Galeonsfigur

Time widmet seine Titelstory Rick Warren, der Obama und McCain demnächst befragen wird, und seinen P.E.A.C.E Plan. Ein erfreulich sachlicher Bericht über den wohl einflussreichsten Kirchenmann in den USA und die stetig fortschreitende Lösung der evangelikalen Bewegung von der Religiösen Rechten.

Ich hoffe, die Kollegen von der Zeit lesen das auch, bevor sie wieder so einen Artikel fabrizieren, der alles in einen Topf wirft.

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Der letzte Feind

Ein Onkel verstarb diese Woche unerwartet. Bisher haben wir nur die Generation der Großeltern beerdigt, irgendwie schien der Tod da noch weiter weg, und meistens war eine mehr oder weniger lange Krankheit vorausgegangen. Das war diesmal anders, vielleicht hat es mich auch deswegen so beschäftigt. Auf der Fahrt nach Detmold habe ich daran denken müssen, dass dieser Onkel bei den Familienfesten immer der war, der am herzlichsten lachte. Als ich am Grab stand und auf den Sarg schaute, malte ich mir aus, dass ich dieses Lachen irgendwann einmal wieder höre.

Christliche Beerdigungen sind auch ein Protest gegen den Tod. Wir nehmen ihn nicht achselzuckend als biologische Notwendigkeit hin, sondern machen uns bewusst, dass da eine einzigartige Person mit einer unverwechselbaren Geschichte aus unserem Leben und dieser Welt herausgerissen wurde, und dass das zutiefst unnatürlich ist (alles andere erinnert mich irgendwie an Cowslip in Richard Adams‘ „Watership Down„, wo der Tod totgeschwiegen wird und jeder nur still hofft, dass er nicht der nächste ist).

Also lassen wir uns unterbrechen, kommen zusammen und schieben die Trauer nicht einfach weg, indem wir noch etwas härter arbeiten. Wir schauen dankbar zurück und machen uns bewusst, was wir an einander hatten, statt den Verlust herunterzuspielen. Kerzen und Blumen sind keine hilflosen Gesten, sondern machen die Hoffnung anschaulich. Wir arrangieren uns nicht mit dem Tod, sondern betrachten ihn als den letzten Feind, dem wir gemeinsam ins Auge sehen. Er hat scheinbar einen Sieg errungen und wir fühlen den Schmerz, aber wir wissen zum Glück auch, dass das nicht das letzte Wort war und hoffen auf Gott, der den Tod entmachtet hat. Für alle, die schon gestorben sind, und für uns selbst.

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Bumerang

„Freundlichkeit ist ein Bumerang – sie kommt zurück.“ Diesen Satz las ich gestern an der Reparaturannahme einer Autowerkstatt. Beim Hinausgehen habe ich mich gefragt, warum das Schild eigentlich da stand. Denn wenn die Mitarbeiter das glauben, behandeln sie die Kunden so freundlich, dass es von selbst wirkt.

War das also eher eine dezente Einladung an den Kunden, das Personal gut zu behandeln? Anders gefragt: Wenn ich jetzt unfreundlich gewesen wäre, hätte ich dann eine unfreundliche Antwort bekommen? Ich kam allmählich ins Grübeln.

Solche und ähnliche Sprüche gibt es ja auch in unseren Gemeinden. Wenn wir sie aber auf Schilder schreiben und aushängen, könnten die Gedanken, die das bei Gästen auslöst, selbst zum Bumerang werden. Das wäre dann eher Stoff für eine Stromberg-Folge, wenn es die nicht schon längst gibt.

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