um Buddhas handele
  • oder ob er vielleicht fände, asiatisch anmutende Kunst sie als solche schon religiös negativ zu bewerten
  • ob er lieber deutsche Bilder und Symbole dort sehen würde

Müssen wir, anders gefragt, optisch und konfessorisch etwas dagegen setzen? Mehr als ein verlegenes Lächeln kam nicht mehr zurück. Wir sind immer noch dabei, innen alles schön zu gestalten. Vielleicht fällt uns irgendwann noch etwas für das Treppenhaus ein. Aber einen Glaubenskrieg wird es dort nicht geben, weder einen christlich-buddhistischen, noch einen zwischen Abend- und Morgenland.

„Wegbeten“ würde ich dagegen gern solche Denkmuster und Reflexe unter meinen Mitmenschen, die alles Fremde für eine Bedrohung halten, deren graue Frömmigkeit eine bunte Gesellschaft nicht erträgt, die sich in irgendwelchen überholten Frontstellungen eingeigelt haben und die aufgrund von Äußerlichkeiten negativ über Menschen urteilen.

Und wenn mir dass nächste Mal jemand diese Frage stellt, weiß ich nicht, ob es wieder meine Zunge sein wird, auf die ich beiße…

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