Spirituelle Raumpflege

Das kleine Buch „Das Heilige im Alltag wieder entdecken“ von Llewllyn Vaughan-Lee und Hilary Hart hat mich in der letzten Woche begleitet. Von den vielen inspirierenden Gedanken, die es enthält, greife ich hier nur einen heraus. Ein Weg, das Heilige zu entdecken, ist für die Autoren das Putzen. Ein Schlüsselsatz darin lautet:

„Wirkliches Reinigen ist ein Ritual, so einfach und existenziell wie die Aufmerksamkeit, die wir unserem Essen schenken (…). Es erinnert uns daran, wo wir sind und wie wichtig es ist, uns dort, wo wir uns täglich aufhalten, um den heiligen Raum zu kümmern. Das Reinigen als Praxis schenkt uns die Klarheit, die gewöhnlichen Dinge zu sehen und wertzuschätzen.“

Jeder Raum kann (und soll) Raum für das Heilige bieten. Und das geht nur, wenn er nicht vermüllt ist mit den Dingen, die wir gedankenlos anhäufen. Für Vaughn-Lee sind das, im Übrigen nicht nur materielle Dinge.

Mich aber beschäftigt die materielle Seite, seit ich das gelesen habe. Ich frage mich, ob eine Sakristei ein aussagekräftiges Bild für den Zustand einer Gemeinde sein kann. Bevor jetzt alle an Jordan Peterson denken und dessen paternalistisches „bevor-du-die-Welt-verändern-willst-räum-erst-mal-dein-Zimmer-auf“, muss ich das kurz erklären:

Viele Sakristeien, die ich gesehen habe, sind eine Mischung aus Umkleide für Pfarrpersonen, Technikraum und Rumpelkammer. Alles, was nirgendwo sonst einen festen Ort hat, wird da abgestellt. Oft auf Verdacht – es wird schon irgendwer irgendwann mal wieder brauchen können (nebenbei: nach demselben Motto bekommen wir auch immer wieder mal gebrauchte Sofas angeboten. Fürs Wohnzimmer nicht mehr gut genug, da steht jetzt ein neues, aber bevor es auf den Sperrmüll kommt, vielleicht hat die Kirche, vor allem die Jugend…?).

Eine Sakristei aufzuräumen oder zu entrümpeln ist deshalb so schwierig, weil sie nicht einer einzelnen Person gehört.

Share

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert